Mormonen - Das Evangelium in aller Welt

Argentiniens heller froher Tag

   Lange, ehe in Buenos Aires die Sonne aufgeht, klingen durch die feuchte Morgenluft die leisen Stimmen der Schüler, die zum Gemeindehaus in einer sehr verkehrsreichen Gegend der Stadt kommen. Ein Schlüssel dreht sich im Schloß, und schon ist die Tür offen. Die Schüler gehen hinein, und die Tür wird wieder zugeschlossen; das ist eine Routinemaßnahme, die in den dunklen Stunden vor Sonnenaufgang der Sicherheit dienen soll. Ein leises Klopfen, und jemand steht schnell auf, um weitere Schüler einzulassen, deren Lächeln und fröhliche Stimmung gar nicht so recht zur frühen Stunde passen will. Insgesamt kommen dreizehn Schüler, um den Tag mit der Beschäftigung mit dem Neuen Testament zu beginnen. Nach dem Unterricht nehmen sie ein einfaches Frühstück zu sich, daß eine Mutter bzw. ein Vater zubereitet hat. So gestärkt an Leib und Geist machen sich die Schüler auf den Weg zur Schule bzw. zur Arbeit.
....Mitten im Trubel des Aufbruchs kommt eine Frau die Straße hinunter und sieht, daß das Tor zum Gemeindehaus offensteht. Zögernd tritt sie ein. „Seid ihr Mormonen?”, fragt sie. „Mein Sohn möchte gerne so sein wie seine Cousins in Mendoza, die eurer Kirche angehören. Kann einer von euch mir etwas über die Kirche erzählen?” Ganz zufällig kommen die Missionare zum Gemeindehaus und vereinbaren gleich einen Termin mit der Frau, um ihr vom Evangelium Jesu Christi zu erzählen. Diese Szene, über der die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne leuchten, stellt zwei wichtige Hoffnungsquellen für die Zukunft der Kirche in Argentinien dar, die Kraft der heranwachsenden Generation und die immer größer werdenden Erfolge hei der Missionsarbeit.
    Der Samen des Evangeliums wurde in Argentinien zuerst unter deutschen Einwanderern gesät, als Elder Melvin J. Ballard vom Kollegium der Zwölf Apostel Südamerika im Jahr 1925 für die Verkündigung des Evangeliums weihte. Kurz danach verkündete er: „Das Werk des Herrn wird hier eine Zeitlang nur langsam Fortschritt machen, so wie sich eine Eiche auch nur langsam aus einer Eichel entwickelt.... Doch die Mission Südamerika wird sich für die Kirche als Kraft erweisen.” (Zitiert in Melvin J. Ballard: Crusader for Righteousness, 1966, Seite 84.)
    So wie in anderen Gebieten Südamerikas ist auch in Argentinien zu beobachten, wie sich Elder Ballards Prophezeiung erfüllt. Der Samen hat sich im Laufe der Jahre langsam aber stetig unter den Menschen ausgebreitet, die in erster Linie von europäischen Einwanderern abstammen. Heute gibt es mehr als 277.000 Mitglieder in 64 Pfählen.
    Argentinien ist ein weites Land, das sich von der stürmischen Atlantikküste über die Südostküste bis hin zu den hohen, schneebedeckten Andengipfeln an der Nord- und Westgrenze des Landes erstreckt. Argentinien ist das achtgrößte Land der Welt, wo noch viel Patriotismus herrscht. Zwei Hindernisse stellen sich dem Wachstum der Kirche entgegen: Traditionen und wirtschaftliche Schwierigkeiten.
    Das erste Hindernis, nämlich die tief verwurzelten Traditionen, hält die Familien davon ab, ihre Religion zu wechseln. „Das Leben dessen, der sich der Kirche anschließt, ändert sich von Grund auf”, erklärt Elder John B. Dickson, der bis August 1997 als Präsident der Mission Südamerika-Süd gedient hat. „Sie müssen erst neue religiöse Traditionen lernen.” In einem Land, das so reich an Traditionen ist, können Veränderungen nur unter großen Opfern bewirkt werden, und neue Mitglieder haben beträchtliche Schwierigkeiten, die Hindernisse zu bewältigen.
    Das zweite Hindernis, nämlich das wirtschaftliche Gefälle, ist teilweise auf die lange währenden politischen Unruhen zurückzu führen, die viele Menschen in große wirtschaftliche Not gestürzt haben. „Es ist schwer, das Evangelium zu lernen, wenn die Kinder Hunger haben und wenn es an Lebensnotwendigem fehlt”, sagt Héctor Navarro aus der Gemeinde Maipú 1 im Pfahl Maipú de Cuyo. Doch seit kurzem ist Ruhe im Land eingekehrt, und die Regierung hat die wirtschaftlichen Unsicherheiten besser im Griff. Das hat zur Folge, daß Banken nun wieder Kredite gewähren und die Menschen sich Häuser, Autos und Geschäftsausstattungen kaufen können. Während der letzten sieben, acht Jahre ist die Wirtschaft beständig gewachsen, und das ist dem Mittelstand zugute gekommen. Hochtechnisches Wissen ist gefragt, und trotz immer noch bestehender finanzieller Schwierigkeiten sind die Aussichten, zu Wohlstand zu gelangen, doch stark gestiegen.
    Trotz der kulturellen und wirtschaftlichen Hindernisse in Argentinien hat die Kirche feste Wurzeln geschlagen und angefangen, überall im Land mit großer Geschwindigkeit zu wachsen. Ein Blick auf die Kirche in drei verschiedenen Städten zeigt, wie die Mitglieder mit Hilfe der Evangeliumsgrundsätze neue Traditionen schaffen und ihre wirtschaftliche Lage verbessern.

SÄEN IN SALTA: NEUE TRADITIONEN VERMITTELN
In Saltas langen, schmalen, von Gips- und Betonhäusern dicht gesäumten Straßen wohnen fast fünfhundert-ausend Menschen; viele davon stammen von Indianern und Bolivianern ab. Diese malerische Stadt liegt in den saftiggrünen Ausläufern der Anden, etwa zweiundzwanzig Busstunden von Buenos Aires entfernt. In Salta und seiner Nachbarstadt San Salvador de Jujuy weiter im Norden, wo ebenfalls etwa eine halbe Millionen Menschen wohnen, gibt es drei Pfähle. Diese Pfähle unterscheiden sich kaum von anderen Einheiten der Kirche in Argentinien, wo es im allgemeinen zu beobachten ist, daß die Zahl der Mitglieder die Zahl der zur Verfügung stehenden Führungskräfte bei weitem übersteigt.
    „Das Werk macht mit großer Schnelligkeit Fortschritt”, sagt Jacinto Roberto Díaz, der Präsident des Pfahles Salta. „Wir brauchen mehr Leute und wir müssen sie dazu bewegen, in den Tempel zu gehen.”
    Damit es neuen und weniger aktiven Mitgliedern leichter fällt, ein evangeliumsgemäßes Leben zu führen, mißt der Pfahl zwei wichtigen Programmen große Bedeutung bei: neuen Mitgliedern viel Aufmerksamkeit schenken und den jungen Menschen helfen, sich evangeliumsgemäße Ziele zu setzen.

Neubekehrte unterstützen. Die Bedeutung, die der Aufgabe beigemessen wird, Bekehrte in der Kirche zu halten, was in der ganzen Kirche zunehmend wichtiger wird, macht nicht nur die drei Pfähle in Salta und Jujuy stark, sondern auch die übrigen Pfähle im Land. Um Bekehrte darin zu unterstützen, sich an die Veränderungen zu gewöhnen, die die Mitgliedschaft in der Kirche mit sich bringt, arbeiten die Gemeinde-Missionsleiter eng mit den Vollzeitmissionaren zusammen. Pfahlmissionare nehmen mit Menschen, die sich vor kurzem bekehrt haben, die Lektionen für neue Mitglieder durch und freunden sich mit ihnen an, damit sie ihnen auch dann helfen können, wenn die Vollzeitmissionare versetzt werden. „Wir richten es so ein, daß die Mitglieder Untersucher und Neubekehrte kennenlernen”, erklärt Bischof Mario Rodríguez aus der Gemeinde El Portezuelo im Pfahl Salta. „Die Missionare spielen bei der Bekehrung eines Menschen eine große Rolle, aber das tägliche Leben als Mitglied ist etwas ganz anderes. Untersucher brauchen Amigos sie müssen mit Menschen Freundschaft schließen, die ihnen ähnlich sind. Wenn man es so betrachtet, liegt die Verantwortung für erfolgreiche Missionsarbeit in Wirklichkeit bei uns und nicht bei den Missionaren.”
    Die Lektionen für neue Mitglieder tragen dazu bei, Freundschaften zu schließen und das Evangelium besser zu verstehen. Dennoch sah die Gebietspräsidentschaft es als notwendig an, Neubekehrte über spezielle Bräuche der Heiligen der Letzten Tage aufzuklären. „Wir haben uns Präsident Hinckleys Wunsch, mehr Neubekehrte in der Kirche zu halten, sehr zu Herzen genommen”,.erklärt Elder Dickson. „Dabei hat es sich als hilfreich erwiesen, den Zeitraum zu verlängern, in dem die Missionare nach der Taufe noch mit der Familie arbeiten. Sie besuchen Mitglieder, die sich vor kurzem haben taufen lassen, zu Hause und erklären ihnen die Bräuche der Heiligen der Letzten Tage.”
    „Wenn man den Zeitraum verlängert, der den Missionaren für Neubekehrte zur Verfügung steht, bekommen die Führer der Gemeinde bzw. des Zweiges die Möglichkeit, mit den neuen Mitgliedern zu arbeiten, ihnen Berufungen in der Gemeinde zu geben und die Männer zum Aaronischen Priestertum zu ordinieren”, sagt Elder Carlos H. Amado, der seit August 1997 als Gebietspräsident dient.
    Die Gebietspräsidentschaft hat die Missionare angewiesen, Neubekehrte in acht Grundsätzen zu unterweisen – einem Grundsatz pro Woche –, die mit den mit der aktiven Mitgliedschaft in der Kirche verbundenen Praktiken im Zusammenhang stehen. Zu diesen neuen Bräuchen gehören unter anderem der wöchentliche Versammlungsbesuch, das persönliche Gebet sowie das Familiengebet, das Lernen von Kirchenliedern, das regelmäßige Lesen in der heiligen Schrift und das Zahlen des vollen
Zehnten (die Missionare erklären den neuen Mitgliedern, wo man einen Spendenzettel bekommt, wie man ihn ausfüllt und wem man den Zehnten gibt).
    „Die Missionare geben jeder Familie eine Kopie von: Die Familie -  eine Proklamation an die Welt"`, sagt Elder Dickson. Wenn die Missionare erklärt haben, wie wichtig die Familie für die Ewigkeit ist, fordern sie die Familie auf, die Proklamation zu rahmen und aufzuhängen. Außerdem lernt die Familie, wie man den Familienabend organisiert und durchführt, wird mit dem Genealogieprogramm der Kirche vertraut gemacht und wird aufgefordert, sich das Ziel zu setzen, in den Tempel zu gehen.
    „Ein großer Teil unserer Arbeit in diesem Gebiet besteht darin, Mitglieder in der Kirche zu halten”, sagt Carlos Pedraja, ehemals Präsident der Mission Salta. „Und diese Arbeit trägt Früchte.”
    Víctor und Norma Soardo und ihre Kinder, Lilian, zwölf Jahre alt, und Marcos, fünfzehn Jahre alt, haben sich beispielsweise 1997 taufen lassen. Die Soardos sind sowohl für die freundliche Aufnahme als auch für die Lektionen dankbar, in denen ihnen vermittelt wurde, wie man ein gutes Mitglied der Kirche wird. „Seit der Zeit, wo ich die Kirche kennengelernt habe, hat es in meinem Leben eine Überraschung nach der anderen gegeben", sagt Bruder Soardo. „Gute Überraschungen allerdings”, fügt er noch hinzu und spielt damit darauf an, wie er zu seinem Erstaunen in die Zweigpräsidentschaft berufen wurde.
    Kurz nach der Taufe der Familie wurde das Auto, mit dem Víctor Soardo den Lebensunterhalt für seine Familie verdient, bei einem Unfall beschädigt. Nun wußte die Familie nicht mehr, woher das zum Leben notwendige Geld kommen sollte. Víctor war bald ganz verzweifelt. Er hatte nur ganz wenig Geld für ein neues Auto.
    Eines Montags war er an der Reihe, den Familienabend zu planen. Er rief seine Frau und seine Kinder zusammen und sagte: „Wir wollen heute abend nicht wie üblich eine Lektion durchnehmen, sondern lieber beten. Wir wollen dem Herrn unser Problem vortragen.” Dann betete die Familie abwechselnd zum Herrn.
    „Ein paar Tage später hörte ich, daß jemand ein Auto zum Verkauf anbot”, erinnert Víctor sich. „Als ich die Straße hinunterfuhr und nach der Adresse Ausschau hielt, kam ich an einem alten Lastwagen vorüber, der am Straßenrand geparkt war. Da kam mir die Idee, anzuhalten und den Besitzer zu fragen, ob er den Lastwagen vielleicht verkaufen wolle.” Der Besitzer hatte auch tatsächlich Interesse an einem Verkauf, und so verhandelten die beiden eine Zeitlang, bis der Besitzer Víctor schließlich fragte, wieviel Geld er denn habe. Und dann erklärte er sich einverstanden, den Soardos seinen Lastwagen für die Hälfte des ursprünglich geforderten Preises zu verkaufen.
    „Mit diesem Lastwagen sorge ich nun für den Lebensunterhalt meiner Familie. Ich zahle den Zehnten. Der Lastwagen ist so viel besser für mich”, sagt der dankbare Víctor. „Ich hätte nie geglaubt, daß ich einmal einen Lastwagen mein eigen nennen würde. Der Herr wußte viel besser, was ich brauche.” Weil die Soardos gelernt haben, wie man als Heiliger der Letzten Tage lebt, konnten sie dieses und andere Probleme viel besser bewältigen.
    "Zum Teil ist es sicher auf die Aufmerksamkeit, die den Menschen nach der Taufe geschenkt wird, zurückzuführen, daß die Kirche sowohl in Salta als auch in Jujuy und anderen Gegenden Argentiniens in den letzten Jahren ein starkes Wachstum zu verzeichnen hatte. Dieses Wachstum hat auch eine ganze Reihe neuer Führungskräfte hervorgebracht wie beispielsweise Víctor Soardo, der jetzt als Präsident des Zweiges Guemes im Pfahl Salta-West dient. „Ungefähr achtzig Prozent unserer Führungskräfte hier im Norden sind in der ersten Generation Mitglied der Kirche”, erklärt Pedro López, ein Kiefernorthopäde, der sich im Alter von fünfundzwanzig Jahren der Kirche angeschlossen hat und mit neunundzwanzig Jahren zum Präsidenten des Pfahles Jujuy berufen wurde. Die Tatsache, daß den Neubekehrten Hilfe bei der Gewöhnung an die neue Lebensführung als Mitglieder der Kirche zuteil wird, hat die Gemeinden und Pfähle in Salta und Jujuy beträchtlich gestärkt.

Die jungen Menschen unterstützen.  Außerdem messen die Führer der Kirche der Aufgabe, die Jugendlichen zu unterstützen und sie auf ihre Rolle als zukünftige Führer vorzubereiten, sehr große Bedeutung bei. „Zahlreiche Jugendliche haben sich erst vor kurzem bekehrt und sind in ihrer Familie das einzige Mitglied”, sagt Präsident Díaz Weiter erklärt er, daß derzeit etwa sechzig Prozent aller erwachsenen männlichen Bekehrten junge Männer im Alter zwischen siebzehn und zwanzig Jahren sind. Wenn man noch die jungen Männer und Frauen dazurechnet, in deren Familie nicht alle der Kirche angehören bzw. deren Familie weniger aktiv ist, dann ist es leicht verständlich, daß gerade die jungen Leute viel Unterstützung und Weisung von seiten der Führer der Kirche brauchen.
    Das Problem ist zum Teil auch wirtschaftlicher Natur. Wenn ein junger Mensch die siebte Klasse abgeschlossen hat, damit endet derzeit die Schulpflicht in Argentinien, dann wird oft von ihm erwartet, daß er arbeiten geht und mit seinem Verdienst seine Familie unterstützt. Und weil der Lohn der jungen Leute eben für den Lebensunterhalt der Familie gebraucht wird, werden junge Heilige der Letzten Tage, in deren Familie nicht alle Mitglied sind bzw. deren Familie weniger aktiv ist, nicht zum Besuch einer weiterführenden Schule und zur Erfüllung einer Vollzeitmission angehalten.
    Um solche Schwierigkeiten bewältigen zu können, bemühen sich die Führer der Kirche, die teilweise begrenzten Erwartungen der jungen Leute zu erweitern. Sie bemühen sich, den Jungendlichen bewußt zu machen, wer sie sind und was sie werden können. „Mit der Hilfe der Bischöfe und Seminarlehrer macht unsere Jugend Fortschritt” erklärt Präsident Díaz. „In jedem Gespräch wird ihnen aufgezeigt, daß der Missionsdienst und die Heirat im Tempel auf sie warten.” Außerdem wird auch oft über Bildungsziele gesprochen und darüber, wie notwendig es ist, sich auf zukünftige Aufgaben vorzubereiten.
    In Salta ist das Bildungswesen der Kirche ein sehr wichtiger Faktor, mit dessen Hilfe die Bischöfe jungen Menschen den so notwendigen Blickwinkel des Evangeliums vermitteln. „Die Lehrer der Seminar- und Institutsklassen leisten hervorragende Arbeit bei den Jugendlichen”, sagt Präsident Díaz. Er ist sehr dankbar für diese Programme. So gelingt es, im Leben der jungen Menschen ansehnliche Veränderungen zu bewirken.
    Präsident Díaz versteht solche Schwierigkeiten gut. Er hat sich nämlich selbst mit siebzehn Jahren taufen lassen und war der einzige in seiner Familie, der sich der Kirche angeschlossen hat. „Mein Zweigpräsident hat mir durch die schwierige Zeit hindurchgeholfen”, erklärt er. „Er hat viele Stunden mit mir zugebracht; er hatte immer Zeit für mich.” Diese wichtige Beziehung half dem jungen Jacinto Díaz, sich für eine Mission zu entscheiden. Er ging trotz des Widerstands seiner Eltern. Doch als er zwei Jahre später nach Hause zurückkehrte, hatten sich seine Mutter und elf weitere Familienangehörige der Kirche angeschlossen.
Junge Leute, die trotz widriger Umstände hei der Kirche bleiben, auf Mission gehen und sich nach ihrer Rückkehr Ziele für ihre weitere Ausbildung und die Heirat im Tempel setzen, sind ein wichtiger Stützpfeiler des Werkes des Herrn. Marcelo Gonzáles beispielsweise hatte sich das Ziel gesetzt, auf Mission zu gehen, und heiratete nach seiner Rückkehr im Tempel. Er wurde im Alter von vierundzwanzig Jahren als Bischof und mit sechsundzwanzig Jahren als Pfahlpräsident berufen; heute ist er Ratgeber in der Präsidentschaft der Mission Salta.
    Miguel Samudio hat sich der Kirche während seiner Studienzeit in Buenos Aires angeschlossen. Er traf die schwierige Entscheidung, seine Freundin zurückzulassen und auf Mission zu gehen. „Ihre Eltern wollten nicht, daß sie sich taufen ließ, und sie wollte nicht, daß ich auf Mission ging”, erzählt er. „Aber ich mußte es einfach tun. Ich hatte doch einen großen Schatz gefunden.” Sechs Monate später bekam er mit der Post ein Foto von ihr, auf dem sie ganz weiß gekleidet abgebildet war. Neben ihr standen zwei Missionare. Da wurde ihm klar, daß sie sich hatte taufen lassen. Als er seine Mission beendet harte, heirateten die beiden im Tempel. Noch nicht einmal fünf Jahre nach seiner Mission wurde Miguel Samudio als Zweiter Ratgeber in der Präsidentschaft des Pfahles Jujuy berufen.
    „Trotz aller Probleme verlieren wir den Blick für dieses wichtige Werk nicht”, erklärt Präsident Díaz. „Probleme gibt es immer. Aber man darf darüber nicht die Freude vergessen.”
    Wie Setzlinge, die Wurzeln schlagen und schnell zu wachsen beginnen, hat sich die Mitgliederzahl der Kirche in Argentinien in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt, und zwar dank des Programms, die Mitglieder in der Kirche zu halten, und der großen Unterstützung, die den Jugendlichen zuteil wird, wie es am Beispiel von Salta und Jujuy deutlich geworden ist.

HERANREIFEN IN MENDOZA:
WIRTSCHAFTLICHE SCHWIERIGKEITEN BEWÄLTIGEN
    Mendoza, die Heimat von mehr als einer Million Menschen, liegt ungefähr 950 Kilometer westlich von Buenos Aires an der warmen, trockenen Seite der Anden, wo kaum jemals Regen fällt. Wie in anderen Großstädten Argentiniens reift die Kirche auch in Mendoza heran; die Programme der Kirche sind gut einführt. Dennoch stellen die andauernden wirtschaftlichen Schwierigkeiten die Mitglieder auch weiterhin auf die Probe. Deshalb ist es oberste Priorität, nach Möglichkeiten zu suchen, wie die Mitglieder unabhängiger werden können. Dies gilt vor allem für den Pfahl Maipú de Cuyo, dessen Präsident Luis Wajchman, sich schon als Jugendlicher der Kirche angeschlossen hat.   
     Luis Wajchmans polnische Eltern waren zwar keine Christen, haben ihren Sohn in Argentinien aber in einer guten, religiösen Umgebung erzogen. Als er siebzehn Jahre alt war, wurde er eines Tages gebeten, vor einer Seminarklasse über das Alte Testament zu sprechen. Diese Aufgabe nahm er gerne wahr. Er fühlte sich bei den jungen Leuten in der Klasse wohl und besuchte auch weiterhin den Unterricht am frühen Morgen, um ihnen Fragen zu beantworten. „Ich dachte, ich würde sie unterweisen”, sagt er, „aber in Wirklichkeit haben sie mich unterwiesen.” Luis wollte nun mehr über das Buch Mormon wissen, und deshalb fing er eines Tages an, darin zu lesen. „Beim Lesen wurde mir allmählich bewußt, wer Jesus Christus wirklich war nämlich der Messias”, erinnert er sich. „Das berührte mich tief. Ich las die ganze Nacht lang.” Nachdem sein Beten erhört worden war, entschloß er sich zur Taufe, obwohl seine Familie ganz und gar nicht damit einverstanden war. „Ich hatte den großen Wunsch, zu studieren und alles aufzuholen, was ich meiner Meinung nach versäumt hatte”, erklärt er. Später heiratete er Laura Moltó, die Tochter seines Seminarlehrers, und begann kurz darauf mit seinem Dienst in Führungspositionen zuerst in der Gemeinde und nun im Pfahl.
     Zu Präsident Wajchmans Pfahl, der sich von den verkehrsreichen Stadtstraßen über die Ausfallstraßen bis hin zu den Feldern des Umlandes erstreckt, gehören zahlreiche Familien, denen es wirtschaftlich nicht gut geht, ein weitverbreitetes Phänomen in Argentinien, wo die Arbeitslosenrate derzeit 17 Prozent beträgt.
    Die Sorge um das wirtschaftliche Wohlergehen seiner Mitglieder veranlaßte Präsident Wajchman, sich intensiv um Programme und Hilfsmittel der Kirche zu kümmern, mit deren Hilfe man für die Grundbedürfnisse der Mitglieder sorgen konnte. „Ich kenne Luis gut”, sagt Jaime Moltó, Präsident Wajchmans Schwiegervater. „Er macht sich um jedes Mitglied Gedanken — um jeden einzelnen.” Daraus entstand eine breitgefächerte Initiative, die nicht nur die Ursachen der Armut berücksichtigte, sondern auch die unmittelbaren Bedürfnisse der Mitglieder.
    Eine gute Ausbildung ist eine wichtige Voraussetzung für eine stabile wirtschaftliche Situation. Sie ermöglicht es den Menschen, die sich herauskristallisierenden wirtschaftlichen Möglichkeiten zu nutzen. Um den Mitgliedern seines Pfahles zu helfen, sich für höhere Aufgaben zu qualifizieren, hat Präsident Wajchman David Durán als Spezialist des Pfahles für Lesen und Schreiben berufen. Bruder Durán führt Lesekurse durch. Außerdem hat Präsident Wajchman mit der Regierung vereinbart, eine Schule für Erwachsene zu eröffnen: der Pfahl stellt die Räumlichkeiten zur Verfügung, die Regierung die Lehrer. „Wir fordern alle Mitglieder und nicht nur die jungen Menschen auf, mindestens einen dem High-School-Abschluß entsprechenden Abschluß zu machen”, erklärt er.
    Auch weitere Programme der Kirche sind hilfreich: so ist beispielsweise ein Arbeitsplatzspezialist berufen worden, der den Mitgliedern hilft, Arbeit zu finden. Und die FHV bringt den Schwestern bei, wie man Kleidungsstücke näht und Lebensmittel einkocht bzw. trocknet.
    Präsident Wajchmans ehrgeizigstes Vorhaben besteht aber wohl darin, einen Garten anzulegen, damit die Mitglieder seines Pfahls etwas zu essen haben. Der Garten liegt hinter dem kleinen Gemeindehaus und umfaßt knapp einen Hektar fruchtbares Ackerland, wo das ganze Jahr über Getreide wächst. „Jede Woche kommen die Ältesten aus den Gemeinden abwechselnd zu uns, um sich um den Garten zu kümmern”, erklärt Bischof Silvio Valtolina aus der Gemeinde San Martín 2. „Für sie ist das ein Opfer.” Aber es ist auch eine Segnung für alle, die zum Dienen bereit sind.
    Obwohl landwirtschaftliche Geräte heutzutage weit in Argentinien verbreitet sind, kann man sie für das Bestellen einer so kleinen Fläche nicht gebrauchen. Deshalb haben die Mitglieder des Pfahls mit finanzieller Unterstützung aus dem Pfahlbudget, aus dem auch die Kosten für Samen und Werkzeuge bestritten werden, ihren Ideenreichtum unter Beweis gestellt und sich anderen Methoden zugewendet. Im reichen, schwarzen Boden werden viele verschiedene Gemüsesorten wie Rüben, Bohnen, Zwiebeln und Sellerie angebaut und mit Schneewasser aus den Anden bewässert, das in Kanälen herbeigeführt wird. Wir hatten erst Angst, daß die Vögel die Samenkörner fressen könnten", sagt der Pfahlmissionar Mario Durán. Aber wir sind gesegnet worden. Der Herr weiß um unsere Opfer und die Bedürfnssie der Menschen. Die Vögel suchen die Farmen in unserer Umgebung heim, kommen aber nur ganz selten zu uns. Und dort, wo  wir mit einhundert Kilogramm Ernte rechnen, erreichen wir dreihundert.

  Solcher Überfluß stärkt nicht nur den Glauben und deckt nicht nur den Tisch, sonder eröffnet auch Chancen. Weil manche Gemüsesorten, die auf dem Grundstück des Pfahl wachsen, relativ unbekannt sind, wissen die Mitglieder manchmal nicht genau, wie sie sie zubereiten sollen. Jaime Moltó erinnert sich: Präsident Wajchman hat den Schwestern Kürbisse gegeben und sie gefragt, was man daraus kochen kann. Dann sind alle zusammengekommen, um sich Rezepte zu überlegen."

Die angebauten Produkte werden zusammen mit Hühner- und Kaninchenfleisch aus einem anderen Projekt von Präsident Wajchman von den Bischöfen an bedürftige Mitglieder im Pfahl verteilt. „In unserem  Pfahl", so sagt er, „machen wir den Leuten klar, daß sie säen müssen, damit jemand anders ernten kann.”
Die Programme der Kirche zur Verbesserung des Bildungsstandes und der wirtschaftlichen Lage können nur deshalb durchgeführt werden, weil es Führer und Mitglieder gibt, die bereit sind, Opfer zu bringen. Und gerade diese Opfer machen in Mendoza den Unterschied.

AUFBLÜHEN IN BUENOS AIRES:
DIE SEGNUNGEN DER ZWEITEN GENERATION
Wolkenkratzer türmen sich hoch über dem Straßenlabyrinth von Buenos Aires auf, einer Stadt mit mehr als dreizehn Millionen Einwohnern manche Straßen sind schrecklich eng, andere wiederum ungeheuer breit. Buenos Aires liegt am Rio de la Plata und hat stark europäische Wurzeln, die heute mit Menschen aus vielen verschiedenen Ländern zusammenwachsen. In dieser interessanten Mischung blüht die Kirche, die im April 1999 fünfundzwanzig Pfähle in Buenos Aires hatte, richtig auf.
Weil es die Kirche in Buenos Aires schon länger gibt, haben die Mitglieder der ersten Generation, die bereitwillig für ihre Kinder Opfer gebracht haben, eine starke zweite Generation hervorgebracht, die nun Führungsaufgaben übernimmt. Die Geschichte der Familien Hofmann und Salas ist ein Beispiel für die Vorteile, die einem zuteil werden, wenn man sich den Blickwinkel des Evangeliums zu eigen macht.
Die Hofmanns: Erste Mitglieder der ersten Generation. 1937 nahm ein deutsches Einwandererpaar mit Namen Hofmann das Evangelium an und ließ sich taufen. Kurz darauf wurde ihr Sohn, Carlos Guillermo Hofmann, geboren und wuchs als Heiliger der Letzten Tage auf. „Damals waren wir nur ein kleiner Zweig”, erinnert er sich. „Ich bin mit dem Glauben der Kirche aufgewachsen. Wir sind immer auf dem richtigen Weg geblieben.”
Damals in der Kirche aktiv zu bleiben bedeutete, sich zu Hause zu treffen und der einzige Heilige der Letzten Tage in der Schule zu sein und später als Erwachsener beinahe allein die schwere Verantwortung der Führerschaft tragen zu müssen.
Nachdem Carlos Hofmann und Irma Scholz geheiratet hatten, brachten beide alle Opfer, die notwendig waren, damit ihre Kinder in der Kirche aufwachsen konnten. „Ich bin meiner Frau, die die Verantwortung getragen hat, während ich meinem Beruf nachging und in meinen Berufungen in der Kirche diente, sehr dankbar”, sagt Bruder Hofmann. „Ich glaube, ich war
häufig nicht zu Hause, aber den Kindern fehlte es an nichts. Wir haben immer gewissenhaft den Familienabend gehalten.” Heute sind seine Kinder und Enkelkinder stark und in der Kirche aktiv.
Die Familie Salas: Führer in der zweiten Generation. Alfredo Salas, Präsident des Pfahls Buenos-Aires-West, ist ein gutes Beispiel für das, was heute in Argentinien geschieht, weil Eltern ihre alten Sichtweisen aufgegeben und sich den Blickwinkel ihres neuen Glaubens angeeignet haben. „Meine Eltern haben sich der Kirche angeschlossen, als ich elf Jahre alt war”, sagt Präsident Salas. „Damals haben wir zum kleinen Zweig Bahía Blanca gehört.” Als das Seminarprogramm eingeführt wurde, wollte er gerne daran teilnehmen, aber seine Eltern, die schon große Opfer bringen mußten, um ihn zur Schule schicken zu können, hatten Angst, daß ihn das vom Lernen abhalten könne. Um ihre Bedenken zu zerstreuen, lernten er und sein Bruder besonders fleißig. Um das Seminar zu besuchen, mußten sie morgens um fünf Uhr aufstehen und bis zum Bus mehrere Blocks zu Fuß laufen. Nach der Busfahrt liefen sie dann von der Haltestelle aus noch einmal acht Blocks bis zum Gemeindehaus. Um später pünktlich zur Schule zu kommen, rannten sie acht Blocks zurück zum Bus, der sie nach Hause zurückfuhr. Von dort rannten sie dann den ganzen Weg bis zur Schule. „Dieses Opfer hat meinem Zeugnis eine stabile Grundlage gegeben”, meint Bruder Salas.
Mit Rückendeckung von seiten seiner Eltern ging er auf Mission. Auch dieses Erlebnis festigte sein Zeugnis enorm. Als er zurückkam, sah er sich aufgrund schwieriger finanzieller Verhältnisse einem neuen Dilemma gegenüber: Sollte er nun erst die Schule beenden oder erst heiraten? Die Entscheidung war nicht leicht. Dennoch entschied er sich für die Heirat, und es dauerte noch sieben weitere Jahre, bis er endlich seinen Abschluß als Computerfachmann machen konnte. Im Alter von sechsundzwanzig Jahren wurde er zum Bischof berufen und diente während der letzten beiden Jahre seines Studiums in dieser Berufung. Später studierte er noch weiter und machte seinen Abschluß in Betriebswirtschaft. Weil seine Eltern so viel Wert auf das Lernen gelegt hatten, hat Präsident Salas heure eine gute Stelle als Landesmanager einer Firma für Computerprogrammierung und kann darüber hinaus noch Zeit für die Kirche aufbringen.
Mitglieder in der zweiten bzw. dritten Generation wie beispielsweise Alfredo Salas rücken zunehmend in Führungspositionen auf, und zwar dank ihrer glaubenstreuen Eltern. „Wir geben uns große Mühe, gute Eltern zu sein”, sagt Bischof Gustavo Berta aus der Gemeinde Litoral im Pfahl Litoral, der sich gegen Ende der sechziger Jahre taufen ließ. „Bei uns zu Hause hängt in jedem Zimmer ein Bild von Jesus Christus. Wir halten den Familienabend und das Familiengebet. Wir bringen unseren Kinder neue Bräuche bei.”
Daß in Buenos Aires soviel Wert auf Bildung und eine Mission gelegt wird, beginnt sich auszuzahlen. „In der Vergangenheit war es nicht selbstverständlich, daß ein junger Mann auf Mission ging”, meint Elder Carlos E. Agüero, der Gebietsautorität-Siebziger ist. ,Wir sehen, wie sich die Dinge von Generation zu Generation ändern. Heute gehen viele hundert junge Männer und Frauen auf Mission. Bildung und eine Mission werden bei den jungen Heiligen der Letzten Tage zunehmend zur Tradition."
Von Salta, wo ein neuer Blickwinkel die alten Denkstrukturen ablöst, bis hin zu Mendoza, wo die Programme der Kirche die wirtschaftliche Not der Menschen lindern, bildet die Kirche Wurzeln und reift schnell heran. Und im Dunst des frühen Morgens strömen in Buenos Aires noch immer viele tausend Seminar- und Institutsschüler in die Gemeindehäuser, wo ihnen die Türen geöffnet werden und wo das Licht des Evangeliums in ihrem Leben erstrahlt und ihnen Hoffnung für die Zukunft schenkt. Und dieses Licht bringt für die Mitglieder in Argentinien die Verheißung eines hellen, frohen Tages mit sich.

Wellen in Argentinien

Hier geht es nicht um Geschichte. Aber trotzdem muß man manchmal etwas über die Vergangenheit wissen, um die Gegenwart schätzen zu können. Nehmen wir einmal ein Beispiel. Am Weihnachtsmorgen des Jahres 1925 gingen drei Männer hinunter zum Bach, der durch einen Park in Buenos Aires in Argentinien floß. Die meisten Menschen schliefen noch, denn es war Feiertag. Aber die drei Männer hatten ihre Familie zu Hause zurückgelassen und waren drei Wochen mit dem Dampfer unterwegs gewesen, um hierher zu kommen. Elder Melvin J. Ballard, ein Mitglied des Kollegiums der Zwölf, war von Präsident Heber J. Grant nach Argentinien gesandt worden, um ganz Südamerika für die Verkündigung des Evangeliums zu weihen.
Während die Bewohner der Stadt also noch schliefen, gingen Elder Ballard, Elder Rulon S. Wells und Elder Rev L. Pratt in einen Wald. Dort sangen sie Kirchenlieder und lasen im Buch Mormon. Dann sprach Elder Ballard ein Gebet und öffnete kraft seiner Macht als Apostel des Herrn die Tür für die Verkündigung des Evangeliums bei allen Nationen Südamerikas. Von da an breitete sich das Evangelium über das ganze Land aus, vergleichbar mit den kleinen Wellen, die entstehen, wenn man einen Stein ins Wasser wirft.
Seit Elder Ballard in Buenos Aires war, ist die Mitgliederzahl in Südamerika von nicht ganz einem Dutzend auf über eine Million angewachsen. Jedes Jahr schließen sich Zehntausende der Kirche an. Immer mehr Gemeindehäuser werden gebaut, und es gibt auch schon mehrere Tempel

Im Mittelpunkt
Wenn man einen Kieselstein ins Wasser wirft, dann entstehen – vom Mittelpunkt ausgehend – immer größere Kreise, die aber irgendwann verschwinden. Aber wenn man die Jugend der Kirche in Argentinien ein bißchen näher kennenlernt, merkt man, daß gerade hier, wo die Verkündigung des Evangeliums ihren Anfang nahm, sich die Welle des Evangeliums immer noch weiter aufbaut. Und das ist zum großen Teil auf das Seminarprogramm zurückzuführen.
Deshalb ist auch die Seminarabschlußfeier in Buenos Aires etwas ganz Besonderes. Als Elder Ballard vor beinahe 70 Jahren in dem Wald sein kraftvolles Gebet sprach, bat er den Herrn, „in aller Barmherzigkeit ... der Jugend deiner Kirche zu gedenken, die die Verantwortung für die Zukunft trägt, damit sie sich rein erhalte ... und ihrer herrlichen Bestimmung gerecht werde". Für die jungen Menschen in Argentinien bedeutet gerade das Seminarprogramm so etwas wie die unmittelbare Erhörung dieses Gebets.
Eduardo LaTourette sagt: „Das Seminar ist eine Quelle der Kraft” Und Debra Alvarez fügt noch hinzu: „Im Seminar habe ich mein Zeugnis erlangt.” Und wenn man sich mit weiteren Seminarschülern in Buenos Aires unterhält, bekommt man Ähnliches zu hören. Deshalb ist die Seminarabschlußfeier, die an diesem Wochenende stattfindet, ein so bedeutendes Ereignis.

Parque 3. de febrero
Für einige der Schüler in Buenos Aires beginnt das Wochenende mit einer Zeugnisversammlung am frühen Morgen. Und gibt es einen besseren Ort dafür als Parque 3. de Febrero, wo Elder Ballard ihr Land geweiht hat?
An diesem Samstagmorgen, um sechs Uhr früh, ist es im Park ganz ruhig. Die schwarzen Silhouetten der Palmen heben sich wie dunkle Schatten vom rosafarbenen Morgenhimmel ab. Müde Vogelrufe mischen sich mit den leisen Stimmen der verschlafenen Schüler, die sich auf einer Lichtung versammelt haben, ein Gebet sprechen und dann beginnen, wie gewohnt, Zeugnis zu geben: „Ich weiß, daß die Kirche wahr ist.” „Ich weiß, daß Joseph Smith ein Prophet war.”
Anschließend gehen wir mit Virginia, Estehan, Carolina und den anderen durch den Park. Sie machen Späße für den Fotografen; alle gehen zu einem Maulbeerbaum, pflücken dunkelrote Früchte und malen sich damit Gesicht und Hände an. Man kann gut sehen, daß sie einander gernhaben und viel zusammen sind. Maria Jose Menjoulou meint später: „Es ist leichter, das Richtige zu tun, wenn man mit Menschen zusammen ist, die die gleichen Ziele haben und sich bemühen, das gleiche zu erreichen.”
Die jungen Leute verbringen so viel Zeit miteinander wie möglich; sie spielen Basketball, Fußball, gehen zum Bowling und Pizza oder Eis essen. Und sie gehen tanzen, denn alle tanzen für ihr Leben gern. Wahrscheinlich würden sie auch heute abend tanzen, wenn heute abend nicht die Seminar-Abschlußfeier wäre.

Ein wichtiges Ereignis
Dies ist mehr als eine Zeremonie, es ist ein Ereignis. Das Gemeindehaus ist reich mit Fahnen geschmückt, und die Schüler und ihre Familien drängen sich in den Räumen. Während draußen ein Wolkenbruch niedergeht und das Wasser fast kniehoch in den Straßen steht, stehen einige der Mütter in der Küche und laden die Teller voll mit Leckereien, die darauf warten, nach der Feier gegessen zu werden. Der köstliche Geruch von Empanadas, das sind gefüllte Fleischtaschen, durchzieht das Gebäude und läßt einem das Wasser im Mund zusammenlaufen.
Und die Feier an sich? Sie besteht nicht nur darin, daß die Jungen und Mädchen nach vorne kommen, daß ihr Name genannt wird und daß sie ihre Abschlußurkunde erhalten. Zwischen den Schülern, ihren Lehrern und den Führern der Kirche herrscht wirkliche Zuneigung. Das Händeschütteln dauert ziemlich lange, und für jeden Schüler gibt es ein paar nette Worte. Dadurch dauert das Programm zwar länger, aber obwohl so viele Leckereien darauf warten, gegessen zu werden, scheint das niemandem etwas auszumachen. Hier ist die Seminar-Abschlußfeier nämlich ein ganz besonderes Ereignis. Und so soll es auch sein.

Am Sonntagmorgen
Am nächsten Morgen dämmert der Sonntag warm und sonnig herauf; am Himmel wiegen sich weiße Wolken wie Wattebäusche Buenos Aires ist eine sehr schöne Stadt mit breiten Alleen. Am späten Vormittag werden die Bürgersteige und Parks voller umherschlendernder Menschen sein. Aber im Augenblick ist es nirgendwo so voll wie in den Gemeindehäusern der Kirche, beispielsweise in Belgrano, einem Vorort von Buenos Aires. Dort lernen wir junge Menschen wie Federico Casco kennen. Als sein Vater einmal eine Geschäftsreise in die Vereinigten Staaten unternahm, hätte er mitfahren und Disneyland besuchen können. Aber er wollte lieber zu Hause bleiben, damit er nicht beim Seminarunterricht fehlen mußte und vier Jahre ohne einen einzigen Fehltag aufweisen konnte. Jetzt hat er das Seminarprogramm beendet und sagt: „Das Seminar war wie ein Licht in meinem Leben. Dadurch ist mein Zeugnis fester geworden, und es hat mit geholfen, die Entscheidung zu treffen, eine Mission zu erfüllen. ”Für die jungen Argentinier ist es nicht leicht, auf Mission zu gehen. Die Wirtschaft hat gerade erst angefangen, sich nach langen Jahren hoher Arbeitslosigkeit und extremer Inflationsraten zu erholen. Für junge Menschen unter 18 Jahren gibt es nur wenig Möglichkeiten, nebenher Geld zu verdienen, und deshalb ist es für sie nicht einfach, zu sparen. Aber andererseits haben sie dadurch auch mehr Zeit füreinander und für den Dienst in der Kirche.

Der Sonntagabend
Mauro Berta ist Erster Ratgeber in der Gemeinde-Sonntagsschule und Assistent des Bischofs im Priesterkollegium. Florencia Gomez ist JD-Sekretärin und unterrichtet in der Primarvereinigung die Sternenklasse. Und Guillermo Pitbladdo ist Sonntagsschulleiter. Am Sonntagabend fahren sie und ihre Freunde aus anderen Pfählen nach Pacheco in das Gemeindehaus.
Die meisten jungen Leute haben sich nicht erst vor kurzem zur Kirche bekehrt und gehen nicht deshalb zum Seminarunterricht, um mehr über ihren neuen Glauben zu erfahren. Im Gegenteil – viele gehören schon in der zweiten oder dritten Generation zur Kirche und haben zu Hause das Evangelium gelernt. Aber Diego Griffith meint: „Alles, was ich während der vierzehn Jahre, die ich zur Kirche gehöre, nicht gelernt habe, habe ich während der vier Jahre im Seminar gelernt. Dort bin ich noch besser mit der heiligen Schrift vertraut geworden und habe erfahren, was der Herr uns verheißen hat.”
Und Debora Walker fügt noch ergänzend hinzu: „Wenn man im Teenageralter ist, kommt es einem vor, als sei man von viel mehr Versuchungen umgeben, und ohne das Seminar wäre es sehr viel schwerer, ihnen Widerstand zu leisten.”
Vielleicht faßt es Juan Jose Zopetti am besten zusammen: „Das Seminar hilft mir in erster Linie, ein tieferes Zeugnis von Jesus Christus zu erlangen, und von seiner Liebe zu uns und der Aufgabe, die er zu erfüllen hatte.”
Und genau das ist doch das Evangelium – das wiederhergestellte Wissen von Jesus Christus, von seiner Mission und von seinen Geboten. Und genau diese Kreise hat Elder Ballard vor beinahe 70 Jahren hervorgerufen, und sie haben den ganzen Kontinent berührt. Und hier, wo alles begann, sorgen die Jugendlichen der Kirche in Argentinien dafür, daß sich das Evangelium immer weiter ausbreitet.
Larry A Hiller, Februar 1995

04:21 - 27.02.2008


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