Mormonen - Das Evangelium in aller Welt

Vermächtnis des Glaubens in Rußland

Die Heiligen der Letzten Tage in Rußland freuen sich am wiederhergestellten Evangelium Jesu Christi.

Gary Browning Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage hat sich schon 1895 für einige Russen als Segen erwiesen. Damals ließen Johan und Alma Lindelof sich in St. Petersburg taufen. Bruder Lindelof hatte in seiner Heimat Finnland, wo ein Missionar seine Mutter unterwiesen und getauft hatte, vom Evangelium gehört. Später waren Johan, ein geschickter Goldschmied, und seine Frau Alma nach Rußland gezogen. Sechzehn Jahre später wurde Elder August Hoglund nach Rußland geschickt, weil die Lindelofs dem Präsidenten der Skandinavischen Mission einen Brief geschrieben hatten. Sie wurden im Juni 1895 in St. Petersburg in der Newa getauft.
Nach ihrer Taufe erhielten die Lindelofs gelegentlich Besuch von Missionaren. Bis 1903, als Elder Francis M. Lyman vom Kollegium der Zwölf Apostel in Rußland, zwei Weihungsgebete sprach, einmal in St. Petersburg und einmal in Moskau, hatten auch zwei der Kinder der Lindelofs sich taufen lassen. Viele hatten das Gefühl, die Lindelofs würden viel dazu beitragen, das Evangelium nach Rußland zu bringen. Hätte 1917 nicht die Revolution der Bolschewiki stattgefunden, wäre diese Erwartung vielleicht auch in Erfüllung gegangen.
1918 wurde die Familie in ein Arbeitslager verbannt, wohl damit sie enteignet werden konnte, da die Lindelofs wohlhabend waren. Das Haus wurde geplündert, und die Habe konfisziert. Von den sieben Kindern überlebten nur ein Sohn und eine Tochter. Von zwei Töchtern ist bekannt, daß sie im Exil starben. Das Schicksal der übrigen drei Kinder ist unbekannt.'
Während sich im Ausland lebende Russen auch weiterhin der Kirche anschlossen, unter ihnen André Anastasion, der sich 1917 in England taufen ließ und später das Buch Mormon ins Russische übersetzte, wurde die Kirche erst 1990, nach den staatlichen religiösen Reformen in Rußland offiziell anerkannt.
Religiöse Toleranz entwickelte sich nur langsam, aber das erste Zeichen dafür, daß sie nicht mehr aufzuhalten war, war bereits 1988 zu sehen, als der Staat zuließ, daß 1000 Jahre Christentum in Rußland feierlich begangen wurden. Als dann die Tür zur Religionsfreiheit aufging, wurde es offensichtlich, daß viele Russen sich trotz der sieben Jahrzehnte des offiziellen Staatsatheismus ein religiöses Vermächtnis bewahrt hatten. Heute suchen viele in der jahrhundertealten russisch-orthodoxen Kirche nach geistiger Nahrung. Andere suchen in anderen christlichen Glaubensgemeinschaften, darunter auch der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, nach Erneuerung.
Im Oktober 1989 wurden Dennis B. Neuenschwander (damals Präsident der Österreich-Mission Wien Ost, heute Mitglied der Siebziger) und Steven R. Mecham (damals Präsident der Finnland-Mission Helsinki) bevollmächtigt, das Evangelium in die Sowjetunion zu bringen. Innerhalb weniger Monate weihte Elder Russell M. Nelson vom Kollegium der Zwölf Apostel Estland offiziell für die Verkündigung des Evangeliums und sprach in Leningrad (heute wieder St. Petersburg) ein Gebet der Dankbarkeit, in dem er die Segnungen des Himmels auf die Esten und die Russen herabflehte. Bis Juli 1990 hatte die Kirche in Rußland 156 Mitglieder.
Untersucher und neue Mitglieder standen in Rußland vor gewaltigen Hindernissen. Vor allem war da die allgemein verbreitete Vorstellung, daß es Verrat an der russisch-orthodoxen Kirche mit ihren wunderschönen Gebäuden und ihren prächtigen Gottesdiensten war, wenn man sich einer anderen Kirche anschloß.

Die Heiligen der Letzten Tage und ihre Untersucher dagegen trafen sich in bescheidenen Räumen — in Schulen, Bibliotheken und anderen Gebäuden, wo sie am Sonntag für drei Stunden Räume anmieten konnten. Die Kirche hatte kaum Unterlagen in russischer Sprache, und die Führungsbeamten und Lehrer waren noch unerfahren. Häufig stellten das Gesetz des Zehnten und das Gesetz der Keuschheit eine große Herausforderung dar, ebenso wie das Wort der Weisheit. Es erforderte Glauben und Mut, das Evangelium anzunehmen.

DIE  FAMILIE  SEMJONOW
Vielen russischen Untersuchern, die an prächtige aber unpersönliche Gottesdienste gewöhnt waren, gefiel der schlichte Gottesdienst der Kirche, in der die Zeremonie weniger wichtig ist als der Beitrag des einzelnen und das geistige Wachstum. „Ich hätte mir nie vorstellen können, daß in einer Kirche keine Ikonen hängen oder daß es in einer Kirche eine Küche, Duschen, eine Sporthalle, einen großen Raum mit einer Orgel und viele Klassenzimmer gibt”, meint Andrej Semjonow im Rückblick auf die erste Versammlung der Kirche, die er in Finnland besuchte.
Andrej hatte Heilige der Letzten Tage kennengelernt, kurz nachdem er in Wyborg, einer russischen Stadt an der Grenze zu Finnland, eine Stelle als Arzt angetreten hatte. Im Sommer 1989 unternahm Andrej mit einem finnischen Ehepaar, das der Kirche angehört – Aimo und Nellie Jäkkö — eine Kanufahrt. Die Gespräche am Lagerfeuer über Gott und den Glauben gingen Andrej zu Herzen. Er hatte sich bereits viele Gedanken über den Sinn des Lebens, die Bedeutung des Bösen und die Möglichkeit eines Lebens nach dem Tod gemacht. Die Jäkkös luden Andrej ein, in Lappeenranta in Finnland die Kirche zu besuchen. Dort lernte er die Vollzeitmissionare kennen.
„Ich versuchte an meiner materialistischen Einstellung festzuhalten, aber die Fragen bezüglich der Ewigkeiten machten mir weiter zu schaffen”, schreibt Andrej über sein Gespräch mit den Missionaren. „Da fiel das Samenkorn, von dem ich später im Buch Mormon las (siehe Alma 32:28–43), in meine Seele. Ich nahm diesen ,guten Samen' in meiner Seele mit, dazu in meiner Reisetasche das Buch Mormon.”
Bei der zweiten Reise nach Lappeenranta stärkten die Missionare Andrejs Glauben weiter. „Die letzten Vorurteile und Vorbehalte, die ich im Herzen hatte, was diese ausländische Kirche betraf, verschwanden.”
Als er nach Wyborg zurückkehrte, studierte er das Buch Mormon. „Mir war klar, daß kein Mensch sich so etwas ausgedacht haben konnte. Ich wußte fast nichts über Joseph Smith selbst, über seine Bildung oder seine intellektuellen Fähigkeiten, aber darüber brauchte ich auch gar nichts zu wissen. Ich wußte, daß diese Worte nicht von einem Menschen, sondern von Gott kamen.”
Im Februar 1990 besuchte Andrej zusammen mit 15 Heiligen der Letzten Tage aus Leningrad eine Konferenz. „Ich dachte immer wieder: Könnte ich ohne diese Menschen, ohne diese Begeisterung im Herzen und die Schauer, die mir über den Rücken laufen, wenn ich bete und in den heiligen Schriften lese, weiterleben? Alle meine Zweifel schwanden, als Jussi Kemppainen (ein Ratgeber in der Missionspräsidentschaft) nach der Konferenz auf mich zukam und sagte: ,ich glaube, Sie sind bereit, sich taufen zu lassen. Was meinen Sie?' Die Worte kamen mir unwillkürlich über die Lippen — ich hatte nicht einmal Zeit nachzudenken — und ich hörte mich antworten: ,Ja, natürlich bin ich bereit.'“ Er wurde noch am selben Tag getauft.
Einen Monat später wurde Andrej zum Ältesten ordiniert und als Zweigpräsident eingesetzt. Bald taufte er auch seine Frau Marina.
Die Veränderungen in beider Leben brachten viele Segnungen und Möglichkeiten mit sich. „Besondere Freude kam in unser Leben, als wir im Stockholm-Tempel für die Ewigkeit gesiegelt wurden”, schreibt Präsident Semjonow. „In den letzten zweieinhalb Jahren war ich mit jeder Gruppe aus Rußland im Tempel, und ich bemühe mich mitzuhelfen, daß meine Brüder und Schwestern sich darauf vorbereiten, in die ewige Welt einzugehen.”
Präsident Semjonow leistete als Zweigpräsident hervorragende Arbeit; außerdem war er der erste Distriktspräsident in Wyborg. Am 4. Mai 1996 weihte Präsident Andrej Semjonow auf Weisung von Elder Neuenschwander, der damals Präsident des Gebiets Europa Ost war, das erste Gemeindehaus der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage in Rußland.

DIE  FAMILIE  EFIMOW
Nachdem Wjatscheslaw Efimows Vater an den Verletzungen, die er sich im Zweiten Weltkrieg zugezogen hatte, gestorben war, mußte seine Mutter schwer arbeiten, um für ihren Sohn zu sorgen — in materieller wie in geistiger Hinsicht — und ihm Liebe zu Gott einzuflößen. Damit seine Mutter es leichter hatte, begann Wjatscheslaw mit 15 Jahren, tagsüber in einer Leningrader Fabrik zu arbeiten. Nebenher ging er zur Abendschule, um seine Ausbildung zu vervollständigen. Wjatscheslaw war zwar sehr beschäftigt, aber er nahm sich doch die Zeit, seinem geistigen Sehnen nachzugehen.
„Ich las die Zeitschrift Naturwissenschaft und Religion, die auch Ausschnitte aus der Bibel enthielt”, schreibt er. „Ich wollte wirklich etwas über Gott in Erfahrung bringen. Und über die Zeitschrift, wo die Religion angegriffen wurde, erfuhr ich, daß die Bibel wahr ist.”
1971 heiratete Wjatscheslaw seine Frau Galina; mit seiner angeheirateten Verwandtschaft sprach er nicht gern über seine religiösen Gefühle. Er erzählt: „Niemand in der Familie meiner Frau sprach jemals über Gott.”
Als Tamara, die Tochter von Wjatscheslaw und Galina, fünf wurde, wurden sie und Galina in der russisch-orthodoxen Kirche getauft. „Wir fingen an, zu den Gottesdiensten zu gehen, ... aber wir hatten immer das Gefühl, dass Gott uns nicht hörte, daß wir kaum bemerkt wurden", schreibt Wjatscheslaw. „Wir gingen immer enttäuscht nach Hause, setzten uns dort an den Tisch und tranken ein Glas Wodka und hatten ein wärmeres Gefühl.”
Im Frühjahr 1990 lernte Tamara hei einer Freundin die Missionare kennen. Wjatscheslaw ignorierte die Missionare, die seine Tochter unterwiesen, zunächst: „Ich fragte mich, was mir diese jungen Männer über Gott sagen konnten. ... Was ich dann aber bei den folgenden Gesprächen hörte, gab mir die Gelegenheit, auf meine Fragen Antworten zu erhalten und vor allem zu verstehen, daß Gott einen jeden von uns liebt. Wir sind seine Kinder, und er hat uns einen Erretter, seinen Sohn Jesus Christus, gegeben.”
Das Leben der Efimows änderte sich bald. „Wir hatten zwar im selben Haus gelebt, aber wir waren jeder unseren eigenen Weg gegangen und hatten wenig Zeit miteinander verbracht”, schreibt Wjatscheslaw. „Die Sorgen des Alltags hatten uns voneinander entfernt. Dann fingen wir nach 10, 12 Jahren auf einmal wieder an, mehr Zeit miteinander zu verbringen. Wir fingen an, in der Bibel und im Buch Mormon zu lesen. Drei Monate warteten wir auf eine Antwort auf unser Beten und beschlossen dann, uns taufen zu lassen. Am 9. Juni 1990 wurden wir als Familie Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.”
Die Efimows begannen im Juli 1995, vollzeitig das Evangelium zu verkünden. Bruder Efimow wurde nämlich als Präsident der Rußland-Mission Jekaterinburg berufen.

DIE  FAMILIE  BASARSKIJ
Nina Basarskaja wohnt in Woronesch (ungefähr 400 Kilometer südlich von Moskau). Sie ist dort Professorin für Englisch. Sie hatte als Kind etwas über Gott gehört, aber sie war nie zur Kirche gegangen und las erst mit 40 Jahren die Bibel.
Ihr Mann Oleg, ein Physiker, „war durch und durch Atheist”, wie sie erzählt. „Und am Anfang machte er sich über meinen Glauben und meine Gebete lustig. .. .
Das Jahr 1985 brachte große Veränderungen in meinem religiösen Leben mit sich. Ich konnte offen zur Kirche gehen und brauchte weder den KGB noch irgendwelche Unannehmlichkeiten bei der Arbeit zu fürchten. . . . Dann kam der September 1991 und mit ihm meine allererste internationale Linguistenkonferenz in Swenigorod hei Moskau.”
In einer Konferenzbesprechung fühlte Nina sich gedrängt, die Frage eines amerikanischen Professors danach, wie das aktuelle religiöse Klima in Rußland sei, zu beantworten. Daß sie so aufrichtig darüber sprach, wie dankbar sie dafür war, offen über das Thema Religion sprechen zu können, berührte viele im Raum sehr, auch Dr. W. Robert Blair von der Brigham Young University, der die Frage gestellt hatte. Sie machten sich bald miteinander bekannt, und Nina lud ihn nach Woronesch ein.
Im Frühjahr 1992 besuchte Bruder Blair Nina und Oleg und ging mit ihnen zum orthodoxen Ostergottesdienst. „Ich hatte mich auf dieses Fest sehr gefreut”, schreibt Nina. „Aber der Gottesdienst sagte mir gar nichts. . . . Ich kam entmutigt nach Hause und war davon überzeugt, daß meine Sünden nichtzugelassen hatten, daß ich mich erlöst fühlte."
Dann kamen im Sommer 1992 Studenten der Brigham Young University, um Englischunterricht zu geben. Nina ging zu einer ihrer Sonntagsversammlungen und war von der Liebe und Herzlichkeit, die sie dort spürte, zutiefst beeindruckt.
„Ich wollte so werden wie sie, und ich wollte, daß mein Sohn Alexander mit ihnen zusammentraf. Sie waren so ganz anders als die Menschen, die ich kannte.”
Zuerst meinte sie, sie könne Mitglied der orthodoxen Kirche bleiben und dabei nach den Grundsätzen leben, die ihre neuen Freunde, die Heiligen der Letzten Tage, verkörperten. Aber bald wurde ihr klar, daß das unmöglich war. Sie war zwischen ihrem traditionellen Glauben und dem Wunsch, sich den Menschen, denen sie ähnlich sein wollte, hin und her gerissen.
„Diese Entscheidung ließ mich nicht einen Augenblick lang in Ruhe. Es kam mir immer so vor, daß ich den Glauben meiner Väter verriet, wenn ich mich für die Mormonen entschied, und daß Gott mir diesen Abfall vom Glauben nicht verzeihen würde. Ich betete und bat Gott um eine Antwort, und sie kam auch.
Als ich eines Tages am Ufer eines Flusses saß und auf das Wasser blickte und ständig über die Entscheidung, die ich zu treffen hatte, nachdachte, wurde mir eine deutliche Stimme bewußt, die sagte, ich würde niemanden verraten, sondern einfach weiter Fortschritt machen und inniger glauben.
Die Gefühle, die ich hatte, als ich diese Stimme hörte, lassen sich nur schwer beschreiben: Überraschung, Erleichterung, Glück. ... Ich ließ mich am 15. Dezember 1992, am Vorabend der Abreise der Studenten nach Amerika, taufen.
Mein Leben änderte sich. Ich wurde ruhiger, toleranter und geduldiger. Die Probleme in unserer Familie schwanden allmählich. Zum ersten Mal in meinem Leben wurde mir die Bedeutung der Worte ,stilles Glück' klar, das heißt, mit mir selbst im Einklang sein und inneren Frieden haben. Jenes Jahr hat mich wirklich davon überzeugt, daß der Glaube wachsen kann, und vieles, das ich ein Jahr zuvor noch angezweifelt hatte, erschien mir jetzt wahr und richtig.
Ich weiß nicht, was meinen Mann zuerst beeinflußt hat, ob das Beispiel meines Sohnes und mein Beispiel oder seine Begegnungen mit den Studenten, dem Missionspräsidenten oder den Missionaren, aber im September 1993 begann er regelmäßig zur Kirche zu kommen. ... Am 15. Januar 1994 ließ er sich taufen.”
Schwester Basarskaja hat seit ihrer Taufe in vielen Berufungen gedient, darunter auch als FHV-Leiterin. Ihr Mann wurde Präsident des Zweiges Woronesch. Ihr Sohn Alexander hat in der Lettland-Mission Riga gedient.

DIE  FAMILIE  LELJUCHIN
Viele Russen sind zwar der Meinung, daß der wissenschaftliche Materialismus allein nicht glücklich macht, aber viele scheuen doch davor zurück, sich mit religiösen Wahrheiten zu befassen. Viele fühlen sich aber auch davon angesprochen, daß die Kirche so großen Nachdruck auf den ewigen Fortschritt, die kontinuierliche Entwicklung des Geistes und des Intellekts, legt.
Sergej Leljuchin war ein solcher Mensch. Sergejs Frau Irina hatte sich in der orthodoxen Kirche taufen lassen, als sie kurz bei ihrer Großmutter gelebt hatte. Als Marina, die Tochter der beiden, 1990 darum hat, sich in der orthodoxen Kirche taufen lassen zu dürfen, begann Sergej, über die Bedeutung der Religion nachzudenken.
„Ich fing an, viele religiöse Bücher zu lesen. ... Der wesentliche Punkt, dessen ich mir bewußt wurde, war der, daß für einen Gläubigen die Kirche die Grundlage des Lebens ist. Als ich wußte, daß ich die Kraft aufbringen konnte, ein religiöses Leben zu führen, beschloß ich, mich taufen zu lassen.”
Sergej und Marina ließen sich im November 1990 in der orthodoxen Kirche taufen. Aber sie empfanden noch immer einen geistigen Hunger. Auf einer Geschäftsreise, die Sergej im Juni 1992 nach Donezk in der Ukraine unternahm, lernte er mehrere Heilige der Letzten Tage kennen. Er war neugierig auf ihre Glaubensvorstellungen, aber er konnte die Einladung zu ihrem Sonntagsgottesdienst nicht annehmen. Vier Monate später bekam er noch einmal eine Chance.
„Ich ging auf dem Heimweg von der Arbeit die Hauptstraße der Stadt entlang”, erzählt Sergej. „Vor mir sah ich zwei junge Männer mit Rucksäcken. Ich ging schneller und überholte sie und ging auf eine grüne Ampel zu. Ich hätte rasch die Straße überqueren können, aber ein mir unbekanntes Gefühl hinderte mich daran weiterzugehen.
Die beiden jungen Männer holten mich ein und fragten mich, wie man zu einer der Straßen in der Stadt kam. Ich sagte, ich könne ihnen die Straße zeigen. Während wir etwa 10 Minuten zusammen weitergingen, erzählten mir diese Missionare von ihrer Kirche. Am Ende unseres Gesprächs verabredeten wir uns zu einem Gespräch in meiner Wohnung.”
Ein paar Tage später gingen die Leljuchins zusammen mit den Missionaren zur ersten Versammlung der Kirche, die in Saratow, 675 Kilometer südöstlich von Moskau entfernt, stattfand. „Die Atmosphäre in der Versammlung gefiel uns sehr”, sagt Sergej. „Nach dem Gottesdienst hatte ich das Verlangen zu beten, und das tat ich auch, als die Missionare zur zweiten Lektion kamen.”
Nachdem die Familie die Missionarslektionen absolviert hatte, ließ sie sich im November 1992 taufen. Sie lernten das Evangelium rasch, dienten froh und nahmen auch andere voll Freude in die Gemeinschaft auf.
„Die Möglichkeit, dem Herrn in seiner Kirche zu dienen, hilft uns in unserer geistigen Entwicklung”, sagt Präsident Leljuchin, der der erste Zweigpräsident in Saratow wurde. „Wir spüren deutlich, wie wir selbst geistig wachsen, wenn wir anderen
Heiligen helfen, sich weiterzuentwickeln.”
Die Familie fühlte sich durch die Taufe gestärkt und zuversichtlich, aber in der Verwandtschaft gab es doch Bedenken. „Nach unserer Taufe stießen wir auf Mißverständnisse und auch auf eine gewisse Feindseligkeit seitens unserer Familie”, erzählt Präsident Leljuchin. „Aber wir waren zuversichtlich, daß wir das aushalten konnten. Von völligem Verständnis sind sie zwar noch weit entfernt, aber sie sind doch schon etwas toleranter geworden.”
Die Leljuchins wurden im März 1995 im Stockholm-Tempel gesiegelt. Heute dient Präsident in Saratow als Distriktspräsident.

DIE ERFÜLLUNG EINER PROPHEZEIUNG
Im Juni 1843 bestimmte der Prophet Joseph Smith Elder Orson Hyde vorn Kollegium der Zwölf und George J. Adams dazu, als die beiden ersten Missionare „im weiten russischen Reich” zu dienen. Als der Prophet ihre Bestimmung bekanntgab, sagte er: „Mit Rußland stehen einige der wichtigsten Dinge im Zusammenhang, die den Aufbau des Gottesreichs in den Letzten Tagen betreffen.”; Elder Hyde und Bruder Adams konnten ihre Mission zwar nicht erfüllen, aber die russischen Heiligen der Letzten Tage legen heute doch die Grundlage für die Erfüllung jener Prophezeiung.

Gary Browning, April 1998

01:09 - 26.02.2008


Vorherige Seite Nächste Seite
Beschreibung
Hier veröffentliche ich Berichte aus alten Kirchenzeitschriften über das Evangelium in anderen Ländern
Home
Profil
Archiv
Freunde
Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage
Mormonwiki
Fairmormon
FAIR
Jesus
Das Buch Mormon überzeugt
mehr zum Buch Mormon
besondere Erlebnisse
Bekehrungsgeschichten
Berichte der Pioniere
Abenteuer der Mormonen
Geschichte der Mormonen (außer funktion)
Propheten
Joseph Smith
Offenbarungen
Der Geist des Elija
Genealogie
Tempel und Tempelarbeit
Missionsarbeit
Die Gebote
Gedenke des Sabbats
Gesetz der Keuschheit
Der Zehnte
Wort der Weisheit
Fasten
Kontroversen
Der Glaube der Mormonen
Letzte Einträge
- Zwischenfall in einem samoanischen Dorf
- Eine Tasse Tee
- Japan - Das Land des aufgehenden Lichts
- Nächstenliebe auf Hawaiianisch
- Mexiko
- Haiti
- Sowjetunion
- Brooklyn
- Dominikanische Republik
- Singapur
- Tonga
- Mistolar -- eine geistige Oase
- Afrika
- Ghana
- Chile
- Ungarn
- Die Australier -- ein interssantes Volk
- Indien
- Estland
- Tahiti
- Puerto Rico
- Belfast -- Die Mauern fallen
- Frankreich
- Eine gemeinsame Sprache in Papua-Neuguinea
- Samoa
- Bahamas
- Island -- Land aus Feuer und Eis
- Das Evangelium faßt Fuß in Kambodscha
- Das Evangelium in den Anden
- Die Mitglieder in Tschechien
- Das Evagelum kommt nach Kapverde
- Hongkong -- ein Traum wird wahr
- Tudo Bern in Brasilien
- Eine mächtige Wandlung in der Mongolei
- Die verlorene Insel
- Pioniere In Paraguay
- Equador
- die Heiligen in Portugal
- Erde; Meer und Seelen in Dänemark
- Korea -- Land der Morgenfrische
- Fidschi -- Inseln des Glaubens
- Ein Weihnachtsgeschenk für Ungarn
- In Mikronesien wird ein neuer Kurs gesteuert
- Die Heiligen in Indonesien
- Pioniere an der Elfenbeinküste
- Argentiniens heller froher Tag
- Gläubig, gut, tugenhaft, treu -- Pioniere auf den Phillippinen
- Wie das Evangelium in Osteuropa fußfaßt
- Vermächtnis des Glaubens in Rußland
- Sowetos helle Zukunft
- Die Seevögel von Kiribati
- Bolivien -- Segnungen im Überfluss
- Spanien -- Glaubenshorizonte erforschen
- Noch ein Bericht von HLTs aus der Ukraine
- Ukraine
- Honduras
- Taiwan - vier Jahrzahnte des Glaubens
- Neukaledonien