Mormonen - Das Evangelium in aller Welt

Tudo Bern in Brasilien

Mit diesen Worten wünschen die Brasilianer einander alles Gute. Die Art und Weise, wie die Heiligen der Letzten Tage in Brasilien leben und das Evangelium verbreiten, entspricht genau dieser Grußformel.
Frage: Welche Sprache wird in Südamerika am häufigsten gesprochen?'
Antwort: Portugiesisch, wie es in Brasilien gesprochen wird. Dieses riesige südamerikanische Land hat mehr Einwohner als alle übrigen Staaten des Kontinents zusammengenommen.
In Brasilien gibt es mehr als eine halbe Million Heilige der Letzten Tage; und das bedeutet, daß es dort mehr Mitglieder der Kirche gibt als in jedem anderen Land der Welt, die Vereinigten Staaten und Mexiko einmal ausgenommen (in Mexiko gibt es etwa eine dreiviertel Million Mitglieder).
Eduardo Naum und Evilasio Cavalcanti aus Brasilien stehen stellvertretend für zwei verschiedene Arten des Evangeliumswachstums das relativ junge Mitglied und der Pionier.
Eduardo Naum ist Ende zwanzig und im Management tätig. Außerdem ist er Bischof der Gemeinde Ferreira im Pfahl Taboao in Säo Paulo. Seit er sich 1991 der Kirche angeschlossen hat, ist er schon zweimal als Bischof berufen worden. Seine Angehörigen, die nicht der Kirche angehören, fragen sich, warum er kein Geld für die vielen Stunden bekommt, die er für seine Berufung aufwendet. „Ich arbeite für den Herrn”, sagt er. „Und durch meinen Dienst habe ich erfahren, daß Jesus lebt — ganz sicher. Er ist für uns da” Schon diese Gewißheit ist eine kostbare Segnung, die jedes Opfer wert ist.
Ungefähr 1600 Kilometer nördlich von Säo Paulo, an der wunderschönen brasilianischen Küste, liegt die Hafenstadt Salvador, wo im 16. und 17. Jahrhundert unzählige afrikanische Sklaven an Land gebracht wurden. Dort dient Evilasio Cavalcanri, ein brasilianischer Pionier, als Patriarch der beiden Pfähle Salvador und Salvador-Nord. Er lernte die Vollzeitmissionare 1971 in Maceio kennen, das ungefähr 500 Kilometer nördlich von Salvador liegt. Seine Frau ließ sich zuerst taufen; später wurden dann auch Bruder Cavalcanti und die Kinder im tauffähigen Alter getauft. Im Jahr nach ihrer Taufe zog die Familie nach Salvador.
„Damals gab es hier keine Organisation der Kirche”, erzählt Bruder Cavalcanti. „Wir waren die Kirche. Erst 1978 wurde ein Zweig gegründet, und ich wurde als erster Zweigpräsident berufen."
In den Jahren bis dahin hatten die Cavalcantis so gut nach dem Evangelium gelebt, wie sie konnten. „Wir wußten ja nicht alles von der Kirche, aber wir haben unsere Mitgliedschaft nie verleugnet. Wir haben immer gesagt, daß wir Mormonen sind.
Und immer haben wir nach jungen Männern Ausschau gehalten, die ein weißes Hemd trugen, in der Hoffnung, daß es sich um Missionare handelte. Hin und wieder konnten wir mit Mitgliedern, die in die Stadt kamen, Versammlungen abhalten. Wir hatten kein offizielles Unterrichtsmaterial für die Kinder, aber wir haben immer versucht, ihnen durch unsere Lebensweise ein Beispiel zu gehen.”
Alle vier Kinder der Cavalcantis haben schließlich im Tempel die Begabung empfangen und eine Vollzeitmission erfüllt. Und alle sind noch immer in der Kirche aktiv.

Die Zukunft gestalten
Dir Vollzeitmissionare begannen 1928 bei den deutsch-sprachigen Auswanderern mit der Verkündigung des Evangeliums. Zehn Jahre später stand das Buch Mormon in portugiesischer Sprache zur Verfügung, aber während der Kriegsjahre kam die Missionsarbeit fast ganz zum Stillstand. Doch seit der Gründung des ersten Pfahls im Jahre 1966 ist die Kirche sehr schnell auf mehr als 600.000 Mitglieder in 150 Pfählen angewachsen.
Die schwierigste Aufgabe, die die Kirche in den kommenden Jahren zu meistern hat, dürfte wohl die Bewältigung dieses starken Wachstums sein. Manche Gemeindehäuser in Brasilien beherbergen vier, fünf Gemeinden. Jeden Monat taufen die Missionare in Brasilien im Durchschnitt so viele neue Mitglieder, wie für die Gründung eines Pfahls notwendig sind.
Ungefähr ein Viertel derjenigen, die sich in den letzten zwei Jahren bekehrt haben, sind Männer. Die Mitglieder der Gebietspräsidentschaft Brasilien sind davon überzeugt, daß sich diese Männer zu starken Führern zu Hause und zu Priestertumsführern der Zukunft entwickeln werden, wenn sie die richtige Unterstützung genießen und Erfahrung gesammelt haben. Elder Dallas N. Archibald von den Siebzigern, ehemals Gebietspräsident in Brasilien, warnt aber: „Man muß die Bemühungen, Menschen zu taufen, die Bemühungen, sie geistig zu erbauen, und die Bemühungen, die Bekehrten in der Kirche zu halten, sorgfältig aufeinander abstimmen.”
Die Missionare wissen, daß ein Mann im Regelfall nicht so positiv auf das direkte Ansprechen von geistigen Wertvorstellungen reagiert wie eine Frau. Doch ein Vater reagiert auf Anregungen, die ihm Hilfe für seine Familie versprechen. Wenn die Missionare über das sprechen, was das Evangelium zu bieten hat, denken sie an PAIS-F:der Zweck der Kirche, nämlich die Familie hier auf der Erde stark machen und ihren Mitgliedern die heiligen Handlungen der Errettung ermöglichen; durch das Evangelium wahre Freunde (Amigos) werden; liebevolle Eingliederung, Gesundheit durch das Wort der Weisheit, und als letztes, die Familie ist für immer. Und pais heißt auf portugiesisch Väter.
Elder Archibald vergleicht die Eingliederungsbemühungen für Neubekehrte mit der Art und Weise, wie in Brasilien gebaut wird. Von unten bis oben werden nacheinander die Betonböden gegossen, und jedes Stockwerk wird mindestens drei Wochen abgestützt, bis der Beton völlig trocken und fest geworden ist.
Er fragt: ,Wie lange dauert es, bis ein Mitglied in der Kirche ,fest' geworden ist?“ Die Priestertums- und HO-Führer in Brasilien sind aufgefordert, einer neuen Mitgliederfamilie mindestens ein Jahr lang alle mögliche Unterstützung zukommen zu lassen, bis die Familie in den Tempel geht, um dort gesiegelt zu werden.

Das Evangelium in Aktion
Das portugiesische Erbe macht sich in Brasilien stark bemerkbar, obwohl viele Einwohner auch aus anderen europäischen Ländern und ebenso aus Ländern außerhalb Europas kommen. Dazu kommen die Indianer in der Amazonasregion, die Nachfahren von Europäern und Asiat .en in den südlichen Landesteilen sowie die Nachkommen von Afrikanern in den Küstenstädten.
Zu den Nachfahren der Japaner, die einen hohen Anteil der Bevölkerung stellen, gehören auch Otävio und Setsuko Nagata aus dem Zweig Vila Perneta im Ptahl Taruma in Curitiba. Sie sind Brasilianer in der zweiten Generation - damit gehören sie zu den vielen Bewohnern des Landes, deren Vorfahren vor zwei, drei Generationen aus einem anderen Land eingewandert sind.
Fühlen sich die Nagatas als Brasilianer oder als Japaner?
„In erster Linie sind wir Heilige der Letzten Tage”, meint Bruder Nagata, „und erst dann Brasilianer.” Er fügt noch hinzu, daß sie die Mischung aus Evangelium, japanischen Vorfahren und brasilianischer Kultur als große Bereicherung empfinden.
Bruder und Schwester Nagata haben beide eine Mission in Brasilien erfüllt. Sechzehn der einundzwanzig Jahre, die die Nagatas verheiratet sind, war Bruder Nagata Bischof beziehungsweise Ratgeber in der Bischofschaft beziehungsweise Zweigpräsident. Schwester Nagata hat durch geistige Erlebnisse im Zusammenhang mit ihrem verstorbenen Vater und ihrem Großvater erfahren, wie wichtig die heiligen Handlangen im Tempel für ihre Familie sind. Sie meinen, die Kraft, die das Evangelium vermittelt, sei für sie und ihre vier Kinder, Spencer, Hyrum, Camilla und Patricia, wie ein Anker.
Die Mitglieder in Brasilien sind sich darüber im klaren, daß sich die Maßstäbe des Evangeliums immer wieder deutlich in ihrem Leben zeigen müssen. Sie beziehen ihre Kraft aus allem, was die Kirche ihnen anbietet, unter anderem aus dem Gottesdienst am Sonntag, der täglichen Beschäftigung mit dem Evangelium, dem Seminar- und Institutsprogramm und den starken HO-Programmen.
Marcia Linhares aus Recife leitet das JD-Lagerprogramm im Nordwesten Brasiliens. Sie sagt, das Lagerprogramm sei „eine Segnung für die Mädchen. Ich finde es ganz toll!”
„Während des Lagers sehen sich die Mädchen nicht als Mädchen aus verschiedenen Gemeinden", erklärt Schwester Linhares. „Da bilden sie alle eine Gruppe. Und sie arbeiten nicht nur auf Ziele hin, sondern schließen auch feste Freundschaften mit anderen Mädchen aus der Kirche – und außerdem sind sie während des carnavál nicht in der Stadt. Während der Karnevalswoche werden überall auf den Straßen Unanständigkeit und Unsittlichkeit zur Schau getragen. Im letzten Jahr befanden sich etwa zwölftausend brasilianische Mädchen und etwa vierzehntausend brasilianische Jungen in sicherer Entfernung vom weltlichen Einfluß des carnavcál in kindlicher Umgebung im Lager. Dieses Jahr stand das Lagerprogramm in Brasilien zur Erinnerung an die Pionierzeit unter dem Motto „Jeder Schritt im Glauben”.
Die achtzehnjährige Fernanda Pereira Santos aus der Gemeinde Tijuca im Pfahl Andaraf in Rio de Janeiro gehört zu den jungen Brasilianerinnen, die im Glauben wandeln möchten.
Manchmal, wenn sie Einladungen zu Partys, von denen sie weiß, daß sie nicht den Maßstäben des Evangeliums entsprechen, freundlich ablehnt, sagen ihre Schulfreundinnen sarkastisch: „Ja, ja, wir wissen es ja du bist eine kleine Heilige.” Vor kurzem fand eine Party statt, und Fernanda meinte erst, sie könne dort ruhig hingehen. Aber der Rat ihrer Mutter und eine Lektion in der Sonntagsschule veranlaßten sie, darüber nachzudenken, oh sie das Risiko wirklich eingehen wollte. In der Lektion ging es unter anderem um Mosia 2:41, eine Schrittstelle, die auch in Fernandas Patriarchalischem Segen erwähnt ist: „Und weiter wünschte ich, ihr würdet den gesegneten und glücklichen Zustand derjenigen betrachten, die die Gebote Gottes halten.... Wenn sie bis ans Ende getreulich aushalten, werden sie in den Himmel aufgenommen."
Fernanda erklärt, daß es ihr leichter fällt, nach dem Evangelium zu leben und gute Aktivitäten zu finden, weil sie sich beim Seminar am frühen Morgen mit ihren Freun-den treffen kann. Bisher war sie die einzige Heilige der Letzten Tage an ihrer Schule, aber vor kurzem hat sich noch ein junges Mädchen taufen lassen, das Fernanda mit dem Evangelium bekannt gemacht hatte, indem sie es zum Seminar einlud.
Das Seminar begeistert die jungen Heiligen der Letzten Tage dafür, in der heiligen Schrift zu studieren, zu beten und sich zu bemühen, nach den Grundsätzen des Evangeliums zu leben. Außerdem trägt es dazu bei, sie gegen weltliches Streben zu wappnen.
„Ich kenne keinen Jugendlichen, der zum Seminar geht und raucht und trinkt”, meint Ana Christina Sampaio, die in Salvador am Seminarprogramm teilnimmt. „Auch ich versuche immer, mich davon fernzuhalten. Ich weiß, daß der himmlische Vater mein Beten erhört und mir hilft, so zu leben, wie es richtig ist.”
Sandro Quatel, der CES-Koordinator für die Region Salvador, erklärt, daß derzeit etwa 400 Seminarschüler entweder den regelmäßig stattfindenden Unterricht besuchen oder zu Hause lernen. Zum Institutsunterricht haben sich etwa 500 Teilnehmer eingeschrieben.
Dazu gehören auch die fünf Kinder von Jonas und Raimunda Moraes: Jucarda, Jolenilda, Joicileide, Jonata und Jeane. „Wir sind insgesamt sieben Personen", sagt Bruder Moraes, „und wir bereiten abwechselnd an sieben Tagen in der Woche den Familienabend vor.”
Bruder Moraes besitzt eine Autoreparaturwerkstatt und sorgt so für den Lebensunterhalt seiner Familie. Die Werkstatt befindet sich im Erdgeschoß des zweistöckigen Wohnhauses, in dem die Familie wohnt, und ist nur wenige Schritte vom Bürgersteig entfernt. Mit im Haus wohnen auch die Haustiere der Familie Moraes – drei nur handtellergroße Affen.
Die Moraes sind aktive Mitglieder des Zweigs Sao Cactano im Pfahl Salvador-Nord und sparen für die Reise zum Tempel. „Die größeren Kinder helfen mit, indem sie von ihrem selbstverdienten Geld so viel wie möglich abgeben”, sagt Bruder Moraes. „Und wir achten immer darauf, wo wir sparen können.” Unter anderem sparen sie dadurch, daß sie die fünf Kilometer von der Kirche nach Hause zu Fuß zurücklegen anstatt mit dem Bus.

Anderen Menschen helfen
Die brasilianischen Heiligen der Letzten Tage wissen, wie sie mit ihren Mitmenschen am besten über das Evangelium sprechen, und es sieht so aus, als ob viele Menschen nach der Wahrheit hungern. Daher ist es nichts Ungewöhnliches, wenn Nachbarn eine Familie ansprechen, die zur Kirche gehört, und fragen: „Wir haben gesehen, daß sich bei Ihnen etwas verändert hat, seit Sie sich der neuen Kirche angeschlossen haben. Sie haben etwas, was wir uns auch wünschen. Können Sie uns mehr darüber erzählen?“
Um die Menschen mit der Kirche bekanntzumachen, hat der Pfahl Sao Paulo seinen 30. Geburtstag im Jahre 1996 mit einem Tag der Offenen Tür gefeiert. Hier sollte gezeigt werden, was die Kirche für die Familie bietet. Die Besucher konnten an FHV-, JD- und JM- sowie PV-Lektionen teilnehmen; in der PV haben die Kinder der Besucher zum Beispiel das Lied „Ich bin ein Kind von Gott” gelernt und ein Bild gemalt, das sie mit nach Hause nehmen konnten.
Norberto Carlos Lopes, der Pfahlmissionspräsident, ist ein dynamischer Mensch, der am Tag der Offenen Tür allerdings wegen einer Beinverletzung an Krücken gehen mußte. Er sagt, an diesem Tag sei er unablässig von Raume zu Raum gehumpelt. 616 Besucher kamen zum Tag der Offenen Tür und wurden mit der Kirche bekannt gemacht, und noch mehrere Wochen nachher hatten die Missionare pro Tag durchschnittlich eine Taufe zu verzeichnen. Bruder Lopes erzählt, daß die vielen Mitglieder, die Gäste mitgebracht oder beider Veranstaltung geholfen hatten, ein gutes Beispiel für die Beharrlichkeit seien, mit der die \Mitglieder in Brasilien mit anderen Menschen über das Evangelium sprechen. „Wir können einfach nicht aufhören, mit den Menschen zu arbeiten", meint er, „denn man weiß ja nie, wann jemand für das Evangelium bereit ist.”
Die größeren Städte wie Säo Paulo sehen in Brasilien auch nicht anders aus als überall auf der Welt. Dort gibt es Bürotürme, Supermärkte, vornehme Einkaufszentren und Wohnhochhäuser. Nicht zu vergessen die dichtbevölkerten Slums, die es auch hier gibt und die favelas heißen.
Maria Leopoldina do Espirito Santo wohnt allein am Rand einer solchen favela in einer kleinen Hütte, die aus Pappkartons und überschüssigem Baumaterial besteht. Vor einigen Jahren sah sie eine weitere Bewohnerin der favela namens Lindy Now jeden Sonntag an ihrer Hütte vorübergehen. Als Maria sie fragte, wo sie denn hinginge, lud Lindy sie zur Kirche ein. Die Missionare besuchten sie, und nach zwei Wochen ließ sie sich taufen.
Früher hat Maria für ihren Lebensunterhalt gesorgt, indem sie für Mitglieder und Missionare Wäsche gewaschen hat. Doch heute leidet sie an der Parkinsonschen Krankheit und muß, wie sie sagt, von einer kleinen staatlichen Rente und der Hilfe ihrer Freunde leben. Sie schafft es nicht immer allein zur Gemeinde Jardim Das Palmas, „doch dann nehmen mich FHV-Schwestern im Auto mit. Ich mag die Kirchenlieder sehr, und Beten gehört einfach zu meinem Leben dazu.“
Maria, die in einem Land geboren wurde, das den höchsten Prozentsatz an Katholiken aufweist, erzählt, daß sie in ihrer vorigen Religion niemals aktiv war. „Doch mein Zeugnis von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist stark. Ich werde so lange die Versammlungen besuchen, wie ich nur kann.”
Ozair Ribeiro ist von Beruf Feuerwehrmann. Er ist Bischof der Gemeinde Guaraituba im Pfahl Bacacheri in Curitiba. Nachdem er und seine Frau und noch eine Handvoll anderer sich 1990 der Kirche angeschlossen hatten, rief die Pfahlpräsidentschaft für die kleine Gruppe von Heiligen der Letzten Tage eine Organisation in ihrer Heimatstadt ins Leben. Daraus ist inzwischen eine Gemeinde entstanden, die schon einmal geteilt wurde und inzwischen wieder an ihre Grenzen gestoßen ist. 1996 fanden jeden Sonntag durchschnittlich fünf bis acht Taufen statt. „Die ganze Gemeinde engagiert sich in der Missionsarbeit”, sagt der Bischof. Alle zwei Wochen führt er einen „Erntetag” durch, wo die Mitglieder den Missionaren Empfehlungen übergeben.
Diese Art der „Ernte” findet überall in Brasilien statt, selbst in den entlegensten Gebieten am Amazonas. Wenn man den 6400 Kilometer langen Weg des Amazonas von den Anden im Westen des Kontinents bis zum Atlantik im Osten auf der Landkarte verfolgt, so hat man das Gefühl, als trenne er Südamerika in zwei Teile. Der Strom, der an der Mündung 145 Kilometer breit ist, ist so tief, daß Hochseeschiffe ihn etwa eintausend Kilometer weit stromauf befahren können.
Der Strom ist für viele Menschen Lebensunterhalt, so auch für Bruder Honorato Bruce Rolim, einem Mitglied der Zweigpräsidentschaft des Zweigs Itaporanga in der Kleinstadt Itacoatiara am Amazonas. Bruder Rolim ist Fischer. Als er die Vollzeitmissionare zu sich nach Hause einlud und später die Aufforderung zur Taufe annahm, wurde er selbst im Netz des Evangeliums „gefangen”. Seine Frau, Nilza, die einer anderen Kirche angehörte, wollte einen solchen Schritt allerdings nicht wagen.
„Meine Freunde warnten mich vor der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage”, erzählt sie. „Sie sagten mir, mein Mann werde in die Hölle kommen, wenn er sich der Kirche anschloß, und wenn ich es ihm nachtäte, wurde es mir genauso ergehen.”
Doch Bruder Rolina hatte ein Festes Zeugnis von der Wahrheit der Kirche, und er wollte gerne, daß seine Frau und die älteren Jungen sich auch taufen ließen. Deshalb entwickelte er einen Plan. In Itacoatiara gibt es nur relativ wenig motorisierte Fahrzeuge. Man sieht viele Pferdewagen, und die Vororte sind durch eine Buslinie verbunden. Außerdem sieht man viele Fahrräder auf den holprigen, unfertigen Straßen fahren. Doch die meisten Leute gehen zu Fuß. Von den Rolims bis zur Kirche sind es genau 3,2 Kilometer.
„Ich wußte genau, daß meine Frau sich niemals die Mühe machen würde, zur Kirche zu gehen, wenn sie das erste Mal zu Fuß dorthin gehen mußte”, erklärt er. „Aber ich dachte, daß sie bestimmt den Geist spüren würde, wenn ich sie wenigstens einmal dazu brachte, in die Kirche zu gehen. Deshalb wollte ich für das erste Mal ein Taxi nehmen." Es dauerte mehr als drei Monate, bis er das Geld für das Taxi (sieben US-Dollar) zusammengespart hatte.
Nilza war sehr beeindruckt von der Rücksichtnahme, die ihr Mann zeigte. „Als ich dann in der Kirche war, fühlte ich mich gleich zu Hause”, erinnert sie sich. „Ich fühlte mich bei den Mitgliedern wohl. An diesem Vormittag habe ich mehr über das Evangelium gelernt als während der ganzen Zeit, die ich in meine Kirche gegangen war.” Schon bald wurden sie und zwei Söhne, Helio und Euciney getauft. Als Honorato, der dritte Sohn, alt genug war, ließ auch er sich taufen.
Wie viele Heilige der Letzten Tage in Brasilien sprechen auch die Rolims gerne über ihr Zeugnis vom Evangelium und laden Freunde zu sich nach Hause ein, damit sie die Missionare kennenlernen. Ihre Bemühungen haben dazu geführt, daß sich mindestens fünfunddreißig Menschen taufen ließen. „Bruder und Schwester Rolim sind sozusagen typisch für brasilianische Heilige der Letzten Tage”, meint Matthew Connelly, ein ehemaliger Missionar, der in Itacoatiara gedient hat, sind eifrig darauf bedacht, mit anderen Menschen über das Evangelium zu sprechen. Eine Familie aus der Kirche hat beispielsweise meinen Mitarbeiter und mich zu sich nach Hause eingeladen, damit wir einige Freunde von ihnen kennenlernten, die nicht zur Kirche gehören. Wir hatten so mit zwei, drei Leuten gerechnet, aber die Familie hatte mehr als zwanzig Leute eingeladen, mit denen wir sprechen sollten."
Es ist auch ganz wichtig, daß die Mitglieder vor Ort mithelfen, weil nur wenige Missionare für die Arbeit in Brasilien zur Verfügung stehen. Elder Archibald zählt Städte in der Größenordnung von fünfzig- bis zweihunderttausend Einwohner auf, wo noch nie ein NMissiorar gewesen ist. Brasilien ist so groß, daß es dort 85 Missionen geben könnte, wenn man einmal die Verhältniszahlen aus einigen anderen südamerikanischen Staaten auf Brasilien überträgt. Derzeit gibt es aber nur 2 3 Missionen.
Woher sollen denn die zusätzlichen Missionare kommen, die in Brasilien gebraucht werden?
Nach den Worten von Präsident Jerry F. Twitchell von der Missionarsschule in Säo Paulo erfüllen ungefähr drei Prozent der vierundvierzigtausend jungen Brasilianer im Missionarsalter derzeit eine Mission. Das Ziel ist, diese Quote zu verzehnfachen. Damit man dem Ansturm auch gewachsen ist, hat die Missionarsschule in diesem Jahr neue Räumlichkeiten bezogen. Während die alten Räumlichkeiten etwa zweitausend Missionaren im Jahr Platz boten, können in den neuen Räumen sechsmal so viele untergebracht werden. Was die Missionare dort lernen, läßt sich gut mit einem Bild veranschaulichen, das dem Präsidenten der Missionarsschule sehr ans Herz gewachsen ist. Es stammt von Walter Spät, dem ersten Pfahlpräsidenten in Brasilien, der vor fünfzig Jahren von Missionaren der Kirche im Evangelium unterwiesen und getauft wurde. (Siehe den Artikel „Walter Spät und der erste Pfahl in Südamerika”, Der Stern, März 1991, Seite 32.) Das Gemälde zeigt von hinten die Unterschenkel von zwei Missionaren, die sich zum Beten niedergekniet haben und deren Schuhsohlen von der täglichen Arbeit durchgelaufen sind.
Etwa vierzig Prozent der Missionare, die in Brasilien dienen, sind Einheimische. Präsident Dolimar Fagundes Batista aus dein Pfahl Andaraí in Rio de Janeiro ist davon überzeugt, daß die Erfahrungen, die sie auf Mission sammeln, sie nach ihrer Rückkehr zu Führern werden lassen, nämlich zur zukünftigen Stärke der Kirche in ihrem Gebiet. Wo die Menschen sehr mobil sind, wird Führung häufig schwierig. Ungefähr viereinhalb Millionen Menschen wohnen im Einzugsgebiet des Pfahles, über den Präsident Batista präsidiert. Darunter sind sehr reiche und sehr arme. Weil die brasilianische Wirtschaft starken Schwankungen unterworfen ist, müssen auch Mitglieder, die dem Mittelstand zuzurechnen sind, häufig umziehen, um Arbeit zu finden. Doch dadurch kommt ein erfahrener Führer der Kirche auch oft in Gegenden, wo er und seine Familie gebraucht werden. Der Herr könne überall dort Führer erwecken, wo sie gebraucht wurden, sagt Präsident Batista, weil es so viele Mitglieder in Brasilien gibt, deren Herz und Sinn auf ewige Ideale gerichtet sind.

Die Ewigkeit steht im Mittelpunkt
So wie die Mitglieder in Brasilien Fortschritt im Evangelium machen, so entwickeln sie den drängenden Wunsch, in den Tempel zu gehen. Derzeit gibt es einen fertigen Tempel in Brasilien, (inzischen sind es drei. Dieses ist der Tempel in Porto Alegre) nämlich in Sao Paulo. Die Schlafräume der Missionarsschule dienen den auswärtigen Tempelbesuchern, deren Besuche sorgsam in den Sessionsplan einbezogen werden, als Unterkunft. „Unser Terminbuch ist schon ein Jahr im voraus voll”, erklärt Sergio Cardoso Munhoz, der Registrar des Tempels.
Der Sao-Paulo-Tempel wird so stark besucht, daß die Sessionen am Wochenende ohne Unterbrechung von Freitagmorgen bis Samstagnacht angesetzt werden. Jeder Pfahl bekommt seine Tempelzeit zugeteilt, und dabei kann es schon vorkommen, daß diese Zeit Samstag um zwei Uhr morgens beginnt.
Da das Land so groß ist, ist die Reise zum Tempel für viele Mitglieder eine schwierige Sache. Damit beispielsweise Mitglieder aus Itacoatiara, wo das durchschnittliche Monatseinkommen eines Erwachsenen zwischen 70 und 250 US-Dollar liegt, zum Tempel fahren können, muß der Pfahl einspringen und die Reise mit Boot und Bus bezuschussen. Die 6400 Kilometer lange Fahrt dauert zwei Wochen; dazu kommt noch die Woche im Tempel.
Glücklicherweise werden in Brasilien weitere Tempel gebaut. Der Recife-Tempel, der etwa 1900 Kilometer nordöstlich von Säo Paulo liegt, wird einem Dutzend oder mehr Pfählen und Distrikten im Norden Brasiliens sowie angrenzenden Lindern zur Verfügung stehen. Außerdem wurde dieses Jahr schon der Bau eines dritten Tempels in Campinas, nördlich von Sao Paulo, angekündigt.
Wenn man das Wachstum der Kirche in Brasilien betrachtet, wird die Reise zum Tempel für die Mitglieder auch weiterhin mit Schwierigkeiten verbunden sein. Doch dieses Opfer betrachten viele Brasilianer eher als Segnung. Athos M. DeAntorin, ein ehemaliger Tempelpräsident, erzählt von einem kleinen jungen, der mit seiner Familie in den Tempel kam, um gesiegelt zu werden. „Der Junge wurde vom Geist angerührt, und er spürte, wie wichtig dieses Ereignis war. Obwohl er nichts besaß, wollte er dein Ilerrn gerne ein Opfer bringen. Deshalb trat er auf den Tempelpräsidenten zu, öffnete schüchtern die Hand und gab ihm einen Zahn, den er gerade verloren hatte.”
Ernestina Conceicäo dos Samos aus der Gemeinde Curitiba 2 im Pfahl Curitiba ist 86 Jahre alt und sehr aktiv. Sie ist so gut wie bei jeder der regelmäßig stattfindenden Tempelfahrten ihres Pfahls dabei. „Ich bete die ganze Zeit zum himmlischen Vater, daß er mir die Kraft geben möge, zum Tempel zu fahren”, erzählt sie. Als sie Mitte Siebzig war, konnte sie die Fahrt einige Male nicht mitmachen, weil sie sich das Bein gebrochen hatte. Doch sobald sie sich mit Krücken wieder bewegen konnte, wollte sie wieder mitfahren. „Mitglieder, die nicht oft in den Tempel gehen, verzichten auf einige der wichtigsten Segnungen im Zusammenhang mit der Mitgliedschaft in der Kirche”, meint sie. „Wir können doch nichts Besseres tun, als solche Bündnisse mit dem Herrn zu schließen.”
Manchen Mitgliedern geben die Bündnisse im Tempel Kraft für das Bestehen von Prüfungen, die sich sonst kaum ertragen ließen. Der sanfte António Edison Berrocal ist für Autobahnprojekte des Staates zuständig. Er schloß sich 1988 der Kirche an und gehört zur Gemeinde Ahú im Pfahl Bacacherf in Curitiba. Es dauerte einige Jahre, bis seine Frau bereit war, sich und die fünf Kinder taufen zu lassen. „Doch dann”, so erinnert sich Bruder Berrocal, „strömte das Evangelium in unser Blut, rann durch unsere Adern. Wir taten alles, was das Evangelium verlangt.” Doch auf der Fahrt zum Tempel hatten sie einen Autounfall, den nur Bruder Berrocal überlebte. Als er im Krankenhaus wieder zu sich kam, hatte man seine Frau und seine Kinder bereits beerdigt.
Inzwischen hat er sich im Tempel an seine Familie siegeln lassen. Sein sorgfältig gestutzter Bart verdeckt die Narben, die er vom Unfall zurückbehalten hat. Doch die ewige Wahrheit hat verhindert, daß sein Geist Narben zurückbehielt. „lch weiß nicht, was mit mir geschehen wäre, wenn ich das Evangelium Jesu Christi zu diesem Zeitpunkt nicht gehabt hätte. Das Wichtigste für mich ist jetzt, daß ich rein und würdig bleibe, damit ich meine Familie für immer bei mir haben kann. Mein Herz ist von der Hoffnung des Evangeliums erfüllt."

Dazu beitragen, daß Mitglieder geistig wieder lebendig werden
Daß es demnächst drei Tempel in Brasilien gibt, ist ein deutliches Zeichen für die geistige Kraft der Mitglieder dort. Aber wie überall gibt es auch in Brasilien Mitglieder, die vom rechten Weg abkommen und Liebe und Freundschaft brauchen, um wieder in der Kirche aktiv zu werden. Auf Weisung des Kollegiums der Zwölf Apostel hat die Gebietspräsidentschaft Brasilien die Missionare aufgefordert, ein Drittel ihrer Zeit der Reaktivierung von Mitgliedern zu widmen, die sich derzeit nicht aller Segnungen des Evangeliums erfreuen. Das Ziel dabei ist, die weniger aktiven Mitglieder auf den Weg zum Tempel zu führen.
Priestertumsführer und Mitglieder arbeiten Hand in Band mit den Missionaren, um dieses Ziel zu erreichen. Achilles Miquel de Oliveira, Hoher Rat im Pfahl Madureira in Rio de Janeiro, berichtet, daß die Priestertumskollegien in seinem Pfahl die weniger aktiven Mitglieder direkt ansprechen, um ihnen zu helfen. Sie besuchen die Brüder nicht nur, sondern unterweisen sie zu Hause im Evangelium und bieten ihnen die Teilnahme an Aktivitäten oder Aufgaben im Kollegium an, um sie stark zu machen. Sie fordern die Brüder auch auf, in der heiligen Schrift zu lesen und den Familienabend zu halten. Manchmal werden weniger aktive Familien auch von anderen Mitgliedern zum Familienabend eingeladen. Wie die Missionare wollen auch sie den weniger aktiven Mitgliedern den Weg zu den Segnungen des Tempels weisen.
Manchmal sei viel Fingerspitzengefühl notwendig, um ein Mitglied, das weniger aktiv geworden ist, in die Kirche zurückzuführen, meint Präsident Mario Lutz de Souza da Silva, Erster Ratgeber in der Pfahlpräsidentschaft des Pfahls Madureira. Wenn der Betreffende erst Umkehr üben muß, hat sich der Bischof in dieser Angelegenheit ganz „auf den Geist zu verlassen”. Er erklärt: „Das ,Medikament` muß genau richtig dosiert werden. Wenn man zuviel davon gibt, stirbt der Patient möglicherweise. Und wenn man zu wenig gibt, wird die Krankheit nicht geheilt. Es gibt nur einen einzigen Arzt, der einem sagen kann, wie das Medikament dosiert werden muß, und das ist der Herr.”
Wenn man dann miterlebt, wie jemand geistig wieder lebendig wird, so ist das der schönste Lohn für die Opfer, die zum Dienen gehören. Doch, so meint Präsident da Silva, jedes Opfer sei klein verglichen mit den Segnungen, die einem dafür zuteil werden.
Diese Einstellung macht deutlich, was bei den Heiligen der Letzten Tage in Brasilien geschieht. Die Mitglieder geben das, was sie haben, um andere Menschen starkzumachen, und irgendwie wird dadurch gleichzeitig die ganze Kirche starkgemacht.
Spencer Nagata aus Curitiba meint, das Evangelium bewirke in seinem Land genau das, was Präsident James E. Faust einmal gesagt hat: Die Kirche sei nur deshalb so stark geworden wie jetzt, weil „Millionen demütiger Menschen, die nicht mehr als fünf Brote und zwei kleine Fische in den Dienst des Herrn einbringen können,” treu ihre Aufgabe erfüllen. (Siehe Der Stern, Mai 1994, Seite 5.) Das gilt auch für Brasilien. Viele tausend Mitglieder arbeiten im Werk des Meisters und schaffen so eine starke, immer größer werdende Gemeinschaft von Mitgliedern.

Das tun, von dem man weiß, daß es recht ist
Milton Soares jun. und seine Frau, Irene, heißen Besucher in ihrem Haus, das sie in Recife gebaut haben, immer herzlich willkommen. Sie haben einen großen Teil ihres Lebens mit Aufbauen verbracht – dem Aufbau ihrer Familie und dem Aufbau der Kirche, die in Recife mit ihnen den Anfang genommen hat.
Sie haben noch immer die erste Broschüre der Kirche, die sie damals bekommen haben, nämlich die Geschichte von Joseph Smith. Innen sieht man noch die Zeichnung eines Missionars, der darstellen wollte, daß die Kirche auf den Aposteln aufbaut. Ein weiteres von der Kirche herausgegebene Buch, dem man ansieht, daß viel darin gelesen wurde, enthält persönliche Zeilen der Missionare, die Milton Soares unterwiesen haben. Er war der erste, der in dieser Evangeliumszeit in Recife getauft wurde, und :war am 15. Mai 1960. Seine Frau und seine Kinder ließen sich drei Wochen später taufen.
Irene Soares war erst skeptisch, als ihr Mann anfing, sich mit dem Evangelium zu beschäftigen. Doch weil sie wußte, daß er ein guter Mensch ist, überlegte sie sich, daß das Evangelium bestimmt richtig sein mußte, wenn er es annehmen konnte. Als Präsident Joseph Fielding Smith) vom Kollegium der Zwölf Apostel zusammen mit Elder A. Theodore Tut t le von den Siebzigern nach Recife kam, empfing sie selbst ein starkes Zeugnis von der Wahrheit. „Ich wußte im Herzen, daß alles, was man uns erklärt hatte, wahr ist und daß Präsident Smith ein Prophet war”, erinnert sie sich.
Anfangs, als ihre Angehörigen fragten, warum sie sich denn dieser unbekannten Kirche anschließen wollten, konnten Mitton und Irene Soares nur ihren Glauben ins Feld führen. Die Einstellung der Angehörigen von Bruder Soares hat sich im Laufe der Zeit geändert, die Einstellung der Eltern und Geschwister seiner Frau leider nicht. Aber die Wahrheit, die sie gefunden hatte, konnte sie trotzdem nicht aufgehen.
Schwester Soares lacht, wenn sie daran zurückdenkt, dass sie „schon gerade eine Woche nach der Taufe” als altes Mitglied angesehen wurde. Sie wollte jeden kennenlernen und mit allen Freundschaft schließen. Das erste Opfer, das sie für die Kirche brachte, bestand im Nähen von Tüchern düe den Abendmahlstisch.
Als der kleine Zweig in ein anderes Gemeindehaus umzog, baute Bruder Soares das Taufbecken, und seine Frau sorgte für die Taufkleidung.
Wie viele andere Brasilianer, die sich der Kirche anschlossen, als diese gerade Fuß in ihrem Land gefaßt hatte, säten auch sie den Samen der Evangeliumswahrheit in ihrer Familie. Und wie in vielen anderen brasilianischen Familien hat ihr Beispiel in den nachfolgenden Generationen reiche Frucht gebracht. Irajá, ihr ältester Sohn, ist ein gutes Beispiel dafür. Er wurde als Jugendlicher getauft und entdeckte schnell, wieviel Freude es macht, mit den Missionaren zusammenzuarbeiten. 1966 wurde er als erster Brasilianer auf eine Vollzeitmission ins Ausland nach Chile berufen Und wurde dann Gebietsautorität und Siebziger.

Mit der Kirche wachsen
Mathilde Felber schloß sich der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage zu einer Zeit an, als diese gerade in ihrer Heimat Wurzeln faßte, und sie wuchs mit ihr.
Ursprünglich wirkten die Missionare in Brasilien unter deutschsprachigen Mitgliedern, die sich im Süden des Landes niedergelassen hatten. Mathilde Felber entstammt einer deutschsprachigen Familie aus der Schweiz. Sie lernte die Missionare 1938 kennen, als sie erst zehn Jahre alt war. Doch es dauerte dann noch drei Jahre, bis ihr Vater es gestattete, daß seine Frau und seine Töchter sich taufen ließen.
Während der Zeit, als Mathilde Felber Untersucherin und junges Mitglied war, waren oft nordamerikanische Missionare bei ihren Eltern zu Gast. Dazu gehörten auch die jungen Missionare James E. Faust und Wm. Grant Bangerter, außerdem noch viele weitere, an deren Namen sie sich noch erinnert, wenn sie in ihren Fotoalben blättert.
Der Mann, den Mathilde Felber heiratete, hieß Enos de Castro Deus. Er ging fünf Jahre mit zur Kirche, beschäftigte sich gründlich mit der Lehre und half sogar im Zweig mit , wenn er darum gebeten wurde. 1952 ließ er sich schließlich taufen. Er wollte nicht ohne den festen Vorsatz, der Kirche das ganze Leben lang verpflichtet zu bleiben, Mitglied werden. Und er wollte auch sicher sein, daß er die Wahrheit gefunden hatte.
Gemeinsam halfen Enos und Mathilde de Castro Deus drei Generationen lang mit, die Kirche in Curitiba zu stärken. Mathilde hatte in jeder Hilfsorganisation der Kirche Führungsaufgaben inne; sie war unter anderem siebzehn Jahre lang in der FHV-Leitung sowie in Berufungen auf Missions- und Pfahlebene tätig. Ihr Mann war viermal Zweigpräsident, zweimal Bischof, einmal Distriktspräsident und außerdem Ratgeber in Zweig-, Missions- und Pfahlpräsidentschaft. Darüber hinaus war er in die Bauplanung des ersten Gebäudes der Kirche in Curitiba einbezogen, und das zu einer Zeit, als die Kirche dort größtenteils noch unbekannt war. Bruder de Castro Deus ist Ende letzten Jahres gestorben.
„Anfangs ist die Kirche nur langsam gewachsen”, erzählt Schwester de Castro Deus. „Es war gar nicht so einfach, hier Menschen zu taufen.” Doch inzwischen zeigt sich die Frucht des Evangeliums bei den vielen Mitgliedern, die durch ihr Vorbild Missionsarbeit leisten. Heute ist es längst nicht mehr so schwer, mit Menschen über das Evangelium zu sprechen.
Mathilde de Castro Deus lächelt, wenn sie daran zurückdenkt, wie ihre Schwiegertochter eines Morgens eine Nachbarin über den Zaun schauen sah. Die Nachbarin entschuldigte sich tfür ihre Neugier und meinte: „Ich finde es einfach zu schön, wie Ihre Familie gemeinsam zur Kirche geht.”
Don L. Searle und David Mitchell, Nov 1997

19:57 - 18.03.2008


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- In Mikronesien wird ein neuer Kurs gesteuert
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- Die Seevögel von Kiribati
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