Mormonen - Das Evangelium in aller Welt

Hongkong -- ein Traum wird wahr

Die Weihung des Hongkong Tempels war ein freudevolles Ereignis für alle, die noch nicht einmal im Traum daran gedacht hätten, daß es einmal in ihrer Nähe ein Haus des Herrn geben würde.

Die fünfjährige Jill Lam kicherte nervös, als ihre Mutter sie bat, das Tischgebet zu sprechen. Sie war es nicht gewohnt, vor Gästen zu beten. Zögernd stand sie auf und sprach ein kurzes Gebet.
Die ersten Wörter kamen nur stockend; offensichtlich war sie sich der fremden Leute bewußt. „Wir danken dir für das Essen”, murmelte sie schnell. „Bitte segne es.“
Dann hielt Jill inne. Sie hatte das Gebet sicher gerne schnell beendet, aber da gab es noch einen anderen Wunsch, der stärker war – eine Bitte, die ihre ganze Familie während des vergangenen Jahres bei jedem Gebet geäußert hatte. „Und, himmlischer Vater, bitte mach, daß der Tempel schnell fertig wird und wir würdig sind, eines Tages dorthin zu gehen”, fügte sie atemlos hinzu.
Dieses rührende Gebet sprachen außer Jill noch viele tausend weitere Mitglieder der Kirche in Hongkong, seit Präsident Gordon B. Hinckley im Oktober 1992 den Bau des Hongkong-Tempels angekündigt hatte. Und ihr Beten wurde in überreichem Maß erhört, als Präsident Hinckley am 26. und 27. Mai 1996 in seiner Eigenschaft als Präsident der Kirche den Hongkong-Tempel weihte.

Die Perle des Orients
Hongkong ist britisches Territorium und wird oft als Perle des Orients bezeichnet. Es liegt an der Südostküste Chinas an der Mündung des Perlflusses. Hongkong ist eine einzigartige Stadt mit mehr als sechs Millionen Einwohnern und entstand vor fast hundert Jahren, als China einen etwa 960 Quadratkilometer großen Landstrich an seiner Küste für 99 Jahre unter britische Herrschaft gab. Die Insel Hongkong und die Halbinsel Kowloon, die insgesamt fast 90 Quadratkilometer Fläche umfassen und die Großbritannien schon vorher in Verhandlungen mit China erworben hatte, wurden dann unter dem Namen Hongkong bekannt. Anfangs diente das Gebiet, das über einen der tiefsten Naturhäfen der Welt verfügt, als Hafen für den Handel der Engländer mit China. Doch seitdem hat sich die Perle des Orients zu einem internationalen Handels- und Finanzzentrum entwickelt.
In diesem Jahr, nämlich am 1. Juli 1997, wird England die kleine Perle nach Ablauf der festgelegten 99 Jahre an China zurückgehen, wodurch zwar ein bestimmtes Gebiet aufgegeben, aber ein neues zugänglich wird – zu den etwa sechs Millionen Einwohnern Hongkongs kommen mehr als eine Milliarde Menschen, die in den Provinzen, Regionen und Städten Chinas leben.

Den Blickwinkel auf die Ewigkeit richten
Die Mitglieder in Hongkong haben viel mit den anderen Heiligen der Letzten Tage überall auf der Welt gemeinsam. Sie streben danach, gehorsam zu sein, zu beten, in der heiligen Schrift zu lesen und ihren Mitmenschen zu dienen. Doch die chinesische Kultur legt ihnen dabei ungewöhnliche Hindernisse in den Weg. Die meisten Einwohner Hongkongs sind Buddhisten oder Taoisten. Bis vor wenigen Jahren hatten viele Chinesen in Hongkong noch nicht einmal von Jesus Christus gehört.
Ein weiteres Problem der chinesischen Mitglieder ist die zeitliche Anspannung, der sie ausgesetzt sind. Die Kinder kommen mit drei Jahren in die Schule, und wenn sie die weiterführende Schule abgeschlossen haben, müssen sie sich gegen heftige Konkurrenz durchsetzen, wenn sie ihre Ausbildung fortsetzen möchten. Viele Studenten lernen jeden Abend drei bis fünf Stunden und am Wochenende noch länger.
Viele Bewohner Hongkongs arbeiten, wenn sie ihr Berufsleben aufnehmen, sechs Tage in der Woche; es ist auch nicht ungewöhnlich, daß jemand sieben Tage arbeitet. Obwohl sich die wirtschaftliche Lage verbessert, ist jeder zu allererst darauf bedacht, seinen Lebensunterhalt zu verdienen und sich die notwendigen Besitztümer und eine berufliche Stellung zu schaffen.
Das Evangelium, das Grundsitze von ewiger Bedeutung vermittelt, hilft den chinesischen Mitgliedern mit neuen Erkenntnissen. Dieser veränderte Blickwinkel kann ihnen bei der Vorbereitung auf ihre ungewisse Zukunft Frieden und Führung schenken.
Weil die Kirche in Hongkong noch relativ neu ist, gehören die meisten Mitglieder in der ersten Generation zur Kirche und sind häufig auch das einzige Mitglied der Kirche in ihrer Familie. Sie fühlen sich oft einsam, und deshalb kommen sie zusammen, um sich über ihre Rolle als Pioniere im eigenen Land und in der eigenen Familie auszutauschen.
Zwei solche Pioniere sind Linda Choi und Castle Chan, die zu den ersten Paaren gehören, die im Hongkong-Tempel geheiratet haben. Bruder Chan hat sich der Kirche vor sechs Jahren angeschlossen, nachdem Missionare ihn bei einer Straßenausstellung angesprochen hatten. Seine Eltern und Geschwister waren ihm schon immer sehr wichtig gewesen, und als er den Missionaren zuhörte, keimte in ihm der Wunsch nach der ewigen Familie, von der sie sprachen. Leider interessierte sich bei ihm zu Hause niemand für die Wahrheit, die er entdeckt hatte.
Doch vor dreieinhalb Jahren lernte er Linda kennen. Sie erklärte sich bereit, die Lektionen durchzunehmen und mit ihm zur Kirche zu gehen. ,Von Anfang an war ich von Castles Einstellung zu seiner Familie tief beeindruckt", sagt sie. „Er war so anders als die anderen Männer, die ich kannte und die sich nur um materielle Dinge, um Geld und Besitz, Gedanken machten. Castle hingegen konzentrierte sich auf das, was wirklich wichtig ist. Er sprach oft von der ewigen Familie, und die wünschte ich mir auch. Und wenn er sie in dieser Religion gefunden hatte, dann war ich bereit, zuzuhören.”
Als angehende Krankenschwester hat Linda oft die Gelegenheit, die Reaktion von Ehepartnern und Familienangehörigen bei Krankheit und anderen Schwierigkeiten zu beobachten. „Manche Patienten bekommen während der ganzen Zeit im Krankenhaus nicht ein einziges Mal Besuch”, erzählt sie. „Es gibt niemanden, der sich für sie interessiert. Manche meiner Kollegen sind geschieden und finden eine Familie völlig unwichtig. Manchmal stehen Vergnügen und Besitz an erster Stelle. Ich aber habe mich nach mehr gesehnt.”
Nach nur wenigen Monaten ließ Linda sich taufen. Jetzt beginnen sie und Castle mit LuB 88:119 als Richtschnur, die ewige Familie aufzubauen, nach der sie sich beide sehnen. „Wir wünschen uns ein Haus des Betens, ein Haus des Fastens, ein Haus des Glaubens, des Lernens, der Herrlichkeit und der Ordnung ﷓ ein Haus Gottes", erklärt Castle dazu. „Wenn beide Ehepartner derselben Kirche angehören, haben sie die gleichen religiösen Wertvorstellungen, die gleichen Ziele. Es gibt ein Sprichwort, das mir sehr gut gefällt: ,Geteilte Freude ist doppelte Freude; geteiltes Leid ist halbes Leid.' Das ist unser Ziel: Wir wollen Freude und Leid miteinander teilen."

„Nur wegen der Kirche”
Geteiltes Leid – dieser Gedanke hat Lee Hing Chung und seiner Frau, Kumviengkumpoonsup, Kraft gegeben. Vor sechs Jahren hat er bei einem Betriebsunfall einen Arm verloren. Krank und arbeitslos versank er in Verzweiflung. Doch mit der Hilfe seiner Frau, seiner Kinder und der Mitglieder überwand er die Krise.
Heute strahlt Hoffnung aus seinen Augen, wenn er von der Gegenwart und der Zukunft spricht, wozu auch die Siegelung mit seiner Frau und den Kindern im Hongkong Tempel gehört. „Ehe wir uns der Kirche angeschlossen haben, war mein Hauptanliegen, Geld zu verdienen”, erzählt er. „Heute habe ich andere Prioritäten. Es gibt da draußen viele Menschen, die zwar viel Geld haben, aber keine Liebe. Wir haben Liebe gefunden” ,Viele Mitglieder gehören als einige in ihrer Familie der Kirche an", führt er fort. „Wenn ich am Sonntag mit meiner Familie zur Kirche gehe, bin ich so dankbar dafür, daß wir zusammen sind und für Immer zusammensein können."
Bei diesen Worten deutet er auf ein Bild vom Hongkong-Tempel, das für jeden sichtbar an der Wand hängt. „Eines Tages las ich in der heiligen Schritt und schaute auf”, erzählt er. „Da fiel mein Blick als erstes auf dieses Bild, und ich spürte ein starkes Gefühl des Friedens, das mir der Heilige Geist eingab. Wir beten jeden Abend darum, daß wir als Familie zusammensein können. Der Tempel erinnert mich daran, gut zu sein, diszipliniert zu sein, würdig zu sein.”
Bruder Lee ist zwar noch immer arbeitslos, hat sich aber mit der Lage abgefunden. „Es gibt immer Schwierigkeiten im Leben”, meint er. „Aber ich glaube an Jesus Christus. Wir werden es schaffen.”
Die Familie Lee hat sich aber nicht nur für den Tempel bereitgemacht, sondern auch eifrig Missionsarbeit geleistet. Eine Familie in ihrer Nachbarschaft hat sich bereits aufgrund ihrer Bemühungen der Kirche angeschlossen, und eine weitere Familie beschäftigt sich gerade uni dem Evangelium. „Die Eltern haben uns gesagt, daß sie von unseren Kindern beeindruckt sind, und sich erkundigt, warum sie so anders sind” sagt Schwester Lee „sie haben gesagt, unsere Kinder sind respektvoll, gehorsam und untereinander hilfsbereit. Wir haben ihnen erklärt, daß das einfach nur wegen der Kirche so ist.“

„Ein wichtiges Gebäude“
Seit die ersten Missionare 1853 nach Hongkong gekommen sind, hat sich die Kirche dort sehr verändert. Die Missionare damals blieben nur vier Monate. Und erst 1949, also fast einhundert Jahre später, wurde dort wirklich eine Mission gegründet. 1950 gab es acht Missionare in Hongkong, die das Evangelium verkündigten, aber nach dem Beginn des Korea-Krieges wurden sie alle zurückgerufen.
1955 kehrten die Missionare auf das Territorium Hongkong zurück, und 1960 gab es 91 ausländische und 12 einheimische Vollzeitmissionare dort. Die Mitgliederzahl betrug etwa 1700, und es gab acht Zweige.
„Der Tempel ist für uns ein Traum, ein wahrgewordener Traum”, sagt Elder Tai Kwok Yuen von den Siebzigern. Elder Tai ist in Hongkong geboren und aufgewachsen und dient seiner Heimat jetzt als Präsident des Gebiets Asien. „Jetzt, wo der Tempel geöffnet ist und darin gearbeitet wird, vollziehen sich Änderungen. Die Mitglieder werden geistig gestärkt, wenn immer mehr Mitgliedern die Segnungen zuteil werden, die der Besuch des Tempels mit sich bringt, und wenn sie lernen, wie wichtig es ist, Opfer zu bringen "
„Alle Tempel sind heilig und wichtig, aber dieser Tempel ist ganz besonders wichtig”, meint Alan Rudolph, der Projektmanager des Tempels, der :auch nm Johannesburg-Tempel in Südafrika und an der Renovierung des Alberta-Tempels in Kanada mitgearbeitet hat. „Es ist ein Wunder, daß dieses Gebäude so schnell erstellt wurde. Vor noch nicht einmal drei Jahren waren wir erst beim Erdgeschoß. Ich weiß, daß der Herr seine Hand beim Bau im Spiel hatte.”
Der Umstand, daß es in diesem dichtbesiedelten Land nur wenig Platz gibt, hat zum einzigartigen Aussehen des Hongkong Tempels beigetragen. Er wurde nämlich auf einem Gelände errichtet, auf dem ein Gebäude gestanden hatte, in dem das Pfahlzentrum, das Missionsbüro und die Wohnung des Missionspräsidenten untergebracht waren. Das jetzige Gebäude hat sechs Stockwerke, von denen aber nur die obersten drei als Tempel dienen.
In das Gebäude führen zwei Eingänge, die sich beide im Erdgeschoß befinden, wo auch der Tempelempfang untergebracht ist. Wenn ein Besucher seinen gültigen Tempelschein vorgezeigt hat, fährt er mit dem Fahrstuhl hinauf zum Tempel. Durch den zweiten Eingang gelangt man in die übrigen Räume, wo sich das Missionsbüro, die Büros des Missionspräsidenten und seiner .Angestellten, das Büro des Tempelpräsidenten, die Garment-Ausgabe, eine Kapelle, Klassenräume und die Büros von zwei Gemeinden befinden.
Durch den Honkong-Tempel wird die Missionsarbeit stark gefördert werden. Familienangehörige, Freunde, Nachbarn und Kollegen erkundigen sich bei den Mitgliedern nach dem erhabenen Granitgebäude, das den Namen ihrer Kirche trägt.
Doch auch schon während der Bauzeit des Tempels ist viel geschehen. „Zuerst hatten die Bauarbeiter gar keine rechte Vorstellung von diesem Projekt”, erinnert sich Carl Champagnie, der stellvertretende Projektleiter. „Für sie war es eine Arbeit
wie jede andere. Doch als das Gebäude wuchs, ist uns aufgefallen, daß sich ihre Einstellung änderte. Sie wußten, daß dies ein Gebäude ist, auf das sie stolz sein können."
Präsident John Aki, der Präsident der Hongkong-Mission, erzählt, daß einige Arbeiter sogar anfingen, die Kirche zu untersuchen; das ist teilweise auf ein gemeinsames Mittagessen zurückzuführen, zu dem die Jungen Männer und die Jungen Damen des Ptahls Kowbon-(ist die Bauarbeiter eingeladen hatten. „Die Männer waren sehr von dem beeindruckt, was sie dabei empfanden”, erklärt Präsident Aki. „Ihnen war bewußt, daß der Tempel ein wichtiges Gebäude ist "

„Eine andere Art von Tempel”
Die Mitglieder in Hongkong fühlen sich Präsident Gordon B. Hinckley besonders eng verbunden. Sie sind sich sehr wohl darüber im klaren, daß er für die Wahl des Grundstücks verantwortlich ist, auf dem das Gebäude entstand, und daß er viele Einzelheiten der einzigartigen Bauweise festgelegt hat. Sie spüren, daß er sie von Herzen liebt. Über die Weihung des Hongkong-Tempels hat Präsident Hinckley gesagt:
„Für mich ist das ein Wunder. Es ist wunderbar, daß wir ... im großen Land China, wo ein Viertel der Weltbevölkerung lebt, einen Tempel des Herrn haben.
Seit 1960, wo ich von den führenden Brüdern die Verantwortung für das Werk in Asien übertragen erhielt, bin ich immer wieder nach China gereist. Und immer, wenn ich daran denke, daß wir jetzt hier im großen Land China einen Tempel haben, muß ich fast weinen. Dieser Tempel wird eine andere Art von Tempel sein. Ich möchte sagen: Wenn ich je die Inspiration des Herrn gespürt habe, dann zu der Zeit, als ich dorthin reiste, um einen Ort für den Bau des Tempels zu finden. Und ich glaube, ich kann sagen, daß mir das, was getan werden sollte, klar und deutlich eingegeben wurde "

„Dann haben wir auch Erfolg”
Ungefähr 95 Prozent der Einwohner Hongkongs wohnen in Vororten. Die Skyline der Stadt ist geprägt von buchstäblich vielen tausend hohen, schlanken Wohnblöcken, die weit in den Himmel ragen. Die engen Straßen füllen sich mit Menschen, die oft dichtgedrängt zur Arbeit oder zu Abendveranstaltungen gehen. Inntitten dieser vielen Menschen und dieser großen Geschäftigkeit ist der Hongkong-Tempel eine tröstende, verläßliche Insel der Ruhe.
Wenn Hongkong im Juli 1997 an China zurückfällt, ist der Tempel schon seit mehr als einem Jahr geöffnet.
„Uns Führern geht es in erster Linie darum, den Mitgliedern bewußt zu machen, wie wichtig der Tempel ist, und zwar nicht nur jetzt, sondern auch in den kommenden Jahren”, sagt Elder Tai.
Und es sieht so aus, als oh dies gelungen ist. Jill Lam und ihre Familie beispielsweise – drei Schwestern, die Eltern und die Eltern der Mutter – sprechen nicht nur jeden Tag ein Gebet, sondern haben auch mehr als 15 postkartengroße Bilder von verschiedenen Tempeln :in den Wänden ihrer 35 Quadratmeter großen Wohnung hängen. Es ist eine Wohnung durchschnittlicher Größe in dieser dichtbesiedelten Stadt. Außerdem arbeiten Jills Mutter und Großmutter gemeinsam daran, Namen von Vorfahren für die Tempelarbeit vorzubereiten, weswegen sie schon mehrmals nach China, Indonesien und einmal sogar nach Taiwan fahren mußten.
„Genealogische Arbeit bedeutet hier manchmal, daß jemand in seine Heimatprovinz fahren muß”, erklärt Peter Lee, der für die Region verantwortliche Genealoge. „Viele Mitglieder leben erst in der ersten oder zweiten Generation hier; sie sind während eines politischen Umsturzes aus ihrer Heimat geflohen. Wenn sie an ihre Vergangenheit und an ihre Vorfahren zurückdenken, steigt manchmal Trauer in ihnen auf. Die Flüchtlinge haben nichts mitgebracht, und viele Aufzeichnungen wurden während der verschiedenen Besatzungszeiten und Revolutionen vernichtet.
Daher erklären wir ihnen, welche Hilfsmittel hier in Hongkong zur Verfügung stehen und nach welchen Angaben sie genau suchen müssen”, fuhrt er aus und fügt an, daß in allen fünf Pfählen Hongkongs Firesides zu diesem Thema durchgeführt wurden. Außerdem gibt es in jeder Einheit der Kirche eine spezielle Darbietung in der Abendmahlsversamnmlung, die deutlich machen soll, wie wichtig die genealogische Arbeit ist.
„Wir fordern die Mitglieder auf, alle Angaben aufzuschreiben, die sie bereits besitzen”, sagt er, „sowie eines der drei Genealogiezentren hier zu besuchen und mit ihren Verwandten zu sprechen. Wenn sie dann immer noch nichts finden, können sie wenigstens bei sich und ihrer eigenen Familie beginnen. Wir brauchen Geduld, wir brauchen das Beten, und wir brauchen Zeit. Dann haben wir auch Ertolg"

„Eine Generation nach der anderen”
Die Konzentration auf die genealogisclhe Arbeit hat auch zur Berufung von Genealogie-Missionaren geführt. Lo Chi Sing und seine Frau, Lo Tong Kwok Wan, wurden vor vier Jahren als Genealogiemissionare berufen. Heute sind die beiden die ersten Gebiets-Genealogiemissionare Hongkongs. Zu ihren Aufgaben gehören die Schulung der Pfahlmissionare und das Durchführen von Genealogie-Kursen. Außerdem helfen sie den Mitgliedern beim Ausfüllen der Formulare.
„Aber in erster Linie möchten wir Mut machen, möchten wir den Mitgliedern zeigen, wie man diese Arbeit voller Freude macht”, sagt Bruder Lo. „Natürlich kann es schwierig werden, aber wir müssen uns vor Augen halten, daß die zahlreichen Gaben der Auferstehung nicht nur für uns bestimmt sind, sondern auch für unsere Vorfahren. Wir müssen uns um sie kümmern.”
Es ist Bruder und Schwester Los Ziel als Missionare, daß jedes Mitglied in der Lage ist, ein Genealogie-Formular auszufüllen. Schwester Lo meint, daß man deshalb bei den Grundlagenbeginnen müsse. „Wenn es notwendig sein sollte, gehen wir die Formulare auch mit jedem einzelnen Mitglied durch“, meint sie. „Wir nehmen uns eine Generation nach der anderen vor.“
Jetzt, wo es einen Tempel gibt, liegt das Augenmerk sicher stärker auf der genealogischen Arbeit. Doch nicht für alle Mitglieder in Hongkong ist Genealogie etwas ganz Neues. Viele Mitglieder haben schon seit Jahren Namen zum Taipeh-Tempel in Taiwan geschickt. Diese Namen werden jetzt im Hongkong Tempel eingereicht. „Wir gehen davon aus, dass für die Arabeit hier in den nächsten Monaten mindestens 50000 Namen neu von den Mitgliedern eingerecht werden“, sagt Stephen Lee, der Recorder des Hongkong-Tempels.
„Patrick wir sich um euch kümmern“
Patrick Wong hat schon mehr als 30 Generationen seiner Vorfahren eingereicht. Elder Wong, der derzeit als Gebietsautorität dient, hat häufig Gelegenheit, Zeugnis davon zu geben, wie wichtig die Tempelarbeit ist.
„Ich habe mich mit 16 Jahren taufen lassen”, beginnt er zu erzählen, „und zwar als erster in meiner Familie. Anders als bei vielen anderen, die sich neu zur Kirche bekehren, hat sich auch der größte Teil meiner Familie — meine Elfern, mein jüngerer Bruder und meine jüngere Schwester — der Kirche angeschlossen. Dennoch sind meine Eltern niemals im Tempel gesiegelt worden; der Gesundheitszustand meiner Mutter ließ dies nicht zu.
1988, als meine '-rau und ich in Australien lebten, starb mein Vater. Ein Jahr .später folgt meine Mutter ihm nach. Als ich zu ihrer Beerdigung nach Hongkong reiste, kamen wir überein, daß wir die Arbeit für unsere Eltern tun wollten. Mein jüngerer Bruder versprach, dies im Taiwan-Tempel zu tun.
Zwei Monate später hatte meine Frau einen Traum. Sie sah meine Mutter, die ihr sehr unglücklich erschien. „Oma, warum bist du denn so unglücklich” fragte sie. „Patricks Bruder hat versprochen, daß er sich um mich kümmern wird, aber er hat es nicht getan.’ ‚Patrick wird sich um dich kümmern', versprach meine Frau.
Ob Sie es glauben oder nicht — als meine Frau mir diesen Traum erzählte, konnte ich mir nicht erklären, was er bedeuten sollte. Aber zwei Wochen später hatte meine Frau einen weiteren Traum; diesmal träumte sie von meinem Vater. ,Kathy, sag Patrick, daß ich so schnell wie möglich heiraten muß.' Als Kathv mir diesen Traum erzählte, begriff ich endlich.
Ich rief sofort meinen Bruder an und fragte ihn, ob er im Tempel gewesen sei, um die Arbeit für unsere Eltern zu tun. Er hatte es nicht geschafft. Seine Frau war krank gewesen und noch nicht wieder richtig gesund. ,Geh du, Patrick', sagte er. Deshalb ging ich ein paar Tage später in den Tempel in Sydney und ließ meine Eltern siegeln.
Ich weiß, daß diese Arbeit ganz wesentlich für unsere Vorfahren ist", führt Elder Wong mit bewegter Stimme fort. „Meine Eltern wollten so gerne, daß die Arbeit für sie getan wurde. Anderen Vorfahren geht es nicht anders. Der Hongkong-Tempel gehört zum Plan des. himmlischen Vaters. Er ist uns Trost und ein Symbol für das Vertrauen des Herrn in die Chinesen hier und überall auf der Welt — ein Symbol für die Zukunft der Kirche:

Gesiegelt zu werden ist eine große Segnung"
1956 schlossen sich Lee Wing Foon und seine Frau, Lee Kan Shui Tao, der Kirche an. „Bei der Taufe war mir, als sei ich ein ganz neuer Mensch geworden”, erinnert sich Bruder Lee. Damals fanden die Versammlungen jedoch ziemlich weit von seiner Wohnung entfernt statt, und er hatte nur wenig Geld. Das englische Buch Mormon, das er kaufte, kostete ihn zwei Tageslöhne, und die Fahrten zu den Versammlungen erwiesen sich als sehr teuer. Deshalb hörten die Lees allmählich auf, zur Kirche zu gehen.
„Aber mein englisches Buch Mormon habe ich behalten”, erzählt Bruder Lee, der damals als Zivilfahrer bei der britischen Armee arbeitete. „Es war mir kostbar.”
Im Laufe der Jahre kamen gelegentlich Missionare zu Besuch, und vor drei Jahren stellten zwei Missionarinnen ihnen eine Aufgabe. „Sie forderten mich auf, mit dem Lesen des Buches Mormon zu beginnen”, sagt Bruder Lee. „Sie kamen sogar einmal in der Woche vorbei und lasen gemeinsam mit mir.”
Aber der Besuch der Versammlungen war mit Schwierigkeilen verbunden, weil Schwester Lee vor acht Jahren einen Schlaganfall erlitten hat. Sie kann nicht laufen, und Bruder Lee, der sich inzwischen aus dem Berufsleben zurückgezogen hat, verbringt viel Zeit mit ihrer Pflege. „Es fällt mir schwer, sie allein zu lassen”, erklärt er.
Die Missionarinnen besuchten die Lees weiter und lasen mit ihnen in der heiligen Schrift. Und im September 1995 erlebte Bruder Lee eine schöne Überraschung: Jerry Wheat, der Missionar, der ihn vor vier Jahrzehnten getauft hatte, kann ihn in Begleitung der Missionare besuchen. „Ich diene jetzt als Missionar für Öffentlichkeitsarbeit in Hongkong” erzählte er. „Und weil ich mich gefragt habe, was wohl aus Bruder Lee geworden sein mag, habe ich mich erkundigt und erfahren, daß die Missionarinnen ihn besuchen. Es war mir eine große Freude, mich ihnen anzuschließen.”
Als die beiden sich wiedersahen, umarmten sie sich wie alte Freunde und erzählten sich aus ihrem Leben.
Elder Wheat besuchte die Lees später wieder, um mit ihnen über den Tempel zu sprechen. „Ich forderte ihn auf, sich tür die Siegelung mit seiner Frau bereitzumachen”, sagt er. „Er nahm diese Aufforderung an "
Inzwischen hat Bruder Lee alles so organisiert, daß Nachbarn oder Mitglieder seiner Gemeinde sich um seine Frau kümmern, während er zur Kirche geht. Mit der Hilfe der Mitglieder seiner Gemeinde konnten er und seine Frau an der Feier teilnehmen, die stattfand, als die Statue des Engels Moroni oben auf dem Tempel angebracht wurde. In den ersten Tagen nach der Öffnung des Hongkong-Tempels wurden Bruder und Schwester Lee gesiegelt.
„Es ist eine große Segnung, gesiegelt zu werden, aber nicht jedem wird diese Segnung zuteil”, sagt Bruder Lee „Ich bin so dankbar für die Missionare — für die ersten Missionare, die mich im Evangelium unterwiesen haben, für die Missionarinnen, die mir so viel Nächstenliebe entgegengebracht und mit mir in der heiligen Schrift gelesen haben, und für die Missionare, die mich jetzt immer noch besuchen. Das Evangelium ist wahr, und das Buch Mormon ist der Beweis dafür.”
Kellene Ricks Adams, März 1997

01:40 - 19.03.2008


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