Mormonen - Das Evangelium in aller Welt

Gläubig, gut, tugenhaft, treu -- Pioniere auf den Phillippinen

Die Vollzeitmissionare begannen 1961 mit der Arbeit auf den Philippinen. Als 23 Jahre später, nämlich 1984, der Manila-Tempel geweiht wurde, waren aus einer Handvoll Mitglieder mehr als 75000 Heilige der Letzten Tage in fünfzehn Pfählen und zahlreichen Distrikten, Gemeinden und Zweigen geworden. Heute geht das Wachstum der Kirche mit atemberaubender Geschwindigkeit weiter; die Zahl der Mitglieder nähert sich inzwischen der Marke von vierhunderttausend.
   Die Grundlage für dieses bemerkenswerte Wachstum ist von amerikanischen Soldaten gelegt worden, die der Kirche angehörten. 1898, während des Spanisch-Amerikanischen Krieges, wurden die Soldaten Willard Call und George Seaman aus Utah als Missionare eingesetzt, konnten aber niemanden taufen. Unter den alliierten Streitkräften, die 50 Jahre später – während des Zweiten Weltkriegs – auf den Philippinen vorrückten, waren auch mehrere US-Soldaten, die der Kirche angehörten. 1944 und 1945 hielten die HLT-Soldaten an vielen Orten Versammlungen der Kirche ab, und als der Krieg endete, befanden sich noch zahlreiche HLT-Soldaten auf den Philippinen. Während des Korea-Krieges kamen erneut Soldaten, die der Kirche angehörten, auf die Philippinen.
Im Lauf der Jahre beherbergte die Clark Air Force Base in der Nähe von Manila viele hundert Mitglieder. Dort weihte auch Präsident Joseph Fielding Smith die Philippinen am 21. August 1955 für die Verkündigung des Evangeliums.

MAXINE TATE GRIMM
   Zu den vielen hundert ausländischen Heiligen der Letzten Tage, die auf den Philippinen wohnten beziehungsweise dienten, gehört auch Maxine Tate Grimm, eine Pionierin, die viel dazu beigetragen hat, daß die Kirche in den Anfangsjahren stark wurde.
   Maxine Tate kam 1945 mit dem Roten Kreuz auf die Philippinen. Nach dem Krieg heiratete sie E. M. „Fete” Grimm, einen Oberst der amerikanischen Armee, der schon lange in Manila wohnte. Dort ließen sie sich auch nieder. Im Lauf der Jahre tat Schwester Grimm viel für das Wachstum der Kirche in Asien. Obwohl sich ihr Mann erst 1967 der Kirche anschloß, setzte er doch seine Mittel und seinen Einfluß ein, um der Kirche nicht nur auf den Philippinen, sondern auch in Indonesien und weiteren südostasiatischen Ländern Schützenhilfe zu geben.
Schwester Grimm war bei fast jedem wichtigen Ereignis dabei, das die Zulassung der Missionsarbeit ermöglichte. Ihr Haus war der Mittelpunkt der Kirchenaktivität, und die meisten der ersten zweitausend Taufen in Manila fanden im Swimmingpool der Grimms statt. Schwester Grimm spielte in vielen Versammlungen und zu vielen Aktivitäten der Kirche auf ihrem tragbaren Harmonium.
   „Ich kann sie gar nicht genug für ihre Arbeit loben”, meint Präsident Gordon B. Hinckley. „Sie war eine wirkliche Pionierin des Werks auf den Philippinen, wo es jetzt eine beträchtliche Zahl von Mitgliedern gibt"
   Bis 1961 führten Schwester Grimm und ihre beiden Kinder Aktivitäten der Kirche entweder allein oder zusammen mit anderen HLT-Familien durch, wenn man von den Konferenzen mit Mitgliedern der Clark Air Force Base oder des Marinestützpunkts absieht. Das änderte sich erst ab 1961.

DIE VOLLZEIT-MISSIONSARBEIT BEGINNT
   Die amerikanischen Soldaten, ihre Familie und andere ausländische Mitglieder, die auf den Philippinen wohnten, mochten die Filipinos sehr gern. 1960 baten sie Gordon B. Hinckley, damals Assistent des Kollegiums der Zwölf Apostel, der für die Kirche in Asien zuständig war, offiziell mit der Missionsarbeit auf den Philippinen zu beginnen.
   Bei seinem ersten Besuch auf den Philippinen im Jabre 1960 erkannte Gordon B. Hinckley sofort, welches Potential die Philippinen für die Missionsarbeit boten. Die gesetzlichen Vorschriften verzögerten die offizielle Anerkennung der Kirche zwar, doch Gordon B. Hinckley und Robert S. Taylor, damals Präsident der Mission Südlicher Ferner Osten, glaubten daran, daß sie bald Visa für Missionare bekommen würden. Mit Genehmigung der Ersten Präsidentschaft und des Kollegiums der Zwölf Apostel beriefen sie für den 28. April 1961 eine Versammlung auf dem amerikanischen Soldatenfriedhof ein, um mit der Missionsarbeit zu beginnen.
   An einem stillen, friedlichen Morgen um halb sieben trafen sich etwa einhndert Mitglieder der Kirche – meistens Soldaten und ihre Familien sowie David Lagman, ein philippinisches Mitglied in der Nähe der kleinen Gedächtniskirche. Am Ende der kurzen Versammlung sprach Gordon B. Hinckley ein Gebet, in dem er Segnungen „für die Bewohner dieses Landes” erflehte, „damit sie freundlich und gastfreundlich, nett und großzügig zu denjenigen sein mögen, die hierherkommen, und daß viele, o Herr, ja viele tausend diese Botschaft hören und dadurch gesegnet werden mögen.... Wir beten darum, daß sich viele Menschen, gläubige, gute, tugendhafte, treue Menschen der Kirche anschließen mögen.”
   Dieses Gebet ist inzwischen mannigfach in Erfüllung gegangen. Schon bald wurden Visa für Vollzeitmissionare ausgestellt, und am 5. Juni 1961 wurden die ersten vier Missionare von Hongkong nach Manila versetzt. Die Menschen müssen wohl neugierig gewesen sein, denn die Missionare wurden von allen, die sie an diesem Tag besuchten, ins Hus gebeten.
   Nach der Ankunft der Missionare übernahmen die Filipinos, die sich zur Kirche bekehrt hatten, den Großteil der Pionierarbeit und des Nährens der jungen Kirche. Trotz großer wirtschaftlicher Probleme und Naturkatastrophen haben sie den Aufbau des Gottesreiches in ihrer Heimat vorangetrieben.

RUBEN UND NENITA GAPIZ
   Ruben Gapiz und Nenita Reyes gehörten zu den ersten Filipinos, die sich der Kirche anschlossen. Nenita ließ sich am 25. November 1961 taufen; sie war die fünfte Person, die sichnach Beginn der Missionsarbeit der Kirche anschloß. Als ihr Schwager die Missionare zu ihr schickte, hatte sie gerade das College abgeschlossen. Sie und auch einige ihrer Angehörigen standen der Kirche sofort positiv gegenüber. Nenita wurde bald als Gesangsleiterin der immer größer werdenden Mitgliederschar im Gebiet Manila berufen. Außerdem harte sie bis jetzt Berufungen in der JD-Leitung, der FHV-Leitung und der PV-Leitung inne.
Ruben Gapiz interessierte sich erst für Nenita und dann für die Kirche. Er war ein begabter Gitarrist und wurde gebeten, die Mitglieder während eines Weihnachtssingens auf der Gitarre zu begleiten. Enttäuscht darüber, daß man ihm für seinen Dienst kein Geld anbot, wollte er schon wieder gehen, als er Nenita sah, die den Gesang leitete. Er blieb und ließ sich schließlich von den Missionaren unterweisen. Ein Jahr nach Nenita ließ er sich taufen.
   Zwei Jahre später heirateten Ruben und Nenita. Sie waren die ersten philippinischen Heiligen der Letzten Tage, die die Ehe schlossen. Fast alle Mitglieder des Zweiges waren bei der Hochzeit und der anschließenden Feier dabei. Ruhen und Nenita bekamen später vier Töchter.
   Ruben nahm eine Reihe von Berufungen in der Kirche an, aber er diente nicht so eifrig wie seine Frau, obwohl sein Zeugnis immer fester wurde. Nenita erzäht: „Doch 1975 rüttelte der Herr ihn auf.” Man stellte bei ihm nämlich Bronchialkrebs fest; seine Lebenserwartung betrug nur noch wenige Jahre. Als die Krankheit diagnostiziert wurde, war das älteste Kind erst zehn Jahre alt. Ruben wünschte sich nicbts sehnlicher, als am Leben zu bleiben und seine Kinder aufwachsen zu sehen.
   Er erinnert sich: „Im August 1978 erhielt ich von Patriarch F. Briton McConkie meinen Patriarchalischen Segen. Meine Frau war bi mir. . . . [Der Patriarch] wußte nichts von meiner Krankheit. Am Ende des Segens sagte er etwas, was mir die Tränen in die Augen trieb und meine Frau leise schluchzen ließ: ,Du wirst ein erfülltes Leben haben und zu vielen Führungsaufgaben berufen werden.'
   Nach dem Segen fragte mich [der] Patriarch ... nach dem Grund für meine Tränen. Ich erzählte ihm, daß man bei mir Krebs diagnostiziert hätte, daß ich nur noch zwei Jahre zu leben hätte und daß der Segen, den er mir verheißen hatte, fast zu schön sei, um wahr zu sein.... An jenem Tag wußte ich, daß der Herr mein Beten erhört hatte.
   Dieser Segen ließ in ihm Hingabe zum Evangelium entbrennen. „Danach wurde er ein anderer Mensch”, erzählt seine Frau.
   Seit damals hat er sich unermüdlich darum bemüht, die Kirche auf den Philippinen zu stärken. Im Lauf der Jahre war der Bischof, Pfahlpräsident, Missionspräsident und Regionalrepräsentant. Außerdem diente er als Vorsitzender des Komitees, das das Buch Mormon in Tagalog, die vorherrschende Landessprache, übersetzte. Derzeit ist er Gebietsautorität-Siebziger und Manager der Materialverwaltung des Gebiets Philippinen/Mikronesien.

AUGUSTO A. UND MYRNA G. LIM
    Im Gegensatz zu anderen asiatischen Ländern, wo die Christen in der Minderzahl sind, wurden die Filipinos – beginnend im 16. Jahrhundert – von den Spaniern zum römisch-katholischen Glauben bekehrt. Weil neunzig Prozent der Filipinos Christen sind, sind viele gerne bereit, sich die Botschaft von der Wiederherstellung anzuhören und sie auch anzunehmen.
   So war es auch Bei Augusto und Myrna Lim. Als sie sich im Oktober 1964 taufen ließen, hatten sie noch keine Vorstellung davon, was der Herr von ihnen für den Aufbau der Kirche fordern würde.
   Bruder Lim hatte Jura studiert und stand 1964 mitten im Berufsleben. Er kannte sich mit Organisationen aus und war ein guter Redner. Außerdem nahm er sich auch Zeit für Geistiges; er hatte schon sein ganzes Leben lang in der Bibel studiert. Seine Eltern hatten ihn evangelisch erzogen. Myrna hingegen war römisch-katholisch erzogen worden.
   Kurz bevor die Missionare zu den Lims kamen, hatte die dreijährige Tochter gefragt, warum die Familie sonntags nie zur Kirche ging, wie es bi anderen Familien üblich war. Tief bewegt von dieser Frage kniete Bruder Lim nieder und betete: „Ich fühle mich deswegen schuldig. Wenn du möchtest, daß ich als Geistlicher der Kirche arbeiten oder etwas anderes für dich tun soll, dann laß es mich bitte wissen."
   Eine Woche später klopften die Vollzeitmissionare an seine Tür. Seine Beschäftigung mit Geistigem hatte ihn bereitgemacht, die Botschaft der Missionare anzunehmen. Er erzählt: „Ich habe mich der Kirche angeschlossen, weil die Lehre der Kirche genau das beinhaltet, woran ich schon geglaubt hatte, ehe die Missionare zu mir kamen, beispielsweise was Gott Vater und Offenbarungen betrifft. Daran habe ich schon in der High School und im College geglaubt.... Was die Missionare mir erklärten, kam mir alles so bekannt vor."
   Bei seiner Taufe im Oktober 1964 schloß Bruder Lim im stillen einen ganz besonderen Bund mit dem himmlischen Vater: „Ich will aktiv sein, und ich werde alles in meiner Macht Stehende tun.” In der darauffolgenden Woche wurde er als Zweiter Ratgeber in der Sonntagsschule berufen. Noch ehe er ein Jahr Mitglied war, hatte er schon erfolgreich als Zweig-Finanzsekretär, als Hilfs-Distriktssekretär, als Distriktssekretär und als Erster Ratgeber in der Zweigpräsidentschaft von Quezon-Stadt gedient. Die letztgenannte Berufung hatte er zwei Jahre inne und arbeitete auf Weisung von Montie Keller, einem amerikanischen Soldaten, der ihm zeigte, „wie man die Kirche richtig führt.... Ich wurde von einem großartigen Führer der Kirche unterwiesen."
   Bruder Lims intensive „Lehrlingszeit” ging weiter, als er als Zweiter Ratgeber in der Präsidentschaft des Distrikts Luzon berufen wurde. Neun Monate später, am 22. August 1967, wurde die Mission Philippinen gegründet; Paul II. Rose wurde Missionspräsident. Bruder Lim wurde als Erster Ratgeber in der Missionspräsidentschaft berufen. Dieses Amt hatte er sechs Jahre inne. Außerdem war er Präsident von vier verschiedenen Zweigen. Präsident De Witt C. Smith, der auf Präsident Rose folgte, holte sich oft Rat bei Bruder Lim.
   Als der erste Pfahl der Kirche auf den Philippinen gegründet wurde, berief Ezra Taft Benson vom Kollegium der Zwölf Apostel Augusto A. Lim als Pfahlpräsident. Der Pfabl Manila wurde am 20. Mai 1973 gegründet, gerade einmal zwölf Jahre nach dem Beginn der Missionsarbeit in Manila und nur neun Jahre nach der Taufe von Bruder Lim. Als der Pfahl Manila wucbs und geteilt wurde, wurde Präsident Lim zweimal berufen, über die neuen Pfähle zu präsidieren.
    In den darauffolgenden Jahren diente Präsident Lim als Regionalrepräsentant und als Präsident der Mission Naga. Anfang Juni 1992, nur wenige Wochen nach seiner Entlassung als Missionspräsident, wurde er in das Zweite Siebzigerkollegium berufen und war damit die erste Generalautorität von den Philippinen. Diese Berufung war eine Pionierberufung. Er sollte weiter in seinem Beruf arbeiten und gleichzeitig in der Gebietspräsidentschaft dienen, so wie es heute bei den Gebietsautorität-Siebzigern üblich ist.
    Im Sommer 1996 wurden Bruder Lim und seine Frau als Präsident beziehungsweise Oberin des Manila-Tempels berufen. Sie sind das erste einheimische Ehepaar, das die Arbeit in diesem Manila-Tempel leitet.
Bruder und Schwester Lim haben viele Jahre vorbildlich gedient und damit vor allem ihren acht Kindern ein Beispiel gegeben. Die Söhne waren auf Mission, und jede Tochter hat im Tempel einen ehemaligen Missionar geheiratet.

REMUS G. UND YVONNE L. VILLARETE
   Für die Filipinos war das Jahr 1972 ein Jahr wirtschaftlicher und politischer Krisen. Politische Korruption war weit verbreitet, und die Wirtschaft war ein einziges Chaos. Remus Villarete hatte gerade das College abgeschlossen und eine gute Stelle bekommen, machte sich aber Sorgen wegen der zunehmenden wirtschaftlichen Ungleichheit im Land. Um den Armen zu helfen, begann er, regierungsfeindliche Demonstrationen zu organisieren. Yvonne L. Cawit, eine gute Freundin, die Krankenschwester war, war ihm behilflich, indem sie die Menschen behandelte, die bei diesen Demonstrationen verletzt wurden.
    Im September 1972 verhängte Präsident Ferdinand Marcos das Kriegsrecht. Die Regierung betrachtete Widerständler wie Remus und Yvonne als Staatsfeinde. Als die Liste mit den Namen der meistgesuchten Aufrührer herausgegeben wurde, stand Remus' Name an zweiter Stelle der Gebietsliste; Yvonnes Name stand auch darauf.
   Remus und Yvonne begannen, sich über ihre Zukunft Gedanken zu machen. Remus meinte, es sei besser für Yvonne, wenn sie sich den Militärs ergab. Auch Yvonnes Vater bat seine Tochter, sich den Behörden zu stellen. Drei Tage nach Ausrufung des Kriegsrechts ergab sie sich. Remus hingegen wollte in die Berge flüchten und Untergrundkämpfer werden, aber auf Drängen seines Vaters und einiger Verwandten, die Einfluß auf Regierungsbeamte hatten, stellte auch er sich den Behörden. Er mußte etwas mehr als drei Monate in einem abgesperrten Gebiet verbringen, wurde dann aber wieder freigelassen.
   Die Familie hatte seine Freilassung unter der Bedingung erwirkt, daß er Yvonne heiratete; seine Angehörigen und die Militärs glaubten, wenn er erst verheiratet sei, werde er nicht mehr in die Berge fliehen und den Kampf gegen die Regierung aufgeben. Und sie hatten recht. Am 21. Januar 1973 heirateten Remus und Yvonne, zehn Tage nach seiner Freilassung. Remus flüchtete nicht in die Berge, sondern kämpfte zusammen mit Yvonne gewaltlos gegen die Ungerechtigkeit.
Das Leben war zuerst schwierig, vor allem, weil die beiden keine Stelle fanden. Doch schließlich fand jeder eine Stelle in seiner Heimatstadt – Yvonne in Cadiz und Remus in Bacolod, 65 Kilometer entfernt. Als sie bei Yvonnes Eltern in Cadiz wohnten, lernten sie die Vollzeitmissionare kennen. Durch das Evangelium änderte sich das Leben für alle, die im Haushalt lebten, von Grund auf.
   Cannelino Cawit, Yvonnes Vater, war ein religiös gesinnter Mensch, dem es Freude bereitete, den Missionaren zuzuhören. Nur wenige Monate später ließen er, seine Frau und zwei Töchter sich taufen. Bruder Cawit wurde Präsident des Zweigs Cadiz und später Bischof, Pfahlpräsident und Patriarch.
   Auch Remus und Yvonne schätzten das wiederhergestellte Evangelium, doch Remus ließ sich von Freunden, die nicht nach dem Wort der Weisheit lebten, ablenken. Weil er nicht im Buch Mormon gelesen hatte, war er auch nicht zur Taufe bereit, als das Taufinterview stattfand.
   Außerdem wollte er das, was die Missionare ihm predigten, erst umsetzen, ehe er sich zur Taufe verpflichtete. „Wenn ich mich einer Organisation anschließe, dann arbeite ich auch mit großer Hingabe darin mit”, sagte er Jahre später.
   Deshalb fing er an, zur Kirche zu gehen, den Zehnten zu zahlen, zu fasten, in den Missionarsfonds einzuzahlen und aufmerksam und gebeterfüllt im Buch Mormon zu lesen. Und indem er den Willen des himmlischen Vaters tat, gelangte er schnell selbst zur Erkenntnis der Lehre (siehe Johannes 7:17). Er und Yvonne ließen sich im Mai 1975 taufen.
   Drei Monate später fand in Quezon-Stadt im Araneta-Kolosseum die erste Gebietskonferenz auf den Philippinen statt. Präsident Spencer W. Kimball sollte eine Ansprache halten, und Remus war fest entschlossen, ihn sprechen zu hören.
„Gleich nach der Konferenz fuhr ich nach Bacolod zurück. Ich ging geradewegs nach Hause und sagte zu meiner Frau: Wir müssen auf den Propheten hören.' Sie fragte: ,Warum? Was hat der Prophet denn gesagt?' ,Der Prophet bat gesagt: Die Familie ist für die Ewigkeit bestimmt. Und es ist wichtig, daß die Familie zusammen ist. Wir müssen zusam men sein.”
   Remus wohnte nämlich während der Woche in Bacolod auf und zog nach Bacolod, um bei Remus zu sein. Schon bald erhielten sie viele Möglichkeiten, im Evangelium Fortschritt zu machen, denn sie wurden mit verschiedenen Führungsaufgaben betraut. Als Elder Marion D. Hanks von den Siebzigern 1981 den Pfahl Bacolod gründete, wurde Remus Villarete als erster Präsident dieses Pfahls berufen. Er erfüllte diese Aufgabe bis 1987, als er nach Cebu zog, um als Regions-Grundstücksbeauftragter der Kirche zu arbeiten.
   Präsident Villarete diente von 1988 bis 1991 als Regionalrepräsentant und wurde anschließend als Präsident der Mission Cagayan de Oro auf der Insel Mindanao berufen. Er und seine Frau blieben bis zu seiner Entlassung im Juni 1995 auf Mindanao. Nur wenige Tage später wurde Bruder Villarete als Gebietsautorität-Siebziger für das Gebiet Philippinen/Mikronesien berufen.
Nachdem Remus und Yvonne Villarete die richtige Aufgabe gefunden hatten, setzten sie sich mit ganzem Herzen dafür ein, hielten die Gebote und hörten auf den Präsidenten der Kirche. Sie sind in ihrer Hingabe an das Evangelium nie wankend geworden.

PIONIERGEIST
    Diese wenigen Beispiele können gar nicht wiedergeben, wie viele Stunden Tausende Filipinos im Dienst für die Kirche zugebracht haben. Und sie spiegeln auch nicht die zahlreichen Liebestaten wider, die bei den Mitgliedern auf den Philippinen so gern geleistet werden. Sie machen einfach nur deutlich, wie stark und demütig die vielen Menschen sind, die das Evangelium auf den Philippinen annehmen.
   Heute gibt es auf den Inseln, die zu den Philippinen gehören, mehr als tausend Gemeinden und Zweige, und der Pioniergeist ist weiterhin lebendig, denn die Filipinos schließen sich in großer Zahl der Kirche an. Die meisten beschreiten dabei mit ihrer Familie neue Wege, denn sie brechen mit alten Überlieferungen und beginnen ein neues Zeitalter, das ganz vom Licht des Evangeliums erhellt ist.

R Lanier Britsch, Februar 1998


Die Mitglieder auf den Philippinen haben großen Glauben
Die Ventilatoren an der Decke schaffen es nur mit Mühe, die feuchte Luft in Bewegung zu Obwohl die Falttüren an bringen. der einen Seite der Kapelle weit geöffnet sind, ist doch kein Windhauch zu spüren, der Kühlung bringen könnte.
Der Parkplatz ist fast leer, die kleine Kapelle des Gemeindehauses der Gemeinde Pateros hingegen fast voll. Einige Mitglieder sind zu Fuß gekommen; andere in Jeepneys (größeren Jeeps, die wie Busse eingesetzt werden) oder Motorrädern mit Beiwagen.
Der Bischof sagt, die meisten Mitglieder seien – was weltlichen Besitz anginge – sehr arm. „Aber wenn ich mit ihnen spreche, erklären sie mir, wie sehr sie gesegnet werden und daß der Herr ihre Gebete erhört.”
Die Abendmahlsversammlung beginnt. Eine Schwester spricht über Nächstenliebe, die reine Christusliebe. Dann hält ein junger * Mann eine Ansprache über die Vernichtung der Jarediten. „Daran wird deutlich, daß wir nichts sind, wenn wir keine Nächstenliebe besitzen. Das gilt auch für uns; wir bilden da keine Ausnahme.”
Ein Mädchen steht auf; sie dirigiert den Gesang. Weil es keine Klavierbegleitung gibt, singt sie die erste Zeile vor. Dann stimmen die anderen mit ein.
Die Philippinen werden häufig von Naturkatastrophen heimgesucht, und es gibt ständig politische Unruhen, aber die Mitglieder sprechen immer wieder von den Segnungen, die ihnen zuteil geworden sind. Welche Segnungen sind das, und wie können die Mitglieder ihre Dankbarkeit dafür zeigen?
Wenn die Mitglieder erzählen, wie der Herr sie segnet, dann wird einem klar: Sie sind mit großem Glauben an den Herrn Jesus Christus gesegnet. Die Gaben des Geistes tun sich in reichem Maß kund, und sie sprechen offen darüber, wie gut der Herr zu ihnen ist.

„Der himmlische Vater weiß, was ich brauche“
Malou Ducta betete. Es war finster, und sie zitterte. Der Taifun, der immer noch über dem Land tobte, konnte jeden Augenblick das kleine Haus zerstören, wo sie zusammen mit anderen Schutz gesucht hatte. Das sonst so ruhige Meer war nicht wiederzuerkennen. Alle weinten.
Vor vielen Stunden hatten Malou Ducta und ihre Familie ihre mit Palmwedeln gedeckte Holzhütte am Strand in der Nähe von Sorsogon verlassen. Sie waren durch das kühle, brusthohe Wasser und weichen Schutt gewatet, um zum höhergelegenen Haus einer befreundeten Familie zu gelangen.
Draußen tobte der Sturm weiter, und Malou betete. Plötzlich fiel ihr das Collegeheft ein. Wie hatte sie es nur vergessen können? Im Umschlag steckte nämlich das Geld, das sie vom Stipendienfonds der Kirche bekommen hatte. Mit diesem Geld wollte sie die Kosten für ihre Abschlußprüfung bestreiten, denn nur so konnte sie ihr Studium abschließen. Aber ohne das Geld war es unmöglich, die Prüfung zu machen, eine Arbeitsstelle zu bekommen und ihre Familie finanziell zu unterstützen. Von ihren Träumen blieb dann nicht mehr übrig als von einer sturmgebeutelten Palmhütte.
„Ich betete, als ob ich mit einem Freund spräche. Ich sagte dem Herrn: ,Es ist dein Geld, und du weißt, daß ich meine Abschlußprüfung ohne dieses Geld nicht machen kann.' Ich betete weiter und bat den himmlischen Vater, mir das Geld zu erhalten.”
Um zwei Uhr morgens wagten sich die Männer nach draußen. „Sie sahen, daß es am Strand keine Häuser mehr gab”, erzählt Malou. In Tränen aufgelöst liefen alle nach draußen, um sich selbst davon zu überzeugen. „Alle Häuser waren zerstört. Es war nichts mehr da.”
Der Strand war mit Trümmern sowie mit Leichen und Kadavern übersät. „Wir waren so dankbar, daß aus unserer Familie niemand ums Leben gekommen war. Aber außer dem nackten Leben und den Kleidern, die wir auf dem Leib trugen, hatten wir nichts retten können. Ich tröstete mich mit dem Gedanken, daß auch mein Studiengeld nur Geld war.”
Die Leute fingen an, im nassen Sand zu graben und zu retten, was noch zu retten war. „Plötzlich rief einer meiner Vettern mir zu: ,Schau mal, da ist dein Collegeheft!' Ich lief hin und riß es ihm aus der Hand. Es war naß, doch das ganze Geld war noch da!”
Wenn Malou sich an diesen Augenblick erinnert, muß sie wieder weinen. „Der himmlische Vater weiß wirklich, was ich brauche.” Außer ein paar unersetzlichen Familienfotos – Fotos von ihren Eltern, als diese noch jung waren, ein Foto von der ganzen Familie, die weißgekleidet auf ihre Taufe wartete, und ein Foto von dem Tag, wo sie im Manila-Tempel gesiegelt wurden – konnte Malou nichts retten.
Das war 1987. Inzwischen hat Malou Ducta ihr Studium abgeschlossen und eine Mission erfüllt. Mit Hilfe von Spenden hat die Familie an der alten Stelle ein neues Haus gebaut, denn für ein anderes Grundstück war kein Geld vorhanden. An der Wand hängen die Fotos mit den Wasserflecken und ihre Prüfungsurkunde. „Das ist für uns ein großes Wunder”, sagt sie, „und wir haben viel daraus gelernt.”


„Wir hätten das Baby retten können“
Consolacion Pilobello aus Pasay-Stadt erzählt: „Als ich geheiratet habe, konnte ich nicht kochen, und als ich schwanger wurde, war ich zu abergläubisch, um zum Arzt zu gehen und mich untersuchen zu lassen. Unser erstes Baby starb.”
Sie fängt an zu weinen. „Wenn ich nur damals schon in der Kirche gewesen wäre! Wir hätten das Baby retten können!”
Nach der Taufe lernte Schwester Pilobello in der FHV einiges über Wasserreinigung, Hygiene, Ernährung, Erste Hilfe und Impfungen. „Ich lernte, wie ich für meine Kinder, für mich selbst und für meine ganze Familie sorgen muß.” Die nächsten sieben Kinder kamen alle gesund auf die Welt. Heute ist Schwester Pilobello Lehrerin für Hauswirtschaft und gibt das, was sie gelernt hat, an die anderen Schwestern weiter. Außerdem kocht sie für den Essensservice, mit dem ihre Familie großen Erfolg hat.

„Was für ein Restaurant ist das hier?“
Jovencio Ilagan erzählt lächelnd, daß er sich eigentlich gar nicht ernsthaft mit den Missionarinnen unterhalten wollte, die an seine Tür geklopft hatten. „Ich war nicht sehr religiös gesinnt.” Aber dann fing er an, im Buch Mormon zu lesen. Als er im Buch Alma las, spürte er „auf einmal die innere Wärme, die mit dem Zeugnis des Heiligen Geistes einhergeht”. Jovencio Ilagan, seine Frau Zenaida und ihre sechs Kinder, die alt genug für die Taufe waren, wollten sich taufen lassen.
Aber drei Tage vor der Taufe „hatte ich eine geschäftliche Verabredung mit einigen meiner alten Trinkkumpanen. Sie überredeten mich, mit ihnen Bier zu trinken.”
Bruder Ilagan gestand den Missionarinnen, was er getan hatte. „Sie waren bestimmt sehr enttäuscht. Ich sagte ihnen, sie sollten meine Frau und meine Kinder ruhig taufen lassen, bei mir würde es eben etwas später werden. Aber der Distriktsleiter – er war ein kluger Mann – war damit nicht einverstanden. Dadurch war ich ungeheurem Druck ausgesetzt. Meine Familie konnte wegen mir nicht getauft werden! Ich gab mir große Mühe.” Eine Woche später wurde die ganze Familie getauft.
Kurz darauf wurde Bruder Ilagan JM-Leiter; seine Frau Zenaida wurde FHV-Leiterin. Beide haben seitdem viele Berufungen erfüllt. Bruder Ilagan war unter anderem Regionalrepräsentant und Missionspräsident.
Das Leben der Ilagans hat sich grundlegend geändert. „Wir haben ein Computerbüro”, sagt Bruder Ilagan, „und mußten oft auch am Sonntag arbeiten, um unsere Termine einzuhalten. Aber als wir uns der Kirche angeschlossen hatten, wollten wir sonntags nicht mehr arbeiten. Dadurch haben wir ein paar Kunden verloren. Aber mit unseren sechs Arbeitstagen haben wir weit mehr verdient als früher mit sieben Arbeitstagen.”
Dann bot sich ihnen die Möglichkeit, zusätzlich ein Restaurant zu eröffnen. „Aber am Sonntag hatten wir Ruhetag. Wir haben weder Bier noch Kaffee serviert und auch keine Zigaretten und nichts anderes verkauft, was gegen das Wort der Weisheit verstößt. Manche Gäste fragten: ,Was für ein Restaurant ist das hier?' und gingen wieder. Aber bei uns herrschte eine familiäre Atmosphäre, und damit sprachen wir einen ganz bestimmten Kundenkreis an.”
Ein paar Jahre später verkauften sie ihr Restaurant mit Gewinn. Bruder Ilagan wurde Direktor des Versands der Kirche in Manila. Später wurde er für Mitgliedsscheine und Berichte sowie Computer zuständig. Heute ist er Gebietsdirektor der Materialverwaltung.
„Das Evangelium hat meinen Mann von Grund auf verändert”, sagt Schwester Ilagan. „Es hat uns einen Frieden geschenkt, den ich nicht gekannt habe. Und wir haben eswgerade rechtzeitig für unsere Kinder kennengelernt.” Mehrere ihrer Kinder sind auf Mission gegangen und haben im Tempel geheiratet.

Perla, der Pfahlpräsident und das Fahrrad
Als Perla ein Zeugnis vom Buch Mormon bekommen hatte, wollte sie sich taufen lassen. Aber ihre Eltern wollten nichts davon hören. Perla war zwar achtundzwanzig Jahre alt und brauchte die Einwilligung ihrer Eltern nicht, aber sie wollte sie nicht kränken. Schließlich häkelte sie sich ihr Taufkleid selbst und ließ sich doch taufen.
Die nächste Schwierigkeit war, wie sie den Zehnten zahlen sollte. Perla unterrichtete zwar schon seit ein paar Jahren an der Grundschule, aber da sie der einzige Ernährer der Familie war, hatte sie ihrem Vater immer ihr gesamtes Gehalt zur Verfügung gestellt. Auch jetzt dachte sie nicht daran, das Geld für den Zehnten zurückzubehalten. Statt dessen begann sie, nach der Schule für andere zu häkeln, und zahlte ihren Zehnten von dem, was sie für ihre Häkelarbeiten bekam, und natürlich auch für diese Arbeiten.
Dann ging Perla nach Manila auf Mission. Später nahm sie ihren Beruf wieder auf und lernte Luciano de Guzman – 47 Jahre alt – kennen, der ebenfalls an der Grundschule unterrichtete Pr beschäftigte sich mit dem Evangelium und ließ sich taufen. Perla und Luciano heirateten und haben jetzt zwei Töchter, Ruth und Esther.
Acht Jahre nach seiner Taufe wurde Bruder de Guzman als Präsident des Pfahles Lingayen berufen. Wie die meisten Führer der Kirche auf den Philippinen hat er kein Auto, kein Telefon und nur wenig Geld für öffentliche Verkehrsmittel. Aber er hat ein Fahrrad, und mit 59 Jahren fährt er noch immer damit zu den Versammlungen. Er benutzt es auch, wenn er Aufgaben für die Kirche zu erledigen hat. Manchmal ist er bis zu drei Stunden unterwegs. Er nimmt immer etwas zu essen mit, denn er möchte den Mitgliedern nicht zur Last fallen.
Die Straßen auf den Philippinen sind stark befahren, und deshalb kann das Fahrradfahren manchmal ziemlich gefährlich sein. Aber Präsident de Guzman sagt: „Wenn ich für den Herrn unterwegs bin, beschützt er mich auch.” Einmal überholte ein Bus einen Jeepney, und Präsident de Guzman befand sich mit seinem Fahhrad zwischen den beiden. „Jeder dachte, ich würde ums Leben kommen, aber dann war es, als ob mich ein Windstoß aus der Fahrtrichtung des Busses hob. Mir war nichts geschehen, und auch das Fahrrad war noch in Ordnung. Die Leute waren überrascht, daß ich noch am Leben war, und ich auch.”

„Ich hörte ein Baby schreien“
Familie Monares wohnt in Cebu; sie haben nur ein einziges Zimmer. Um dorthin zu gelangen, muß man sich durch viele enge, belebte Gassen kämpfen. Wenn man das kleine Zimmer betritt, fällt der Blick als erstes auf ein Poster der Kirche. Man sieht einen gelben Ballon, der hoch über mehreren blauen Ballons schwebt. Darunter steht: „Erhebe dich über den Durchschnitt.
Fin Regal im kleinen Bücherschrank ist voller neuer Exemplare des Buches Mormon, die zum Verschenken bestimmt sind. „Unser Sohn ist nämlich auf Mission”, sagt Santos Monares.
Bruder Monares ist Straßenhändler und sorgt damit für den Unterhalt seiner Familie. Als er und Julieta, seine Frau, zuerst über den Tempel sprachen, wollte Julieta sich keine Hoffnungen machen. Sie meinte, es habe keinen Zweck, auch nur zu versuchen, das Geld für die Schiffsreise zusammenzubringen. Und dann wurde Bruder Monares noch für lange Zeit krank. Aber irgendwie haben sie es doch geschafft, genug Geld zusammenzubringen, um mit vier ihrer Kinder in den Tempel zu fahren.
Als Schwester Monares auf den Markt ging, um Lebensmittel für die Reise zu kaufen, wurde ihr das ganze Geld gestohlen. Wieder wollte sie aufgeben. Aber mit Geld aus dem Fastopferfonds konnten sie dann doch Lebensmittel kaufen, und im April 1990 waren sie dann endlich im Manila-Tempel. „Dort vergaßen wir alle Probleme, mit denen wir draußen zu kämpfen hatten”, erzählt Bruder Monares.
Vicenta, die 20jährige Tochter, hat die gleiche Erfahrung gemacht. „Als wir an meinen Bruder gesiegelt wurden, der kurz nach der Geburt gestorben war, hörte ich ein Baby schreien.” Für sie war das der Beweis, daß er die heilige Handlung angenommen hatte.

Der Herr weiß, ob man alles tut, was man kann
Als Lindo Casinillo mit 18 Jahren die Kirche kennenlernte, konnte er kaum Englisch sprechen und verstehen. Aber weil es das Buch Mormon in seiner Muttersprache Cebuano nicht gab, las er es auf englisch. „Ich las immer weiter, obwohl ich nicht viel verstehen konnte”, erzählt er. „Ich las so lange, bis ich es verstehen konnte.” Heute, nur wenige Jahre später, hat er das Buch Mormon siebenmal gelesen, von Anfang bis Ende. Und er spricht fließend Englisch.
Lindo Casinillo ging auf Mission und war anschließend mehr als ein Jahr arbeitslos. Dann bekam er eine Arbeit, die schlecht bezahlt wurde. Aber er zahlte den vollen Zehnten. „Ich wußte, daß es nicht auf den Betrag ankommt, sondern darauf, daß man dem Herrn seinen Glauben zeigt.”
Noch unverheiratet wurde Bruder Casinillo als Zweigpräsident berufen. „ich mußte jeden Sonntag sehr früh im Gemeindehaus sein, aber ich hatte keinen Wecker. Deshalb schlief ich der Nacht auf Sonntag nicht unter dem Moskitonetz, so daß die Moskitos mich stachen und ich früh am Morgen wach war. Es hört sich vielleicht albern an, aber es hat funktioniert. Ich bin nie zu spät gekommen.”
Einmal mühten er und der Zweig-Finanzsekretär sich sieben Stunden lang ab, den Fehler in einem Bericht zu finden. Als der Finanzsekretär fortging, um zu Abend zu essen, so erzählt Bruder Casinillo, wurde „mir auf einmal bewußt, daß wir nicht gebetet hatten, als wir unsere Arbeit begonnen hatten. Deshalb kniete ich mich hin und bat den himmlischen Vater um Verzeihung dafür, daß wir nicht gleich gebetet hatten. Ich bat ihn auch um Hilfe. Als ich das Gebet beendet hatte, nahm ich die Unterlagen wieder zur Hand und fand den Fehler sofort.”
Als Lindo Casinillo und seine Freundin Annabelle heiraten wollten, verdiente er gerade genug, um für sich selbst zu sorgen. Zuerst wollten Annabelles Eltern, die auch der Kirche angehören, der Heirat nicht zustimmen. Bruder Casinillo erzählt: „Aber ich versprach ihnen, daß wir die Gebote nach besten Kräften halten würden und daß der Herr uns segnen würde. Damit gewann ich ihr Vertrauen.”
Annabelle hatte eine gute Stelle im Krankenhaus. „Aber der Prophet hat ja gesagt, daß eine Frau, die Kinder hat, nach Möglichkeit nicht außer Haus berufstätig sein soll. Wir vertrauten also dem Rat der Führer, und meine Frau ging nicht mehr arbeiten.” Bruder und Schwester Casinillo bekamen einen Sohn, den sie Kahivhan nannten, und jetzt hat Bruder Casinillo eine gute Stellung, und die Familie wohnt in einer hübschen Wohnung.
Wenn man wenig Platz und Geld hat, ist es nicht leicht, einen Garten oder einen Lebensmittelvorrat anzulegen. Aber „unser Bischof hat uns erklärt, daß es nicht darauf ankommt, ob man Platz für einen Garten hat, sondern daß es darauf ankommt, daß man eine Möglichkeit findet, das Prinzip zu befolgen.” Deshalb begann Bruder Casinillo zu improvisieren. „Ich besorgte mir Holz und bastelte eine Kiste. Dann fuhr ich ein paarmal mit dem Bus aufs Land und holte ein paar Säcke voll Erde. Schließlich pflanzte ich Gemüse.”
Als es 1990 ein Erdbeben gab, waren sie froh, daß sie etwas Reis und Konserven im Schrank hatten. Das Haus, in dem sie ihre Wohnung hatten, wurde zerstört, aber sie konnten einen Teil ihres Vorrats in Sicherheit bringen und verbrauchen.
„Wir tun unser Bestes”, sagt Bruder Casinillo in seiner bescheidenen Art. „Der Herr weiß, ob man alles tut, was man kann.”

„Gläubige Menschen"
Isidoro B. Pilobello ist Pfahlpatriarch und Siegler im Tempel. Er sagt, die Segnungen, die er den Mitgliedern auf den Philippinen in ihrem Patriarchalischen Segen verheiße, seien manchmal sehr erstaunlich.
„Die Filipinos sind gläubige Menschen”, sagt Elder George I. Cannon von den Siebzigern, der bis vor kurzem dort Gebietspräsident war. „Sie sind geistig gesinnt und halten nach Möglichkeiten Ausschau, bessere Menschen zu werden. Dabei hilft die Kirche ihnen.”
Durch ihren Glauben an Jesus Christus gelingt ihnen das auch.

Marvin K. Gardner ist stellvertretender geschäftsführender Redakteur des STERN. Er ist Bischof der Gemeinde Bountiful 16 im Pfahl Bountiful Utah Heights.

Die Mitglieder auf den Phillippinen
Wie das Evangelium hilft
Wir hören in den Nachrichten immer wieder etwas über die Philippinen, die ja nur klein sind. Die Inselbewohner müssen anscheinend einen Schicksalsschlag nach dem anderen bewältigen.
Wie wirkt sich das Evangelium auf ihr Leben aus?

Naturkatastrophen
Die Filipinos können damit rechnen, daß etwa zwanzigmal im Jahr ein Taifun über sie hinwegfegt. Meistens jedoch bleiben der katastrophale Monsunregen und die Flutwellen aus. Es gibt mehrere aktive Vulkane, aus denen hin und wieder Lava hervorbricht. Erdbeben sind häufig. 1988 beispielsweise brachen innerhalb von sechs Wochen drei Taifune und zwei Erdbeben über die Philippinen herein.

Wie das Evangelium hilft:
• Die Gemeindehäuser der Kirche werden zu Hilfsstationen umfunktioniert, wo die Opfer – unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit – Nahrungsmittel, Obdach und medizinische Betreuung finden und außerdem seelische und geistige Hilfe.
Die Kirche hat den Farmern, die bei der vom Monsun verursachten Überschwemmung ihr Getreide verloren haben, neuen Samen und andere Hilfsmittel geschenkt.
Priestertumskollegien und Scoutrudel haben Material gesammelt und beim Wiederaufbau von Häusern geholfen, die bei einem Erdbeben oder durch einen Taifun zerstört worden waren.
Als das Land im März 1990 unter Trockenheit und Energieknappheit litt, fasteten die Mitglieder um Regen. Am nächsten Tag regnete es.

Wirtschaftliche Probleme
Die Wirtschaft des Landes erholt sich nur langsam. Das Jahreseinkommen des Durchschnittsbürgers entspricht etwa 731 US-Dollar. Wenn man die Führer der Kirche fragt, wo die größten Schwierigkeiten für die Mitglieder liegen, bekommt man meistens zur Antwort: „Im Kampf ums Überleben – es geht jeden Tag aufs neue darum, genug zu essen zu finden.” Die meisten Filipinos haben eine große Familie, und oft ist es so, daß auch die Verwandten mit im Haus wohnen und einander helfen, wenn ein Mitglied der Familie arbeitslos wird oder etwas braucht. Allerdings gibt es in einer solchen Familie häufig nur einen einzigen Ernährer – manchmal ein Kind im Teenageralter.
88 Prozent der Filipinos können lesen und schreiben. Das ist ein hoher Prozentsatz. Und viele ersehnen sich ein Universitätsstudium. Aber auch viele Hochschulabsolventen sind arbeitslos.

Wie das Evangelium hilft:
Die Führer der Kirche lehren das Gesetz des Fastens, zu dem auch das Fastopfer gehört.
In jeder Gemeinde werden Lektionen durchgenommen, die die Mitglieder zur Selbständigkeit anhalten – es geht um Gesundheit, Ernährung, Hygiene und Geldeinteilung.
Missionarsehepaare helfen den Mitgliedern bei der Arbeitsbeschaffung und dem beruflichen Vorankommen.
• Die Führer der Kirche halten die Mitglieder dazu an, an berufsbezogenen Kursen teilzunehmen, die vom Gemeinwesen oder vom Staat durchgeführt werden. Die Kirche vergibt sogar Stipendien für solche Kurse.
• Manche Mitglieder bilden Kooperationen und stellen Waren her, die sie mit Gewinn verkaufen – beispielsweise Weidenkörbe, Möbel oder Betonblöcke.
• Zu vielen Gemeindehäusern gehört ein Garten, und zwar nicht nur für den unmittelbaren Bedarf, sondern die Mitglieder lernen dort auch, wie man einen Garten anlegt und bearbeitet.
• In jedem Gemeindehaus gibt es eine Nähmaschine, und die FHV führt regelmäßig Nähkurse durch. Die Schwestern lernen, Kleidungsstücke für ihre Familie zu nähen; manche tragen durch die Näharbeiten auch zum Lebensunterhalt bei.

Politische Unruhen
Von 1521 bis 1898 standen die Philippinen unter spanischer Herrschaft; bis 1946 wurden sie dann von den Vereinigten Staaten verwaltet. Seit seiner Unabhängigkeit hat das Land unter politischen Unruhen zu leiden. Verschiedene oppositionelle Gruppen kämpfen gegen die Regierung und verursachen viele Spannungen und Schwierigkeiten.

Wie das Evangelium hilft:
Die Kirche fordert ihre Mitglieder dazu auf, die Gesetze zu befolgen, sie in Ehren zu halten und für sie einzutreten. (Siehe den 12. Glaubensartikel.)
Die meisten Mitglieder halten sich nach Möglichkeit aus allen Schwierigkeiten heraus und nehmen Ausgangssperre und Straßenkontrollen gelassen hin.
Während eines Putschversuches im Dezember 1989 wurden die Bewohner der Insel Mactan – ob Mitglieder der Kirche oder nicht – nach Cebu ins dortige Gemeindehaus evakuiert, wo sie mit Nahrung und Zuspruch versorgt wurden. „Das hat uns – den Mitgliedern und den Führern der Kirche – viel Kraft gegeben”, meint Remus Villarete, der Regionalrepräsentant in Cebu. „Die Mitglieder haben die Nichtmitglieder eingeladen, auf der Zeugnisversammlung am folgenden Sonntag zu sprechen, und ein paar weniger aktive Mitglieder sind wieder aktiv geworden."
• Die Mitglieder geben Zeugnis, daß der Herr sie beschützt. Manche erzählen, wie sie unverletzt einem Kreuzfeuer entkamen; andere berichten, wie sie nach dem Tod eines oder mehrerer Angehöriger Trost fanden. Im Dezember 1989 versuchten die Rebellen, in den Tempel einzudringen, aber die Tempelarbeiter konnten sie davon abhalten. Statt dessen verbargen sich die Truppen für einige Zeit in einem Nebengebäude. Während eines Gefechtes gab es am Nebengebäude leichte Schäden; die Gästeherberge hingegen wurde fast völlig zerstört. Aber der Tempel blieb wie durch ein Wunder vor Schaden bewahrt.

Sprachprobleme
Auf den Philippinen werden 87 Sprachen und Dialekte gesprochen. Fast die Hälfte der Bewohner spricht Englisch, was die Verständigung erleichtert, aber auch das ist nicht genug, und manche Mitglieder, die weniger aktiv sind, geben als Grund die Sprachprobleme an. Viele Missionare – manchmal auch einheimische – müssen eine neue Sprache lernen, um sich richtig verständigen zu können.

Wie das Evangelium hilft:
• Nach Möglichkeit können die Mitglieder die Versammlungen in ihrer Muttersprache durchführen. Unterricht und Ansprachen sind meistens ein Gemisch aus Englisch und einheimischem Dialekt.
• Das Buch Mormon und andere Veröffentlichungen der Kirche werden derzeit in die acht gebräuchlichsten philippinischen Dialekte übersetzt.
Marvin Gardner, September 1991

14:45 - 26.02.2008


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