Mormonen - Das Evangelium in aller Welt

Eine mächtige Wandlung in der Mongolei

Denken Sie einmal an den Begriff Mormonenpionier. Was fällt Ihnen da ein? Wahrscheinlich das Bild eines Heiligen der Letzten Tage aus dein 19. Jahrhundert, der einen Handkarren über eine staubige Ebene oder über schneebedeckte Berge zieht und sich anstrengt, sein neues Zuhause in Utah zu erreichen.
Pioniere gibt es aber nicht nur im Amerika des 19. Jahrhunderts. Heute gibt es überall auf der Welt Heilige der Letzten Tage, die als Pioniere den Weg bereiten, damit die Kirche in der Heimat dieser Menschen Fuß fassen kann. Von einigen dieser Plätze werden Sie vielleicht überrascht sein — beispielsweise von der Mongolei.
Der Name Mongolei läßt viele Leute gleich an Dschingis-Khan und seine grimmigen Krieger denken, die auf ihren Pferden über die Steppen galoppierten. Die Mongolei hat in ihrer Geschichte manchen Krieg mit ihren Nachbarn erlebt, denn sie ist im Norden von Sibirien und im Süden von China umschlossen. Die Mongolen von heute streben jedoch nach Frieden und Wohlstand, denn ihr abgelegenes Land macht gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Veränderungen durch. Und unter all den Veränderungen ist es nicht die geringste, die den demütigen, wahrheitssuchenden Mongolen widerfährt; sie lernen nämlich das Evangelium Jesu Christi kennen und erleben eine „mächtige Wandlung im Herzen” (Alma 5:14).
Die Mongolei steht mitten im Wandel vom Sozialismus zur freien Marktwirtschaft. Einst war die Mongolei das Zentrum des größten geographisch zusammenhängende Imperiums der Geschichte, doch dann wurde sie fast drei Jahrhunderte lang von China beherrscht und kam 1922 als erster Satellitenstaat unter sowjetische Herrschaft. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion führte die Mongolei ein Mehrparteiensystem ein und gab sich 1990 eine demokratische Verfassung. Der Wechsel zeigt sich am deutlichsten in den größeren Städten, wo die Mehrzahl der 2, 3 Millionen Bürger der Mongolei wohnt. Außerhalb der Städte leben die Mongolen zumeist auf regierungseigenen Tierhaltungsbetrieben oder hüten als Nomaden ihre Schafe, Ziegen, Jaks. Kantele, Pferde oder Rinder. Die Landessprache ist Mongolisch, und die Hauptreligionen sind der lamaistische Buddhismus Und der Schamanismus
Kurz nachdem Edler Monte J. Brough von den Siebzigern sich mit mehreren Regierungsvertretern und Repräsentanten der Universität getroffen hatte, durften 1992 und 1993 insgesamt fünf Missionarseheraare in die Mongolei reisen, um dem Land beim Aufbau des höheren Bildungswesens behilflich zu sein und Menschen über die Kirche zu unterweisen. 1993 weihte Elder Neal A. Maxwell vom Kollegium der Zwölf Apostel die Mongolei für die Verkündigung des Evangeliums, und noch im selben Jahr wurde der Zweig Ulan Bator gegründet.
Ulan Bator, die Hauptstadt und größte Stadt des Landes, ist ein Ort der Kontraste. Viele Einwohner tragen die landestypische Kleidung, bunte Hüte und dekorative Lederstiefel mit hochgezogener Spitze, viele andere dagegen kleiden sich auf westliche Art. Neue deutsche Fahrzeuge huschen an alten, hergerichteten russischen Wagen, Allradfahrzeugen und Lastwagen vorüber. Und oft muß der motorisierte Verkehr einer der umherziehenden Herden den Vortritt lassen, die im ganzen Stadtgebiet weiden.
Im Februar 1993 wurde Lamjav Purevsuren als erster Mongole im Land getauft Purevsuren war in einer runden, mit Pelz ausgelegten Jurte in der westlichen Mongolei aufgewachsen. Die Hauptarbeit der Familie bestand darin, ihre Tiere über den harten mongolischen Winter zu bringen; dann fallen nämlich die Temperaturen oft bis 40 Grad unter Null. Mehrmals im Jahr zerlegte die Familie ihre Jurte und begab sich auf die Suche nach neuen Weideflächen.
Purevsuren begegnete Elder Stanley Smith, als dieser an der Universität Ulan Bator Marketing unterrichtete. „Dsenkhu Bat-Ulzi, ein Kommilitone, und ich fragten uns, was wohl ein amerikanischer Fachmann in der Mongolei wollte”, erzählt Purevsuren.
„Elder Smith hat uns von der Kirche erzählt und uns eingeladen, doch zu unserer großen Überraschung gab er uns die Adresse einer Wohnung”
Purevsuren und Bat-Ulzi besuchten den kleinen Gottesdienst der Missionarseheraare und willigten ein, sich die Lektionen anzuhören. Beide schlossen sich der Kirche an, und schließlich wurde Bat-Ulzi Präsident des Zweiges Ulan Bator Tul. Die inzwischen mehr als 550 Mitglieder im Land verteilen sich auf drei Zweige in Ulan Bator, einen Zweig in Erdenet, einer Stadt mit 44000 Einwohnern nordwestlich der Hauptstadt, und einen Zweig in Darhan, einer Stadt mit 65000 Einwohnern nördlich von Ulan Bator.
Togtokhin Enkhtuvschin, jetzt Zweigpräsident von Ulan Bator Selbe, erinnert sich an die sozialistische Epoche der Mongolei. Er erzählt, die Mongolen seien „nicht religiös unterwiesen worden. Die sittlichen Werte verfielen. Alkoholkonsum, Rauchen und die Sünden der Unsittlichkeit wurden allgemein akzeptiert. Doch als ich noch klein war, hat meine Großmutter mir von Gott erzählt. Sie war Buddhistin, aber sie hat mir auch von Jesus Christus erzählt. Ich gewann den Eindruck, daß dieser Glaube unser Volk einigen und ihm zum Fortschritt verhelfen könnte”
Enkhtuvschin betete um etwas, was sein Leben verändern und seinem Land helfen würde. Er sagt: „Ich wußte nicht, zu was für einem Gott ich betete, doch meine Eltern hatten gesagt, wenn es einen Gott gäbe, dann würde er mir helfen.” Da Enkhtuvschin sehr gern mehr über Jesus Christus erfahren wollte, kam er auf eine Einladung hin nach Deutschland, um hier zu studieren. Er wußte, daß es dort viele christliche Glaubensgemeinschaften gibt.
In Deutschland begegnete er eines Tages auf der Straße zwei Missionaren unserer Kirche. „Sie gaben mir ein russisches und ein deutsches Exemplar des Buches Mormon”, erinnert er sich. „Ich brauchte einen Tag und eine Nacht, dann hatte ich es durchgelesen. Ich liebe dieses Buch.” Zwei Tage später besuchte er die Kirche, und im Sommer 1993 wurde er getauft. „Ich fand es aufregend, getauft zu sein, und dachte: Vielleicht bin ich ja das erste mongolische Mitglied der Kirche. Aber ich machte mir auch Sorgen darum, daß ich in die Mongolei zurückkehren und dort die Kirche nicht haben würde”
Er wußte nicht, was sich hinsichtlich des Evangeliums in seinem Land getan hatte. Er kehrte nach Hause zurück, und im selben Monat reisten auch sechs junge Missionare in die Mongolei, um Englisch zu lehren, Mongolisch zu lernen und vom Evangelium zu erzählen. Als Enkhtuvschin mit seinen Kindern in einem Kaufbaus einkaufte, sah er plötzlich einen vertrauten Anblick: gepflegte junge Missionare! „Da wußte ich: Gott hilft mir. Ganz begeistert stellte ich fest, daß ich nicht allein war.”
Enkhtuvschins Frau, Dojodin Daschgerel, und die fünf Kinder haben sich ebenfalls der Kirche angeschlossen, und er war entscheidend daran beteiligt, daß die Kirche von der Regierung anerkannt worden ist. Im Oktober 1994 wurde die Kirche gesetzlich registriert.
Enkhtuvschins große Familie wohnt in einer Wohnung russischer Bauart mit zwei Schlafzimmern, und als Professor hatte er es jahrelang nicht leicht, für das Lebensnotwendige zu sorgen. Die Inflation macht es den Mongolen schwer, von einen Monatseinkommen von umgerechnet durchschnittlich 75 DM zu leben. Sie sind auf importierte Waren angewiesen, und die sind teuer und rar. In der neuen Freiheit einer auf dein Markt basierenden Wirtschaft eröffneten Enkhtuvschin und seine Frau 1994 ein kleines Delgur, ein Lebensmittelgeschäft Der Laden ist nicht einmal 1,50 Meter breit, und hier sieht man Daschgerel oft, wie sie Wurst, Gurken oder Tomaten abwiegt; und hinter ihr hängt an der Wand ein Bild des auferstandenen Erretters.
Ein weiteres Anzeichen dafür, daß das Evangelium sich in der Mongolei ausbreitet, ist der Umstand, daß mehrere Einheimische auf Mission berufen worden sind. Mongolische Missionare dienen bzw. dienten in den Vereinigten Staaten (in Kalifornien, Massachusetts, Washington, Utah und Washington D. C.), in Korea, in Rußland und in Kanada.
Als dieser Artikel geschrieben wunde, diente Schwester Magsarin Batchimeg auf dem Tempelplatz in Salt Lake City. Sie liebt ihr Heimatland und glaubt, daß das Evangelium Jesu Christi eine „mächtige Wandlung” im Herzen vieler Mongolen bewirken wird. „Die Mongolen sind gute Menschen”, sagt sie. „Sie sind freundlich und denken gut von anderen Menschen. Wenn sie das Evangelium hören und sich der Kirche anschließen, wird ihr Leben besser werden”
Schwester Batchimeg kam vor zwei Jahren zur Kirche, nachdem sie fast drei Monate lang die Missionarslektionen durchgenommen hatte. Sie konnte die Missionare kaum verstehen, weil diese selbst gerade erst Mongolisch lernten und sie selbst nicht Englisch sprechen konnte; wenn die Missionare aber Zeugnis gaben, dann wußte sie, daß sie hinter dem standen, was sie sagten.
Sie wollte aber selbst wissen, und schon bald empfing sie selbst ein Zeugnis vom Evangelium. „So viele Menschen kennen den Zweck des Lebens nicht”, sagte sie. „Als ich aufwuchs, konnte ich nicht glauben, daß mein Leben keinen Sinn habe. Die Kirche hat all meine Fragen beantwortet, und das Evangeliums macht mir alles klar”
Nun läßt sie die Menschen, die den Tempelplatz besuchen, freigiebig an ihrem Zeugnis teilhaben. „Ich habe den großen Wunsch, andere am Evangelium teilhaben zu lassen. Es Ist traurig, wenn jemand den Geist spürt und weiß, daß die Kirche wahr ist, und sie dann doch nicht annimmt. Ich möchte gern in jedermann den Samen des Evangeliums pflanzen”
Nach der Mission möchte Schwester Batchimeg ihr Studium fortsetzen, und zwar möglichst in Wirtschattswissenschaften oder Politik. Und sie möchte gern dazu beitragen, daß die Kirche in der Mongolei wächst. „Da die Kirche dort noch so neu ist, brauchen die Mitglieder viel Unterstützung”, sagt sie.
Der Tempel in Hongkong
Mary Nielsen Cook, Februar 1997

19:39 - 18.03.2008


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