Mormonen - Das Evangelium in aller Welt

Equador

Die Mitglieder der Kirche in Ecuador beweisen, daß es an der „Mitte der Erde” ein Zentrum des Glaubens gibt


Wenn man in Quito oder in Guayaquil eine Zeitung aufschlägt, findet man darin immer wieder mal Vorschläge oder Programme, mit deren Hilfe Ecuadors noch ungenutzter Reichtum angezapft werden soll, um die Wirtschaft des Landes zu stärken. Das Land ist nämlich reich an unerschlossenen Bodenschätzen.

Aber noch reicher ist es an geistigen Schätzen. Und während Ecuador darum ringt, seinen natürlichen Reichtum zu nutzen, blühen die geistigen Schätze im stillen, während sich das Evangelium immer weiter ausbreitet.

Die geistigen Schätze sind im Leben der Heiligen der Letzten Tage im ganzen Land zu finden.

Wenn man das Haus von José Trujillo in Quito betritt, stellt man fest, daß das große Wohnzimmer ein Büro ist, in dem für die Kirche gearbeitet wird. Hier spendet Bruder Trujillo, der Patriarch des Pfahles Quito Ecuador Colón den Mitgliedern den Patriarchalischen Segen.

Die Familie Trujillo ließ sich 1966 taufen - in dem Jahr nach der Ankunft der ersten Missionare in Ecuador. Es war nicht immer leicht, in diesem Land ein Heiliger der Letzten Tage zu sein, sagt Bruder Trujillo, aber die Prüfungen sind doch unbedeutend, wenn man sie mit der Freude vergleicht, die das Evangelium bringt.

Bruder und Schwester Trujillo haben auch ihre Kinder gelehrt, sich ganz und gar für das Evangelium zu engagieren. Fünf ihrer zehn Kinder waren auf Mission, und jetzt gehen schon die ersten Enkel auf Mission.

Bruder Trujillo ist zuversichtlich, daß der derzeitige Fortschritt in Ecuador für das wiederhergestellte Evangelium erst der Anfang ist: „Die Prophezeiung muß sich erfüllen. Sie besagt, daß die Erde erfüllt werden wird” (siehe LuB 65:2).

In Otavalo geht man eine ungepflasterte Straße am Stadtrand hinunter und dann durch ein kleines Maisfeld, dann kommt man zu einem winzigen Haus mit zwei Zimmern. Hier wohnt Juan José Munoz, Zweiter Ratgeber in der Präsidentschaft des Pfahles Otavalo Ecuador, mit seiner Frau Laura und den vier Kindern. Schwester Munoz ist in ihrer Gemeinde FHV-Leiterin.

1986 reiste die Familie Munoz zum Lima-Tempel in Peru, um sich siegeln zu lassen. Ohne die Hilfe des Herrn hätten sie es nicht geschafft, wie Präsident Munoz meint. Über ein Jahr lang hatten sie die Hälfte seines Einkommens gespart, um die Reise bezahlen zu können; dann hatten sie noch einen Teil ihrer kärglichen Habe verkauft und sich zwanzig Dollar geliehen, um das letzte Geld zusammenzukratzen. 1988 machten sie die Reise noch einmal und mußten das Geld genauso mühsam zusammensparen.

Die Heiligen der Letzten Tage müssen zum Tempel gehen, um die Fülle der Segnungen des Evangeliums zu verstehen, wie Präsident Munoz sagt: „Deshalb freuen wir uns so sehr auf den Tempel in Ecuador.” 

Wenn man von Laura Guerrero aus Guayaquil gebeten wird, sich hinzusetzen, muß man aufpassen, daß man sich nicht auf einen Seminarleitfaden setzt. Sie hat es noch nicht geschafft, ihren kaputten Tisch reparieren zu lassen, und benutzt deshalb einen der Stühle als Schreibtisch.

Bis auf die Holzstühle ist das Wohnzimmer in diesem Haus aus Adobeziegeln, in dem Schwester Guerrero mit sechs ihrer Kinder wohnt, fast leer. (Ihr neunzehnjähriger Sohn arbeitet derzeit in Bolivien, um das Geld für seine Mission zusammenzubekommen.) In diesem Teil von Guayayuil gibt es kein fließendes Wasser. Der Schlafbereich ist mit Vorhängen abgetrennt. Aber das große Wohnzimmer reicht für Schwester Guerreros Seminarklassen völlig aus.

Schwester Guerrero arbeitet bei einer Behörde, um für sich und ihre Kinder den Lebensunterhalt zu verdienen. Zusätzlich studiert sie Jura, um ihr Einkommen aufbessern zu können und ihren Lebensstandard zu heben. Sie arbeitet außerdem als Zweite Ratgeberin in der FHV-Leitung des Pfahles Guayayuil Ecuador South. Aber trotz der vielen Arbeit ist sie immer noch eine begeisterte Seminarlehrerin. Einmal am Morgen und dann wieder am Abend für diejenigen, die morgens nicht kommen können. „Am glücklichsten bin ich, wenn ich den Jugendlichen helfen kann”, sagt sie.


Den Reichtum erschließen
   1965 kam das wiederhergestellte Evangelium auch nach Ecuador. Am 9. Oktober jenes Jahres stand Elder Spencer W. Kimball vom Kollegium der Zwölf auf einem Berg in Quito und weihte das Land. Er betete: „Mögen seine Bewohner ihr Leben ändern und sich organisieren, um das große Programm, das der Herr ins Leben gerufen hat, in die Tat umzusetzen.” Und er flehte den Herrn an, die einheimischen Indianer zu segnen „daß sie von der herrlichen Evangeliumswahrheit erfüllt sein mögen, auf die sie schon so lange warten” (History of the Andes Mission, 9. Oktober 1965).

Anfangs wuchs die Kirche nur langsam. Aber das Wachstum beschleunigte sich, als die geistigen Schätze in immer größeren Gebieten erschlossen wurden an der Küste und im Gebiet der Otavalo-Indianer. Heute hört man die Mitglieder immer wieder sagen: „Das Evangelium hat mein Leben verändert” Das ist fast ein Echo auf das Gebet von Elder Kimball.

Die Kirche hat jetzt (1993) in Ecuador neunzigtausend Mitglieder in elf Pfählen und drei Missionen (Guayaquil North, Guayaquil South und Quito). und es soll dort ein Tempel gebaut werden. Die Mitgliederzahl wächst um rund neun Prozent im Jahr jeden Monat lassen sich mehrere hundert und manchmal sogar über tausend Menschen taufen.

Die wirtschaftlichen Bedingungen machen es vielen von ihnen schwer, mit der Kirche in Verbindung zu bleiben. Viele haben kein Auto und kein Telefon, und es kann sehr kostspielig sein, mit der Familie zu den Versammlungen zu fahren. Außerdem müssen viele, um Arbeit zu finden, vorübergehend umziehen oder Überstunden machen, die sich über ganze Tage hinziehen können und manchmal sogar am Wochenende arbeiten. Aber die Mitglieder in Ecuador kommen genauso treu zur Kirche wie die Mitglieder in den anderen Gebieten der Kirche.

Das Evangelium und die damit verbundenen Segnungen sind zwar überall gleich, aber das Leben kann für die Mitglieder in Quito, Otavalo und Guayaquil ganz anders aussehen.

Quito
   Die Altstadt von Quito ist ganz im spanischen Kolonialstil erbaut. Nur wenige Kilometer entfernt verleihen allerdings Banken, Modegeschäfte und Bürohochhäuser dem modernen Quito ein großstädtisches Flair. Die Temperatur ist hier gemäßigt, obwohl der Äquator, dem Ecuador ja den Namen verdankt, nur wenige Kilometer nördlich von der Stadt entfernt ist. Ein Schild auf der Autobahn weist den Weg zur „Mitte der Erde”.

Sowohl Quito als auch das Andenhochland, die Sierra, sind für das Festhalten an den Traditionen bekannt. Es ist eine geschichtsträchtige Stadt. Und einige Mitglieder der Kirche, die hier leben, haben beobachtet, wie sich das Evangelium von hier aus in Ecuador ausgebreitet hat.

„Der Fortschritt, den wir jetzt machen, läßt auf noch größeres Wachstum hoffen”, meint César Cacuango, der sich 1968 hat taufen lassen. Er hat in der Kirche schon alle möglichen Berufungen erfüllt, vom Sonntagsschullehrer bis zum Missionspräsidenten. Derzeit ist er Regionalrepräsentant für das Gebiet Guayaquil Ecuador, aber als Manager im Gebietsbüro South America North lebt und arbeitet er in Quito.

Das Wachstum der Kirche bringt viele Herausforderungen mit sich. Dazu gehört, daß Mitglieder, die sich vielleicht unzulänglich fühlen, weil sie kaum Schulbildung haben, und die nie irgendwelche Führungspositionen angestrebt haben, in Führungsaufgaben und im Dienst am Nächsten geschult werden müssen. Manche Mitglieder, die als Besuchslehrerinnen oder Heimlehrer solchen Mitgliedern zugeteilt werden, die gebildeter oder wohlhabender sind, machen ihre Besuche nicht, weil sie das Gefühl haben, sie hätten nichts zu bieten.

Bruder Cacuango gehört zu den Führern, die der Meinung sind, daß die Mitglieder solche Schwierigkeiten überwinden können, indem sie voll und ganz nach dem Evangelium leben. Wenn sich jemand der Kirche anschließt, dann ändert er sich seiner Meinung nach nicht nur in geistiger sondern auch in physischer Hinsicht. Er sagt sich von alten Gewohnheiten los und wird reinlicher. Durch die Beschäftigung mit dem Evangelium wächst auch das Streben nach Bildung, und wer bereitwillig dient, entwickelt sich zu einem Führer, der besser imstande ist, seiner Familie, der Kirche und dem Gemeinwesen zu helfen.

Es ist deutlich zu spüren, wie lebhaft die Mitglieder in Quito sind. Aber auch die Kraft ihres Glaubens ist unübersehbar. Die Einstellung vieler kommt in dem kleinen Schild zum Ausdruck, das auf einem Schreibtisch im Gebietsbüro der Kirche steht: Würde ER das auch so machen?"

Solches Engagement erleben wir zum Beispiel in der Familie von Marco und Piedad Canar. Bruder Canar ist Patriarch im Pfahl Quito Ecuador Santa Ana, und Schwester Canar ist Pfahl-FHV-Leiterin. Ihr ältester Sohn Luis und ihre Tochter Ruth haben eine Mission erfüllt. Die jüngeren Söhne, Vladimir, Javier, David und Michael, freuen sich schon auf ihre Mission. Die Jüngeren erzählen, daß ihre Schulfreunde wissen, woran sie als Mormonen glauben, und daß sie ihren Glauben achten.

Es sind geistig gesinnte, aber nicht unbedingt trübsinnige Menschen. Bei einem Spiel nach dem Familienabend steht Vladimir mit einer kleinen Tasse Wasser in der Hand vor Michael. Als Michael auf eine Frage nicht schnell genug antwortet, kriegt er das Wasser ins Gesicht. Bei diesem Spiel Ist niemand sicher, nicht einmal Vater und Mutter.

Auch Grace Torres ist ein Mitglied, dessen Leben durch das Engagement für das Evangelium beeinflußt wurde. Sie war auf Mission und ist jetzt Beraterin bei einer Kosmetikfirma und hat vor, ein Exportgeschäft mit Handarbeitsartikeln zu eröffnen. Sie ist begeistert von den Aktivitäten der Jungen Erwachsenen, wie Musik, Tanz und Sport verschiedenster Art. Die Aktivitäten sollen den einzelnen stärken, aber es sind auch schon mehrere Ehen angeknüpft worden. Daraus läßt sich schließen, daß es heute für ein junges Mitglied, das in der Kirche aktiv ist, nicht mehr so schwierig ist, einen Partner zu finden, der auch Mitglied der Kirche ist, wie Schwester Torres erklärt.

Die Jungen Erwachsenen in Quito unterstützen einander sehr, allerdings kommen auch manche von der Kirche ab, weil sie nicht nach dem Evangelium leben, wie sie meint.

Das gilt nicht nur für die Jungen Erwachsenen: in Quito, wie anderswo auch, kommen manche vom Weg ab, und andere nehmen nicht alle Segnungen in Anspruch. Aber in diesem Gebiet, in dem das Evangelium noch nicht einmal dreißig Jahre bekannt ist, gibt es jetzt ein solides Fundament des Glaubens und der Gemeinschaft für die engagierten Heiligen der Letzten Tage.

Otavalo
  Gleich nördlich vom Äquator liegt Otavalo schon auf der anderen Erdhalbkugel. Und auch in kultureller Hinsicht scheint es von Quito ganz weit entfernt zu sein.

Hier sind die Otavalo-Indianer zu Hause, die Otavalenos. Hier stellen sie ihre traditionellen Webarbeiten her. In ihren Fabriken arbeiten sie nicht mehr mühsam an Hand Webstühlen, sondern sie haben Industrienähmaschinen und automatische elektronische Webstühle, auf denen sie die farbenprächtigen Pullover, Ponchos und Handtaschen anfertigen. Viele Otavalenos sind tüchtige Geschäftsleute, die ihre Produkte in ganz Ecuador und in anderen Ländern verkaufen.

Die Otavalenos, die Mitglieder der Kirche sind, bezeichnen sich selbst als „Lamaniten” und die Mitglieder gemischter europäischer und indianischer Herkunft als „Latinos”. Diese Unterscheidung stört anscheinend niemanden, allerdings hört man sie in anderen Teilen des Landes, wo die Latinos in der Mehrheit sind, kaum. Rund 25 Prozent des Pfahles Otavalo sind Latinos; der Pfahl hat für sie einen spanischsprechenden Zweig eingerichtet, da kaum einer von ihnen Quechua, die Sprache der Otavalenos, spricht. Von den Otavalenos in den übrigen Einheiten des Pfahles können rund dreißig Prozent kein Spanisch.

Auf der Pfahlkonferenz begrüßen die Lamaniten und die Latinos einander herzlich als Brüder und Schwestern. Pfahlpräisident José Alberto Picuasi beginnt seine Ansprache auf Spanisch und sagt: „Ich möchte Ihnen sagen, daß ich Sie alle lieb habe ﷓ Sie alle” Die meisten Konferenzansprachen werden auf Quechua gehalten, und Spanisch hört man nur vereinzelt, zum Beispiel wenn eine Schriftstelle zitiert wird oder wenn jemand Zeugnis gibt.

In der Führerschaftsversammlung am Samstagnachmittag bittet Präsident Munoz, der Zweite Ratgeber in der Pfahlpräsidentschaft, die Führer, sich fünfzehn Minuten Generalkonferenz anzuhören. Manch einer könne die spanische Übersetzung zwar nicht verstehen, Sagt er, „aber wir können doch den Geist spüren, der dort herrscht”.

Den Einfluß des Geistes spüren – das bedeutet das Evangelium für viele Mitglieder in Otavalo – Menschen wie Lauro Yamverla und seine Frau Lucila. Anfangs hat er es den Missionaren schwer gemacht, ihn zu unterrichten, erzählt er. Aber dann hat der Geist ihm bezeugt, daß ihre Botschaft wahr sei: „Ich habe mir vorgenommen, mich streng an die Lehren des Evangeliums zu halten, wenn ich mich taufen ließ”, sagt er. Als er dann sonntags sein Lebensmittelgeschäft geschlossen ließ, befürchtete er erst, Kunden zu verlieren, aber eigentlich lief sein Geschäft dann besser.

Bruder und Schwester Yamverla dienen seit ihrer Taufe eifrig in der Kirche. Schwester Yamverla bringt Schwestern in ihrer Gegend praktische Fertigkeiten bei, zum Beispiel Kochen und andere grundlegende Aspekte der Haushaltsführung. Aber noch wichtiger ist es ihr, zu vermitteln, wie man „die Liebe Christi an andere weitergibt”.

Die Pfahl-FHV-Leiterin Josefina Cacuango meint, der kontinuierliche Kontakt durch die Besuchslehrerinnen sei eine Möglichkeit, den Mitgliedern solche Liebe zu erweisen. Es kann allerdings schwer sein, alle zu erreichen, weil viele Mitglieder außerhalb von Otavalo auf dem Land wohnen und die Besuchslehrerinnen und die Führerinnen sie normalerweise zu Fuß besuchen müssen.

Schwester Cacuangos Mann Luís präsidiert beispielsweise über den Zweig Pucará, der sich mehrere Meilen entlang des Pan American Highway und etliche Kilometer nach Osten ins Vorgebirge erstreckt. Die meisten Mitglieder kommen zu Fuß zu den Versammlungen. Das kleine, schlichte Gemeindehaus, das sie aus dem Baumaterial errichtet haben, das die Kirche zur Verfügung gestellt hat, ist der Stolz der Heiligen der Letzten Tage und der Nachbarn.

Luis Cacuango ist in mancher Hinsicht Zweigpräsident für ganz Pucará. Er verkündet das Evangelium jedem, der bereit ist, ihm zuzuhören. Seine Dienstbereitschaft erstreckt sich auch auf den praktischen Bereich. Die Leute in Pucará wissen, daß sie mitfahren können, wenn er mit seinem kleinen Lastwagen nach Otavalo fährt. Und wenn er zurückkommt, bringt er oft etwas mit, worum man ihn gebeten hat.

Die Mitglieder im Pfahl finden immer Möglichkeiten, ihren Mitmenschen zu dienen, manchmal auch ganz in ihrer Nähe. Miriam García ist die Erste Ratgeberin in der FHV-Leitung der Gemeinde Otavalo, aber sie besucht den Latino-Zweig. In einer Werkstatt hinter ihrem Haus wirken mehrere elektrische Maschinen Strümpfe, die in Ecuador, Peru und Kolumbien verkauft werden. Mit dem Gewinn unterstützt sie teilweise ihren Bruder, der ihr vom Evangelium erzählt hat, ehe er nach Guayaquil auf Mission berufen wurde.

„Ich habe schon an Gott geglaubt, ehe ich Mitglied wurde, und ich habe auch daran geglaubt, daß Christus wiederkommt. Aber ich wußte nicht, wie ich mich darauf vorbereiten sollte”, erzählt sie. Jetzt ist sie dankbar, daß sie den Evangeliumsplan kennt und die geistige Unterstützung des himmlischen Vaters hat. Sie ist auch dankbar für die zeitlichen Segnungen, die es ihr ermöglichen, ihrem Bruder in Guayaquil Geld zu schicken.

Guayaquil
   Ecuadors größte Stadt Handelszentrum und einer der drei größten Häfen des Landes - macht den Eindruck einer schnell gewachsenen Stadt, die in Schwierigkeiten geraten ist. Guayaquil ist ein Zentrum des Bananenexports und des Fisch- und Krabbenfangs. Die Krabbenfischerei mußte in letzter Zeit schwere Verluste hinnehmen, weil die Fanggründe nicht mehr so produktiv sind wie früher.

Guayaquil ist ein Magnet, der Menschen anzieht, die nach Arbeit suchen, und die Behörden konnten mit dem raschen Wachstum nicht Schritt halten. In manchen Stadtteilen gibt es keine Wasser- und Abflußrohre. Tag und Nacht wird Flußwasser in Wasserwagen gepumpt, die das Wasser in die Randbezirke bringen.

José Gabriel AIvarez, Besitzer eines Eisenwarenladens. und Präsident des Pfahles Ecuador South, schätzt, daß 70 Prozent der Stadtbewohner, darunter auch Mitglieder der Kirche, unterhalb des offiziellen Existenzminimums leben. Der Wirtschaft geht es schlecht. Arbeitslosigkeit und Armut tragen dazu bei, daß die Kriminalitätsrate sehr hoch ist.

Trotz der Schwierigkeiten ist auch diese Stadt vom offenen und freundlichen Wesen der Menschen an der ecuadorianischen Küste geprägt, und die meisten Menschen scheinen optimistisch in die Zukunft zu blicken.

In Guayaquil, wo die Menschen für neue Gedanken aufgeschlossen sind, wächst die Zahl der Mitglieder in ganz Ecuador am schnellsten. Unter den rund zwei Millionen Einwohnern der Stadt gibt es über sechzehntausend Heilige der Letzten Tage. In Guayaquil gibt es achtzehn Gemeindehäuser, und es sind noch weitere geplant.

Wie kann die Kirche mit diesem rapiden Wachstum Schritt halten? Jimy Olvera, Zweiter Ratgeber in der Präsidentschaft des Pfahles Guayaquil Ecuador North, antwortet lächelnd:

Wir müssen mehr Führer — und mehr Missionare heranbilden "

Es gibt natürlich Mitglieder, die schon lange in der Kirche sind und die die Kirche unterstützen, seit sie hier besteht. Adalberto Torres war bereit, die Wahrheit :anzunehmen, nachdem er 1969 eines Nachts von zwei Büchern geträumt hatte. Das eine war die Bibel gewesen, und das andere daneben hatte er noch nie gesehen. Er erkannte das zweite Buch vier Monate darauf, als er dabei war, als zwei Missionare der Kirche einen seiner Freunde unterrichteten. Von dein Augenblick an, als er den ersten Vers im Buch Mormon gelesen hatte, wußte er, daß es wahr ist.

Er ließ sich taufen, aber seine Frau war nicht so sicher, ob er auch das Richtige getan hatte. Dann überzeugte ein Traum auch sie. Sie sah sich selbst die Bibel studieren, was eigentlich nicht ihre Gewohnheit war, und wußte, daß sie auch den Weg zur Wahrheit einschlagen sollte, den ihr Mann bereits ging.

Bruder Torres, der heute Patriarch der Pfahles Guayaquil Ecuador West ist, meint dazu, daß viele einheimische Mitglieder von der Kirche Zeugnis geben, ohne es zu wissen, nämlich einfach durch de Art, wie sie leben. Andere sehen sie und wollen wissen, warum die Heiligen der Letzte Tage so glücklich sind und woher sie ihre geistige Stärke haben.

Bruder und Schwester Torres haben dafür gesorgt, daß auch ihre zwölf Kinder fest im Evangelium verwurzelt sind. Henry Torres ist vor kurzem von seiner Mission aus Kolumbiien zurückgekehrt. Ist ihm die Missionsarbeit schwergefallen? Darüber habe er gar nicht nachgedacht, meint er. „Der Herr hat doch nicht davon gesagt, daß sie leicht sein soll. Er hat nur gesagt, daß wir sie tun können-„

Wel die Kirche in diesem Land so schnell wächst, übernehmen viele junge Mitglieder – mache von ihnen jung an Jahren, so wie Henry Torres, und manche einfach jung im Evangelium – Führungsaufgaben.

Die örtlichen Führer sagen, daß Ehepaare wie Santiago León und seine Frau Raquel Plúas de León Maßstäbe bezüglich der Tempelehe setzen, nach denen sich immer mehr junge Leute richten. Santiago und Raquel blieben bei ihrem Entschluß, im Lima-Tempel zu heiraten, obwohl sie wirtschaftliche Schwierigkeiten überwinden mußten und ihre Angehörigen, die teilweise einer anderen Konfession angehören, sie nicht verstanden. „Es macht mich schon glücklich, wenn ich den Tempel nur von außen sehe”, sagt Santiago. „Aber hineingehen zu können und an den heiligen Handlungen teilzunehmen - das war wirklich ein Segen.” Im Wohnzimmer ihrer kleinen Wohnung hängt ein Foto vom Washington-Tempel. Darunter hängt ein handgeschriebenes Blatt: „Ecuador — bereite dich auf deinen Tempel vor”

Liebe, die im Evangelium verwurzelt ist, strahlen Carlos Frías und seine Frau Francisca aus, die beide auf Mission waren. Er ist Bischof der Gemeinde Salado im Pfahl Guayaquil Central, und sie ist Ratgeberin in der Gemeinde-JD-Leitung. Sie haben drei kleine Söhne.

Vielleicht vertrauen die Jugendlichen dem Bischof und seiner Frau, weil sie sehen, wie sie leben. „Man kann ihnen sagen, wie sie leben sollen, man kann sie darüber belehren, aber ich habe die Erfahrung gemacht, daß sie sich erst daran halten, wenn man ihnen ein Beispiel gibt”, sagt Bischof Frías. ,Wenn ich etwas tue, was ich nicht tun sollte und wovon ich ihnen abgeraten habe, dann erinnern sie mich daran" Er ist dankbar für die Hilfe der Mitglieder, die so ehrlich sein können.

Bischof Frías und seine Frau sind seit ihrer Kindheit Mitglieder. Aber für die anderen, die sich später taufen lassen, wird der Dienst in der Kirche rasch zum Intensivkurs in Führungsaufgaben.

Ernesto Merchán, der seit 1988 Mitglied der Kirche ist, ist Ratgeber in der Bischofschaft seiner Gemeinde und war vorher Präsident des Ältestenkollegiums. Er bemüht sich sehr, seine Taufbündnisse zu halten, denn „der Herr gebietet uns in der heiligen Schrift, unseren Mitmenschen ein Licht zu sein” (siehe Matthäus 5:16). Bruder Merchán hofft, daß auch seine Verwandten das Licht des Evangeliums sehen werden.

Seine Frau sah es, nachdem sie zwei Jahre lang seine Entwicklung in der Kirche verfolgt und die Liebe gespürt hatte, die die Mitglieder ihr entgegenbrachten. Schon ein Jahr nach ihrer Taufe wurde Carmen Merchán als Gemeinde-FHV-Leiterin berufen. Ihre geringe Erfahrung und die Armut unter den Mitgliedern in ihrer Gegend machen ihr keine Angst, wie sie sagt, solange sie spüren kann, daß der Herr ihr in ihrer Berufung hilft: „Zumindest kann ich sie lieben, wie der Herr es gelehrt hat”

„Hier in Ecuador ist der Herr derselbe wie in anderen Ländern auch”, sagt Ernesto Merchán. „Es ist daßelbe Evangelium. Wir sind eine Familie.“

Don L. Searle, April 1993

19:39 - 4.03.2008


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