Mormonen - Das Evangelium in aller Welt

Erde; Meer und Seelen in Dänemark

Die dänischen Mitglieder sind stärker, und das haben sie den Entscheidungen zu verdanken, die sie in ihrem Land voller Wohlstand und Permissivität treffen.

Um das hundert Jahre alte Bauernhaus zu betreten, in dem Palle und Esther Blond leben müssten Sie ich vielleicht bücken, um sich an dem niedrigen Türrahmen nicht den Kopf zu stoßen. Sie haben das strohgedeckte Häuschen am Stadtrand von Fredericia vor dem völligen Verfall bewahrt und es renoviert und mit alten Möbeln eingerichtet. Die dunklen Holzwände und Regale sind mit Originalkunstwerken geschmückt, unter denen sich auch eine Ölzeichnung von Carl Bloch befindet, auf der Christus bei der Bergpredigt dargestellt ist. Es handelt sich um ein Stück aus der Sammlung von Blochgemälden, in denen das Leben Jesu Christi dargestellt wird und die ständig im Schloß Frederiksborg in Hilleroed hei Kopenhagen ausgestellt sind.
Aber nicht nur im Haus von Palle und Esther, sondern auch an ihrem Leben wird deutlich, was ihnen als tugendhaft und liebenswert gilt und für sie guten Klang hat. In ganz Dänemark treffen die Heiligen der Letzten Tage bewußt solche Entscheidungen, die sich an den Grundsätzen des wiederhergestellten Evangeliums ausrichten.

Das Schöne bewahren
Schon bevor Palle und Esther das Evangelium annahmen, lag ihnen das Kulturgut ihrer dänischen Heimat am Herzen. Sie wollen es bewahren und sich daran erfreuen ﷓ an der Kunst, am Kunsthandwerk und an der Schönheit der Natur – sowie am Evangelilum, das ihnen hilft, das alles noch mehr zu schätzen.
Laut Esther ist Palle einer der beiden noch lebenden Handwerker auf Jütland, der sich noch auf die Schnitzarbeiten an den Pfeilern, Zierleisten und Ecktafeln an alten Häusern versteht.
Balle ist aber nicht nur Künstler und Bauunternehmer im Ruhestand, sondern er züchtet auch selten Vögel in großen Käfigen hinter dem Haus, gleich an seine Werkstatt angrenzend, sitzen farbenprächtige Vögel auf ihrer Stange oder hängen an die Käfigwand geklammert und singen. Die Edelsittiche mit den grünen Flügeln und ihre farbenprächtigen Verwandten sind nur dank der Bemühungen solcher Leute wie Palle noch nicht ausgestorben.
Freunde lächeln bewundernd und bezeichnen auch Palle und Esther als „seltene Vögel”. Sie verbinden die Freude an der Natur mit einer guten Tat: seit zwanzig Jahren fahren sie jeden Sommer mit einer Gruppe von Behinderten, die zum größten Teil im Rollstuhl sitzen, in den Wald.
„Die fünfundzwanzig Leute, die wir mitnehmen, sind dreißig bis achtzig Jahre alt”, sagt Palle. „Wir übennachten gemeinsam in einem wunderschönen alten Haus mitten im Wald. Dann wandern wir tagsüber und machen Picknicks und freuen uns gemeinsam an der Schönheit der Natur" Er und Esther sind auch Gründungsmitglieder der Multiple-Sklerose- Gesellschaft in ihrem Landkreis und arbeiten ehrenamtlich im Gesundheitsausschuß mit.
,Wir studieren gern gemeinsam das Evangelium", erzählt Esther. Sie haben sich der Kirche angeschlossen, nachdem sie sie 1954 durch die Missionare kennengelernt hatten. „Palle war von der ewigen Ehe beeindruckt und ich vom Erlösungsplan.”
1956 hörten sie sich eine Weile die Missionarslektionen an, und Palle spürte den Geist, als er die Aufzeichnungen Nephis las. Dann ließ er sich eines Tages taufen, ohne Esther aber davon zu erzählen. Bald fiel Esther auf, daß er sich verändert hatte, und sie fragte: „Na, hast du dich taufen lassen?” Sie hörte sich noch mehr Missionarslektionen an und ließ sich dann auch taufen. Seitdem hat sie schon zweimal als FHV-Leiterin gedient, und er war sowohl Zweig- als auch Distriktspräsident und der erste Bischof in Fredericia.
Ihre Taufe fand rund hundert Jahre nach den ersten Taufen in Dänemark im Jahre 1850 statt. Elder Erastus Snow hatte damals die Skandinavische Mission gegründet. Heute (1993) gibt es in Dänemark zwei Pfähle und 4100 Mitglieder.
Auch Christian Kuntz ist ein Mitglied der Kirche, das sich bewußt dafür entschieden hat, auf dem Land und in der Natur zu leben. Er ist Zweigpräsident von Sønderborg, an der Flensburger Förde nahe der Grenze zu Deutschland. Als die Missionare zum ersten Mal bei der Familie Kuntz vor der Tür standen, bat seine Frau noch einmal zu kommen. Sie hat sich dann zwar nicht taufen lassen, aber ihr Mann sagt: „Sie unterstützt mich auf wunderbare Weise.”
Ihr Backsteinhaus mit den massiven Wänden, das mitten in einem großen Garten mit vielen Tieren steht, ist sehr geräumig. Dort kamen die Mitglieder des Zweiges zu besonderen Anlässen zusammen, als Sohn Soren und Tochter Susanne noch im Haus waren. Soren ist jetzt in Seattle im US-Bundesstaat Washington auf Mission, und Susanne studiert. Susanne meint: „So wie die Versammlungen bei uns zu Hause in der Bibliothek müssen die Versammlungen der Kirche einfach sein.”
Auch Ove und Karen Christensen haben sich bewußt für das Leben auf ihrem Bauernhof am Rand von Ribe entschieden, das rund dreißig Kilometer von Esbjerg, Dänemarks großem, nach Westen orientierten Hafen, entfernt liegt.
Seit 1984 bewirtschaften die Christensens dreiunddreißig Hektar Land, auf denen sie Gerste, Weizen, Erbsen und Himbeeren anbauen. Sie halten Schweine und Kühe als Schlachtvieh und Pferde zum Vergnügen. In mancher Hinsicht sind die Christensens typische Dänen: rund 70 Prozent des dänischen Bodens werden landwirtschaftlich genutzt, und zwar hauptsächlich von Betrieben dieser Größenordnung. „Wir wollten gern mit unseren Kindern auf dem Land leben”, sagt Ove. ..Es ist gut, wenn man den Boden bearbeitet und das Gesetz der Ernte lernt "

Die Christensens, blond und hellhäutig, sehen so aus, wie man sich Skandinavier vorstellt. Sie sind herzlich und gastfreundlich. Auf dem Tisch steht ein poliertes Tablett mit sorgfältig geschnittenem Kuchen, Brötchen, verschiedenen Käsesorten und einem Glaskrug mit selbstgemachtem Holundersaft.
Die Dänen sind gesellige Menschen, die so gar keine Ähnlichkeit mehr mit den rauhen Wikingern, ihren Vorfahren, haben, die vor tausend Jahren durch Europa gezogen sind. Wenn Besuch kommt, gibt es meist eine Kleinigkeit zu essen, oh aber auch eine komplette Mahlzeit. Die Missionare in der Mission Kopenhagen sagen gern: „Hier in Dänemark gibt es eine Mahlzeit am Tag, und die datiert von unserem ersten Besuch am Morgen bis zum letzten Besuch am Abend.”
Ove arbeitet seit sechzehn Jahren als Pfleger am Krankenhaus in Esbjerg, und Karen ist seit sechs Jahren dort beschäftigt Sie arbeiten im verschiedenen Schichten, damit immer jemand bei den vier Kindern ist, die zwischen zwei und zwölf Jahren alt sind. „Ove kümmert sich um die Kinder, wenn ich arbeite”, erzählt Karen. „Er ist ein wunderbarer Vater”
Sie erzählt weiter: „Die Leute am Krankenhaus, die Ove schon gekannt haben, ehe er sich 1981 taufen ließ, sind der Meinung„ daß er sich durch seine Art zu leben zu einem so großartigen Menschen entwickelt hat.” Karen war 1978 Mitglied der Kirche geworden, als sie ein Jahr lang bei einer Kusine in New York gelebt hatte. Jetzt (1993) gehört sie der PV-Leitung .des Zweiges Esbjerg an, und Ove ist AP-Kollegiumsberater. Zweimal im Jahr fahren Karen und Ove nach Stockholm zum Tempel, und das ist eine lange Reise mit Auto und Fähre.
Tempel in Kopenhagen

Das Meer ist nie weit
Man muß aber gar nicht erst zum Tempel nach Stockholm reisen, um die Dienste einer Fähre in Anspruch nehmen zu müssen. Das Königreich Dänemark besteht aus der Halbinsel Jütland und den 483 Inseln um Jütland herum. Um zum Beispiel vom Pfahl Arhus an der Ostküste Jütlands :um Pfahl Kopenhagen an der Ostküste von Seeland, der größten Insel, zu kommen, muß man einen Teil der Reise mit der Fähre zurücklegen.
Die Fähren mit der großen Einfahrt an beiden Enden – eine zum Hineinfahren und eine zum Hinausfahren, wenn man angekommen ist – sind ein Beweis dafür, wie erfinderisch die Dänen sind. Die Fähren sind pünktlich, leistungsfähig und komfortabel. An Bord kann man essen, einkaufen oder ein Nickerchen machen und dabei so ruhig dahingleiten, als führe man über eine Brücke.
Das Meer beeinflußt alle Aspekte des Lebens in Dänemark. Es ist von keiner Stelle aus weiter als 75 Kilometer entfernt. Über die Schiffahrtswege auf der Nordsee nach Großbritannien und Deutschland werden wichtige Märkte mit Agrarprodukten beliefert. Der Handel hat Dänemark zu einem der reichsten Länder der Erde gemacht.
Die Schiffahrtsindustrie ist ein wichtiger Arbeitgeber, und auch Richardt Andersen, der Pfahlpräsident von Kopenhagen, wäre dort gelandet, wenn seine Verpflichtung gegenüber dem Herrn seine Pläne nicht geändert hätte. „Ich hatte in der dänischen Marine gedient und wollte mich zum Nautiker ausbilden lassen”, erzählt Präsident Andersen. Aber nachdem er 1970 seine Mission in Dänemark beendet hatte, heiratete er seine Frau Helmi, und sie bekamen den ersten ihrer sechs Söhne. Statt nach Esbjerg zu ziehen und sein Leben auf dem Meer zu verbringen, wurde er als Bischof der Gemeinde Kopenhagen 2 berufen und wurde Polizist. Seit neun Jahren ist er jetzt Pfahlpräsident.
„Die größte Herausforderung für die Kirche in Dänemark besteht darin, daß wir ein gottloses Land sind”, meint er mit einem tiefen Seufzer. „An Positivem fällt mir zu der Lage in unserem Land nur ein, daß das Schlechte so stark ins Auge fällt, daß es für jemanden mit einer moralischen Gesinnung gar nicht zu übersehen ist. Für unsere Jugendlichen stellt sich die Lage zum Beispiel schwarz-weiß dar.”
Er verweist auf die permissiven Gesetze, die in den sechziger Jahren verabschiedet wurden, als das Land immer wohlhabender wurde. „Unser Land lebte plötzlich im Überfluß, und da wollte es der Welt zeigen, daß wir reich genug sind, um auch weltklug zu sein. Und da haben wir Gesetze verabschiedet, die Pornographie, Nacktbaden am Strand, Abtreibung auf Verlangen und die Eheschließung von Homosexuellen zulassen. Um uns herum fielen die moralischen Schranken.”
Dänemark steht mit diesen gesellschaftlichen Übeln .zwar nicht allein da, aber es hat damit doch beträchtliche internationale Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Als positiv betrachtet Präsident Andersen allerdings die Mitglieder der Kirche, die sich zusammen mit anderen guten Menschen in Dänemark mehr als je zuvor gegen das Böse wappnen. „Die Tempelehe ist wirklich ein Segen für unsere Mitglieder”, meint er. ,Wir haben jetzt viele Mitglieder, die stark sind und das tun, was sie tun sollen. Ihre Kinder gehen auf Mission, und die Familien sind stabil. Wir sind jetzt stark genug, um den Menschen in Dänemark das Evangelium zu bringen."

Immer mehr Missionare
In den letzten drei Jahren hat sich die Zahl der Bekehrtentaufen im Pfahl Kopenhagen verdoppelt. 1988 waren es noch siebenundzwanzig, und 1990 waren es einhundert. „Wir stehen auf den Schultern derer, die uns vorangegangen sind. Wir arbeiten auf der Grundlage weiter, die sie gelegt haben”, sagt Präsident Andersen. Samstags arbeitet er zusammen mit seinen Söhnen, die sich das Geld für ihre Mission verdienen; was er bei dieser Arbeit verdient, kommt auch in ihren Missionsfonds.
Auch Annette Mathiasen Jensen, 24, war auf Mission. „Die Missionare haben etwas Besonderes an sich, und deshalb wollte ich auch auf Mission gehen”, meint sie. „Als ich konfirmiert wurde, war ich dankbar, daß mir gesagt wurde: Der Herr freut sich darüber, daß du eine Mission erfüllen willst: "
Von 1988 bis 1990 hat Annette dann eine Vollzeitmission in Dänemark erfüllt. Vor kurzem hat sie Ole Jensen aus der Gemeinde Odense 1 geheiratet. Jetzt möchte sie noch ihre Ausbildung zur Logopädin beenden, damit sie mit Gehörlosen arbeiten kann.
In der Stadt Odense auf der Insel Fünen, die als Geburtsort des Dichters Hans Christian Andersen bekannt ist, wohnte die Familie Kreiberg. Trine und Steen waren drei bzw. zwei Jahre alt, als die Missionare an ihre Tür kamen. Ihre Eltern, Finn und Inge, ließen sich taufen, und später wurde die Familie im Tempel gesiegelt. Inzwischen haben Steen, der in Oregon eine Mission erfüllt hat, und Trine selbst im Tempel geheiratet. Trines Mann war in Texas auf Mission und arbeitet bei einer Bank in Odense. Und Lone, die Frau von Steen, ist die Enkelin des Pfahlpatriarchen von Arhus, Verner Buur.
Die zweite Generation von Mitgliedern der Kirche in der Familie Kreiber ist ein gutes Beispiel für die Einschätzung von Präsident Andersen, daß die Tempelehe die Mitglieder stark macht. Für Inge Kreiber ist der beste Beweis ihr drittes Kind, Caroline.
„Wenn wir uns nicht der Kirche angeschlossen hätten, hätten wir Caroline gar nicht”, erklärt Inge. Wie die meisten dänischen Frauen meinte sie, sie hätte genug Kinder: „Zwei Kinder und ein Job haben mir gereicht. Dann habe ich mich einen Abend auf eine Institutslektion über die Aufgabe der Frau, Kinder zur Welt zu bringen, vorbereitet, und mir wurde schlagartig bewußt, daß ich gar nicht praktizierte, was da gelehrt wurde.”
Sie glaubte aber daran, daß in der Lektion die Wahrheit gelehrt wurde. Sie wußte, daß sie sich mit dem Thema Muttersein befassen und darüber beten mußte, und setzte sich sehr intensiv damit auseinander. Sie kam zu dem Schluß, daß es für sie richtig war, noch ein Kind zu bekommen – und in Dänemark war das eine Entscheidung von nicht geringer Tragweite. Jetzt wohnen Finn, Inge und die elfjährige Caroline in Odensein einem soliden Haus mir vielen bleigefaßten Fenstern, das einmal eine verlassene Bahnstation war, wo Finn als Junge gespielt hatte.

IIm Tempel Kraft schöpfen
Der Blick in die Ewigkeit und die Tempelbündnisse machen auch die Ehe von Knud und Bodil stark. Knud ist Geschäftsführer in einem Laden für Elektronik und Elektrogeräte, und Bodil ist Lehrerin. Krankheiten haben ihnen eine Prüfung nach der anderen gebracht, wie Bodil, die jetzt im Zweig Henning FHV-Leiterin ist, erzählt.
„Wir hatten manchen Berg zu besteigen, aber wir konnten immer aufeinander zählen”, sagt Bodil. Das ist eine Untertreibung: sie hatte Schwierigkeiten bei der Geburt ihrer Kinder, Knud kämpfte mit Krebs, der nachfolgenden Chemotherapie und damit, wieder gesund zu werden, und ihre kleine Töchter Katharine erkrankte an einer Hirnhautentzündung. Aber all diese Prüfungen haben ihren Glauben gestärkt, und sie sind jetzt sehr dankbar für ihre Segnungen.
„Wir sind in den Tempel gegangen, um Kraft zu schöpfen, und das hat unserer Ehe einen geistigen Kern verliehen”, meint Knud. Er ist ein ruhiger, starker Mann, aber er und seine lebhafte Frau passen gut zusammen.
So wie Dänemark fast ganz von Wasser umgeben ist, das ja ein Bild für Reinheit aber auch für Verschmutzung ist, so sind die Dänen von einem Meer der Versuchung umgeben. Der Wohlstand hat viel Freizeit, Überfluß und vorher unbekannte Entscheidungsmöglichkeiten mit sich gebracht.
Zeitschriftenkioske, Nachtbars, Kinos und Fernsehen stellen die Unmoral so offen zur Schau, daß ein einfühlsamer Mensch ständig auf der Hut sein muß. Wenn mit dem gleichen Einfallsreichtum und der gleichen Entschlossenheit gegen das Meer der Unmoral, in dem viele Dänen treiben, vorgegangen würde wie gegen das Meer, das das Land umspült, dann wären der Wohlstand und der Fortschritt in diesem Land wirklich ein lehrreicher Segen.
Dänemark ist seit langem für die schlichte, funktionelle Schönheit seiner Architektur, seiner Möbel und seiner Kunst bekannt. Die Menschen, die sich in den Strudel von Pornographie und Freizügigkeit werfen, lenken von diesem Erbe ab und wühlen die stillen Wasser unnötig auf.

Rechtschaffene Wünsche haben
Die richtige Entscheidung kann einen sehr einsam machen, wie Jette Schmitz aus Aalborg erfuhr, als sie sich der Kirche anschloß. Jette spricht offen von ihrer neunjährigen Ehe, die der Taufe nicht. standhielt. „Jetzt hin ich stärker, als ich es ohne die Kirche hatte sein können”, meint Jette. "Sie gibt meinem Leben eine klare Linie. Ich hin so dankbar für die Kirche, daß ich sie immer wieder erwähne, wenn ich mich mit jemandem unterhalte."
In diesem Land gehen weniger als drei Prozent der Bewohner überhaupt zur Kirche, und man kann mit Recht sagen, daß Jette keine typische Dänin ist. Im allgemeinen sind die Dänen nämlich eher zurückhaltend, aber sie ist außerordentlich extrovertiert. Ihre Berufung als OA-Beauftragte in der Gemeinde kommt ihrem Wesen so sehr entgegen, daß sie überhaupt keine Hemmungen hatte, den örtlichen Fernsehsender anzurufen, um bekanntzugeben, daß die Jugendlichen des Pfahles Arhus ein Theaterstück aufführten.
„Ich hielt es für bemerkenswert, weil ja die meisten dänischen Jugendlichen nur so herumhängen. Und diese Jugendlichen hatten soviel Zeit für die Proben und die Aufführung geopfert; das hielt ich doch für erwähnenswert,” Das meinten die Leute vom Fernsehsender auch. Auf ihren Anruf hin brachten sie eine kurze Sendung über die Kirche in Dänemark.
Jette gehört zu den vielen Mitgliedern der Kirche in Dänemark, die den Square dance, einen amerikanischen Volkstanz, lieben. Er ist nicht unbedingt das erste, was einem einfällt, wenn man an Dänemark denkt. Aber bereits 1952 haben die Dänen den Square dance als eine Variante der dänischen \Volkstänze übernommen.
1982 hat Preben Klitgaard, ein Mitglied der Kirche in Aalborg, ein Buch über diesen Volkstanz geschrieben. Seitdem führen Bruder Klitgaard und seine Frau Henny Kurse in Square dance durch und treten auch auf. Für sie ist das eine Möglichkeit, Missionsarbeit zu leisten, und der Tanzsaal in ihrem Haus ist an vier Abenden in der Woche von Stampfen, Klatschen und Schreien erfüllt.
Auch ihre Kinder, Susanne, Elisabeth und Jimmy, machen da gern mit. Es ist ein Freizeitvergnügen für die ganze Familie, aber es ist auch noch viel mehr. „Das Interesse am Square dance war so stark”, erklärt Schwester Klitgaard, „dass Preben und ich angefangen haben, Abendkurse anzubieten. Als die Leute dann später nicht mehr in den gemieteten Raum passten, haben wir diesen neuen Flügel an unser Haus angebaut, um sie alle unterbringen zu können.“
Oft bleiben die Leute nach dem Square dance noch ein bißchen, um sich mit den Klitgaards über ihr Leben zu unterhalten. „Für uns ist das eine Einladung, Zeugnis zu geben, denn das Evangelium verleiht unserem Leben ja seinen Sinn. Durch das Tanzen werden viele dem Evangelium gegenüber aufgeschlossener.”
Nicht nur Erwachsene interessieren sieh in Dänemark für den Square dance. Der Pfahl Kopenhagen zum Beispiel ist stolz auf seine Jugendgruppe, die sich Mormon Danserne nennt. Sie führt seit fünfundzwanzig Jahren eine Volkstanztradition fort, die 1966 anläßlich einer Jugendtagung in Stockholm begründet wurde. Stilecht mit Petticoats im amerikanischen Stil und karierten Baumwollkleidern haben diese begeisterten Jugendlichen den traditionellen Square dance noch weiterentwickelt. Unter der erfahrenen Leitung von Marion Als aus der Gemeinde Kopenhagen 4 sind sie bereits in Kopenhagen im Tivoli, in Deutschland und in Schweden aufgetreten und haben ihre Kunst auf der Bühne, bei Festivals und im Fernsehen vorgeführt.

Die Kirche wächst in Dänemark stetig, und immer mehr Mitglieder finden in der Öffentlichkeit Beachtung. Palle Hattigs Fotos von den Färöer-Inseln sind in einem Gedenkband abgedruckt worden, den die Post herausgegeben hat. Jan Birk von der Gemeinde Odense 1 hat regelmäßig eine Radiosendung, in der es um familienbezogene Fragen geht. Er und seine Frau Carol haben zehn Kinder und sind in Dänemark bekannte Fürsprecher der Familie. „Die Wertvorstellungen des Evangeliums vermitteln uns Wahrheiten, die wir freigebig weitergeben, um auch anderen Familien zu helfen”, sagt Bruder Birk.
Eddie Karnil aus Odense ist in ganz Dänemark wohl am besten als Richard III. bekannt. Seine Shakespeare-Darstellungen zählen zu den besten im ganzen Land, und seine Darstellung des Scrooge von Charles Dickens ist am Theater von Odense ein jährlicher Klassiker. Er und seine Frau haben sieben Kinder.
Ein weiteres Mitglied der Kirche, das mit seinen Auftritten die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich zieht, ist der klassische Gitarrist Jan Pedersen aus Esbjerg, der in London auf Mission war. Seine Frau Marie-Hélène war in Brüssel auf Mission. Nach sieben Jahren Studium am Konservatorium gibt Jan regelmäßig Konzerte; außerdem leitet er eine Musikschule und erteilt Privatunterricht. Alle diese Mitglieder sind bekannte Missionare für die Kirche.
„Dies ist ein besonderes Land”, meint Präsident Richardt Andersen. „Es gibt in Dänemark soviel, was zu bewahren sich lohnt, und es gibt viel Gutes zu tun. Die dänischen Heiligen der Letzten Tage machen immer mehr ihren guten Einfluß geltend.”
Die dänischen Mitglieder bemühen sich offensichtlich darum, dem Besten, wofür Dänemark steht, ihre Achtung zu erweisen -- der Schönheit der Natur, der Lebenskraft ihres Bodens, der Erneuerung ihrer Gewässer und ihrem reichen künstlerischen und kulturellen Erbe.
Reinheit und Schlichtheit, wie sie in den schönen, berühmten Kopenhagener Porzellanfiguren — dem Milchmädchen mit Tuch und Schürze, der Mutter, die dem Kind, das auf ihrem Schoß sitzt, etwas vorliest, den jungen Mädchen mit den Hüten und knöchellangen Sonntagskleidern — zum Ausdruck kommen, sind zeitlose Tugenden. Diese unschuldigen Bilder kommen in den bewußten Entscheidungen der dänischen Heiligen der Letzten Tage, die täglich nach dem Evangelium leben, zum Ausdruck.
Giles H. Florence jun., Juni 1993

19:28 - 2.03.2008


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