Mormonen - Das Evangelium in aller Welt

Zwischenfall in einem samoanischen Dorf

Apia, Insel Opolu, West-Samoa. Durch die immer offenstehende Tür des Büros der Samoanischen Mission schritt im vergangenen März eine junge Frau, die Missionspräsident Charles I. Sampson zu sprechen wünschte. Sie hatte einen Brief ihres Vaters aus dem Dorf Lotofaga bei sich, der im wesentlichen folgendes besagte: „. . . Wir möchten uns Ihrer Kirche anschließen. Können Sie einen Missionar zu unserer Familie schicken? Wir möchten, daß am kommenden Sonntag bei uns Gottesdienst abgehalten wird."
Präs. Sampson faßte sofort den Entschluß, die Familie zu besuchen. Zusammen mit seinen zwei Ratgebern machte er sich am selben Nachmittag auf den Weg zum betreffenden Dorf. Schon bald nach ihrer Ankunft erfuhren sie die Geschichte, die hinter dem Brief steckte. Die Eingeborenen des Dorfes Lotofaga hatten einer Missionsgemeinde der stärksten Religionsgemeinschaft der Insel angehört.

Der Pfarrer hat Bedenken

Nun hatten sie einer anderen Gemeinde in einem Nachbardorf bei der Weihe eines großen, neuen Kirchengebäudes behiflich sein wollen. Der Pfarrer war jedoch stark dagegen und ließ sie darüber auch nicht im Unklaren. Infolgedessen waren die Leute über ihren Pfarrer und seine Haltung so verstimmt, daß sie eine neue Gemeinde organisieren wollten.
Als die Familienoberhäupter des Dorfes zur Erörterung des Problems zusammenkamen, war — als Haupt seiner Familie — auch Ama dabei anwesend, ein alter Eingeborener, der bei allen im Dorfe in hohem Ansehen steht.
Als Knabe hatte er die Schule der Heiligen der Letzten Tage in Sauniatu besucht, wo ihn die Ältesten das Evangelium gelehrt und wo er getauft worden war. Nach seiner Rückkehr ins eigene Dorf hatte er aber auf Wunsch seines Vaters die Versammlungen der Missionsgemeinde besucht, da es in jener Gegend keine Gemeinden der Heiligen der Letzten Tage gab.

Der Brief

In dieser Missionsgemeinde hatte er in den folgenden Jahren sogar eine aktive Rolle gespielt. Jetzt aber, da die Familien zusammensaßen, um das Problem zu besprechen, besann Ama sich wieder auf seine Schulzeit in Sauniatu, die dortigen Ältesten und das Evangelium Jesu Christi, das ihm vor so manchen Jahren gelehrt worden war.
Er brachte diese seine Erinnerungen an die Kirche zur Sprache, und so geschah es, daß sein Sohn den Brief schrieb, der Präs. Sampson dann überbracht wurde.
Als Präs. Sampson und die zwei Ältesten sich nun in Lotofaga mit den Vertretern der Familien trafen, beschlossen sie, das Evangelium in einer Sonntagsschule zu lehren. Die erste Versammlung sollte am darauffolgenden Sonntag abgehalten werden.
Am Freitag, zwei Tage nach diesem Entschluß, kam jedoch ein Bruder Amas ins Missionsquartier mit der Warnung, daß es in Lotofaga zu großen Schwierigkeiten kommen würde, wenn die Mormonen-Missionare am Sonntag nach Lotofaga kommen sollten.
„Die Menschen in Samoa besitzen völlige Religionsfreiheit", antwortete Präs. Sampson. „Sie haben uns gebeten, hinzukommen und mit ihnen sonntagsmorgens die Sonntagsschule abzuhalten. Wir haben ihnen versprochen zu kommen, und wir werden selbstverständlich unser Versprechen halten."
Es wurden zwei Älteste ausgewählt, um die Erwachsenen- und die Jugendklasse zu leiten, während zwei Missionarinnen eine Kinderstunde vorbereiteten. Alles wurde auf das sorgfältigste überlegt, damit die ersten Sonntagsschulstunden wirklich zu einem Höhepunkt im Leben der Menschen von Lotofaga werden würden.
Nach dem Sonntagsmorgengebet setzte sich das mit hoffnungsvollen und demütigen Missionaren vollbesetzte Missionsauto in Richtung auf Lotofaga, am anderen Ende der Insel Upolu, in Marsch. Die Missionare wurden mit großer Freude begrüßt, und 47 Dorfbewohner wohnten der Stunde bei. Sie schienen sehr aufgeschlossen und lernbegierig zu sein.

Unterrichtsmaterial wird verteilt

In den folgenden Wochen wurde unter den erwachsenen Schülern Unterrichtsmaterial verteilt. Zur Weiterbildung wurden den Leuten übersetzte Zusammenfassungen einer jeden Stunde gegeben. Die zwei Missionarinnen verbrachten viele Stunden beider Ausarbeitung von Lehrmaterial in samoanischer Sprache und bei der Beschaffung von Anschauungsmaterial. Sie lehrten die Kinder das Gebet, die biblische Geschichte und einiges über die Propheten der Letzten Tage.
Als die Menschen aus dem Dorfe in dieser Weise mehr und mehr über das Evangelium erfuhren, dauerte es nicht lange, bis manche von ihnen um die Taufe nachsuchten. Als Zeitpunkt wurde der 4. Mai festgesetzt. Zwei Älteste unterhielten sich eingehend mit allen, die getauft werden wollten, und stärkten sie in ihrem Vorsatz, ihrer alten Lebensweise zu entsagen und ein neues Leben zu beginnen.
Inzwischen regte sich aber der Widerstand. Ein- oder zweimal wöchentlich besuchte eine ganze Anzahl von Funktionären der Missionsgesellschaft das Dorf, um die Leute von der Untersuchung des Evangeliums abzuhalten. Nun ist es in Samoa Brauch, daß man einen Besucher bewirten muß. Und wenn Sie irgend jemand zu etwas überreden wollen, so wird er sich traditionsgemäß früher oder später Ihren Wünschen fügen, wenn Sie ihn nur oft genug besuchen und die Kosten Ihrer Bewirtung ihm allmählich zu schwer werden.
Schließlich brach der 4. Mai heran. Rund 60 Samoaner aus Lotofaga fuhren an jenem Tage zur Taufe ins Missions - Hauptquartier, um jede Schwierigkeit oder Verwirrung zu vermeiden, die die Feierlichkeit hätte beeinträchtigen können.

Die Kava-Zeremonie

Nach samoanischem Brauch wurde für die Erwachsenen nach ihrer Ankunft eine Kava-Zeremonie gehalten. Die zwei Missionarinnen brachten die Kinder und die jungen Mütter zum Besuch in die Gemeinde-Volksschule in Pesega, wo die Kinder den ganzen Schulbetrieb mitmachten und die Mütter sich von der Organisation und Ausstattung der Schule sehr beeindruckt zeigten. Nach der Kava-Zeremonie besichtigten die Erwachsenen das ganze Missionsgelände und waren über Ausdehnung und Schönheit der Anlagen sehr erstaunt.
Am Nachmittag wurden 43 Menschen aus Lotofaga von drei samoanischen Jungen, die das Priesteramt bekleideten, getauft. Die Feier lockte viele Neugierige und Interessierte aus anderen Dörfern heran. Unter den Zuschauern befand sich auch ein Polizist, um im Bedarfsfalle einzugreifen.
„Beim Besuch der Sonntags-Gottesdienste ging in den Menschen wahrlich eine Veränderung vor sich", berichtete Präs. Sampson. „Sie erlangten ein Zeugnis des Evangeliums, und je mehr sie es annahmen und nach seinen Grundsätzen lebten, um so gesünder und glücklicher wurden sie."
Am 26. Mai wurde Ältester Te'O zum Präsidierenden Ältesten der neugegründeten Gemeinde in Lotofaga gewählt. „Die neuen Heiligen akzeptieren und lieben ihn. Sie machen rasche Fortschritte und finden wahre Freude im Evangelium Jesu Christi", fügt Präs. Sampson begeistert hinzu.

Der Stern September 1954


02:31 - 8.11.2012


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