Mormonen - Das Evangelium in aller Welt

die Heiligen in Portugal

In der Heimat von Magellan und Vasco da Gama entdecken heute Tausende von Bekehrten neue Dimensionen geistigen Lebens.


Der junge portugiesische Architekt Alcino Silva arbeitete eines Nachmittags im Dezember 1976 in seinem Büro, als er im Radio einen Bericht über eine Gruppe amerikanischer Missionare hörte, die soeben in Porto, einer der größeren Städte im Norden Portugals, eingetroffen waren. Als zwei von ihnen am selben Abend an seine Tür klopften, staunte er darüber, daß sie seine Familie so rasch gefunden hatten.
Seine Frau Nazare und er waren von Anfang an sehr empfänglich für die Botschaft, die sie brachten. Die Familie begann sofort, nach der Lehre zu leben, die die Missionare verkündeten. Sie befolgten sogar das Gesetz des Zehnten. Nazare, die katholisch aufgewachsen war, hatte, wie sie sagte, „noch nicht einmal im Traum daran gedacht, daß es auch eine andere Kirche geben könnte”. Aber sie fand, daß alles, was die Missionare lehrten, mit dem übereinstimmte, was sie ohnehin schon glaubte. „Als sie sagten, die Familie könne auf ewig, nicht nur in diesem Leben, zusammensein, war das für mich das Wunderbarste, was ich mir nur vorstellen konnte”, sagte sie.
Dann kam die Einladung zur Taufe - aber Alcino Silva sagte nein. Sie seien noch nicht bereit, sich so fest zu binden.
Seine Frau war wegen dieser Entscheidung innerlich aufgewühlt, denn sie hatte wegen einigem, was die Missionare gelehrt hatten, gebetet und die Bestätigung empfangen, daß es wahr sei. Sie wußte nicht, daß ihr Mann Alcino innerlich mit sich kämpfte. Als die Missionare an jenem Montagabend die Wohnung der Silvas verließen, fühlte er sich von gegensätzlichen Wünschen zerrissen: „Ruf sie zurück.... Nein,
doch nicht. ... Doch, ruf sie zurück.... Nein.”
Die Missionare sollten am Freitag wiederkommen. Aber gegen Mitte der Woche hatten sie das Gefühl, sie sollten die Familie Silva besuchen. „Tja”, sagte Alcino Silva, „da Sie schon hier sind, könnten wir ja einen Tauftermin festsetzen."
Die Silvas wurden im Februar 1977 getauft und schlossen sich der Handvoll Heiliger der Letzten Tage in Porto an. Beide haben in der Zeit, da die Kirche in ihrer Gegend gewachsen ist, eine ganze Reihe von Führungsaufgaben erfüllt. Bruder Silva ist heute Präsident des Pfahls Porto-Portugal, des zweiten Pfahls in seiner Heimat.

Ein Weihungsgebet
Die Silvas dürften Mitglieder sein, wie Elder Thomas S. Monson vom Rat der Zwölf sie sich vorgestellt hat, als er am 22. April 1975 Portugal für die Missionsarbeit weihte. An einem vom Wind umwehten Ort in den Hügeln am Rande von Lissabon betete er, umgeben von ein paar Missionaren und einigen neugetauften Portugiesen, um Gottes Segen „für diese Mitglieder, die sich heute morgen hier versammelt haben.
Jeder von ihnen ist buchstäblich ein Pionier ... und zeigt anderen den Weg, den sie gehen müssen. Gib, himmlischer Vater, daß die Zahl unserer Mitglieder zunimmt.”
Sie standen an diesem Tag unweit des Cabo de Roca - des westlichsten Punktes des europäischen Festlands, wo der blaugrüne Atlantik an die tiefschwarzen Felsen der Küste brandet und weiße Schaumgebilde, portugiesischer Spitze gleich, zerstieben. Elder Monson sagte in seinem Weihungsgebet: „Wir sind uns bewußt, Vater, daß in alter Zeit aus diesem Land Seefahrer aufgebrochen sind und daß das portugiesische Volk von Abenteuerlust beseelt war und auf dich vertraut hat, als es sich nach unbekannten Ländern aufmachte. Gib, daß diese Menschen auf dich vertrauen, wenn sie nun nach der Wahrheit suchen, die sie zum ewigen Leben führt.”
Dieses Gebet von Präsident Monson, der nun Zweiter Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft ist, ( heute 2008 Präsident der Kirche) erfüllt sich nun in reichem Maße, indem die Kirche in Portugal immer schneller wächst.
Missionare der Kirche kamen Ende 1974 ins Land, nachdem die portugiesische Regierung die Genehmigung dazu erteilt hatte. Im Juli 1975 gab es in Portugal erst 100 Heilige der Letzten Tage. 1978 zählte die Kirche über tausend Mitglieder. Mitte 1984 waren es um die fünftausend, und heute sind es mehr als doppelt so viele. Ende 1987 gab es in Portugal schätzungsweise mehr als 11000 Mitglieder. Die Portugal-Mission Lissabon wurde voriges Jahr geteilt, und die neue Portugal-Mission Porto im Norden des Landes besteht seit Juli vorigen Jahres.

Ein Volk ist bereit
Das Evangelium kam genau zur rechten Zeit, sagt Vitor Martins, Präsident des Pfahls Lissabon. Viele Portugiesen waren zweifellos vom Herrn vorbereitet worden und nahmen das Evangelium bereitwillig an. Präsident Martins war einer der ersten, die bekehrt wurden.
Die Portugiesen, meint er, sind sehr demütig und hören aufgeschlossen zu, was die Missionare zu sagen haben. Seine Landsleute seien auch „sehr freigebig und hilfsbereit”. Die Folge ist, daß viele in der Kirche einen guten Dienst leisten. Präsident Martins nennt etliche Beispiele aus seinem Pfahl, darunter Antonio und Mae Lerne.
Auch die Lemes gehörten zu den Pionieren der Kirche in Portugal. Sie stammen aus Brasilien und zogen 1965 nach Portugal, als Herr Lerne - er war von Beruf Pilot - von der staatlichen Fluglinie Portugals angestellt wurde. Mac Leme half ihrem Sohn gerade, das Adlerscout-Abzeichen zu erlangen, als sie Geraldine Bangerter kennenlernte, die eine Scout-Gruppe unterstützte. Frau Leine erfuhr bald, daß Geraldine Bangerter mit William Grant Bangerter, dem Missionspräsidenten der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage in Portugal, verheiratet ist. (Elder Bangerter wurde im April 1975 in das Erste Kollegium der Siebzig berufen, während er als Missionspräsident diente.)
Frau Lerne zeigte höflichkeitshalber Interesse an der Kirche, und Schwester Bangerter schickte ihr sofort die Missionare. Die Familie befaßte sich ausführlich mit der Kirche – sieben Monate lang. Damals gab es in Portugal nur eine Handvoll Mitglieder, die sich in einem Hotelzimmer in Lissabon trafen.
Antonio Lerne ist heute Bischof der Gemeinde Oeiras, die Anfang des Jahres in einem Vorort von Lissabon gegründet wurde. „ich glaube wirklich: Wenn man berufen ist, etwas zu tun, gibt Gott einem auch die Mittel dazu”, meint er nachdenklich. Als er das Alter erreicht hatte, in dem Piloten ihren Beruf nicht mehr ausüben dürfen, war er mit seinen Berufungen in der Kirche so beschäftigt, daß er gar nicht das Gefühl hatte, im Ruhestand zu sein. Aber ihm ist das Dienen eine Ehre. „Es wird mir nie zuviel, wenn ich meine Zeit der Kirche zur Verfügung stelle.”

Neue Gemeindehäuser
Für die Mitglieder in Portugal ist es relativ schwierig, zu den Versammlungen zu kommen, berichtet Bischof Lerne. Nur wenige haben ein eigenes Auto, und die öffentlichen Verkehrsmittel sind sehr teuer. Für manche ist es schwer, heimlehren und besuchslehren zu gehen, und viele Mitglieder der Kirche wohnen zu weit weg, um zu Fuß zu den Versammlungen zu gehen.
Bischof Manuel Joao Correia Teles von der 4. Gemeinde in Lissabon zeigt mit dem Finger auf die Mitte seiner Gemeindekarte und sagt: „Wenn ich hier ein Gemeindehaus hätte, würde sich der Versammlungsbesuch verdoppeln.” Anfang 1987 hatte Lissabon, eine Stadt mit etwa einer Million Einwohnern, für vier Gemeinden nur zwei weit auseinanderliegende Gemeindehäuser. Wie die meisten Gemeindehäuser in Portugal waren die Häuser auch in diesen Fällen für andere Zwecke errichtet und dann für die Versammlungen umgebaut worden.
„Die Kirche wächst sehr rasch, und manchmal muß man rennen, um neue Versammlungsräume zu finden, die zu vermieten sind”, sagt Jose A. Teixeira, der Regionsbeauftragte für Finanzen und Berichte der Kirche in Lissabon. In Portugal stehen derzeit mehrere Gemeindehäuser im Bau, und einige werden dieses Jahr noch angefangen.
Bruder Teixeira, der in den Jahren 1980 bis 1982 in Portugal auf Mission war, stellt fest, daß die Kirche in Portugal zwar immer noch verhältnismäßig klein ist. Aber ein eigenes Gemeindehaus, sagt er, kann für Leute, die sich für die Kirche interessieren, eine stabile Gemeinschaft symboliseren. „Wenn man eine Kirche mit einem eigenen Gebäude sieht, dann ist es eine, die für immer da ist.”
Aber die Gebäude sind für das Wachstum weit weniger ausschlaggebend als starke Mitglieder wie Brizida lnocencio aus der Gemeinde Faro im Algarve-Distrikt. Schwester lnocencio wurde bekehrt, weil ihr Sohn mit einem Mitglied der Kirche befreundet war. Sie nutzt viele Gelegenheiten, anderen vom Evangelium zu erzählen. Durch eine Verwechslung lernte sie eine Frau kennen, die denselben ungewöhnlichen Vornamen hat wie sie. Sie nahm die neue Bekannte zur Kirche mit. Ob ihre Bekannte schon Mitglied ist? „Noch nicht”, sagt Schwester Inocencio lächelnd.
Brizida Inocencio ist nur eines von vielen Mitgliedern, die im Algarve-Distrikt für Liebe und Einigkeit sorgen. Viele Gebiete in dieser Region im Süden Portugals sehen aus wie die Landschaften auf den Plakaten der Fremdenverkehrswerbung. Reifende Zitrusfrüchte leuchten wie grelle Farbtupfer aus dem dunkel Grün der Haine, die die Villen und Ferienhäuser umgeben. Auf den Stränden und Kais von Faro, Portimao, Albufeira und Lagos drängen sich im Sommer Touristen aus vielen Ländern. Nicht weit im Landesinneren grast vor dem Hintergrund eines weißen Dorfes, das auf der Spitze eines Hügels liegt, unter Korkeichen eine Schafherde.
In Portimao wurde das erste Gemeindehaus Portugals errichtet. Auch in dieser Stadt gibt es Pioniere der Kirche, etwa die Familie von Filomena Simao. Schwester Simao war noch ein junges Mädchen, als ihre Familie vom Evangelium hörte. „Ich habe den Geist so stark verspürt, als die Missionare zu uns kamen”, sagt sie. Das Prinzip neuzeitlicher Offenbarung akzeptierte sie bereitwillig, denn sie wußte, daß ein liebender himmlischer Vater seinen Kindern zu allen Zeiten die Wahrheit mitteilen würde.
Nach ihrer Taufe bereiteten ihr einige ihrer Freunde Schwierigkeiten, aber viele Freundschaften konnte sie halten, indem sie die Menschen liebte, unabhängig davon, ob sie das Evangelium annahmen oder nicht. Später erfüllte sie eine Vollzeitmission in England, eine Zeit geistiger Erlebnisse, von der sie heute noch zehrt.

Schwierigkeiten für die Jugend
Junge Mitglieder der Kirche können es in Europa schwer haben, sagt die achtzehnjährige Carla Duarte Figueiredo aus Oeiras. Carla stammt aus Rhodesien (heute Zimbabwe), hat aber ein Drittel ihres Lebens in Portugal verbracht. Sechs Jahre lebte sie in Spanien, als ihre Mutter dort arbeitete. (Ihre Eltern sind geschieden.) Carla hat eine offene, herzliche Art. Ihr rotes Haar umrahmt ein strahlendes Gesicht. Sie spricht Englisch, Spanisch und Portugiesisch.
„Als Mitglied der Kirche muß man stark sein — sehr stark”, sagt sie. Da sind nicht nur die Versuchungen, denen alle Jugendlichen in Portugal ausgesetzt sind - Alkohol, Drogen und Unmoral -, sondern auch die Gleichgültigkeit, manchmal sogar Feindseligkeit gegen religiöse Werte. „Ich weiß, daß ich das Wort der Weisheit befolgen muß und daß es zu meinem Vorteil ist”, erläutert Carla. Aber wenn ihre Freunde nach ihren Motiven fragen und sie diese zu erklären sucht, „stellen sie sich taub”.
Der fünfzehnjährige Carlos Teixeira aus Porto berichtet, daß die Veranstaltungen der Kirche einen festen Kern von engagierten HLT-Jugendlichen anziehen und auch Gelegenheit bieten, Freunde einzubeziehen, die nicht der Kirche angehören. Beliebt sind Tanz und Theaterspielen, daneben gibt es auch sportliche Veranstaltungen. Ein Tischtennisturnier an einem regnerischen Samstagnachmittag etwa zieht eine kleine, aber äußerst aktive Gruppe von Spielern und Zuschauern ins Pfahlzentrum. In dem Gebäude - es ist ein umgebautes Wohnhaus - herrscht Hochbetrieb. Während des Turniers findet in einem anderen Teil ein Taufgottesdienst statt, und im oberen Geschoß gibt es gerade eine Planungssitzung für eine Gemeinde-FHV-Aktivität. Die Mitglieder der Kirche in Porto „geben sich alle Mühe, unsere Brüder und Schwestern zu Wahrheit zu führen”, sagt Carlos.
Etwa 40 Prozent aller Missionare in Portugal sind Portugiesen oder Brasilianer, und die jungen Leute in allen Teilen des Landes folgen eifrig dem Ruf, zu missionieren. Das ist mit Opfern verbunden. Es kommt vor, daß jemand, der auf Mission ist, zum Militärdienst eingezogen wird. An den Universitäten werden Studienunterbrechungen nicht gern gesehen, wenn der Zweck ein religiöser ist, und so kann es sein, daß Missionare Schwierigkeiten haben, wieder zum Studium zugelassen zu werden.
Trotz dieser Opfer, sagt José Teixeira (kein Verwandter von Carlos), sei es „die beste Entscheidung gewesen, die ich treffen konnte, daß ich auf Mission ging. Dort habe ich mir in kirchlicher Hinsicht ein Fundament gelegt.” Ein Fundament für spätere Führungsaufgaben: José Teixeira ist inzwischen Erster Ratgeber in der Präsidentschaft des Pfahls Lissabon. Im ganzen Land wird die Kirche von jungen, heimgekehrten Missionaren getragen.
Im Distrikt Setubal mit ungefähr 1800 Mitgliedern befinden sich ständig etwa 20 junge Leute auf Mission. Setubal ist eine Hafenstadt und liegt ungefähr 45 Autominuten südlich von Lissabon. Die Zweige im Distrikt liegen weit auseinander. Aber „die Missionsarbeit geht hier gut voran. Die Mitglieder helfen sehr mit”, sagt der Distriktspräsident Octavio da Silva Melo. 1986 gab es im Distrikt 380 Taufen, etwa 20 Prozent der Gesamtzahl in Portugal.
„Die Kirche wird in Portugal weiter wachsen. Die Menschen hier sind gut, und viele müssen das Evangelium nur hören, dann nehmen sie es an, öffnen ihr Herz und lassen sich überzeugen”, meint Präsident Melo.
Denselben Missionsgeist spürt man in Coimbra, etwa drei Autostunden nördlich von Lissabon. Die Stadt, deren Ursprünge in römischer Zeit liegen, wächst nach allen Seiten an den umliegenden Hängen empor. Die verwinkelten Gassen des Stadtkerns verengen sich zu Fußgängerpassagen oder führen hinaus auf große Plätze und breite Alleen. Vom Mondegofluß steigen die Häuserreihen wie Treppenstufen das Ufer hinan. Nach Coimbra, sagen die Portugiesen, geht man, um zu studieren. Eine der Universitäten der Stadt wurde 1290 gegründet. Die Stadt ist von religiöser Tradition geprägt, aber sie hat auch vier HLT-Gemeinden und ungefähr 450 Mitglieder.
„Ich helfe den Missionaren immer gern. Die Menschen müssen vom Evangelium hören. Sie müssen glücklich werden”, sagt Irene Marques, eine zierliche, kleine Zigeunerin, die auf dem Markt mit Kleidern handelt. Unter den Silberringen an ihren Händen befindet sich auch ein WDR-Ring, den ihr einer der Missionare, denen sie hilft, geschenkt hat. Infolge des Widerstandes ihrer Familie konnte sie sich jahrelang nicht der Kirche anschließen. Trotzdem hat sie viele andere Menschen mit den Missionaren und dem Evangelium bekannt gemacht. Von ihrem Missionsgeist hat sie seit ihrer Taufe vor drei Jahren nichts eingebüßt. Ein alter Freund hat sie getauft: Joaquim José da Silva Aires, der Präsident des Coimbra-Distrikts.
Präsident Aires ist ein freundlicher, offener Mann, der viel Liebe ausstrahlt. Als er die Missionare kennenlernte, war er, als Atheist aus einer Familie von Atheisten, vorerst skeptisch. Die Missionare hatten zuerst Kontakt zu seiner Frau Domitila, die ihnen erklärte, ihr Mann werde mit der Botschaft, die sie brachten, nichts zu tun haben wollen. Sie kamen dreimal zu Besuch, ohne über Religion zu sprechen, und lernten ihn kennen, bevor er sie fragte, was sie eigentlich wollten. Wie seine Frau vorhergesagt hatte, erwiderte er, er sei nicht interessiert, gestattete ihnen aber, seine Frau zu belehren. Bei der dritten Lektion drang das Evangelium jedoch auch zu ihm durch. Gemeinsam mit seiner Frau ließ er sich im Juli 1977 taufen.

Das erste portugiesische Missionarsehepaar
Bruder und Schwester Aires waren das erste Ehepaar, das in Portugal auf Mission berufen wurde. Das war im Jahr 1984. Aufgrund ihrer Reife und weil Portugiesisch ihre Muttersprache ist, taten sie sich leichter als die jungen Missionare. Vorteilhaft war auch, daß sie die portugiesische Gesellschaft und Kultur kannten und mit Ehepaaren umgehen konnten.
Die Aires wohnen in einer bequemen ebenerdigen Wohnung in einem der vielen modernen Häuser, die in Coimbra aus dem Boden geschossen sind. Die Garage hinter dem Haus dient ihnen als Lebensmittellager. Bruder Aires hat dort auch Platz für die tropischen Vögel, die er züchtet.
Bruder und Schwester Aires haben fünfundzwanzig Jahre in Mosambique, einer ehemaligen portugiesischen Kolonie in Afrika, gelebt. Wie die Cabrals in Faro, die Simaos in Portimao und Präsident Melo in Setubal gehörten sie zu den Hunderttausenden retornados - Portugiesen oder Nachkommen von Portugiesen, die Afrika verlassen haben, als die Kolonien Mitte der 70er Jahre ihre Unabhängigkeit erhielten.
Viele Menschen, die in diesen Kolonien lebten, haben sich der Kirche angeschlossen. Die Mitglieder meinen, das sei vielleicht deswegen so, weil die retornados für neues Gedankengut aufgeschlossener seien. Außerdem hat die erzwungene Veränderung ihrer Lebensumstände und die Tatsache, daß sie praktisch ihre ganze Habe verloren haben, als sie Afrika verließen, diese Menschen demütig gemacht.
„Wir haben alles verloren, was wir hatten”, erinnert sich Arnaldo Teles Grilo, der Patriarch des Pfahls Lissabon. „Und es war gut so.”
Er war in Angola Bankier gewesen und hatte vier Häuser und mehrere Autos besessen. Jetzt leben er und seine Frau in einer kleinen Wohnung in einem Vorort von Lissabon. Sie besitzen noch ein paar
Kunstgegenstände - Erinnerungen an Afrika - und, in einer Ecke ihrer Wohnung, einen Rest der wertvollen Bibliothek, die sie einst besessen haben. „Es war nicht leicht für uns, als wir von Afrika herkamen, weil wir soviel aufgeben mußten”, sagt Bruder Teles Grilo. Aber diese Situation, meint er, habe sie, als die Missionare sie im Evangelium unterwiesen, gezwungen, an die ewigen Segnungen zu denken, die doch wichtiger sind.

„Ist es wirklich ein Opfer?”
Die Teles Grilos wurden 1977 getauft und später im Tempel in der Schweiz gesiegelt. Bruder Grilo träumt von dem Tag, da in Portugal ein Tempel stehen wird. Die lange, teure Fahrt hindert viele Portugiesen, die an sich würdig wären, am Tempelbesuch in der Schweiz. Die ca. 2500 km lange Reise dauert mit dem Bus zwei Tage und eine Nacht.
„Aber wenn wir dann am Ende der Reise den Tempel sehen”, sagt Bruder Teles Grilo, indem er sich der Gefühle der Tempelbesucher erinnert, denken wir: „Ist es wirklich ein Opfer? War die Reise wirklich lang?” Mehr als 250 Portugiesen nahmen an der Tempelfahrt im Vorjahr teil.
Für einige ist der Tempel ein Ziel, das es um jeden Preis zu erreichen gilt. Adriano und Ana Maria Barros aus der 1. Gemeinde in Porto haben 1985 dort geheiratet. Während ihrer Verlobungszeit hatten sie eine Spardose mit der Aufschrift „Heirat im Tempel”, in die sie jeden Tag einen Betrag steckten, um für die Reise zu sparen. Ana Maria verlor ein paar Monate vor dem Hochzeitstermin ihre Arbeit, und es sah so aus, als würde das Geld nicht für eine Tempelfahrt und den Start ins Eheleben reichen. Anstatt sich mit einer standesamtlichen Hochzeit zufriedenzugeben, beschlossen sie, mit dem Heiraten noch zu warten. Aber indem sie Glauben übten, schafften sie es dennoch, zum Tempel zu fahren, und wenn es finanziell auch nicht einfach war, sind sie doch mit allem gesegnet, was sie brauchen.
Der hohe Stellenwert, den die älteren Mitglieder dem Tempel einräumen, wirkt sich auch auf die Jungen aus. Etliche junge Leute im Pfahl Porto haben Geld gespart, damit sie zum Tempel fahren und Taufen für die Toten vollziehen können. Wie die Barros wollen auch sie sich einmal mit nichts anderem als einer Eheschließung im Tempel zufriedengeben.
In vielen Teilen des Landes spürt man, wenn auch im Kleinen, den Einfluß des Evangeliums. Bischof Leine von der Gemeinde Oeiras im Pfahl Lissabon sagt: „Ich stelle fest, daß sich in Portugal etwas verändert hat. Noch ist die Kirche sehr klein. Aber der Herr tut etwas für dieses Volk.”
Viele portugiesische Mitglieder sind dankbar dafür, daß ihnen erneut versichert worden ist: Das Wachstum, um das Präsident Monson in seinem Weihungsgebet vor zwölf Jahren gebeten hat, geht weiter. Anläßlich der Gründung des Pfahls Porto-Portugal am 2. November 1986 sagte Elder Russell M. Nelson vom Rat der Zwölf den Mitgliedern, daß es in Portugal viele Missionen geben wird und daß Portugal eines Tages von Pfählen bedeckt sein wird.
Bis dieser Tag kommt, werden die heiligen der Letzten Tage, laut Bruder Teles Grilo, wahrscheinlich auch auf Widerstand stoßen, wenn der Widersacher versucht, die Verbreitung des Evangeliums aufzuhalten.
„Aber ich glaube”, bekräftigt er, „daß die Kirche sich über das ganze Land ausdehnen wird, wie unsere Führer es vorhergesagt haben.” Zusammen mit Bruder Teles Grilo freuen sich Tausende Heilige der Letzten Tage in Portugal darauf, daß in Erfüllung geht, was ihrem Land bestimmt ist.

Don L. Searle, Februar 1988

19:25 - 4.03.2008


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