Mormonen - Das Evangelium in aller Welt

Belfast -- Die Mauern fallen

Mauern, Zäune, Schranken: Leider errichten viele von uns sie in irgendeiner Form. Aus Angst, verletzt zu werden, stellen wir zu unserem Schutz Eisengitter auf. Aus Angst, belächelt zu werden, bauen sind vielleicht die Mauern der Intoleranz, gebaut mit Ziegelsteinen des Unwissens, zusammengehalten vom Mörtel der Angst. Verständnis wird erst dann möglich, wenn solche Mauern eingerissen werden. Liebe und Frieden gibt es erst dann, wenn die Mauern Ziegelstein um Ziegelstein abgebaut werden.
Die jungen Heiligen der Letzten Tage im Pfahl Belfast in Nordirland wissen einiges über Mauern. In ihrem Land, das seit Jahrhunderten von Unruhen und Terrorismus heimgesucht wird, sind sie in einer heiklen Lage, weil sie in dem — sowohl religiösen als auch politischen — Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten zu keiner der beiden Parteien gehören. Aber trotzdem werden sie mit den Schranken konfrontiert. Hören wir uns an, was drei Mädchen aus der Gemeinde Cavehill dazu sagen:
Sharon Goodall erzählt etwas, was häufig vorkommt: „Meine Klassenkameraden wollen immer wissen, ob ich katholisch oder protestantisch bin. Ich erkläre ihnen dann, daß ich keins von beiden hin, da ich Mormonin bin. ,Gut`, sagen sie. ,Bist du eine katholische Mormonin oder eine protestantische?' Es hört sich fast wie ein Witz an, es sei denn, man muß damit leben. Man versucht mit jedem auszukommen, aber man steht ständig unter dem Druck, Partei ergreifen zu müssen."
Debra Boyd erklärt, daß viele Menschen außerhalb Nordirlands keine Ahnung davon haben, wie es wirklich ist, dort zu leben. „Selten sieht man so etwas wie einen Bombenangriff. Ich lebe schon immer hier, und ich habe noch nie einen erlebt. Das Leben geht die meiste Zeit ganz normal weiter. Es gibt im Bus zwar Sicherheitskontrollen, und manchmal gibt es einen Stau, wenn etwas passiert ist. Aber solche Ereignisse sind eher Unannehmlichkeiten als eine Lebensgefahr.”
Zusammen mit sechs anderen Heiligen der Letzten Tage besucht Debra das Hazlewood Integrated College in Belfast, eine Schule, wo die Schülerschaft ungefähr zu 50 Prozent aus Katholiken und zu 50 Prozent aus Protestanten besteht. „Ich bin ziemlich neu an der Schule, und am Anfang sagten meine Mitschüler häufiger: ,Ach, das ist eine von diesen verrückten Mormonen', und sie haben mich gehänselt”, sagt Debra. „Aber jetzt stellen sie Fragen, zum Beispiel danach, warum ich keinen Tee und keinen Kaffee trinke. Jetzt sind sie irgendwie daran interessiert.”
Debbie Sloan, die dieselbe Schule besucht, ist bei ihren Klassenkameraden beliebt. „An einer integrierten Schule ist man bemüht, uns allen zu helfen, miteinander auszukommen”, erklärt sie. „Sie wissen, daß ich Mormonin bin. Meine guten Freunde wissen, daß mein Vater Bischof ist und daß wir viel Zeit in der Kirche verbringen. Ich rede einfach davon, wie es ist, und sie akzeptieren mich so, wie ich bin.”
Claire und Sandra Hoey aus Craigavon sind Mitglieder der Gemeinde Portadown. Sie erzählen von den Mauern, die mit Hilfe der Missionare für ihre Familie gefallen sind.
„Die Missionare besuchten unsere Eltern schon seit einer Weile”, sagt Sandra. „Aber ich habe mich nicht dafür interessiert. Dann war ich eines Abends oben und fing an zuzuhören. Auf einmal interessierte mich das, was sie sagten. Mir wurde klar, daß der Zeitpunkt gekommen war, zu erfahren, worum es überhaupt ging.”
Die Gespräche wurden ernsthafter. Die Eltern und ein älterer Bruder ließen sich taufen — dann auch Sandra und schließlich Claire.
Nach den Taufen stellte eine Freundin fest, daß „ich glücklicher bin, seitdem ich mich der Kirche angeschlossen habe”, sagt Claire. „Sie wollte wissen, was mich so glücklich macht.”
Jetzt wird die Freundin bei der Familie Hoey von den Missionaren unterwiesen. „Ich weiß noch, daß ich die gleichen Fragen gestellt habe und wie ich gebetet habe, um die gleichen Bedenken auszuräumen”, sagt Claire. „Es hilft, wenn ich ihr sagen kann, daß ich das gleiche durchgemacht habe und daß ich dann ein Zeugnis erlangt habe.”
In der Gemeinde Lisburn erklären Rachael Edwards, Karen Edwards und David Schmidt, daß die aktive Teilnahme am Seminar ebenfalls dazu beiträgt, Barrieren zu durchbrechen.
Bevor ich mit dem Seminar anfing, habe ich manchmal meinen Freunden erklärt, was für eine Religion ich habe, und sie haben viele Fragen gestellt, auf die ich keine guten Antworten geben konnte”, sagt Rachael. „Jetzt, seit ich am Seminar teilnehme, habe ich mehr Selbstvertrauen, wenn ich mich mit anderen Menschen über die Kirche unterhalte.”
„Wir haben in unserer Seminarklasse 13 Teilnehmer”, erklärt Karen. „Es ist die größte Klasse in Irland. Wir lernen zu Hause, und am Dienstagabend treffen wir uns mit unserer Lehrerin, Schwester Susanna Thompson. In der Schule nehmen alle am Religionsunterricht teil. Der Religionsunterricht in der Schule hilft mir beim Seminar, und das Seminar hilft uns, einen anderen Standpunkt einzunehmen und den Stoff mehr zu vertiefen, als es in der Schule möglich ist. So ergänzen sich die Schule und das Seminar gegenseitig.”
„Es gibt viele Videos und mormonenfeindliche Literatur, die bei den anderen Kirchen verbreitet werden”, sagt Karen. „Es ist schwierig, weil das, was sie hören, völlig verdreht ist. Sie müßten sich eigentlich völlig neu informieren.”
„Viele meiner Freunde meinten, wir läsen gar nicht in der Bibel”, sagt Rachael. „Ich war also wirklich froh, daß ich ihnen meine heiligen Schriften vom Seminar zeigen konnte. Sie denken, daß es nur in ihren Kirchen Bibelstudium gibt. Sie sind überrascht zu erfahren, daß auch wir Mormonen unsere Bibelstudienkurse haben.”
„Wir verändern die Ansichten der Menschen”, sagt David. „Zum Beispiel hat unser Lehrer gesagt: ,Du bist also Mormone. Bedeutet das, daß du nicht völlig Christ bist?'
Und ich habe geantwortet: ,Tatsächlich sind wir doch Christen.' Wir haben darüber geredet, und alles war geklärt."
David erzählt außerdem, daß er Freunde und Angehörige zu den Versammlungen der Kirche eingeladen hat. „Letztes Jahr, als meine Familie sich taufen ließ, hat meine Mutter unsere Oma und unsere Tarnen alle in die Kirche eingeladen, und sie sind gekommen und haben gesagt, daß es ihnen ganz gut gefallen hat. Sie fanden es interessant, daß vorne keine Geistlichen waren, sondern gewöhnliche Mitglieder, die Zeugnis gaben. Und meine Freunde gehen gern mit in die Kirche."
Rachael, Karen und David erzählen Geschichte um Geschichte: von dem Lehrer, der einen Grundriß von einem Gemeindehaus der Kirche haben wollte, um es mit anderen Kirchen zu vergleichen, und von den Prüfungen, in denen Mormonen erklären mußten, daß sie sich wirklich in einem Taufbecken taufen lassen, das ja in anderen Kirchen ein kleines Becken ist, das Wasser zum Besprengen enthält.
Schließlich faßt Karen die Erlebnisse aller folgendermaßen zusammen: „Es gibt hier großen Widerstand”, sagt sie. „Aber wenn wir die Aufmerksamkeit der Menschen auf die Kirche lenken, werden sie die Kirche vielleicht einmal verstehen. Und das kann nur gut sein.”
Wenn man lange genug mit den jungen Heiligen der Letzten Tage in Nordirland redet, erfährt man, daß die Jugendlichen das tun, wovon Karen spricht.
Sara Magee aus Portadown erzählt von den Grundsätzen: „Wenn jemand mir eine Zigarette oder Alkohol anbietet, sagen die meisten meiner Freunde gewöhnlich: ,Nein, Sara, das darfst du nicht..'” Karen Weir aus Portadown erzählt, daß die Wiedereröffnung des London-Tempels und der Bau des Preston-Tempel die Neugier vieler Menschen in bezug auf die Kirche geweckt hat. Simon Noble von der Gemeinde Holywood Road erzählt von einer Pfahl-Theateraufführung, die gleichzeitig eine Theateraufführung für die Missionsarbeit war. „Es drehte sich alles um den Erlösungsplan, und wir haben unsere Freunde eingeladen, damit sie erfahren konnten, woran wir glauben”, sagt Simon.
Debra Boyd aus der Gemeinde Cavehill mischt sich wieder ins Gespräch ein, um von ihrem Bischof, Ronald Sloan, zu erzählen, der ihr gezeigt hat, daß ein Bischof ein wichtiger Verbündeter sein kann, wenn man darum bemüht ist, ein würdiges Leben zu führen. Und Debra erzählt davon, wie sehr sie sich gefreut hat, als ihre Freundin Leigh-Ann Kelly (und ihre Familie) sich taufen ließen. „Wir haben uns die Augen ausgeweint”, sagt Debra. „Kennen Sie die Schriftstelle, wo es darum geht, wie es ist, wenn man nur eine einzige Seele in den Himmel bringt? Es stimmt wirklich.” (Siehe LuB 18:15,16)
Durch das Zentrum von Belfast zieht sich eine große Narbe, ein Stück Niemandsland, so häßlich wie ein Kriegsgebiet. Das rote Gitter, der Stacheldraht und die gelben Barrikaden markieren die Grenzlinie zwischen den beiden Teilen der Stadt. Für viele Leute ist dies ein Symbol einer hoffnungslosen Situation, und die Barrieren sind ein Denkmal des Mißtrauens und des Mißverständnisses.

Aber die jungen Heiligen der Letzten Tage denken nicht lange an dieses Stück Land, das Verzweiflung hervorruft. Sie blicken auf den Tag, an dem der Herr kommen wird, wenn alle das Knie beugen und jeder Mund bekennt, daß er der Herr ist, dessen Recht es ist, zu regieren. An diesem Tag – wenn nicht schon vorher – werden alle Mauern fallen. Und wenn das geschieht, treten Hoffnung und Liebe, Frieden und Verständnis an ihre Stelle.
Richard M. Romney, Juni 1995

18:13 - 15.04.2008


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