Mormonen - Das Evangelium in aller Welt

In Mikronesien wird ein neuer Kurs gesteuert

Er liegt fest an den Boden seines Kanus gedrückt und fühlt durch das Holz die leise Bewegung der Wellen. Jede Welle bringt eine Geschichte mit – sie erzählt, bei welcher Insel sie vorher war und welchen anderen Wellen sie begegnet ist. Durch lange Erfahrung hat er die Wellen verstehen gelernt und weiß, was sie ihm über seinen Standort verraten. Und wenn er einmal weiß, wo er sich befindet, dann weiß er auch, wo sein Zuhause liegt.
Heute gibt es nicht mehr viele Inselbewohner, die wissen, wie man mit den Wellen navigiert. Mikronesien ist schon viel zu lange starken kulturellen Strömungen ausgesetzt, die viel stärker sind als alle Wellen, die sich am Strand brechen.

Ich, der Herr, euer Gott gedenke derer, die auf den nseln des Meeres sind..." (2. Nephi 29:7)
Mikronesien ist eine Inselkette mitten im Pazifik mit mehr als 11649 Quadratkilometern (mehr als ganz Europa). Die gesamte Landfläche beträgt jedoch nur 3227 Quadratkilometer (ungefähr soviel wie Luxemburg). Von den 2200 Inseln und Atollen sind nur etwa 125 bewohnt. Die Inseln gliedern sich in sieben Staaten: Die Republik der Marshall-Inseln, die Konföderation Mikronesien (die hauptsächlich aus den Karolinen besteht), die Republik der Palau-Inseln, das US-amerikanische Territorium Guam, die Nationengemeinschaft der Nord-Marianen, die Republik Nauru und die Republik Kiribati (früher Gilbert-Inseln). Mehrere andere Inseln wie die Atolle Wake und Johnston gehören zu den Vereinigten Staaten.
Seit unzähligen Jahren ist das Leben in Mikronesien in denselben Bahnen verlaufen. Die Temperaturen waren relativ konstant, und in den Lagunen gab es reichlich Fische, die den Speisezettel aus Obst, Gemüse und Wurzeln ergänzten, die an Land angebaut wurden. Und wenn manche Inseln auch hin und wieder eine Dürreperiode zu überstehen hatten, so regnete es doch meistens so reichlich, daß die Inseln das ganze Jahr über grün waren.
Krankheit und Tod gab es natürlich auch, und die Menschen kannten die Gefahren, die das Meer barg. Aber sie waren durch starke Bande miteinander verbunden, und es war Tradition, einander zu helfen. Das Land gehörte den Frauen, die Häuptlinge jedoch waren Männer. Zimmerhandwerk, Fischerei, Landwirtschaft und Heilkunst wurden hoch geschätzt, und die Nachbarinseln standen in regem Tauschverkehr. Jeder Bewohner gehörte zu einer Familie und damit zu einem Clan; jeder wußte genau, welchen Platz er in der Welt einnahm.
Aber heute stürzen die Veränderungen wie eine riesige Flutwelle über Mikronesien herein. Auf den Inseln, die weit von den Politik- und Handelszentren entfernt sind, leben viele Bewohner noch genauso wie ihre Vorfahren, aber in den Städten sehen sich die Menschen starken neuen sozialen Strömungen ausgesetzt.
Mikronesien ist im Verlauf der Jahrhunderte von verschiedenen Staaten besetzt worden, und darunter hat die alte Kultur natürlich stark gelitten. In den letzten Jahren haben Sozialleistungen die Selbständigkeit der Inselbewohner unterhöhlt; die traditionellen Verhaltensweisen weichen nach und nach der von der Regierung gesteuerten Güterproduktion und -verteilung. Weil immer mehr Lebensmittel importiert werden, leiden viele Inselbewohner an Diabetes. Auch Alkohol und Tabak fordern ihren Tribut. Auf manchen Inseln ist der Selbstmord die häufigste Todesursache unter den jungen Männern. Das liegt daran, daß sie nicht wissen, was sie tun und wohin sie gehen sollen, und sich nicht in der neuen Welt zurechtfinden, die sie nicht verstehen können.
Aber natürlich sind nicht alle Veränderungen negativ. Auch wenn moderne Medikamente noch nicht überall zur Verfügung stehen, so haben sie doch schon oft Leben verlängert und Schmerzen gelindert. Es gibt Schulen, und der Familienzusammenhalt ist immer noch stark. Auch die Nachbarschaftshilfe wird noch groß geschrieben.
Aber am allerwichtigsten ist die Botschaft, die die Missionare der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage seit mehreren Jahrzehnten auf den Inseln Mikronesiens verkünden. Dem Herrn liegen diese Inseln sehr am Herzen, und seine Kirche zeigt den Bewohnern, wie sie die unruhigen Zeiten sicher überstehen können. Je mehr sich das Evangelium verbreitet, desto mehr Mikronesier finden ihren Platz in der Welt und den Weg zurück nach Hause.

Das Gesicht einer Frau ist nicht ihre einzige Tugend" (nach einem chuukesischen Sprichwort)
Wie Magrina Sam Aiten den Weg zum Manila Tempel auf den Philippinen schaffte, um dort die Begabung zu empfangen, zeigt deutlich, welche kulturelle Kluft die Mikronsier überspringen und welche Entfernungen sie bewältigen müssen, wenn sie zum Herrn kommen. Als Magrina in Chuuk (oder Truk) wohnte, erhielt sie Besuch von den Missionaren. Sie stellte ihnen eine Frage zu Joseph Smith, und „die Antwort der Missionare drang mir tief ins Herz; deshalb bat ich sie, mit mir die Missionarslektionen durchzunehmen”.
Sie las das Buch Mormon und empfing dadurch ein Zeugnis vom Evangelium. Aber das führte dazu, daß sie und ihr Mann sich entfremdeten. Es gefiel ihm nämlich gar nicht, wenn die Missionare kamen. Als sie Magrina das Fasten erklärten, nahm sie sich vor, als erstes für ihren Mann zu fasten. „Ich spürte den Geist, und meinem Mann wurde das Herz erweicht.” Er war einverstanden, daß die Missionare seine Frau und seine Kinder weiterhin besuchten. „Einen Monat später gesellte er sich auch dazu”, sagt Magrina. „Und im Januar 1986 haben mein Mann, unser ältestes Kind und ich uns taufen lassen.”
Magrinas Mutter war auch nicht glücklich darüber, daß ihre Tochter sich der Kirche angeschlossen hatte. „Meine Mutter wollte nicht, daß ich mich taufen ließ, und drohte, sie habe dann keine Tochter mehr.” In einer Gesellschaft, wo die Familienbande wichtiger sind als alles andere, war das eine schlimme Drohung. „Aber ich sagte meinen Kindern, sie sollten für ihre Großmutter beten.” Drei Monate später kam Magrinas Mutter zu Besuch und blieb über das Wochenende hinaus bei ihrer Tochter.
Am Montagabend hielten die Aitens Familienabend. „Meine Mutter war ziemlich still”, erzählt Magrina. „Meine Tochter sprach das Schlußgebet, und anschließend haben die Kinder ihre Großmutter umarmt und geküßt. Mutter hatte Tränen in den Augen und sagte: ,Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, wie du deine Kinder aufziehst. Sie sind so ganz anders als du, als du klein warst.' Das konnte ich nur bestätigen, denn damals wußte ich ja noch nicht, wie man betet. Aber meine Kinder wissen, was sie tun müssen.”
Kurz danach zog Magrina auf die etwa 1300 km entfernte Insel Saipan. Saipan ist ein wahrer Schmelztiegel. Die Insel gehört zu den nördlichen Marianen und ist ziemlich groß (etwa 23 km x 8 km). Hier sind Leute aus dem gesamten Pazifikraum und sogar aus den Vereinigten Staaten und Europa zu finden. Den Japanern dient sie als beliebtes Urlaubsziel, und die Filipinos und Koreaner arbeiten in den dortigen Textilfabriken. Auch viele Bewohner anderer Inseln Mikronesiens sind nach Saipan gekommen, weil die Lebensweise hier sowohl von der - mikronesischen Tradition als auch von der westlichen Lebensart geprägt ist.
Auf Saipan lernte Magrina Jim und Julie Ellis aus den Vereinigten Staaten kennen, die auf der Insel wohnten. Bruder Ellis war ihr Heimlehrer und Schwester Ellis ihre Besuchslehrerin. 1992 machte Bruder Ellis ihr Mut, in den Tempel zu gehen. Magrina wäre auch gerne gegangen, aber ihr Mann war inzwischen gestorben, und sie hatte wieder geheiratet. Ihr neuer Mann gehörte nicht der Kirche an und wollte sie nicht nach Manila fahren lassen. Ihre Meinungsverschiedenheiten führten schließlich zur Trennung.
Am Tag vor dem Abflug nach Manila kehrte Magrinas Mann zurück. „Als er durch die Tür trat und mein Gesicht sah, wußte er sofort, daß ich meine Meinung nicht geändert hatte. Ich liebe ihn, aber ich liebe auch meine Kinder und will das Beste für sie.” Ihr Mann ließ sie fahren und erklärte sich sogar bereit, zu Hause nicht mehr zu rauchen und keinen Alkohol zu trinken.
„Ich fuhr also in den Tempel, und Schwester Ellis begleitete mich. Dort spürte ich den Geist sehr stark. Alles ging mir sehr zu Herzen.” Als Magrina im Tempel war, ließ sie auch die heiligen Handlungen für ihren ersten Mann vollziehen.
In den Sprichwörtern heißt es, eine tüchtige Frau sei mehr wert als alle Perlen. „Kraft und Würde sind ihr Gewand, sie spottet der drohenden Zukunft... .
Ihre Söhne stehen auf und preisen sie glücklich, auch ihr Mann erhebt sich und rühmt sie... .
Nur eine gottesfürchtige Frau verdient Lob.” (Sprichwörter 31:25,28,30.)
In Mikronesien gibt es viele Frauen, die solches Lob verdienen.

„Du weißt erst dann, ob eine Kokusnuß Milch enthält, wenn du sie geöffnet hast." (Palauanisches Sprichwort)
Vor mehr als fünfzig Jahren wurde Ben Roberto auf Angaur geboren, einer kleinen Insel in der Nähe von Palau, drei Kilometer breit und vier Kilometer lang. Er erzählt: „Als ich klein war, kam Angaur mir riesengroß vor, aber als ich dann anfing, Zeitschriften zu lesen und dort andere Inseln und Städte abgebildet sah, wurde mir bewußt, wie klein meine Insel in Wirklichkeit war.” Er besuchte zwei Jahre das College in Guam und schloß sich dann der Armee der Vereinigten Staaten an, um mehr von der Welt zu sehen.
Während seiner Dienstzeit in Vietnam sah er dann mehr von der Welt, als ihm lieb war. „Etwas Derartiges hatte ich noch niemals erlebt”, erklärt er. „Und ich begann mich zu fragen, was für einen Sinn das Leben überhaupt hatte.” Nach seiner Militärzeit nahm er verschiedene Stellen in den Vereinigten Staaten an, bis er schließlich Stahlarbeiter wurde. Aber er suchte immer noch nach etwas Aufregendem. „Irgend etwas fehlte mir nämlich. Ich hatte das Gefühl, daß noch mehr zum Leben gehört.”
Eines Tages stieß er in einem Motel auf eine Bibel. Er las darin und wollte mehr wissen, weil er das Gefühl hatte, es könne vielleicht sein, daß er Gott gesucht hatte. „Und so begann ich, Gott in den verschiedenen Kirchen zu suchen. Dann geschah etwas mit mir; ich fühlte mich gedrängt, nach Palau zurückzukehren. Damals wohnte ich in Milwaukee. Ich beschloß also, nach Hause zurückzukehren.”
Aber auch als er wieder zu Hause war, blieb seine lange Suche nach Gott ergebnislos. Doch 1980, ein Jahr nach seiner Rückkehr, lernte er die Missionare kennen. Die Kirche war noch ganz neu in Palau, und zuerst tat er ihre Botschaft als Unsinn ab. Aber als er das Buch Mormon und andere Veröffentlichungen der Kirche las, wurde ihm das Zeugnis zuteil, daß er die Wahrheit gefunden hatte.
Ben ließ sich taufen und weihte sein Leben dem Herrn. Trotz seines Alters (er war damals 41 Jahre alt) fühlte er sich gedrängt, auf Mission zu gehen. Das erschien zum damaligen Zeitpunkt allerdings ziemlich unmöglich, und deshalb berief ihn sein Missionspräsident auf eine Distriktsmission. 16 Monate arbeitete er in Palau. Kurz nach seiner Entlassung heiratete er und wurde im Manila-Tempel gesiegelt.
Derzeit dient Ben als Distriktspräsident. Außerdem gehört er dem Bildungsausschuß in Palau an und arbeitet für die Legislative. „Die Kirche hat mir die beste Bildung überhaupt vermittelt”, sagt er. „Wenn ich eine Aufgabe übertragen bekomme, dann wende ich die Erfahrungen an, die ich in der Kirche gesammelt habe, um sie zu erfüllen.”
Präsident Roberto loht die Missionare dafür, daß sie den Veränderungen in Mikronesien eine neue Richtung geben. Das Evangelium macht das Leben besser, und weil die Missionare es so gut repräsentieren, schließen sich viele Palauaner der Kirche an. „Jeder Missionar, der hier war, hat einen guten Eindruck hinterlassen.”
Jetzt werden schon einheimische Missionare berufen. Als Bruder Roberto seine Mission erfüllte, unterwies er auch einen jungen Palauaner namens Rebluud Kesolei im Evangelium. Bruder Kesolei hat vor kurzem selbst eine Mission erfüllt und war unter anderem Assistent des Missionspräsidenten. Jetzt folgen andere junge Männer seinem Beispiel und erfüllen eine Mission.
Die Veränderungen im Leben der jungen einheimischen Missionare sind gewaltig. „Der Herr führt die Jungen auf Mission, und dort poliert er sie dann auf Hochglanz”, meint Bruder Roberto. „Sie strahlen etwas aus, und die jungen Palauaner schauen sie an und wollen auch so sein.”
Sie haben die Kokosnuß geöffnet und ihre Milch getrunken. Und jetzt finden sie darin Freude, alle diejenigen an der Frucht des Evangeliums teilhaben zu lassen, die ihnen am Herzen liegen.

„Die Familienbande zerreißen nicht" (nach einem pohnpeianischen Sprichwort)
Dieses Jahr hat Ricky Joel, 18 Jahre alt, die High School in Pohnpei (oder Ponape) abgeschlossen. Pohnpei ist eine bergige Tropeninsel, etwa 19 Kilometer breit und 23 Kilometer lang. Ricky ist Mitglied in der zweiten Generation; an ihm wird deutlich, welche Segnungen einer Familie zuteil werden, die sich der Kirche anschließt.
„Ricky raucht und trinkt nicht”, sagt Jayleen, seine Schwester. „Und er hat viele Freunde. Die Jungen sagen immer: ,Man muß ihn respektieren; er ist ein Priester.' Alle meine Freundinnen finden ihn interessant. Man sieht ja auch nur selten einen Jungen, dessen Zähne nicht vom Betelkauen verfärbt sind.” Die Betelnuß ist eine leichte Droge und färbt die Zähne rot, wenn sie zusammen mit Zitronensaft genossen wird.

Rickys Eltern gehörten zu den ersten Inselbewohnern, die sich auf Pohnpei der Kirche anschlossen. Zuerst ließ sein Vater sich taufen. Das war 1977. Bei seiner Mutter dauerte es etwas länger, da ihr Großvater Geistlicher einer anderen Kirche war. Als die Missionare begannen, in Pohnpei zu missionieren, wurden sie auch verfolgt. Manchmal wurden sie verprügelt, und man setzte üble Gerüchte über sie in die Welt. Aber Ricky sagt: „Mein Vater hat trotzdem mit ihnen Freundschaft geschlossen.”
Seit damals hat die Verfolgung allerdings kaum abgenommen, und es sind immer noch unwahre Gerüchte im Umlauf. Auch manche Schullehrer wenden sich gegen die Kirche. In einer Gesellschaft, in der Rauchen und Trinken (sowohl Alkohol als auch „sakau”, das empfindungslos macht, sind sehr beliebt) mit Männlichkeit gleichgesetzt wird, empfindet Ricky es als Herausforderung, das Wort der Weisheit zu halten. „Wenn man trinkt, hat man viele Freunde. Wenn man nicht trinkt, wird man als weibisch bezeichnet.”
Ricky hat durch die Zusammenarbeit mit den Missionaren ein Zeugnis erhalten. So wie sein Vater hat auch er mit ihnen Freundschaft geschlossen. Und nun hilft er ihnen schon seit drei Jahren bei der Missionsarbeit. Dadurch hat er die Erkenntnis gewonnen, daß das Buch Mormon wahr ist. „Alles in bezug auf die Kirche ist wahr”, sagt er. „Ich fühle mich dadurch sehr viel besser.”
Ricky und andere Jugendliche, die in der Kirche aktiv sind, unterscheiden sich deutlich von ihren Altersgenossen. Viele Pohnpeijaner haben das bemerkt und deshalb ihre Einstellung zur Kirche geändert. Die meisten jungen Leute haben mit den neuen, ins Land gebrachten Übeln wie Alkoholkonsum und dem Zerfall der Familie zu kämpfen, aber den Jugendlichen in der Kirche gelingt es augenscheinlich sehr viel besser, diese Probleme zu bewältigen.
Aber auch die jungen Mitglieder auf Pohnpei, die genauso wie die Jugendlichen auf den anderen Inseln vielen neuen Strömungen ausgesetzt sind, müssen viele Schwierigkeiten meistern. Das gelingt ihnen dadurch, daß ihnen ihre Beziehung zu Gott wichtiger ist als der Druck ihrer Altersgenossen. Sie empfinden Liebe für den himmlischen Vater; deshalb fühlen sie sich an ihn gebunden, und es fällt ihnen leichter, die Gebote zu halten.
„Wenn man es sich nicht zu Herzen nimmt, was andere über einen denken, dann ist es gar nicht so schwer, Mormone zu sein", meint Ricky.

Als die Missionare Jormeto und Vineta Moreang auf Majura das erste Mal ansprachen, gab Jormeto vor, zu beschäftigt zu sein. Heute räumt er ein, daß das nicht ganz der Wahrheit entsprach. Auf Majuro gibt es nämlich gar nicht soviel zu tun. Majuro ist zwar die Hauptstadt der Marshall-Inseln, aber trotzdem eine kleine, in sich geschlossene Welt. Im Zweiten Weltkrieg wurde ein Damm gebaut, der mehrere Inseln des Atolls miteinander verbindet, und dadurch ist Majuro heute 56 Kilometer lang. An der Breite von nur wenigen hundert Metern hat sich aber nichts geändert. West- und Ostseite der Insel sind durch eine einzige Straße miteinander verbunden. Die Lieblingsbeschäftigung der meisten Bewohner sind Schwimmen und Fischen.
Die Bewohner der Marshall-Inseln sind religiös gesinnt und sehr gastfreundlich. Und weil es Jormeto leidtat, daß er zu den Missionaren so unhöflich gewesen war, bat er sie schließlich doch herein. Zuerst wollte seine Frau nichts mit den Missionaren zu tun haben, aber als sie merkte, daß er sich ernstlich bemühte, sein Leben zu ändern, nahm auch sie an den Missionarslektionen teil. Drei Monate später, im Juli 1985, ließ Jormeto sich taufen. Drei Monate später, im Oktober, ließ sich auch Vineta taufen.
Jormeto erzählt, daß es ihm heute viel besser geht als damals. „Vorher habe ich mir nicht viele Gedanken um die Bedürfnisse meiner Familie gemacht. Wichtig war mir nur, daß ich Zigaretten und Alkohol hatte. Aber als die Missionare mir sagten, daß der himmlische Vater uns liebt, fing ich an, mich zu ändern. Ich begann, in der heiligen Schrift und in den Leitfäden der Kirche zu lesen.”
Vineta meint: „Wenn sich jemand der Kirche anschließt, dann zieht das viele Veränderungen nach sich. Das Familienleben wird viel schöner. Jeder achtet den anderen mehr. Sogar der Körper verändert sich. Und dann fängt man an, auch seine Umgebung zu verändern.”
Die Veränderungen sind den Moreangs nicht leicht gefallen. „Ich habe den Missionaren viele schwierige Fragen gestellt”, erzählt Jormeto. „Aber sie haben niemals Ärger oder Enttäuschung gezeigt. Sie waren immer nett und freundlich zu mir, wie Brüder. Je mehr ich versuchte, sie von mir zu stoßen, desto mehr Liebe haben sie mir entgegengebracht.” Und weil die Missionare so freundlich blieben und ihm zeigten, daß er ihnen wichtig war, hörte er ihnen weiter zu. Und schließlich drang der Heilige Geist wie eine kühle Meeresbrise in sein Herz. Da nahm er das Evangelium an.
Das gleiche gilt auch für viele andere Bewohner Majuros. Von den etwa 23 000 Einwohnern haben sich ungefähr zehn Prozent der Kirche angeschlossen. Aber es ist gar nicht so einfach, dafür zu sorgen, daß alle in der Kirche aktiv bleiben. Die Mitglieder brauchen Schulung, und es gibt nur wenige Priestertumsführer. Aber dennoch wird es in Majuro wahrscheinlich bald den ersten Pfahl Mikronesiens geben. Bruder Moreang erklärt, warum die Kirche auf Majuro so schnell gewachsen ist: „Die anderen Kirchen verkünden nicht das wahre Evangelium. Und wenn jemand mit dem reinen Evangelium in Kontakt kommt, dann erkennt er es auch.”
Jormeto hat selbst miterlebt, wie die Kirche gewachsen ist. Schon bald nach seiner Taufe wurde er zum Präsidenten des Zweigs Long Island berufen. Damals kamen nur vier Mitglieder zur Kirche. Als Bruder Moreang einige Jahre später aus diesem Amt entlassen wurde, kamen mehr als 100 Mitglieder zur Kirche. Derzeit ist Bruder Moreang Ratgeber in der Distriktspräsidentschaft und Sonntagsschulleiter des Zweiges Long Island. Außerdem ist er Seminarlehrer und Hausmeister des Gemeindehauses.
Jetzt hat Bruder Moreang wirklich viel zu tun.

„Der Herr hat das Meer zu unserem Pfad gemacht" (2. Nephi 10:20)
Es ist noch gar nicht lange her, daß erfahrene Seeleute dem Nachwuchs beibrachten, wie man mit Hilfe der Wellenbewegungen navigiert. Dazu benutzten sie selbstgemachte Karten, die die Wellenbewegungen des Archipels zeigten. Wenn die jungen Leute sich an diese Karten hielten, lernten sie schnell, wie sie sicher von Insel zu Insel gelangen konnten.
Heute werden solche Karten kaum noch verwendet. Die moderne Technik hat sie überflüssig gemacht. Über ganz Mikronesien sind die Erfindungen der Neuzeit hereingebrochen. Ob die Inselbewohner auch heute den Kurs finden, der sie sicher durch alle Strömungen hindurchführt, oder oh sie in die Untiefen hinabgerissen werden, das hängt in hohem Maße von den Entscheidungen ah, die sie jetzt treffen. Es gibt manches, was sich zu bewahren lohnt; auf anderes wiederum verzichtet man besser. Und von den neuen Errungenschaften können einige das Leben leichter machen. Die Schwierigkeit ist nur, zu entscheiden, was man bewahren, worauf man verzichten und was vom Neuen man annehmen soll. Dazu brauchen die Bewohner Mikronesiens einen erfahrenen Führer.
Für die Mitglieder der Kirche ist der Herr dieser Führer. Durch seine Kirche zeigt er ihnen den sicheren Weg in eine neue, verheißungsvolle Zukunft. Jakob hat geschrieben: „Groß sind die Verheißungen des Herrn für die, die auf den Inseln des Meeres sind.... Darum seid frohen Mutes und denkt daran: Ihr seid frei, euer Handeln selbst zu bestimmen – den Weg des immerwährenden Todes zu wählen oder den Weg des ewigen Lebens.” (2. Nephi 10:21,23.)

R. Val Johnson, Dezember 1994


Das Evangelium in Yap
Yap liegt etwa 900 km südöstlich von Guam, ist 70 qkm groß und hat 9.350 Einwohner. Die Kirche wächst dort sehr schnell, und fast jeder weiß, daß die jungen Leute, die ihr angehören, nicht rauchen und nicht trinken, keine Drogen nehmen und auch nicht Betel kauen, eine drogenähnliche Masse, die die Zähne verfärbt und dem Körper schadet. Außerdem ist bekannt, daß sich die jungen Mitglieder nicht an das strenge Kastensystem der Insel halten. Jeder in der Kirche wird wie ein Kind Gottes behandelt, und zwar ungeachtet seiner Herkunft.
Vor kurzem haben die jungen Männer und Frauen des Distriktes Yap (Mission Guam in Mikronesien) gemeinsam eine Ein-Tages-Mission erfüllt, und zwar unter Leitung des Missions- und des Distriktspräsidenten. Sie begannen den Tag, indem sie alle 1 Nephi 3:7 auswendig aufsagten. („Ich will hingehen und das tun, was der Herr geboten hat.") Dann sangen sie gemeinsam das Lied „Auserwählt zu dienen unsrem König”. Anschließend wurden Paare gebildet und für ihre Aufgabe geschult. Danach gingen sie zu zweit aus, um das Evangelium zu verkünden und das Buch Mormon auszugeben.
Sie stießen dabei auch auf Probleme beispielsweise regnete es den ganzen Tag, und manche Menschen, mit denen sie sprachen, waren sehr unhöflich oder drohten ihnen sogar. Aber davon ließen sie sich nicht beirren.
Am Ende des Tages hatten die jungen Leute auf ihrer kleinen Insel 49 Exemplare des Buches Mormon verteilt. Und sie brachten viele Empfehlungen für die Vollzeitmissionare mit, die inzwischen schon zu einigen Taufen geführt haben.
Der Tag endete mit einer Zeugnisversammlung. „Meine Mitarbeiterin und ich haben zum himmlischen Vater gebetet und um seinen Geist gefleht”, sagte Rebecca K. Buchun. „Mit seiner Hilfe war es uns möglich, zwei Exemplare des Buches Mormon auszugeben. Das war ein sehr schönes Erlebnis, und ich würde es gerne eines Tages wiederholen, indem ich nämlich auf eine Vollzeitmission gehe ""
„Der Tag heute war der glücklichste Tag meines Lebens, weil mein Mitarbeiter und ich zehn Exemplare des Buches Mormon verteilt haben”, erzählt Ambrose Tuwun. „Jetzt weiß ich, was die Missionare empfinden, wenn sie ausgehen und das Werk des Herrn tun.”
Deo G. DeLeon, Februar 1995

05:17 - 29.02.2008


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