Mormonen - Das Evangelium in aller Welt

Fidschi -- Inseln des Glaubens

„Himmlisch" ist ein Wort, mit dem die Schönheit der Fidschiinseln beschrieben wird. Aber das Evangelium verleiht den Mitgliedern außerdem noch eine geistige Schönheit, durch die das Leben in diesem Paradies noch besser wird.

„Gott hat die Fidschiinseln an einem seiner glücklichsten Tage erschaffen”, meint Elder Glen L. Rudd, früherer Gebietspräsident für den Pazifik. Und wenn man von einem Ende von Viti Levu, der größten Insel des Landes, bis zum anderen fährt, dann muß man ihm einfach beipflichten. Vulkanische Gipfel erheben sich über dem Regenwald und über ordentlich angelegten Zuckerrohrfeldern; Palmen und Sandstrände säumen glitzernde blaue Meeresbuchten. Obst und Blumen wachsen inmitten von Blättern in allen Grünschattierungen.
   Das Leben in diesem Paradies ist allerdings nicht immer nur idyllisch. Hinter der natürlichen Schönheit der Fidschiinseln verbirgt sich ein Entwicklungsland, und die Leute ringen mit wirtschaftlichen, politischen und sozialen Herausforderungen und mit den Nöten, die die wirtschaftliche Entwicklung ihres Landes mit sich bringt. Aber für manche Bürger ist das Evangelium Jesu Christi eine Quelle der Kraft. Dadurch, daß sie seine Lehren annehmen und danach leben, gelingt es ihnen besser, mit ihren Prüfungen fertigzuwerden; sie haben inneren Frieden und hoffen auf bessere Zeiten.
    Der Staat, in dem sie wohnen, umfaßt über dreihundert Inseln, die mehr als eineinhalbtausend Kilometer nördlich von Auckland, Neuseeland, liegen. Es sind zwar rund ein-hundert dieser Inseln bewohnt, aber die meisten Menschen leben auf bloß dreizehn Inseln.
    Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage kam 1924 nach Fidschi, als Schwester Mele Vea Ashley mit ihren Kindern von Tonga aus dort hinzog. Von Samoa kamen weitere Mitglieder dazu. Aber erst am 5. September 1954 wurde mit vierzehn Heiligen der Letzten Tage offiziell ein Zweig gegründet, dessen Versammlungen in einem angemieteten Raum in der Hauptstadt Suva stattfanden. In den neununddreißig Jahren seit diesen bescheidenen Anfängen ist die Mitgliederzahl der Kirche gewachsen. Heute gibt es dort rund 6600 Mitglieder, einen Pfahl mit sechs Gemeinden (1983) gegründet ) und zwei Distrikte mit insgesamt fünfzehn Zweigen.

Zusammenkommen
   Die meisten Führer der Kirche im Land sagen, daß die Probleme mit dem Transport und der Kommunikation untereinander zu den größten Herausforderungen gehören, die sich den Mitgliedern stellen, vor allem in den ländlichen Gebieten außerhalb von Suva und auf der Westseite von Viti Levu. Die Löhne auf den Fidschiinseln sind niedrig, deshalb kann sich kaum jemand ein Auto leisten; die meisten fahren mit dem Bus.
    Ende 1987, nach einem unblutigen Militärputsch, verbot die neue Regierung von Fidschi den Betrieb der öffentlichen Verkehrsmittel am Sonntag. Für die Leute, die der beherrschenden christlichen Religion im Land angehören, war das kaum ein Problem — in jedem Dorf gibt es eine Kirche. Aber viele Heilige der Letzten Tage wohnen weit von ihrem Zweig beziehungsweise ihrer Gemeinde entfernt. Vilist und Fai Ucunibaravi und ihre sechs Kinder beschlossen, jeden Sonntag die zwölf Kilometer bis zum Gemeindehaus von Nausori zu Fuß zu gehen. „Manche Leute haben uns ausgelacht, und sie haben nicht angehalten, um uns mitzunehmen”, sagt Schwester Ucunibaravi. „Aber das machte nichts. Unser Herz war schon da, bevor wir von zu 1 lause losgegangen sind.”
    Jetzt, drei Jahre später hat der Staat das Gesetz gelockert, so daß manchmal auch am Sonntag Busse fahren.
   Da es keine andere Fahrmöglichkeit gibt, können manche Mitglieder mit dem Bus kommen, aber weil sie sich an den Fahrplan halten müssen, kommen sie manchmal zu spät oder müssen früher gehen.
    Manche Gemeinden und Zweige haben Privat-LKW angemietet, um die Mitglieder zur Kirche zu bringen. Aber Bischof Timoci Ratu von der Gemeinde Nadi hat festgestellt, daß auch das nicht die perfekte Lösung ist. ,Wir haben dafür das Gemeindebudget überzogen", sagt er. „Deshalb habe ich die Leute aufgefordert, aus ihrem Glauben heraus zu kommen. Anfangs sind dann die Anwesenheitszahlen gesunken, aber jetzt kommen genauso viele wie vorher.”
   Wegen der schlechten Verkehrsmöglichkeiten fällt es den Mitgliedern auch schwer, heimlehren und besuchslehren zu gehen. Noch schwerer wird es dadurch, daß kaum jemand Telefon hat. Präsident Inosi Naga vom Pfahl Suva Fiji sagt:
   „Es ist schwer, irgendwohin zu kommen. Aber wir bemühen uns sehr – und ich glaube, es klappt schon recht gut.”
    Schwester Raj Kumari, FHV-Leiterin im Zweig Tavua, läßt die Besuchslehrerinnen an die Schwestern, die außerhalb der Stadt wohnen, eine maschinengeschriebene Botschaft verschicken. Die Führer der Priestertumskollegien im Zweig beauftragen Gruppen von Männern, jeweils zu einem bestimmten Dorf zu fahren, so daß dann alle dortigen Mitglieder auf einmal besucht werden.
    Im Zweig Sigatoka fährt die FHV-Leiterin Siteri Varo jeden Monat mit dem Bus in die Bergdörfer, um die Schwestern zu besuchen, die am weitesten entfernt wohnen. Sie fährt morgens nm acht 1 Ihr los und kommt mittags nach Hause. „Das gibt mir eigentlich nicht genug Zeit für die Besuche”, sagt sie. „Aber es bleibt mir nichts anderes übrig.
    Es ist der letzte Bus am Tag.”
    Die Mitglieder in Suva wohnen zwar näher beieinander, aber Schwester Grace Taito, die FHV-Leiterin im Pfahl Suva, hat ähnliche Kommunikationsprobleme. Allerdings ist sie die Direktorin der von der Kirche betriebenen Grundschule, deshalb kann sie den Bischöfen und Gemeinde-FHV-Leiterinnen über ihre Kinder oder auch über die Nachbarskinder, die dort zur Schule gehen, eine Nachricht zukommen lassen.

Fidschi-Insulaner und Inder
   1878 holte die britische Regierung der Fidschiinseln Arbeiter aus Indien für die Zuckerrohrplantagen ins Land. Nach fünf Jahren konnten die Inder auf eigene Kosten wieder in ihre Heimat zurückkehren; wenn sie weitere fünf Jahre blieben, bezahlte ihnen der Staat die Rückreise, aber sie durften auch in Fidschi bleiben. Die meisten Arbeiter zogen das Leben auf den Inseln dem indischen Kastensystem vor und blieben. Heute machen die Nachkommen dieser Plantagenarbeiter etwa die Hälfte der Bevölkerung auf den Fidschiinseln aus.
   Die Inder, die auf Fidschi leben, haben ihre heimische Kultur zum großen Teil beibehalten. Sie ist ganz anders als die der Fidschiinsulaner – die religiösen Vorstellungen sind sehr unterschiedlich, und sie haben andere Sitten und Bräuche. Deswegen haben die beiden Bevölkerungsgruppen kaum Kontakt miteinander. Die Integration der beiden Gruppen in die Kirche stellt fast immer die Nächstenliebe des einzelnen auf die Probe, aber die jüngsten politischen Schwierigkeiten machen die Situation noch komplizierter. Im Oktober 1987 stürzte das Militär den neugewählten Premierminister des Landes, der der Partei angehörte, der auch die meisten Inder angehören. Seitdem haben die Spannungen zwischen den beiden Gruppen zugenommen.
   Wie gehen die Mitglieder der Kirche mit dieser heiklen Situation um? „Ich glaube, jemand der uns beobachtet, käme zu dem Schluß, daß es uns recht gut gelingt, die Einigkeit zu wahren”, sagt Präsident Naga vom Pfahl Suva. „Während des Putsches haben wir den Mitgliedern geraten, die Politik von der Kirche fernzuhalten. Wir sagen den Mitgliedern immer wieder, daß es für uns keine Fremden mehr gibt, wenn wir uns einmal der Kirche angeschlossen haben. Und daran glauben sie wohl auch wirklich, wenn auch manche wegen der Ereignisse in unserem Land recht hesorgt sind .
    Bischof Ratu meint dankbar, in der Kirche seien die Spannungen auch bei den neuen Mitgliedern kaum zu spüren. „Das liegt wohl daran, daß das Evangelium uns lehrt, daß es zwischen den Menschen keine Unterschiede gibt ﷓ keine Klasse oder Rasse, kein Glaube und keine Farbe darf sich über eine andere stellen”, sagt er. „Wenn wir zusammenkommen und die Inder irgendwelche Befürchtungen wegen der Fidschiinsulaner haben, dann beruhigen wir sie.”
    Die Führer der Kirche raten den Mitgliedern aber nicht nur, einig zu sein, sondern sie vermitteln ihnen auch praktische Erfahrungen darin. Beide Bevölkerungsgruppen arbeiten im Hohenrat, in den Hilfsorganisationen auf Pfahl- und Gemeindeebene, in der Bischofschaft und in den Priestertumskollegien und als Vollzeitmissionare Seite an Seite. Das fördert die gegenseitige Achtung. „Ich liebe sie”, sagt Schwester Varo, eine Fidschiinsulanerin, von ihrer ersten Ratgeberin Brijma Wati, einer Inderin. „Sie hilft mir sehr, und zwar nicht nur bei der FH\/-Arbeit, sondern auch, indem sie sich um meinen Sohn kümmert, wenn ich eine Versammlung leite.”
   Außerdem sorgen die Führer dafür, daß in den Versammlungen die Sprachen aller Mitglieder vertreten sind. Die Amtssprache in Fidschi ist zwar Englisch, aber viele der älteren Mitglieder und manche, die in entlegenen Gegenden wohnen, sprechen nur ihre Muttersprache. Deshalb teilt die Bischofschaft beziehungsweise Zweigpräsidentschaft für die Abendmahlsversammlung häufig drei Sprecher ein: einer spricht Hindustani, einer Fidschi und einer Englisch. Die Lehrerinnen in der FHV und die Lehrer in den Priestertumskollegien verwenden häufig Dolmetscher, damit alle mitmachen können. Und bei den Gemeinde- und Zweigaktivitäten gibt es reichlich Fidschigerichte und indische Gerichte.
    Trotz dieser Anstrengungen gibt es doch manchmal unterschwellige Spannungen zwischen den beiden Gruppen. Aber die Inder und die Fidschiinsulaner in der Kirche sagen, daß sie in der Kirche ungezwungener und gleichberechtigter miteinander umgehen als irgendwoanders.

Sitten und Bräuche
    Bei den Fidschiinsulanern bestimmen die Stammessitten das Leben. Die Dörfer liegen über das ganze Land verstreut, und jedes hat einen Häuptling, der über die Dorfgesetze entscheidet. Bevor die Kirche Missionare in eine neue Gegend entsenden kann, müssen die Kirchenführer sich an traditionellen Zeremonien beteiligen, um die Erlaubnis des Häuptlings zu erhalten.
    In den Dörfern leben die Bewohner in einer Art Vereinigter Ordnung; sie geben alles, was sie haben, dem Häuptling, und er wiederum gibt ihnen Essen, Kleidung und einen Platz zum Leben. Sogar wenn jemand aus dem Dorf fortzieht, kann seine Familie alles beanspruchen, was ihm gehört. Bischof Ratu erzählt: „Erst kürzlich hat mir meine Familie erzählt, die Kinder einer Verwandten, die unehelich geboren sind und keinen Vater haben, brauchten Schulgeld. Ich habe ihnen das Geld gegeben. Es wird von uns erwartet, daß wir für alle unsere Verwandten einstehen.”
   Die Fidschitradition gestattet es nicht, daß man selbst ein Gespräch mit einem älteren Menschen beginnt, auch darf ein einfacher Bürger sieh nicht ohne Aufforderung an jemanden wenden, der aus einer Häuptlingsfamilie stammt.
Auch zwischen den Bewohnern verschiedener Dörfer kann es Einschränkungen geben. „Das kann zum Problem werden”, erzählt Alex Lobendahn, Hoher Rat im Pfahl Suva. „Wegen der Einschränkungen kann eine Familie, die aus dem einen Dorf stammt, nicht bei einer Familie in einem anderen Dorf heimlehren gehen.
Ich wollte, wir könnten uns über diese Schranken hinwegsetzen und im Namen des Herrn zu diesen Menschen gehen statt im Namen der Kultur”, sagt er weiter. „Aber die Leute zögern noch; das ist verständlich, sie wollen keine Schwierigkeiten verursachen:'
    Bruder und Schwester Ucunibaravi haben sich über die kulturellen Einschränkungen hinweggesetzt, um zu heiraten. Schwester Ucunibaravi stammt aus einer Häuptlingsfamilie, und ihr Mann ist nur ein gewöhnlicher Bürger. „Meine Frau mußte sich zwischen mir und ihrer Gesellschaftsklasse entscheiden”, erzählt Bruder Ucunibaravi. „Aber es war ihr wichtiger, in ihrer Familie das Priestertum zu haben.”
    Auch die Inder in Fidschi haben starke kulturelle Traditionen. Viele indische Eltern erlauben ihren Kindern nicht, mit Jungen beziehungsweise Mädchen auszugehen, und es ist üblich, daß Ehen arrangiert werden. Wenn eine Frau heiratet, wird sie Mitglied der Familie ihres Mannes und Dienerin im Haushalt ihrer Schwiegermutter. Während sie dor lebt, kann ihr Schwiegervater letztlich darüber bestimmen, was sie darf und was sie nicht darf. Das kann eine junge Frau daran hindern, sich der Kirche anzuschließen, auch wenn ihr Mann, der die Erlaubnis seines Vaters nicht braucht, sich taufen läßt.
    Die meisten Einwohner indischer Herkunft sind Hindus, und manche indische Mitglieder der Kirche werden geächtet, wenn sie die Glaubensvorstellungen aufgeben, die ihre Familie seit Generationen hochhält. „Ich sehe das so”, sagt Bruder Peter Lee, Ratgeber in der Präsidentschaft der Mission Fiji Suva, „wenn die kulturellen Traditionen den Fortschritt nicht hemmen, dann sollte man sie behalten. Wenn es sich aber um eine Tradition handelt, die das Werk des Herrn behindert, dann muß man selbst entscheiden, was man tun will und was nicht. Sonst kommt man niemals weiter.”

Voller Liebe
    Etwas, was einem an den Bewohnern sofort positiv auffällt, ist die Liebe zu ihren Mitmenschen. „Das ist ganz typisch für die Inselbewohner”, meint Alex Lohendahn. „Die Leute verschenken alles und behalten fast nichts für sich seihst.”
    „Wenn wir unsere Mitglieder darüber belehren, daß sie ihre Mitmenschen lieben und sich um sie kümmern sollen, dann ist das für sie nichts Neues”, meint Peter Lee. „Daran sind sie gewöhnt”
   Seine Frau Sereana pflichtet ihm hei: „Wir praktizieren das bereits. Wenn ich zum Beispiel Essen übrig habe, bringe ich automatisch etwas davon zu meinen Nachharn "
   Schwester Fauoro Akata, die FHV-Leiterin der Gemeinde Nadi, erzählt, daß eine Schwester innmer zusammen mit ihrem Mann, der Mitglied war, und ihren Kindern die Versammlungen besuchte, sich aber nicht taufen ließ.
    „Eines Tages”, so Schwester Akata, „habe ich sie gefragt, warum. Sie sagte mir, sie hätte kein weißes Kleid. Da haben wir Stoff gekauft und ihn ihr geschenkt. Sie hat sich ein Kleid genäht und sich kurz danach taufen lassen.”
    In Nadi helfen die Mitglieder einander auch, den Tempel in Nuku'Alofa auf Tonga zu besuchen. Die Reise nach Tonga kostet ungefähr 450 Dollar, was für viele Familien sehr viel Geld ist. Deshalb arbeiten die Mitglieder jedes Jahr zusammen, um Geld aufzubringen, indem sie Geselligkeiten veranstalten. Dann wählen sie mehrere Mitglieder und Familien aus, die arbeitslos sind oder die kein Geld erübrigen können, und finanzieren ihnen die jährliche Tempelfahrt im August.
   Ihre herzliche Persönlichkeit macht die Mitglieder in Fidschi auch zu guten Missionaren. Es ist keine Ausnahme, daß sich die Mitglieder in den Gemeinden und Zweigen schon vor ihrer Taufe gekannt haben. In der Woche nach ihrer Taufe stellten Seminsi und Sereana Ratu aus dem Zweig Rakiraki den Missionaren zwei neue Interessenten vor. Inzwischen haben sich bereits fünf Freunde der Ratus taufen lassen.
    „Es fällt uns auch deshalb leicht, anderen vom Evangelium zu erzählen, weil wir häufig zusammenkommen”, sagt Bischof Subhash Dass von der Gemeinde Nasinu in Suva. ,Wenn wir uns auf der Straße begegnen, unterhalten wir uns erst einmal eine Weile.”

Einheimische Missionare
    Das Verlangen, den eigenen Landsleuten das Evangelium zu bringen, kommt auch in der Zahl der \/ollzeitmissionare zum Ausdruck. Von den 105 Missionaren und Missionarinnen, die derzeit in Fidschi tätig sind, kommen 38 aus dem Land selbst. Die einheimischen Missionare spielen eine wichtige Rolle, seit die Kirche auf Fidschi besteht. Als im Mai 1954 die ersten US-Missionare ins Land kamen, ließ die Einwanderungsbehörde immer nur zwei auf einmal ins Land, die übrigen Missionare stammten aus Fidschi. Die Quote für ausländische Missionare wurde allmählich auf sechzehn erhöht; nach dem Putsch von 1987 wurde sie abgeschafft.
   Immer noch erfüllen viele Einwohner von Fidschi ihre Mission in der Heimat. (Ein paar indische Missionare sind jetzt nach Indien geschickt worden.) Ein Grund dafür ist die Sprache. Weil viele Leute Englisch sprechen, fällt es den Missionaren, die nicht aus Fidschi stammen, manchmal schwer, abstrakte geistige Grundsätze zu vermitteln. Die einheimischen Missionare lösen dieses Problem. ,Wenn wir in unserer Muttersprache unterrichten", so Elder Laisiasa Veikoso, „dann können wir das Evangelium deutlicher erklären. Wir können den Untersuchern unsere Gefühle besser vermitteln, und das hilft ihnen, den Geist zu verspüren.”
   Elder Nawal Sen meint, er diene gern in Fidschi, weil er möchte, daß sein Volk die errettende Erkenntnis erlangt. Er ist indischer Abstammung, und weil er die indische Kultur und Religion kennt, kann er seinen Landsleuten helfen, ihre Probleme mit Hilfe der Grundsätze des Evangeliums zu lösen.
    „Vor etwa sechs Jahren hatten wir nur zwölf einheimische Missionare”, sagt Präsident Naga. „Jetzt haben wir achtunddreißig. Und wir werden noch viel mehr haben. Die Kinder der Mitglieder der ersten Generation kommen jetzt ins Missionarsalter, und durch das Seminar werden ihnen gründliche Evangeliumskenntnisse vermittelt.”
    Genauso wichtig ist die wertvolle Schulung, die die jungen Fidschiinsulaner durch ihre Mission erhalten. „Die ehemaligen Missionare sind eine große Unterstützung”, meint Bischof Joseph Sokia von der Gemeinde Tunavua. „Die meisten bleiben aktiv, und ihre Mission stärkt ihr Zeugnis und bereitet sie darauf vor, auch weiterhin Führungsaufgaben zu übernehmen und missionarisch tätig zu sein.”
    Bruder und Schwester Ucunibaravi stimmen darin über-ein, daß sie durch ihre Mission eine geistige Reife erlangt haben, die sich auf ihr Leben und auf das Leben ihrer Kinder deutlich ausgewirkt hat. „Wir sind dankbar, daß wir auf Mission gehen konnten”, sagen sie. „Viele Ehen gehen hier auseinander. Ohne unsere Mission wären wir wahrscheinlich in der gleichen Lage.” Die Mission hat ihnen auch geholfen, sich der Aktivität in der Kirche zu verpflichten. „Die Kirche bildet den Mittelpunkt in unserem Leben”, sagt Bruder Ucunibaravi. "Ohne sie hätten wir überhaupt keine Orientierung."
    "Ich hätte meine Mission wirklich gern im Ausland erfüllt", sagt Alex Lobendahn. „Aber ich wußte, daß wir hier Missionare brauchen. In mancher Hinsicht war es schwer. Aber es hat mir geholfen, die Menschen besser zu verstehen und sie mehr zu lieben. Meine Mission hat mich in dem Entschluß bestärkt, hier in Fidschi mitzuhelfen, daß die Kirche wächst.”
    Allerdings bleiben viele ehemalige Missionare nicht in Fidschi. Viele gehen zur Brigham Young University - Hawaii, heiraten Heilige der Letzten Tage von anderen Inseln oder nehmen eine Stellung in einem Land an, wo die wirtschaftlichen Möglichkeiten besser sind.

Glaube - und Wunder
   Die Mitglieder der Kirche in Fidschi sind demütige Menschen. Sie glauben fest daran, daß Gott für sie sorgt. Und solcher Glaube bleibt nicht unerhört. Als die einundzwanzigjährige Sunita Kumari, eine indische Schwester, sich taufen lassen wollte, versuchte ihr älterer Bruder, sie daran zu hindern, indem er eine Ehe für sie arrangierte. Die Mitglieder des Zweiges Rakiraki fasteten und beteten mit Sunita. Die Eheschließung fand nicht statt, und Sunita ließ sich taufen.
    Ein paar Monate darauf fasteten und beteten die Mitglieder wieder gemeinsam mit Sunita. Diesmal brauchte sie Arbeit. Sie hatte schon nach Arbeit gesucht, seit sie vor vier Jahren ihre Schulausbildung abgeschlossen hatte, aber jetzt hatte sie das Gefühl, es sei besonders wichtig, daß sie Geld verdiente. „Ich wollte den Zehnten bezahlen und den Armen helfen”, sagt Sunita. Eine Woche darauf wurde ihr eine Stelle als Sekretärin in einer neugegründeten Firma angeboten. Inzwischen hat sie außerdem in der Mission Suva Fiji eine Mission erfüllt.
    Es war ein trockenes Jahr, als Mona und George Dunn beschlossen, auf ihrer Farm bei Lautoka Zuckerrohr anzubauen. Nach sechs Wochen ohne Regen befürchteten die Dunns und der Mann, den sie für die Pflanzarbeiten eingestellt hatten, die Setzlinge würden verdorren. Bruder und Schwester Dunn und ihre Söhne fasteten und beteten. Als sie am nächsten Sonntag aus der Kirche kamen, trafen sie den Mann. „Sie sind sehr gesegnet”, sagte er. „Es hat gerade genug geregnet, daß Ihre Zuckerrohrsetzlinge durchkommen.”
    Später, als ihr Wassertank fast leer war, beteten die Dunns wieder um Regen. Als sie ein paar Abende später auf ihrer Veranda saßen, sahen sie ein paar kleine Wolken am Himmel. Wäre es nicht wunderbar, wenn es jetzt in Strömen regnen würden?" meinte Schwester Dunn.
    „Das wird es auch”, erwiderte ihr Mann.
    Und es regnete! Der Regenschauer füllte ihren Tank, bis er überfloß, aber die Straße, die zu ihrem Haus führt, wurde nicht naß.
    Subhash und Roselvn Dass und ihre Söhne Amit und Anand wollten zum Tempel fahren, um sich siegeln zu lassen, aber sie wußten nicht, wie sie das Geld dafür aufbringen sollten. Als Bruder Dass als Bischof berufen wurde, hatte er das eindringliche Gefühl, er müsse die Begabung erhalten. Die Familie hatte genug Geld für ein Flugzeugticket nach Tonga, und Schwester Dass drängte ihren Mann, doch allein hinzufahren. „Nein”, meinte er, „wir müssen alle zusammen hinfahren. Der Herr wird uns helfen.”
    An den nächsten beiden Sonntagen fastete die Familie. Am Ende der zweiten Woche bot der Arbeitgeber von Bruder Dass an, ihm das Geld für alle vier Tickets zu leihen. „Der Besuch im Tempel war das Schönste, was wir je erlebt haben”, sagt Bischof Dass. „Wir wissen jetzt, daß der Herr das Übrige tut, wenn wir nur das Gottesreich an die erste Stelle setzen.”

Keine größere Freude
    In Vesaru, einer ländlichen Gegend außerhalb von Ba, wohnt Jovesa Nausa auf einer Zuckerrohrplantage von vier Hektar. Er ist Ältester im Zweig Ba und unterrichtet die Evangeliumslehreklasse. „Ich habe früher immer viel Zuckerrohr geerntet – 250 bis 270 Tonnen”, erzählt er. "Aber ich war nicht glücklich. Jetzt hin ich Mitglied der Kirche und mache mir um Geld keine Sorgen mehr. Ich glaube daran, daß Gott mit uns ist und daß er uns hilft. Im letzten Jahr habe ich zwar weniger Zuckerrohr geerntet, aber ich bin glücklich."
   Vielen Mitgliedern in Fidschi ergeht es ähnlich wie Bruder Nausa: „Unsere Familie war noch nie so einig.” „Wir sind begeistert, daß wir Mitglieder der Kirche sind.” „Das Evangelium macht uns glücklich.”
   Und Freude ist eine der großen Segnungen, die die Kirche den Heiligen der Letzten Tage in Fidschi gebracht hat – eine Freude, die ewig währen kann. So wird das Leben im Paradies immer schöner.

Shirleen Meek Saunders , Februar 1993

19:49 - 1.03.2008


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