Mormonen - Das Evangelium in aller Welt

Neukaledonien

Die Neukaledonier haben mehrere Namen für ihre Heimat im Südpazifik. Die Ureinwohner nennen die Insel Kanaky (Heimat der Menschen). Als die Franzosen die größte Insel Neukaledoniens im 19. Jahrhundert kolonisierten, gaben sie ihr den Namen Grande Terre (große Erde). Heute wird Grande Terre von ihren Bewohnern auch als Le Caillou (der Fels) oder Ile de Lumiere (Insel des Lichts) bezeichnet. Alle Namen passen — vor allem auf die Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, die im Licht des wiederhergestellten Evangeliums baden und auf dem Fels bauen, der Jesus Christus ist.

Neukaledonien gehört zu Melanesien, das sich im Südpazifik von Neuguinea bis nach Fidschi erstreckt. Im Norden wird es von Mikronesien und im Osten von Polynesien begrenzt. Neukaledonien selbst liegt etwas mehr als eineinhalbtausend Kilometer vorn australischen Festland entfernt mitten im Pazifik. Die meisten Bewohner leben auf Grande Terre, in der Hauptstadt Noumea. Weil Neukaledonien französisches Territorium ist, ist die Amtssprache Französisch.

Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist noch relativ neu in Neukaledonien. Im Gegensatz zu Französisch-Polynesien, wo es schon 1844 Missionare der Kirche gab, am Neukaledonien erst vor wenigen Jahrzehnten in Kontakt mit der Kirche, als nämlich Mitglieder aus Polynesien nach Noumea zogen, um dort zu arbeiten. Unter ihnen war auch ein junger Mann aus Tahiti namens Teahumanu Manoi. Seine Geschichte und die Geschichte von seiner Berufung als erster Distriktspräsident Neukaledoniens ist auch gleichzeitig die Geschichte von den Anfängen der Kirche auf dieser Insel. Seine Amtsnachfolger – zuerst Ricardo Gaya, ein Europäer, und jetzt Abel Seiko, ein Melanesier – bilden die nächsten Kapitel. Es war kein Zufall, daß er auch am selben Tag heiratete. Teroti hätte ihn sonst nämlich nicht geheiratet. Ihre Eltern gehörten zur Kirche, und Teroti war mit acht Jahren getauft worden. Und weil sie fest entschlossen war, nicht außerhalb der Kirche zu heiraten, gab sie sich alle Mühe, Teahumanu zu bewegen, sich mit der Kirche zu beschäftigen.

Doch Bruder Manoi weigerte sich zuerst, weil sein Vater Geistlicher der Protestantischen Kirche in Tahiti war. Doch weil er Teroti liebte, fing er an, die Literatur zu lesen, die sie ihm gab. Als er im Buch ,Lehre und Bündnisse' vom Zehnten las, bekehrte er sich. Ein unbezahltes Laienpriestertum, das einer Gemeinde vorstand, die ihre Kirche durch den Zehnten unterstützte — das erschien ihm sehr viel christlicher als das, was er in anderen Kirchen erlebte. „Christus hat für seinen Dienst ja auch kein Geld genommen”, sagt er. „Warum also sollen seine Knechte nicht auch dienen, ohne dafür Geld zu bekommen?”
Doch wie viele Neubekehrte erlebte auch Teahumanu, wie das Licht des Evangeliums, das ihm zuteil geworden war, durch weltlichen Druck schwächer wurde, der seine ursprüngliche Hingabe zur Kirche beeinflußte. 1957 zog Bruder Manoi mit seiner Familie nach Noumea, um sich dort eine Arbeit zu suchen. Dort fing er an zu rauchen und zu trinken. Terori war damit überhaupt nicht einverstanden und kehrte deshalb zu ihren Eltern nach Tahiti zurück. Teahumanu reiste ihr nach — mir ziemlich viel Unbehagen. Bei der Eheschließung hatte Terotis Vater ihm nämlich gesagt: „Ich übergebe sie dir jetzt zu treuen Händen. Wenn sie jemals wieder zu uns zurückkehrt, kannst du dich auf etwas gefaßt machen!” Teahumanu bat sowohl Teroti als auch ihren Vater um Verzeihung und versprach, seine schlechten Angewohnheiten für immer aufzugeben. Dieses Versprechen hat er auch gehalten.

Die Manois kehrten 1959 nach Noumea zurück. 1961, zwei Jahre später, wurde der Zweig Noumea gegründet. Bruder Manoi wurde als Zweigpräsident berufen.
„Der Zweig war mein Leben”, sagt Bruder Manoi. „Aber die Versammlungsräume waren nicht gut. Während der Versammlungen standen die Leute entweder an der Kinokasse Schlange, oder der Besitzer klapperte mit seinen Whiskeyflaschen. Wir brauchten ein eigenes Gemeindehaus.”

1970 wurde schließlich ein Grundstück gekauft. Das Geld, das der Zweig beisteuern mußte, wurde unter anderem durch das Vorführen polynesischer Tänze aufgebracht, wenn Kreuzfahrtschiffe Touristen nach Noumea brachten. Nach einer solchen Vorführung auf einem Schiff lud der Kapitän die Mitglieder des Zweiges in seine Kajüte ein. Dort erfuhren sie, daß er ein  Heiliger der Letzten Tage war und aus Utah stammte. Die Mitgliedschaft in der Kirche diente als Bindeglied zwischen ihnen. Das war ein sehr schönes Erlebnis, denn zur damaligen Zeit hatten die Mitglieder kaum Kontakt mit anderen Mitgliedern außerhalb der Inseln.

1968 deuteten sich die ersten Veränderungen an. Damals weihte Elder Thomas S. Monson vom Kollegium der Zwölf Apostel Neukaledonien für die Verkündigung des Evangeliums. Außerdem kamen die ersten Missionare in das Land — Harold und Jeannine Richards. AIs erstes bekehrten sie den dreizehnjährigen Etienne Sun. Weitere Missionare folgten, weitere Menschen bekehrten sich, und 1976 wurde der Zweig Noumea geteilt. Im selben Jahr wurde auch der Distrikt Neukaledonien gegründet, der zur Mission Suva auf Fidschi gehörte. Bruder Manoi wurde zum ersten Distriktspräsidenten berufen. Othis, Bruder Manoiis Tochter, weiß noch, daß ihr Vater meistens in irgendwelchen Versammlungen war. Er stand so unter Zeitdruck, daß er manchmal sogar während des Abendessens aufstehen und fortgehen mußte und erst zwei, drei Stunden später wiederkam. Sie sagt, ihr Vater sei zwar sehr beschäftigt gewesen, „aber der Familie von Führern der Kirche werden Segnungen zuteil, die diesen Nachteil mehr als aufwiegen”.
Othis achtet ihren Vater dafür, daß er in Zweig und Distrikt Führungsaufgaben erfüllte. „Nie sprach er mit seiner Familie über das, was er hörte, wenn er Mitgliedern Rat erteilte. Ihm ging es mehr darum, seine Liebe unter Beweis zu stellen und ihnen zu helfen, als darum, sie zu kritisieren. Oft fastete und betete er, wenn er mit jemandem gesprochen hatte. Manchmal weinte er auch mit den Mitgliedern. Einmal mußte er eine Frau exkommunizieren. Zehn Jahre später kam sie zu ihm und hat gerade ihn, sie zu taufen und dadurch in die Kirche zurückzuführen.”

Die Europäer
Während Präsident Manoi damit beschäftigt war, die Bauarbeiten am langersehnten Gemeindehaus in Magenta (1971) und die Gründung eines dritten Zweiges in Nouma (1978) zu beaufsichtigen, fand der Bruder, der ihm später als Distriktspräsident nachfolgen sollte, zur Kirche – und zu Führungsaufgaben innerhalb der Kirche. Ricardo Gaya stammt nicht aus Neukaledonien und überhaupt nicht aus dem pazifischen Raum. Er wurde in Frankreich geboren, und zwar als Sohn spanischer Eltern, die das Land nach dem spanischen Bürgerkrieg verlassen hatten. Wegen des Zweiten Weltkriegs entschlossen sie sich, Europa ganz den Rücken zuzukehren. So reiste die ganze Familie nach Australien, wo sie drei Jahre lang blieb. Anschließend zog sie in das französisch﷓sprachige Neukaledonien.
Anita Gayas Familie wohnte schon seit drei Generationen auf Neukaledonien. Sie und Ricardo lernten sich auf einer Party kennen und heirateten 1968. Drei Jahre später lernten die Missionare Gabrielle Laigle, Anitas Mutter, kennen. Sie lud ihre beiden Töchter, Anita und Armelle, zu den Lektionen ein. Damals hatte Ricardo kein Interesse; er war beruflich und als Torhüter und Mannschaftskapitän seiner Fußballmannschaft zu stark engagiert.
Schwester Laigle und Anita ließen sich am 23. Oktober raufen. Das ist Anitas Geburtstag. Sie war so aufgeregt wegen ihres Interesses an der Kirche, daß Ricardo merkte, sie mußte etwas Wichtiges erlebt haben. Als sie ihn dann bat, sich von den Missionaren unterweisen zu lassen, war er einverstanden. Im Januar 1972 ließ er sich dann zusammen mit seiner Schwägerin Armelle Aparisi taufen. Miguel, Armelles Mann, ließ sich am darauffolgenden Tag taufen, und einige Monate später schlossen sich auch Francois und Madeleine Guerrera, sein Bruder und seine Schwägerin, der Kirche an.
Manche Menschen entdecken schon beim ersten Gespräch mir den Missionaren Wahrheiten, die sie irgendwie schon immer gekannt hatten, deren sie aber erst bewußt wurden, als sie davon hörten. Das Licht ist ihnen vertraut. So ging es auch den Gayas und ihren Verwandten. „Die Worte der Missionare klangen wie ein Echo”, erklärt Schwester Gaya. „So wie sie die Kirche schilderten, hatte ich mir die Kirche des Herrn immer vorgestellt. Ich fühlte mich zu Hause.”
Bruder Gaya erging es genauso. „Für mich war alles ganz einfach. Die Kirche war genau das, worauf ich immer gewartet hatte. Als die Missionare mir uns über den Zehnten sprachen, sagte ich: Warum nicht' Wenn es ein Gebot des Herrn ist, werden wir es erfüllen.' Keinen Alkohol trinken – es fiel mir nicht schwer, damit aufzuhören.”
Es gab jedoch etwas, was er nur schwer aufgeben wollte, und zwar das Fußballspielen am Sonntag. Das war wirklich ein Opfer für ihn. Als Kapitän der Association Sportive Le Nickel-SLN fühlte er sich seinen Mannschaftskameraden gegenüber verpflichtet, für jedes Spiel zur Verfügung zu stehen – und in Neukaledonien findet das Training für solche guten Spieler, wie er einer war, immer am Sonntag statt. Bruder Gaya war ein hervorragender Spieler und hatte der Nationalmannschaft zehn Jahre lang als Torhüter angehört. Doch als er zum Ratgeber in der Zweigpräsidentschaft berufen wurde, war ihm klar, daß er nun unmöglich weiterhin auf so hohem Niveau spielen konnte. „Ich konnte ja nicht in zwei Richtungen gehen”, sagt er. Weil er nicht in einen Konflikt zwischen Fußball und seinen Pflichten dem Herrn gegenüber geraten wollte, gab er seinen Posten in der Nationalmannschaft auf und spielte nur noch in seiner Freizeit Fußball.
Am 3. März 1973 reisten Ricardo, Anita und ihre beiden Kinder zusammen mit Anitas Mutter als erste von Neukaledonien nach Neuseeland, um sich im Tempel für Zeit und Ewigkeit siegeln zu lassen.
1974 wurde Bruder Gaya gebeten, am Hauptsitz seiner Firma in Paris zu arbeiten. „Die fünf Jahre, die wir dort verbrachten, waren sehr bereichernd, was geistige Belange betrifft”, sagt er. In Frankreich wurde er zum Bischof der Gemeinde Versailles berufen und diente neun Monate lang in diesem Amt, bis ihn seine Firma wieder nach Neukaledonien versetzte. Knapp zwei Jahre nach seiner Rückkehr wurde er im Mai 1981 zum Distriktspräsidenten berufen. Dieses Amt hatte er fast sechzehn Jahre lang inne.
In gewisser Weise war Präsident Gayas Amtszeit ein Meilenstein der Entwicklung der Kirche in Neukaledonien. Immer mehr Menschen schlossen sich der Kirche an,
Manche Menschen entdecken schon beim ersten Gespräch mir den Missionaren Wahrheiten, die sie irgendwie schon immer gekannt hatten, deren sie aber erst bewußt wurden, als sie davon hörten. Das Licht ist ihnen vertraut. So ging es auch den Gayas und ihren Verwandten. „Die Worte der Missionare klangen wie ein Echo”, erklärt Schwester Gaya. „So wie sie die Kirche schilderten, hatte ich mir die Kirche des Herrn immer vorgestellt. Ich fühlte mich zu Hause.”
Bruder Gaya erging es genauso. „Für mich war alles ganz einfach. Die Kirche war genau das, worauf ich immer gewartet hatte. Als die Missionare mir uns über den Zehnten sprachen, sagte ich: Warum nicht' Wenn es ein Gebot des Herrn ist, werden wir es erfüllen.' Keinen Alkohol trinken – es fiel mir nicht schwer, damit aufzuhören.”

Es gab jedoch etwas, was er nur schwer aufgeben wollte, und zwar das Fußballspielen am Sonntag. Das war wirklich ein Opfer für ihn. Als Kapitän der Association Sportive Le Nickel-SLN fühlte er sich seinen Mannschaftskameraden gegenüber verpflichtet, für jedes Spiel zur Verfügung zu stehen – und in Neukaledonien findet das Training für solche guten Spieler, wie er einer war, immer am Sonntag statt. Bruder Gaya war ein hervorragender Spieler und hatte der Nationalmannschaft zehn Jahre lang als Torhüter angehört. Doch als er zum Ratgeber in der Zweigpräsidentschaft berufen wurde, war ihm klar, daß er nun unmöglich weiterhin auf so hohem Niveau spielen konnte. „Ich konnte ja nicht in zwei Richtungen gehen”, sagt er. Weil er nicht in einen Konflikt zwischen Fußball und seinen Pflichten dem Herrn gegenüber geraten wollte, gab er seinen Posten in der Nationalmannschaft auf und spielte nur noch in seiner Freizeit Fußball.

Am 3. März 1973 reisten Ricardo, Anita und ihre beiden Kinder zusammen mit Anitas Mutter als erste von Neukaledonien nach Neuseeland, um sich im Tempel für Zeit und Ewigkeit siegeln zu lassen.

1974 wurde Bruder Gaya gebeten, am Hauptsitz seiner Firma in Paris zu arbeiten. „Die fünf Jahre, die wir dort verbrachten, waren sehr bereichernd, was geistige Belange betrifft”, sagt er. In Frankreich wurde er zum Bischof der Gemeinde Versailles berufen und diente neun Monate lang in diesem Amt, bis ihn seine Firma wieder nach Neukaledonien versetzte. Knapp zwei Jahre nach seiner Rückkehr wurde er im Mai 1981 zum Distriktspräsidenten berufen. Dieses Amt hatte er fast sechzehn Jahre lang inne. in gwisser Weise war Präsident Gayas Amtszeit ein Meilenstein in der Entwicklung der Kirche in Neukaledonien. immer mehr Menschen schlossen sich der Kirche an. So wie die Kirche an Kraft gewann, gewann sie auch an Reife  und konnte unter den unterschiedlichen Kulturkreisen im Land immer gerecht werden. Während dieser Zeit konnte Bruder Gaya die Hilfe von glaubenstreuen Ratgebern in Anspruch nehmen, von denen ihn einer, nämlich Jacques de Geoffroy, fünf-zehn Jahre lang begleitete. Bruder de Geoffreys Abstammung — in seinen Adern fließt europäisches, melanesisches und indonesisches Blut — ist ein Spiegelbild der verschiedenen Kulturen, aus denen sich Neukaledonien zusammensetzt und hat sich als wert-volles Hilfsmittel bei der Einflußnahme auf neue und alte Mitglieder gleichermaßen erwiesen. Abel Seiko, ein gebürtiger Melanesier, wurde 1995 ebenfalls zum Ratgeber berufen. Diese Berufung bereitete ihn darauf vor, nach Präsident Gayas Entlassung das Amt des Distriktspräsidenten zu übernehmen.

Die Melanesier
„Während der zweiten Hälfte der achtziger Jahre und auch während der neunziger haben sich viele Melanesier der Kirche angeschlossen”, erklärt Bruder Gaya. „Hatten wir sonst etwa zwanzig bis dreißig 'laufen pro Jahr, so haben wir jetzt achtzig bis neunzig, und die meisten davon sind Melanesier. Ich glaube, daß dies die Zeit ist, wo sie das Evangelium annehmen. Darum ist jetzt auch Bruder Seiko unser Distriktspräsident. Er hat eine große Aufgabe mit den Melanesiern zu erfüllen.”

Abel Seiko wurde auf Lifou geboren, wohnte aber in Noumea, als die Missionare an seine Tür klopften. Er und Louise, seine zukünftige Frau, ließen sich zwei Monate lang unterweisen und entschlossen sich dann zur Taufe. Dennoch hatten sie zwei große Schwierigkeiten zu überwinden. In Melanesien betrachtet man den Stamm als große Familie, und deshalb müssen alle wichtige Entscheidungen von den Eltern und den Stammeshäuptlingen gutgeheißen werden. Abel und Louise hatten noch nicht die Erlaubnis zur Heirat erhalten.

Das zweite Problem war möglicherweise sogar noch schwerwiegender. 1942 waren protestantische Missionare aus London nach Lifou gekommen, und seitdem gehörte Ahels Stamm dieser Kirche an. Wer die Religion wechselte, wandte sich damit sozusagen von seinem Stamm ab.

Dennoch: Abel hatte ein Zeugnis empfangen. Er wußte, daß er sich der Kirche des Herrn anschließen mußte, und er wußte auch, daß er heiraten mußte. Deshalb nahm er allen Mut zusammen und fuhr nach Lifou, um seinen Eltern und seinen Stamm um die Erlaubnis zu bitten.

Also kehrte Abel nach Noumea zurück und heiratete. Er und Louise ließen sich 1977 taufen. Die Hochzeitsfeier war schlicht, „ganz anders als auf Lifou”, erzählt er. „Dort ist Heiraten sehr teuer, und jeder muß dem Paar das schenken, was der Häuptling vorschlägt. Manchmal muß jemand sogar sein Haus vermieten oder eine Hypothek aufnehmen, um das notwendige Geld zusammenzubringen. Wir haben so geheiratet, wie es die Kirche anrät. Es gab nur eine schlichte Zeremonie mit Freunden und Familienangehörigen.” Abels Mutter kam zur Hochzeit, aber sein Vater blieb zu Hause, wie er es angekündigt hatte. 

Die Verbundenheit mit dem Stamm ist sehr stark. Wie stark, das merkte Abel etwa ein Jahr nach seiner Taufe. Er erzählt: „Ich fing an, mich nach meinen Eltern und meinem Stamm zu sehnen." Also kehrte er mit seiner Familie nach Lifou zurück. Weil es dort keinen Zweig der Kirche gab, hatte er sechs Jahre lang keinerlei Kontakt mit seiner neuen Religion.

Bruder Seiko erinnert sich: „Während dieser sechs Jahre hatte ich eine schlechte Arbeit und Schwierigkeiten mit meiner Frau. Nichts lief so, wie ich es mir wünschte. Nach einem schlimmen Streit kehrte Louise nach Noumea zurück. Sie wußte, daß es nicht gut war, so weit von der Kirche entfernt zu sein. Ich blieb allein auf Lifou zurück. Nach Louises Abreise ging ich ins Haus zurück und betete die ganze Nacht darum, den Geist wieder mit mir haben zu dürfen."

Einige Tage später empfing Bruder Seiko eine Antwort. Doch ehe ihm der Friede zuteil wurde, den er sich wünschte, mußte er wieder zur Kirche gehen. „Ich wußte ja, daß die Kirche wahr ist”, erklärt er, „und ich wußte auch, daß ich Umkehr üben mußte. Seitdem ist es mein Ziel, jederzeit für den Herrn zu wirken.”

Und das hat er auch getan. In den Jahren, die seitdem vergangen sind, hat er als PV-Lehrer, als Präsident des Altestenkollegiums, zweimal als Ratgeber in der Zweigpräsidentschaft, als Hoher Rat und als Ratgeber in der Distriktspräsidentschaft gedient. Jetzt ist er Distriktspräsident
.
Sein Ziel als Distriktspräsident besteht darin, dafür zu sorgen, daß aus dem Distrikt ein Pfahl wird. „Für einen Pfahl brauchen wir eintausendfünfhundert Mitglieder”, erklärt er. „Uns fehlen noch zwei-, drei-hundert Mitglieder. Das ist die Aufgabe, vor der wir stehen.”

Alle eine Familie
Melanesier sind treue, gläubige Menschen", sagt Präsident Seiko. „Viele ihrer Bräuche stehen in Obereinstimmung mit den Lehren der Kirche, und deshalb nehmen sie das Evangelium leichter an. Ein Brauch beispielsweise besagt, daß man andere an dem teilhaben lassen muß, was man besitzt. In Melanesien ist es Brauch, anderen Menschen zu helfen, und wenn die Leute hören, daß dies in der Kirche gelehrt wird, fühlen sie sich dort hingezogen. Außerdem gefällt es den Melanesiern, daß die Kirche der Familie so große Bedeutung beimißt. Auch das Beispiel der Mitglieder ist sehr hilfreich. Die Leute sehen, wie sich die Mitglieder zum Positiven verändern.”

Zu den positivsten Veränderungen, die sich beobachten lassen, gehören die Liebe und die Achtung, die die Mitglieder einander entgegenbringen. Das Beispiel, das die Mitglieder durch ihre Eintracht gehen, sticht aus dem manchmal nicht ganz kompatiblen Kulturmix Neukaledoniens heraus. Bruder Gaya erzählt, wie sich das politische Klima in Neukaledonien während den Jahre 1984 und 1985 drastisch verschlechterte. „Die Kanaks, also die Ureinwohner Neukaledoniens, bzw. die sie vertretende politische Partei forderte die Unabhängigkeit des Landes. Die Franzosen hingegen wollten weiterhin zu Frankreich gehören. Nun hatten wir also zwei sich bekämpfende politische Parteien.” Es kam zu Gewalttaten „1986 kamen Mitglieder der französischen Regierung nach Neukaledonien und erkundigten sich, welche Stellung die Kirche bezog: ,Möchte die Kirche, daß das Land unabhängig wird, oder soll Neukaledonien französisches Territorium bleiben?', fragten sie. Ich antwortete: ,In unseren Versammlungen diskutieren wir nicht über politische Fragen. Wir wollen nur dem Herrn nahe sein. Wir wollen seine Gebote halten — wir wollen ihn und unseren Nächsten lieben. Wir sind nicht nur Franzosen oder Polynesier oder Melanesier.Wir sind in erster Linie Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.'

Ich glaube, es gab damals nur eine einzige Kirche im Land, wo alle ohne Schwierigkeiten zur selben Zeit Gott verehren konnten, und das war unsere. Als ein Europäer als Führer berufen wurde, folgten ihm die Polynesier und die Melanesier. Als ein Melanesier als Führer berufen wurde, folgten alle ihm.

Wenn man mit Führern und Mitgliedern der Kirche in Neukaledonien spricht, wird dieser Geist der Eintracht und der gegenseitigen Anerkennung deutlich. Alle sind sich bewußt, daß es viele Kulturen auf der Welt gibt, die alle ihre Vorteile haben, aber daß die Kirche alle umfängt und stark macht. Die Inseln des Lichts im Südpazifik sind ein Beweis dafür, daß es nicht auf die Nationalität, die Sprache und die Kultur ankommt, sondern daß wir alle Mitglieder derselben Familie sind, nämlich der Familie Gottes.

Wenn sich jemand der Kirche anschließt, ist das so, als ob er nach Hause kommt.



19:03 - 10.02.2008


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