Mormonen - Das Evangelium in aller Welt

Island -- Land aus Feuer und Eis

Man sage nur einfach „Island”. Wahrscheinlich wird irgend jemand, der das hört, gleich sagen: „Da wollte ich schon immer mal hin.” Und wenn man dann den Grund dafür wissen will, bekommt der andere nur einen sehnsüchtigen Ausdruck in die Augen, zuckt die Achseln und antwortet: „Es hört sich eben so interessant an.”
Interessant ist noch milde ausgedrückt.
Wo sonst sind alle Einwohner nach ihren Vornamen im Telefonbuch aufgeführt? Wo sonst kann man in Lagunen schwimmen, die von Vulkanen beheizt werden? Wo sonst sieht man Berühmtheiten wie den Staatspräsidenten oder den größten Musikstar alleine einkaufen, ohne daß jemand ihn belästigt?
Ulfar ist 16 Jahre alt und gehört zur Kirche Jesu Christi. Er kann euch noch mehr darüber erzählen, wie schön es ist, auf Island zu wohnen. Im Sommer kann er, wenn er will, den tanzen Tag und die ganze Nacht Basketball spielen, denn mehrere Monate lang wird es nie richtig dunkel. Im Winter ziehen Ulfar und seine Freude ihre Ski an oder rasen mit ihrem Schlitten steile Abhänge hinunter. Manchmal hilft Ulfar auch seinem Vater bei der Pflege einiger Island-Ponys, die ihrer Obhut anvertraut sind. Oder sie wandern zu den Wassertürmen, wo ihnen die Stadt Reykjavik mit ihren sauberen weißen Häusern und bunten Dächern zu Füßen liegt. Aber am schönsten ist, daß Ulfar zu einer Gruppe eng miteinander verbundener Mitglieder gehört, die an der Erfüllung der Prophezeiung Nephis arbeiten, nämlich daß alle Länder der Erde das Evangelium hören werden (siehe 1 Nephi 14:12).
Island ist eine große, abgelegene Insel im Nordatlantik. Der Name mag vielleicht auf ödes, mit Eis und Schnee bedecktes Land schließen lassen, doch in Wirklichkeit ist Island eine durch und durch grüne Insel. Soweit das Auge reicht sieht man erkaltete Lava und zerklüftete Berge, die mit einem dicken grünen Teppich bedeckt sind.
Island – das hört sich zwar nach Kälte an, aber unter der Erdoberfläche brodelt flüssige Lava. Die Insel liegt wie eine Decke über Dutzenden aktiver Vulkane, die mit riesigen Gletschern bedeckt sind. Wo Feuer auf Eis trifft, entsteht Dampf. Und überall auf Island gibt es reichlich Dampf. Alle Häuser werden mir Dampf beheizt und sind gemütlich warm. Und man kann so lange duschen, wie man will, weil niemand einen dafür schilt, daß man das ganze heiße Wasser verbraucht.
Doch obwohl Island einsam mitten im Ozean liegt und nur von hohen Eisbergen umgeben ist, wissen die Menschen, die dort wohnen, doch gut über das Bescheid, was auf der Welt vor sich geht. Die Kirche wurde schon 1851 nach Island gebracht, als sich nämlich zwei Fischer im Evangelium unterweisen ließen und dann darum baten, getauft zu werden. Anschließend kehrten sie auf ihre Heimatinsel zurück und begannen, das Evangelium zu lehren. Die ersten Mitglieder auf Island wurden wegen ihres Glaubens verfolgt und bedrängt – genauso wie die ersten Bekehrten in Amerika. Einmal erließ die Regierung sogar ein Gesetz, das „Mormonentaufen” verbot. Fast alle Mitglieder verließen schließlich Island und wanderten nach Amerika aus. Viele ließen sich in Spanish Fork in Utah nieder. 60 Jahre lang gab es keine Missionare und keine Aktivitäten der Kirche auf Island.
Doch vor etwas mehr als 20 Jahren ließ sich ein weiterer Fischer namens Thorstein Jonsson taufen. Er war seit vielen Jahren das erste Mitglied auf Island. Die Missionsarbeit wurde wieder aufgenommen, und man gründete einen Zweig der Kirche.
Die meisten Bewohner Islands sind Lutheraner. In Reykjavik, der Hauptstadt des Landes, ist ihre weiße Kirche das markanteste Gebäude. Gerade gegenüber, auf der anderen Straßenseite, steht ein dreistöckiges Gebäude, in dem die Büros der Kirche und das Gemeindehaus untergebracht sind. Hier kommt der größte Zweig Islands zusammen.
Kommt doch mit uns zum wöchentlichen Seminarunterricht, und lernt die Jugendlichen des Zweiges Reykjavik kennen! Sie mögen zwar nicht zahlreich sein, aber sie sind gute Freunde und helfen einander, wenn sie sich wegen ihrer Maßstäbe als Mitglied der Kirche von anderen abheben.
Ulfar ist ein typischer Teenager, der gerne redet und im Unterricht nicht stillsitzen kann. Er erzählt, daß die Basketballmannschaft, der er angehört, zu einem Turnier eingeladen wurde. Ulfar mag seine Seminarlehrerin sehr gerne (sie ist übrigens auch seine Mutter).
Johannes ist ein ernsthafter, stiller Junge, doch sein Zeugnis vorn Evangelium strahlt wie ein helles Licht. Johannes und seine Familie (der ältere Bruder, Thorbergur, und die Eltern) gehören schon lange zum Zweig.
Dann gibt es noch drei Mädchen in der Klasse, die gute Freundinnen sind – Melanie mit den schönen Augen und dem langen dunklen Haar, Eyrün mit dem leuchtend blonden Haar und Hanna mit dem kurzen, widerspenstigen Haar und dem lieben Lächeln. Alle sprechen sich hier nur mit Vornamen an.
Im ganzen Land sprechen die Menschen einander nur mir Vornamen an. In Island wird man auch unter seinem Vornamen erfaßt. Die Nachnamen werden nach einem alten System vergeben: Jeder wird nach seinem Vater benannt. Ulfars Vater heißt Gudmundur Sigurdsson, aber Ulfars Nachname lautet Gudmundsson. Der Nachname seiner Schwester hingegen lautet Gudmundsdöttir. Und Ulfars Mutter Valla trägt den Nachnamen Knütsdöttir, weil ihr Vater Knüt hieß. Alles klar? Jedenfalls werden alle, auch die Erwachsenen, nur beim Vornamen genannt.
Ulfars Mutter erzählt, wie ihre Familie die Missionare kennengelernt hat – eine lustige Geschichte. „Ich sagte ihnen, mein kleiner Sohn heiße Ulfar Karl”, sagt sie. „Da schauten sie ganz erstaunt drein. Wenn man diesen Namen nämlich laut ausspricht, hört er sich fast an wie ,Oliver Cowdery`. Die Missionare konnten sich keinen Reim darauf machen, warum eine Familie in Island ihren Sohn nach einer bekannten Persönlichkeit in der Geschichte der Kirche benannt hatte.”
Manchmal ist es nicht einfach, in Island Teenager zu sein. Aber das ist auch nicht anders als in anderen Ländern. In dieser Zeit nämlich muß man viele Entscheidungen für sein Leben treffen. Ulfar sagt: „In meinem Alter hat man es nicht leicht. Jeder kommt und sagt: ,He, trink doch einen mit mir. Rauch doch eine Zigarette.' Selbst die eigenen Freunde gehen zum Trinken aus. Sie haben mich zwei-, dreimal gefragt, ob ich mitkommen wollte, aber ich habe immer abgelehnt und das Thema gewechselt. Jetzt lassen sie mich damit in Ruhe.”
Macht es den Jugendlichen etwas aus, daß sie manchmal nicht zu einer Party eingeladen werden? Melanie sagt: „Ich gehe nicht gerne zu einer Party, wo sich alle betrinken. Es macht mir nichts aus, wenn ich nicht eingeladen werde, weil ich sowieso nicht hin möchte. Wir hatten eine Party in der Schule, aber ich bin nicht hingegangen, weil ich erfahren hatte, daß sich alle betrinken wollten. Am nächsten Tag wurde ich in der Schule gefragt, warum ich nicht gekommen war. Ich antwortete nur, daß ich keine Lust gehabt hatte.”
Wie hilft die Kirche den jungen Menschen? Melanie meint, daß ihr die JD, die Organisation der Jungen Damen, sehr geholfen hat. „Bei den Jungen Damen gibt es Aktivitäten während der Woche. Dabei lernen wir einander besser kennen und werden Freundinnen. Das hilft mir. Ich hin sehr froh darüber. Alles ist anders, wenn man gute Freundinnen hat.”
Ulfar spricht über die Macht des Priestertunis. Er hat diese Macht schon in jungen Jahren gespürt. Nach der Taufe legten ihm sein Vater und die Zweigpräsidentschaft die Hände auf, um ihn zu konfirmieren. Als er sich anschließend wieder neben seine Mutter setzte, sagte er: „Du liebe Zeit, die haben Macht. Ich habe genau gespürt, wie mir diese Macht vom Kopf durch den ganzen Körper bis hin zu den Zehen geströmt ist.
Ulfar eifert deut Beispiel seines Vaters und seines Bruders Fridrik nach, der vor kurzem in Birmingham in England eine Vollzeitmission erfüllt hat. „Mein Bruder hat mir gezeigt wie man sich an die Regeln hält. Er hat nie aufgegeben.”
Den jungen Leuten fällt die wichtige Aufgabe zu, ihre Freunde mit der Kirche bekanntzumachen. Dabei müssen sie mit den Grundlagen anfangen. Johannes sagt: „Meine Freunde stellen mir Fragen über die Kirche. Sie fragen mich beispielsweise, oh die Mormonenkirche eine christliche Kirche ist.”
Letztes Jahr hat der Zweig die erste Tempelfahrt seiner Geschichte durchgeführt. Weil sich der nächste Tempel in England befindet, ist die Reise dorthin eine größere Sache. Sie ist teuer, und bis vor kurzem stand die Tempelzeremonie auch nicht in isländischer Sprache zur Verfügung.
Hanna erzählt, wie es im Tempel war: „Jeder war so nett und herzlich. Es ist wie im Hiuunel. Ich möchte dieses Gefühl immer spüren.”
Während der Tempelfahrt ließen sich die isländischen Jugendlichen am Vormittag und am Nachmittag stellvertretend für Verstorbene – ihre eigenen Vorfahren – taufen. Melanie machte sich unwillkürlich Gedanken über die Menschen, für die sie sich taufen ließ. „Sind Sie glücklich? Sind Sie dankbar für das, was ich hier tue? Nehmen sie es an? Es ist ja nicht nur ein Name, sondern ein Mensch, der hier auf der Erde gelebt und eine Familie gehabt hat”
Als die jungen Leute wieder zu Hause waren, bewahrten sie sich die intensive Freundschaft, die sie inzwischen verband. Sie lieben ihre Heimat und die Kirche. Heute ist der Versammlungsraum schon fast zu klein für alle, die zur Abendmahlsversammlung kommen, und darüber freuen sie sich. Die Botschaft des Evangeliums verbreitet sich wie Licht im Land.
Haben wir übrigens schon die Nordlichter erwähnt? Im Herbst und im Winter beherrschen die Nordlichter den Himmel über Island. Sie tanzen in bunten Farben am Nachthimmel. Manchmal sind sie so hell, daß jeder einfach innehalten und ihnen eine Weile zuschauen muß
Die jungen Menschen in Reykjavik sind wie diese Nordlichter. Voller Vertrauen und Glauben bewegen sie sich unter ihren Freunden und ihrer Familie. Sie gehen anderen nach besten Kräften ein Beispiel. Manchmal muß man einfach kurz innehalten und ihnen zuschauen. Sie machen ihre Sache sehr gut
Janet Thomas, Dezember 1996

Vor über elfhundert Jahren siedelten sich Wikingerforscher auf einer abgelegenen Insel mitten zwischen Nordamerika und Europa kurz unterhalb des nördlichen Wendekreises an - auf Island, einem gleichermaßen unwirtlichen wie einladenden Fleck Erde. Das Leben der Siedler war damals bestimmt nicht leicht: sie mußten sich an das rauhe Klima gewöhnen und das wilde Land urbar machen.
Damals sprachen alle nordischen Völker dieselbe Sprache, und es entstanden viele Sagen, die Sagas, die über die Heldentaten im Zusammenhang mit der Entdeckung und Besiedelung Islands berichten. Die heutigen Isländer, die im wesentlichen noch dieselbe Sprache sprechen wie ihre Vorfahren, die Wikinger, können die mittelalterlichen Sagas ohne große Schwierigkeiten lesen.
Bis heute hat sich in Island eigentlich wenig verändert. Das Leben Ist immer noch schwierig. Aber jetzt beginnt eine neue Saga, wird in der Geschichte des Landes ein weiteres Kapitel geschrieben.
1851, vor fast 150 Jahren, wurde das wiederhergestellte Evangelium Jesu Christi zum erstenmal in Island verkündet. Die Kirche blühte eine Weile, aber nach einer Zeit der Verfolgung wurde die Missionsarbeit 1914 eingestellt. Erst 1977 weihte Elder Joseph B. Wirthlin, damals Mitglied der Siebziger das Land offiziell für die Missionsarbeit Heute ist eine relaiv kleine Gruppe von engagierten Heiligen der Letzten Tage bestrebt, die Gebote zu halten und ihren Freunden und Nachbarn vom Evangelium zu erzählen.
Das ist allerdings nicht so einfach. Das erste Hindernis war schon die Sprache - Isländisch wird nirgendwo sonst auf der Welt gesprochen. Aber die junge Kirche in Island brauchte dringend Kirchenliteratur in der Landessprache. Es gab keine heiligen Schriften und keine Leitfäden - alle Lektionen mußten Woche für Woche übersetzt werden.
Als die Missionare 1975 wieder nach Island kamen, gehörte Sveinbjörg Gudmundsdóttir zu den ersten Einheimischen, die sich mit dem Evangelium befaßten. Sie sprach fließend Englisch, und kurz nach ihrer Taufe 1976 begann sie ihre Laufbahn als Übersetzerin für die Kirche, die nun schon zwanzig Jahre währt. „Als erstes wurde ich beauftragt, das Buch Mormon zu übersetzen”, berichtet sie. „Ich wußte, daß mir die Voraussetzungen dazu fehlten - ich hatte bisher noch nichts übersetzt außer einigen Broschüren für die Missionare.” Sie verbrachte viele Stunden in demütigem Gebet auf den Knien. „Ich wußte, daß ich es ohne die Hilfe des Herrn nicht schaffen konnte”, sagt sie. Die Aufgabe war überwältigend, aber Schwester Gudmundsdóttir spürte, daß der Heilige Geist sie führte. Die isländische Übersetzung des Buches Mormon wurde im Juni 1981 veröffentlicht.
Nun, da die Mitglieder die heilige Schrift in isländischer Sprache in Händen hielten, schöpften sie neue Kraft und neuen Mut. Sie wünschten sich sehnlichst, an den Segnungen des Tempels teilhaben zu dürfen, aber für diejenigen, die nur Isländisch sprachen, schien dieses Ziel in weiter Ferne zu liegen. Manche Mitglieder, die Englisch sprachen, unternahmen die weite und teure Reise nach England, wo sie den London-Tempel besuchten. Auch andere, die nur wenig Englisch konnten, fuhren nach England, aber es fiel ihnen schwer, den Text zu verstehen, und es kam vor, daß sie dann überfordert und enttäuscht waren. Deshalb träumten sie von dem Tag, an dem die Tempelzeremonie ins Isländische übersetzt war.
Das Warten auf die Erfüllung dieses Traumes stellte ihren Glauben auf die Probe. 1981 wurde Schwester Gutmundsdóttir beauftragt, nach Salt Lake City zu reisen und dort die Tempelzeremonie zu übersetzen; die Übersetzung wurde aber nie aufgezeichnet. Zehn Jahre später machte sie die lange Reise noch einmal, um die Übersetzung zu überarbeiten und die Aufzeichnung vorzubereiten.
Während der zehn Jahre des Hoffens und Wartens wuchs die Zahl der Mitglieder in Island. Die Mitglieder festigten ihr Zeugnis, und ständig kamen neue Mitglieder hinzu und brachten frische Kraft. Gudmundur Sigurdsson und seine Frau, Valgerdur Knutsdóttir, ließen sich 1982 taufen. Er wurde 1983 als Präsident des Zweiges Reykjavik und 1986 als erster Distriktspräsident Islands berufen.
Gummi (wie er sich gerne nennen Iäßt) kann sich noch gut an die Schwierigkeiten erinnern, die auftraten, als die Kirche in Island Fuß zu fassen begann. „Wir fühlten uns so isoliert, weil es ja bei uns keine Kirchenvergangenheit gab — wir konnten niemanden fragen, wie etwas getan werden mußte. Manchmal wurde mir Hilfe angeboten, aber im Grunde wußte ich überhaupt nicht, wie diese Hilfe aussehen sollte. Aber jetzt haben wir Führer der Kirche hier in Island, die bereit sind, den neuberufenen Führern zu helfen"
Zu den erst vor kurzem berufenen Führern gehört Bardur Ä. Gunnarsson, der derzeit als Präsident des Zweiges Rayjawik dient. Auch er hörte 1982 zum erstenmal Kirche, hatte aber damals überhaupt kein Interesse an Religion. Sein Leben verlief zwar nicht sehr viel anders als das Leben anderer junger Isländer, aber er hatte viele Hindernisse zu überwinden. „Ich habe mehrmals versucht, das Rauchen und Trinken aufzugeben, aber ich hatte nicht die Kraft dazu“, berichtet er. Er hatte zwar eine Familie, war aber nicht verheiratet. Erst vier Jahre nachdem die Missionare zum erstenmal an seine Tür geklopft hatten, entwickelte er schließlich den Wunsch, seine Familie zu vereinen und Vergebung zu erlangen. Deshalb heiratete er Olof Bjarnadóttir, die Mutter seiner drei Töchter, die damals aber noch nicht bereit war, sich taufen zu lassen. Sie hatte jedoch nichts dagegen, daß ihr Mann die drei kleinen Mädchen am Sonntag zur Kirche mitnahm. Bürdur erklärt: „In meinem Patriarchalischen Segen steht, daß ich mit meinem Frau und meinen Kindern in den Tempel gehen würde, und ich habe mich sehr angestrengt, um dieses Ziel zu erreichen.”
Bárdurs Traum, seine Familie zu vereinen, begann sich 1994 zu erfüllen, als bekannt wurde, daß die Tempelzeremonie in isländischer Sprache im Sah-Lake-Tempel aufgezeichnet werden sollte. Im Mai desselben Jahres begleitete Olöf ihn und die kleine Gruppe, die die Aufnahme machen sollte, nach Salt Lake City. Dort taufte Bárdur seine Frau im Kreis ihrer Freunde im Taufbecken des Tabernakels. Ein Jahr darauf wurden sie beide im London-Tempel gesiegelt.
Innerhalb von fünf Tagen war die Aufzeichnung abgeschlossen. Ehe die Gruppe, die die Aufnahme gemacht hatte, den Tempel wieder verließ, durfte sie einen Teil des fertiges Produkts sehen. „Ich war zutiefst bewegt, als ich einen Teil des Films sah und die ersten Worte in meiner
Muttersprache hörte”, erzählt Gummi. „Diesen Augenblick werde ich niemals vergessen. Nun wünschen wir uns noch sehnlicher, daß unsere Brüder und Schwestern zu Hause auch an diesem herrlichen Erlebnis teilhaben mögen.”
Jetzt konnte man auch darüber nachdenken, für die Mitglieder des Zweiges Reykjavik eine Tempelreise zu organisieren. Dazu waren viele Vorbereitungen notwendig. Die Mitglieder des Zweiges mußten sich nicht nur für den Tempelschein würdig machen, sondern auch genealogische Nachforschungen anstellen, um Namen zu finden, und Geld für die Reise sparen. Und wenn eine ganze Familie zum Tempel fahren wollte, war das ein ziemlich hoher Betrag!
„Alle waren sehr aufgeregt und erwiesen einander vermehrt Liebe und Fürsorge, während sie sich auf dieses Erlebnis vorbereiteten”, berichtet Ólafur Einarsson, der Distriktspräsident. „Der Zweig entwickelte eine Einigkeit, die vorher nicht vorhanden gewesen war.”
Als die Vorbereitungen abgeschlossen waren, machten sich 38 Mitglieder des Zweiges Reykjavik – Erwachsene und Kinder im Juni 1995 auf den Weg zum London-Tempel, wo sie sich eine Woche lang dem Werk des Herrn widmeten. Ein Mitglied des Zweiges erzählt: „Ich werde die Freude, die sich auf den Gesichtern unserer Gruppe spiegelte, als der Geist uns das Herz anrührte, niemals vergessen. Die Liebe und Güte, die wir füreinander empfanden, wurden durch das Erlebnis im Tempel und die damit verbundene Freude noch größer.” Mit einem festeren Zeugnis und neuer Liebe zum Evangelium kehrten sie nach Hause zu ihrer Familie zurück.
Die Kirche wird in Island immer stärker, und die Saga der Mitglieder geht weiter. Im Juni 1996 fuhren einige Mitglieder des Zweiges Reykjavik noch ganz unter dem Bann ihres Erlebnisses vom vorherigen Jahr zum :weiten Mal zum London Tempel. Dort durften sie erneut an den heiligen Handlungen teilnehmen und ihre Bündnisse mit dein Herrn erneuern in der Sprache ihrer Vorfahren, der Wikinger.
DeAnne Walker, Juni 1997

Wie Maria Rósinkarsdóttir es DeAnne Walker erzählt hat
Mein Traum ist in Erfüllung gegangen
Ungefähr zehn Jahre, bevor ich mich 1976 der Kirche anschloß, hatte ich einen Traum. In diesem Traum sah ich meinen Vater, der schon seit einiger Zeit tot war. Er rief mich bei meinem Kosenamen und sagte: „Mya, du wirst später einmal in einern fremden Land etwas tun, das für deine Familie sehr wichtig ist.” Diesen Traum konnte ich nicht vergessen — was hatte mein Vater damit nur sagen wollen?
Es war ein denkwürdiger Tag, als die Missionare zum ersten Mal an meine Tür klopften. Ich war immer ein sehr offener Mensch gewesen und stets bereit, zuzuhören, wenn jemand über Religion sprechen wollte. Aber ich versuchte auch oft zu widersprechen und viele Fragen zu stellen. Diesmal aber war mir, als wollte den richtigen Platz, die richtige Kirche finden, und deshalb hörte ich zu. Als die Missoanare gegangen waren, ging ich im Zimmer auf und ab und dachte immer wieder: „Wirklich, das sind Diener des Herrn! Ich kann es spüren.” Ich hörte ihnen zu und lernte von ihnen. Vieles, was ich vorher nicht verstanden harte, wurde mir nach und nach verständlich, aber nichts beeindruckte mich so nachhaltig wie die Lehre von der Taufe für die Toten.
Nach nur wenigen Lektionen entschied ich mich dafür, mich taufen zu lassen. Das war aber nicht so einfach. Ich blich viele Nächte wach und betete. Wenn ich betete, spürte ich Frieden, und mir war, als sei ich von den Armen des Herrn umfangen.
Meine fünf Kinder waren mit meiner Entscheidung, mich taufen zu lassen, einverstanden und machten mir Mut, aber mein Mann war strikt dagegen. Er gestattete mir zwar, mich taufen zu lassen, aber nach meiner Taufe zeigte sich doch sehr deutlich, wie sehr er dagegen war. Selbst meine Freundinnen kritisierten mich dafür, daß ich mich gegen meinen Mann gewandt hatte, aber irgendwie bekam ich immer die Kraft, die ich brauchte.
Als ich erst sechs Monate Mitglied der Kirche war, wurde ich zur ersten FHV-Leiterin in Island berufen. Das war eine schwere Zeit, aber ich wußte, daß ich dem Herrn diente. Es gab niemanden, der mir hätte sagen können, was ich tun sollte wir waren alle ganz neu. Wir hatten einen Leitfaden und ein Handbuch in englischer Sprache, aber das half mir nicht weiter, weil ich kein Englisch konnte. Schwester Sveinbjörg Gutmundsdóttir übersetzte die Lektionen jede Woche für die Lehrerinnen. Das war das erste Material der Kirche in isländischer Sprache! Ich war immer sehr glücklich, wenn ich eine neue Lektion bekam, und las sie immer und immer wieder durch. Wenn ich so zurückblicke, dann waren die schwierigsten Zeiten auch die schönsten, denn da mußte ich auf die Knie gehen und den Herrn suchen.
Ich war schon immer sehr an meiner Familiengeschichte interessiert gewesen. Als ich Mitglied der Kirche geworden war, hatte ich dann einen weiteren Traum. In diesem Traum empfing ich mehrere Gäste – sehr vornehme Leute. Ich hatte Lachs gekocht und mußte für die Gäste noch einige Teller auf den Tisch stellen. Aber dabei wurde ich immer wieder unterbrochen. Ich wußte aber, daß ich noch viele weitere Teller brauchte. Nach dem Traum erwachte Ich kurz, war aber noch sehr schläfrig, Dann schlief ich wieder ein — und der Traum wiederholte sich. Mir war, als solle mir bewußt gemacht werden, daß ich den Lachs (der wohl das Evangelium symbolisierte) besaß und andere Menschen daran teilhaben lassen mußte. Nun war mir klar, daß ich Namen zum Tempel senden mußte!
So fing ich an, viele Stunden im Genealogie-Archiv zu verbringen und nach Familienaufzeichnungen zu suchen. Dort vergaß ich die Zeit. Mein Fernziel war es, diese Aufzeichnungen eines Tages in den Tempel bringen zu können, aber ich hatte Angst, ich würde dieses Ziel wegen der sprachlichen Schwierigkeiten niemals erreichen.
Als ich dann hörte, daß die Tennpelwoche war, war ich begeistert. Neunzehn Jahre lang hatte ich an meiner Genealogie gearbeitet, aber niemals auch nur davon zu träumen gewagt, in den Tempel gehen zu können. Aber nun hatte ich irgendwie das Gefühl, ich sei nicht würdig. Außerdem befürchtete ich, daß mein Mann mich niemals fahren lassen würde.
Ich erlebte mit, wie die Mitglieder des Zweiges ihre Reise planten und zum Tempelinterview gingen.
Als Präsident Ólafur mich eines Sonntags in sein Büro rief und mich fragte, warum ich mich nicht um einen Tempelschein bemüht hatte, erzählte ich ihm von meiner Angst und meinen Befürchtungen. Er antwortete: ,Warum gehen Sie so hart mit sich ins Gericht? Wenn ich Ihnen in meiner Eigenschaft als Diener des Herrn sage, daß Sie gehen können, glauben Sie dann, dass Sie würdig sind?" Präsident Ólafur sagte auch, er werde mit meinem Mann sprechen und ihn bitten, mir die Reise sein Büro verließ, daß ich jeden umarmte, der mir begegnete. Auch als ich zu Hause ankam, war ich noch glücklich, aber dann bekam ich wieder Angst. Ich erzählte meinem Mann, was sich ereignet hatte, und er sagte: „Natürlich fährst du!"
Als ich schließlich den London, Tempel betrat, verstand ich plötzlich, was die Worte zu bedeuten hatten, die mein Vater 29 Jahre zuvor in meinem Traum gesprochen hatte. Hier stand ich nun in einem fremden Land und hatte mich bereitgemacht, für meine Vorfahren die heiligen Handlungen des Tempels zu vollziehen. Ich kann gar nicht in Worte fassen, was ich in diesem Augenblick empfand. Als ich nach der Begabung den celestialen Saal betrat, empfand ich so wie in alter Zeit Simeon, als er das Jesuskind im Tempel erblickte (siehe Lukas 2,28—30). Auch ich spürte nach diesem Erlebnis, daß ich nun in Frieden sterben konnte.
Mein Traum war wirklich in Erfüllung gegangen.
DeAnne Walker, Juni 1997

06:09 - 24.03.2008


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