Mormonen - Das Evangelium in aller Welt

Das Evangelium in den Anden

Wie viele Pioniere in der Kirche haben auch die ersten Heiligen der Letzten Tage in Bolivien, Ecuador und Peru einen Pfad des Glaubens und des Zeugnisses angelegt, der vielen Menschen als Richtschnur dienen sollte.

Ausgehend von der Hochebene, die Altiplano genannt wird und sich nördlich von Mittelbolivien über Südperu bis hin um dichten, grünen Dschungel des Amazonasbeckens im Osten und zur unfruchtbaren Küstenebene im Westen erstreckt, hat das wiederhergestellte Evangelium Jesu Christi fruchtbaren Boden im Nordwesten Südamerikas gefunden. Durch ihren Glauben und ihr Zeugnis haben die Mitglieder in Bolivien, Ecuador und Peru einen Pfad des Glaubens angelegt, der schon vielen hunderttausend Menschen seit der Einführung des Evangeliums im Jahre 1956 als Richtschnur gedient hat.
Die politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten waren dem Wachstum der Kirche nicht unbedingt förderlich, aber dennoch hat die Missionsarbeit in Südamerika stetige und mancherorts sogar erstaunliche Erfolge ermöglicht. In den sechziger Jahren gab es in den genormten Ländern nur wenige hundert Heilige der Letzten Tage; doch schon 1970 betrug die Mitgliederzahl 15000. 1980 war die Mitgliederzahl in Bolivien allein schon auf 14000 angewachsen; in Ecuador gab es 19 000 und in Peru 23000 Mitglieder. Vierzig Jahre nach der Ankunft der ersten Vollzeitmissionare haben das gute Beispiel und das fleißige Bemühen von Mitgliedern und Missionaren die Mitgliederzahl in den genannten drei Lindern auf fast 500 000 ansteigen lassen.

Aufrichtigkeit in ihren Worten
Als die Vollzeitmissionare 1957 zum erstenmal zu Roberto und Elisabeth Vidal kamen, spürte Schwester Vidal die Aufrichtigkeit in ihren Worten und bat sie deshalb, wiederzukommen, wenn ihr Mann zu Hause war. Roberto Vidal war zwar nicht sehr begeistert von der Idee, mit den Missionaren zu sprechen, aber weil seine Frau sie eingeladen hatte, erklärte er sich einverstanden.
Nach der ersten Lektion nahm sich Bruder Vidal, der damals in einer anderen Kirche in Lima aktiv war, fest vor, sich mit dem Lesestoff zu befassen, den die Missionare dagelassen hatten, und alle Widersprüche in der Lehre sowie falschen Auslegungen der heiligen Schrift aufzuspüren und offenzulegen. Doch nachdem er die ganze Nacht gelesen und studiert hatte, war er überzeugt, daß die Missionare ihn in der Wahrheit unterwiesen hatten. Von da an bis zu seinem Tod im Jahre 1989 hat Bruder Vidal nicht ein einziges Mal an der Wahrheit des wiederhergestellten Evangeliums gezweifelt. An all seinen \Worten und Taten wurden sein Zeugnis und die Wahrheit deutlich.
Als die Missionare zum erstenmal mit Bruder Vidal sprachen, arbeitete er als junge Führungskraft in einer Bank. Er war jung, intelligent, fleißig und konnte sich gut ausdrücken. So stieg er schließlich bis in den Vorstand der größten Privatbank Perus aut. Fast jeder, mit dem Bruder Vidal beruflich zu tun hatte, kannte ihn als Mormón und achtete ihn für seine Wertvorstellungen und Maßst;äbe.
Die Achtung, die Bruder Vidal landesweit genoß, zeigte sich ganz deutlich, als die Missionare gegen Ende der siebziger Jahre in Cajamarca in Peru arbeiteten. In der Hollnung, den Widerstand und den Aberglauben zu brechen, denen sie sich gegenübersahen, hatten sie die Genehmigung eingeholt, eine Woche lang in einem öffentlichen Gebäude eine Ausstellung über das Buch Mormon und seinen Bezug zu den Ureinwohnern Amerikas zu machen.
Einen Tag vor der Eröffnung der vielbeachteten Ausstellung teilten Kommunalbeamte den Missionaren mit, daß ein örtlicher Religionsführer sie angewiesen hätten, die Genehmigung zu widerrufen. Enttäuscht und entmutigt nahmen sie Kontakt zum Leiter der hiesigen Bank auf, mit dem sie schon vorher über die Kirche gesprochen hatten. Als sie ihm ihre mißliche Lage schilderten, rief er bei Bruder Vidal in Lima an.
„Sonor Vidal, ich weiß, daß Sie Mormone sind”, sagte er. „Ich bringe Ihnen große Achtung entgegen. Einige Ihrer Missionare befinden sich in einer schwierigen Lage. Ich bin bereit, meinen Einfluß hier für Sie geltend zu machen, wenn Sie mir bestätigen, daß es sich um eine gute Sache handelt.,
Bruder Vidal drängte seinen Gesprächspartner, den Missionaren . zu helfen. Die Ausstellung erwies sich als großer Erfolg.
Zu Beginn der siebziger Jahre hatte Bruder Vidal bereits als Zweigpräsident, als Distriktspräsident und als Ratgeber in der Missionspräsidentschaft der Mission Anden gedient. Damals reisten Elder Gordon B. Hincklev vom Kollegium der Zwölf Apostel und Elder A. Theodore Tuttle von den Siebzigern nach Lima, um dort den fünfhundertsten Zionspfahl zu gründen. Sie beriefen Bruder Vidal zum neuen Pfahlpäisidenten. Später diente Bruder Vidal noch in mehreren Regionen in ganz Peru als Regionalrepräsentant.
Als Bruder Vidal sich aus dem Bankgeschäft zurückzog, waren gerade die Büros für die Region Anden (heute die Region Südamerika Nord) eingerichtet worden. So wurde Bruder Vidal stellvertretender Verwaltungsdirektor. 1985 wurde ihm eine weitere wichtige Berufung zuteil – er wurde nämlich als Präsident der Ecuador-Mission Quito berufen.
Im darauffolgenden Jahr sagte Präsident Hinckley bei der Weihung des Lima Tempels, daß er Bruder Vidal vermisse, der doch so viel getan habe, um das Evangelium in Peru zu verbreiten und die Kirche zu stärken. Deshalb erhielt Bruder Vidal die Genehmigung, von Quito nach Lima zu reisen und an den denkwürdigen geistigen Erlebnissen im Zusammenhang mit der Weihung des Tempels teilzuhaben.
Kurz nach dem Ablauf seiner Berufung als Missionspräsident wurde Bruder Vidal Recorder des Lima-Tempels. Während dieser Zeit wurde bei ihm Krebs diagnostiziert. Obwohl er seine Aufgaben im Verlauf der Krankheit an einen Stellvertreter abgeben mußte, blieb er doch offiziell Tempelrecorder.
An dem Tag, an dem ein neuer Recorder bestimmt wurde, schied Bruder Vidal leise aus dem Leben. Sein Werk war vollbracht, und sein Zeugnis war noch genauso lebendig wie an dem Abend fast drei Jahrzehnte zuvor, als er die Wahrheit des Evangeliums entdeckt hatte.


„Ich wurde aus der Höhe unterwiesen“
Das Quellgebiet des Amazonas liegt den Bergen, die den Altiplano umschließen. Von dort strömt das Wasser nach Norden, vorbei an den alten Inkastätten Cuzco und Machu Picchu, bis es schließlich auf den Rio Napo trifft, der aus Ecuador kommt. In Bolivien, Ecuador und Peru wird in erster Linie Spanisch gesprochen, doch auf dem Altiplano und in der Sierra (dem Hochland der Anden) sind die Dialekte Aymara, Quechua und Quichua vorherrschend.
Zwar konzentrierte sich die Missionsarbeit zuerst auf die großen Küstenstädte, doch es dauerte gar nicht lange, bis auch auf der Hochebene und in Bergstädten wie Otavalo in Ecuador missioniert wurde; Otavalo ist in einem grünen Tal ungefähr einhundert Kilometer nördlich der Hauptstadt Quito zwischen den Bergen eingebettet. Die Bewohner dieses Landstrichs, die den Quichua-Dialekt sprechen, sind in erster Landstrichs, die den Quichua-Dialekt sprechen, sind in erster Linie Otalvo-Indianer — kräftige,fleißige Menschen, von denen viele das Evangelium annahmen und so den ersten nicht spanischsprachigen Pfahl im Westen Südamerikas bildeten.
Zu den ersten Otavalo-Indianern, die das Evangelium annahmen, gehörte Rafael Tabango, der auf einem kleinen Stück Land vor den Toren der Stadt lebte Obwohl er nicht gut lesen konnte, spürte er das starke Zeugnis des Geistes, als zwei junge Missionare ihm das Evangelium brachten. Schom bald hatte er ein Zeugnis vom Buch Mormon. Nach seiner Taufe verschrieb er sich und seine Familie denn Dienst für den Herrn. Jeden Sonntag erschien er im kleinen gemieteten GemeindeHaus und händigte dem Missionar, der als Zweigpräsident diente, einen Umschlag mir seinem Zehnten und den anderen Spenden aus. Bruder Tabango arbeitete in einer Textilmühle, und seine bescheidenen Einnahmen stammten aus dieser Arbeit und den Erträgen seines kleinen Landstückes.
Nicht lange nach der Taufe erkrankten Schwester Tabango und mehrere der Kinder schwer. Bruder Tabanga betete darum, daß sie wieder genesen würden, und tat alles in seiner Macht Stehende, um ihnen medizinische Hilfe zukommen zu lassen. Als er dem Zweigpräsidenten am Sonntag seine wöchentlichen Spenden übergab, gab der junge Missionar ihm den Umschlag mit den Worten zurück, er befürchte, daß Bruder Tabango das Geld während der \Woche für Medizin benötigen werde.
Doch Bruder Thango händigte dem Missionar den Umschlag wieder aus und sagte voller Überzeugung: „Präsident, dieses Geld gehört nicht mir. Es gehört dein Herrn. Ich habe nicht das Recht, von diesem Geld Medikamente zu kaufen. Bitte nehmen Sie meinen Zehnten an.“
Am nächsten Tag wurden Bruder Tabangos Gebete erhört; einer nach dem anderen wurden die Kranken gesund.
Die Tahangos bekamen im Laufe der Jahre fünfzehn Kinder, von denen aber nur vier
älter als fünf. Jahre wurden. Doch auch das konnte den Glauben der Eltern nicht erschüttern. Im Herbst 1978 reisten Bruder und Schwester Tabango nach großen Opfern quer über den südamerikanischen Kontinent nach Brasilien, um bei der Weihung des Sao-Paulo-Tempels anwesend zu sein, wo sie auf ihren guten Freund Präsident Spencer W. Kimball traten, der sie herzlich begrüßte. Nach der Weihung empfingen beide die Begabung und wurden gesiegelt. Nun konnten sie die sichere Hoffnung auf eine ewige Familie haben. Später wurden die Kinder, die gestorben waren, für die Ewigkeit an sie gesiegelt.
Obwohl Bruder Tabango nur wenig Schulbildung hatte, ließ er sich nicht dann abhalten, das Evangelium zu studieren und zu verstehen. Als Elder Tuttle ihn einmal fragte, wie er es geschafft habe, ein so tiefes Verständnis des Buches Mormon zu erlangen, antwortete er: „Ich wurde aus der Höhe unterwiesen.”
Bruder Tabango besaß große geistige Erkenntnis, die es ihm ermöglichte, seine Berufung als erster Zweigpräsident der Otavala-Indianer, als erster Distriktspräsident und 1981 als erster Pfahlpatriarch des quichua- sprachigen Pfahles Otavalo in Ecuador groß zu machen

„Ich gehe am nächsten Sonntag mit euch zur Kirche”
Mitte der sechziger Jahre gingen die Missionare, die im Stadtteil Magdalena in Lima arbeiteten, gerne auf eine kurze Pause zu Teresa Gai, die ein kleines Geschäft hatte, wo es etwas Kaltes zu trinken gab und sie ein Schwätzchen halten konnten. Die kleine Bodega war noch nicht einmal 75 qm groß, und die Regale an den Wänden waren vollgestopft mit einer begrenzten Auswahl an Dosen und luftdicht verpackten Lebensmitteln. Immer, wenn die Besitzerin die beiden Missionare sah, mußte sie an glücklichere Zeiten zurückdenken.
Vor dem 2. Weltkrieg hatte Teresas Familie in Italien ein Leben im Wohlstand geführt. Teresa war sogar ein Jahr lang so etwas wie die heutige Miss Italy gewesen. Doch dann beschlagnahmte die Regierung den Besitz der Familie, und sie mußten ihre geliebte Heimat verlassen. Teresa verschlug es schließlich nach Peru, wo sie heiratete und einen Sohn zur Welt brachte. Doch dann starb ihr Mann, und ihr einziger Sohn heiratete und verließ sein Elternhaus.
Teresa lenkte sich mit ihrer Budega ab, die hinten noch eine bescheidene Zweizimmerwohnung hatte. Sie arbeitete vom frühen Morgen bis zum späten Abend - an sieben Tagen in der Woche. Es machte ihr Freude, sich mit den Missionaren anzufreunden, die weit weg von zu Hause waren, und sie zu bemuttern. Und die Missionare wiederum freuten sich darüber, daß sie Teresa vom Evangelium erzählen konnten.
Als die Missionare begannen, Teresa im Evangelium zu unterweisen, spürte sie den Geist in dem, was sie sagten. Aber sie fragte sich, ob sie den Sabbat heilighalten konnte, denn schließlich war gerade der Sonntag ein wichtiger Tag für ihre kleine Bodega. Die Missionare forderten sie auf, mit ihnen zur Kirche zu gehen, aber sie weigerte sich, weil sie nicht versprechen wollte, ihr Geschäft am Sonntag zu schließen. Dock. nach einigem Überlegen versprach sie dann doch: „lch gehe am nächsten Sonntag mit euch zur Kirche.”
Einige Tage später merkte sie dann zu ihrem großen Ärger, daß sie versprochen hatte, ihre Bodega gerade am Tag vor dem Neujahrstag zu schließen und mit zur Kirche zu gehen. Dabei war das der wichtigste und umsatzstärkste Tag im ganzen Jahr! Sie hatte sich schor vorgenommen gehabt, ihr Geschäft am Neujahrstag zu schließen, und das würde nun bedeuten, daß sie während zweier umsatzstarker Tage geschlossen und nur am Dienstag geöffnet hatte, dem umsatzschwächsten Tag der Woche.
Sie überlegte, wie sie aus der Sache herauskommen konnte, doch versprochen war versprochen. Deshalb schloß sie ihr Geschäft und ging mit den Missionaren zur Kirche. Die Versammlung bereitete ihr zwar große Freude, doch sie mußte immer wieder daran denken, daß die Leute nun woanders hingingen, um Lebensmittel für die Neujahrsfeiern zu kaufen.
Am Sonntagnachmittag und -abend hörte sie in ihrer kleinen \Mthnung hinter dem Geschäft, wie die Kunden an die Rolläden vor der Tür klopften. Es fiel ihr schwer, sie zu ignorieren. Die Leute waren doch auf sie angewiesen. Ob sie sie wohl verstanden? Ob sie wohl jemals wieder in ihrer Bodega einkauften? Woher sollte sie das Geld nehmen, um in der kommenden Woche die Regale zu füllen, wenn sie jetzt zwei Tage lang nichts verdiente?
Mit großer Besorgnis öffnete sie am Dienstagmorgen ihre Bodega. Doch zu ihrer großen Überraschung hatte sie am Ende des Tages mehr verkauft und mehr eingenommen als an jedem anderen Tag seit der Eröffnung ihres Geschäfts. Sie spürte sehr stark, daß der Herr sie gesegnet hatte, weil sie seinen Tag heiliggehalten hatte. Seitdem hat Teresa ihre Bodega nie wieder am Sonntag geöffnet.
Mitten in Teresas abgegriffenem Notizbuch, in das sie ihre täglichen Umsitze einträgt, prangt ein dicker schwarzer Strich, der sich quer über die Seite zieht. hie Umsätze, die danach verzeichnet sind, weisen weit höhere Zahlen aus.
„Dieser Strich markiert den Tag, an dein ich mich habe taufen lassen”, erzählte Teresa Jahre später unter Tränen. Sie war besonders dankbar für ihr Zeugnis vom wiederhergestellten Evangelium und für die vielen geistigen Segnungen, die ihr zuteil geworden waren, nachdem sie sich der Kirche angeschlossen hatte.
Nach der Taufe stürzte Schwester Teresa Gal sich mit der für sie typischen Begeisterung in die Aktivität in der Kirche und nahm Berufungen bereitwillig an. Sie fand große Freude im Evangelium. Diese Freude strahlte sie auch aus und nahte damit einen positiven Einfluß auf ihre Umgebung, unter anderem auch auf die Missionare, die in ihrem Stadtteil arbeiteten. Wenn man bedenkt, was sie ihnen alles zugesteckt hat, dann ist es ein wahres Wunder, daß sie ihr Geschäft nicht schließen mußte.
1986 nahm Teresa an der Weihung des Lima-Tempels teil. Der Tempel gab ihr noch einmal – zum letzten Mal – die Möglichkeit, ihren Mitmenschen selbstlos zu dienen. Obwohl sie bereits fast 80 Jahre alt war, nahm sie die Berufung, als Tempelarbeiterin im schönen neuen Tempel zu dienen, voller Dankbarkeit an.

„Alle meine Fragen wurden beantwortet”
Wer nach La Paz in Bolivien kommt, hat während der ersten Tage wegen der dünnen Luft unweigerlich Schwierigkeiten mit dem Atmen, denn La Paz liegt auf einer Holte von 3800 Metern im Östlichen Teil des Altiplano. La Paz ist eine geschäftige Stadt, in der der westliche Einfluß schon deutlich zu spüren ist, auch wenn noch die traditionelle Kultur vorherrscht. Noch Mitte der sechziger Jahre wurden die Mitglieder in den drei blühenden Zweigen der Kirche wegen ihres „eigentümlichen” Glaubens gemieden, der im Gegensatz zu den jahrhundertealten Überlieferungen stand.
Zu diesen Mitgliedern gehörte auch Jorge Leano, den ein Kollege eingeladen hatte, sich einmal anzuhören, was zwei nordamerikanische Missionare zu sagen hatten. Jorge fand die Schilderung der ersten Vision Joseph Smiths so beeindruckend, daß auch seine Frau, Zorka, sie hören sollte. Zorkas Schwester hatte sich schon ein Jahr zuvor in Cochabamba in Mittelbolivien mit den Missionaren unterhalten, deshalb luden Jorge und Zorka Leano die Missionare zu sich nach Hause ein.
Als die Missionare die Lektionen durchgenommen hatten und die Familie aufforderten, sich taufen zu lassen, bekamen sie zur Antwort, daß sie so schnell nicht bereit sein konnten. Die Missionare forderten sie erneut auf, das Buch Mormon zu lesen und über das zu beten, was sie gehört hatten. Bis dahin hatten Jorge und Zorka Leano nur am Ende der Lektionen mit den Missionaren gebetet.
Doch nun knieten sie sich am Abend zum erstenmal in ihrer Ehe gemeinsam nieder und beteten zum himmlischen Vater. Das taten sie mir aufrichtigem Herzen und der Absicht, den Willen des himmlischen Vaters zu erfüllen, wenn er ihnen offenbart würde. Beide spürten mit überwältigender Gewißheit, daß das wiederhergestellte Evangelium Jesu Christi wahr ist und daß das Buch Mormon das Wort Gottes ist. Am darauffolgenden Tag sagten sie den Missionaren, daß sie zur Taufe bereit seien, und am 19. September 1965 wurden sie Mitglied der Kirche.
Je mehr Fortschritt Jorge Leano im Evangelium machte, desto mehr wuchs in ihm die Überzeugung, daß Gott wirklich wieder zu den Menschen gesprochen hatte. „Alle meine Fragen wurden beantwortet, nämlich woher wir kommen, warum wir hier auf der Erde sind und wie unsere Zukunft in der Ewigkeit aussieht”, sagt er.
Nach seiner Taufe mußte Bruder Leano auf viele gesellschaftliche Gepflogenheiten verzichten, die mit seiner vielversprechenden Bankkarriere in Zusammenhang standen. Zuerst wurde er von seinen Kollegen, die sich fragten, wie lange er es wohl ohne Alkohol und Zigaretten aushalten würde, aufgezogen und ausgelacht. Doch Bruder Leano blieb seinen Bündnissen treu, und seine ursprünglichen Kritiker verteidigten ihn später sogar vehement, wenn ihn jemand drängen wollte, das Wort der Weisheit zu übertreten.
Bruder Leano, der in der Anfangszeit der Kirche zu den wenigen Mormonenpionieren in Bolivien gehörte, meint: „Ich habe folgendes festgestellt: Wer sich der Kirche und des Evangeliums nicht schämt, empfängt große Segnungen”
Während der Anfangsjahre ihrer Mitgliedschaft in der Kirche mußten Bruder und Schwester Leano große wirtschaftliche Schwierigkeiten bewältigen. Einmal brauchten sie dringend Geld, um Schuhe und anderes zu kaufen, was ihre vier Kinder notwendig brauchten. Aber sie hatten nur noch das Geld, das sie für den Zehnten beiseitegelegt hatten. Sollten sie sich dieses Geld kurzfristig „ausborgen”, um davon Schuhe zu kaufen? Schwester Leano war der festen Überzeugung, daß sie dieses Geld nicht nehmen durften und lieber schnell den Zehnten zahlen sollten, damit sie nicht in Versuchung gerieten, das Geld doch noch für etwas anderes auszugeben.
Bruder Leano suchte sofort die Führer des Zweiges auf und gab ihnen den Zehnten. Auf dem Weg nach Hause überlegte er: Was sollen wir nun tun? Woher soll das Geld kommen, das wir brauchen? Als er wieder zu Hause war, hörte er Seiner großen Überraschung, daß seine Kinder in einer kleinen Plastikvase, die sie gefunden hatten, einen größeren Geldschein entdeckt hatten. Das Geld reichte aus, um davon die dringend benötigten Schuhe zu kaufen. Seitdem gibt Bruder Leano eifrig Zeugnis vom Gesetz des Zehnten.
Sein ganzes Leben lang hat Bruder Leano dem Herrn gedient. Kurz nach der Taufe wurde er in die Präsidentschaft des Zweiges La Paz berufen. Später diente er als Zweigpräsident, Distriktspräsident und Präsident des 1979 gegründeten Pfahles La Paz. Vier Jahre später wurde er zum ersten Patriarchen dieses Pfahles ordiniert. Außerdem war er zweimal Regionalrepräsentant. Darüber hinaus hat er noch von 1987 bis 1990 als Präsident der Mission Cali in Kolumbien gedient.
Seit 1995 dienen Bruder Leano und seine Frau als Präsident bzw. Oberin des Lima Tempels. Über diese Berufung sagen sie, sie sei „mury, mury especial” (etwas ganz Besonderes).
„Jedesmal, wenn der Herr mich zum Dienen berufen hat, hatte ich das Gefühl, nicht ausreichend vorbereitet zu sein und der Berufung nicht gerecht werden zu können. Dieses Gefühl hielt sogar noch lange Zeit an, nachdem die Berufung ergangen war”, erzählt Bruder Leano nachdenklich. „Aber ich weiß, daß der Herr einen Plan hat und daß dieser Plan gut ist. Auch wenn ich mich unzulänglich gefühlt habe – der Herr hat mich immer gesegnet und hat dafür gesorgt, daß ich meinen Aufgaben vor ihm gewachsen war.”
Warum mag die Kirche so viele glaubenstreue und tapfere Menschen in den Ländern im nordwestlichen Südamerika angezogen haben? Jorge Leano gibt eine Antwort auf diese Frage:
„Erstens, weil die meisten Menschen hier direkte Nachkommen des Hauses Israel sind. Sie tragen die Fähigkeit, an die Wahrheiten des Evangeliums zu glauben, im Blut. Zweitens, weil sie so ausgezeichnete Führer haben, die der Herr für die Kirche bereitet hat. Das beginnt schon bei den Missionaren. Drittens wegen der Geschichte dieser Länder. Viele haben ihre Bewohner übervorteilt und unterdrückt. Aber sie wollen aufrecht stehen. Sie setzen große Hoffnung auf Jesus Christus und seine Kirche.”
Allen Litster, Mai 1997

19:58 - 21.03.2008


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