Mormonen - Das Evangelium in aller Welt

Indien

DIE RECHTE ZEIT ZUM SÄEN
Die Heiligen der Letzten Tage in Indien, die sich vor die Aufgabe gestellt sehen, fast einer Milliarde Menschen das Evangelium zu bringen, folgen dem Ruf, daß jedes Mitglied ein Missionar sein soll.


Damals nannten sie sich aus gutem Grund den „Zweig der einsamen Wanderer”. Die meisten waren weit von zu Hause entfernt, und sie waren nur sehr wenige.
Die „Einsamen Wanderer” waren die erste Gruppe von Heiligen der Letzten Tage in Indien. Der Zweig bestand aus einer Handvoll Soldaten und Seeleuten aus England und einigen wenigen bekehrten Indern aus Kalkutta und war einer von wenigen Zweigen, die während der, wie sich herausstellte, kurzen und entmutigenden missionarischen Bemühungen zwischen 1851 und 1856 und dann noch einmal zwischen 1884 und 1888 im ganzen Land gegründet wurden. Nach diesen nicht sehr erfolgreichen Jahren wurden die missionarischen Bemühungen in Indien eine Zeitlang eingestellt. Da es nicht gelang, sprachliche und kulturelle Barrieren zu überwinden, wurde die Mission geschlossen und die Missionare kehrten nach Hause zurück. Einige britische Mitglieder wanderten in die Vereinigten Staaten aus, während die indischen Mitglieder sich bemühten, so gut wie möglich ohne die Missionare zurechtzukommen.
Die Schwierigkeiten, mit denen die ersten Missionare zu kämpfen hatten, existieren nach wie vor. Indien bleibt ein Land, das von Vielfältigkeit, Tradition und dem Glauben an östliche Religionen geprägt ist. Es ist ein Land, in dem das Altertümliche auf das Moderne trifft, in dem immer noch die Armut vorherrscht und in dem sich Millionen von Menschen zu einem bunten Bild von Bräuchen und Kasten mischen.
Die Inder ehren ihre Toten, indem sie den jahrhundertealten Glauben und die Bräuche ihrer Vorfahren aufrechterhalten. Da manche religiösen Traditionen den Wahrheiten des wiederhergestellten Evangeliums Jesu Christi entgegenstehen, brauchen Veränderungen viel Zeit.
Die Bekehrung ist schwierig, in manchen Staaten sogar gesetzwidrig. Doch im Gegensatz dazu gewinnt das Evangelium gerade auch wegen der Traditionen an Anziehungskraft. Die Lehre der Kirche bricht mit der traditionellen Überzeugung, daß der Mensch an seinem Los nichts ändern kann und das Leben akzeptieren muß, in das er hinein-geboren wurde.
„Das Evangelium befreit die Menschen, indem es mit dieser Tradition bricht”, sagt Gurcharan Singh Gill, Präsident der Mission Bangalore. „Das Evangelium lehrt, daß alle Menschen gleich sind und daß sie Kinder Gottes sind, die ihm gleich werden können. Allein dieses Wissen gibt ihnen so viel Selbstachtung, daß sie bereit sind, hart zu arbeiten, und sich nicht davon abhalten lassen, nur weil sie an einem bestimmten Ort oder innerhalb einer bestimmten Kaste geboren sind. Sie brechen aus dem Kreislauf der Armut aus. Sie finden heraus, wer sie sind, daß vieles in ihnen steckt und sie ihre Talente entwickeln können.”
Nur wenige Inder hatten bisher die Möglichkeit, die Botschaft der Wiederherstellung zu hören und anzunehmen. Doch die Anzahl der Mitglieder, die sich 1993, als die Mission eröffnet wurde, auf etwa 500 belief, hat sich in den darauf folgenden beiden Jahren mehr als verdoppelt.
In den Jahren zuvor, als Indien noch zur Mission Singapur gehörte, konnten die Führer der Mission die Zweige nur selten besuchen, und es gab nur sehr wenig Vollzeitmissionare. Die Kirche wuchs nur langsam, einigen Mitgliedern fiel es schwer, stark zu bleiben, und die örtlichen Priestertumsführer hatten zu kämpfen, um nicht den Mut zu verlieren. Heute sehen die Mitglieder der ersten Generation, die sich in den 60er, 70er und 80er Jahren der Kirche angeschlossen haben, mit Freude das Wachstum und sind dankbar, daß es immer mehr Missionare gibt. Derzeit sind es 60 Missionare und Missionarinnen sowie einige Missionarsehepaare.
Manch einer würde vielleicht vor der Aufgabe zurückschrecken, einem Land mit 950 Millionen Einwohnern, in dem zwei Dutzend Sprachen und tausend verschiedene Dialekte gesprochen werden, das Evangelium zu bringen, doch die jungen indischen Mitglieder sind voller Energie und sind begeistert, im reichen Weinberg ihres Landes zu arbeiten. Sie sehen große Möglichkeiten in den Herausforderungen, vor denen sie in der Missionsarbeit stehen.
„Ein Mitglied der Kirche in Indien zu sein, bedeutet ein Missionar zu sein”, sagt Präsident Gill, der in Nordindien geboren wurde und sich 1956 der Kirche angeschlossen hat, nachdem er in die Vereinigten Staaten gezogen war.
„Wenn wir 950 Millionen Inder im Evangelium unterweisen wollen, müssen früher oder später die Mitglieder ihr eigenes Volk lehren. Das begreifen sie jetzt. Die Mitglieder beginnen, mit den Missionaren zusammenzuarbeiten. Es ist erstaunlich. Ich hätte nicht gedacht, dass es so schnell gehen würde, doch in den letzten Monaten ist es mit der Missionsarbeit steil bergauf gegangen.”
In einem Land, in dem es pro Million Einwohner weniger als zwei Heilige der Letzten Tage gibt, wird die Aufforderung des Herrn, das jedes Mitglied ein Missionar sein soll (siehe LuB 88:81 ) ernst genommen. Das hat zur Folge, daß sich das wiederhergestellte Evangelium Jesu Christi allmählich in der Heimat Gandhis auszubreiten beginnt.

Erfolg bei der Mitglieder-Missionsarbeit

Als Vollzeitmissionare im August 1993 nach dreijähriger Abwesenheit in die Stadt Rajahmundry zurückkehrten, mußten sie feststellen, daß der kleine Zweig schwer zu kämpfen hatte.
Die Vollzeitmissionare arbeiteten mit den treuen Mitgliedern zusammen, um den Zweig zu stärken, indem sie die Lehre verkündeten, Hilfsorganisationen gründeten, Führerschaftsschulung anboten und dafür sorgten, daß die Mitglieder in einem gemieteten Haus Versammlungen abhalten konnten. Die neugewonnene geistige Kraft führte zu mehr Taufen. Die Anwesenheit in der Abendmahlsversammlung stieg sprunghaft an von 36 Mitgliedern im September 1993 auf über 200, als der Zweig sieben Monate später geteilt wurde.
Die Mitglieder erkannten, daß sie durch die Zusammenarbeit mit den Missionaren ihre Familienangehörigen und Freunde bekehren konnten, anstatt sie zu verlieren. Die dadurch geweckte Begeisterung führte dazu, daß die Mitglieder-Missionsarbeit unter dem Motto „Jeder gewinnt einen” eingeführt wurde und Vollzeit-Distriktsmissionare berufen wurden.
Rajahmundry, das im Südosten Indiens an der Spitze des Godavari-Deltas liegt, wo der Godavari in den Golf von Bengalen mündet, wird von den Vollzeitmissionaren als der „Himmel für Missionare” bezeichnet — trotz hoher Luftfeuchtigkeit und extremer Hitze.
„Alle freuen sich über den Erfolg der Mitglieder-Missionsarbeit”, sagt Job Cyril, ein Vollzeitmissionar, der als Zweigpräsident der Gemeinde Rajahmundry 2 dient. Elder Cyril, der 1993 seine Mutter taufte, als er in seiner Heimatstadt Hyderabad diente, meint, daß die Kirche das anfänglich langsame Wachstum in Indien nun hinter sich läßt.
„Die ersten Missionare um 1850 fanden vielleicht ein Land vor, das noch nicht bereit war, die Wahrheit anzunehmen”, sagt er. „Aber heute ist Indien bereit für das Evangelium. Viele Menschen suchen nach der Wahrheit, gerade auch junge und gebildete Menschen”
Heute ist die größte Herausforderung für die Kirche in Rajahmundry, eine breitere Basis von Führungsbeamten zu schaffen: der Zweig, der 1993 noch zu kämpfen hatte, wird demnächst erneut geteilt.

„Das wichtigste überhaupt”
In Hyderabad, das in Vorderindien westlich von Rajahmundry auf dem Deccan liegt, sind 90 Prozent derer, die sich in den letzten beiden Jahren der Kirche angeschlossen haben, entweder Freunde oder Verwandte von Mitgliedern. Hyderabad, einst Heimat mächtiger Herrscherdynastien, ist eine blühende Metropole mit mehreren Millionen Einwohnern. Die Kirche hat dort drei wachsende Zweige.
Sunitha, Santosh und Sanjay Murala freuen sich über die wachsende Anzahl von Mitgliedern. Die drei Geschwister waren in den 80er Jahren meist die einzigen Jugendlichen in der Kirche in Hyderabad, nachdem sie 1978 durch ihre Tante und ihren Onkel, Elsie und Edwin Dharmaraju, die in Samoa getauft worden waren, die Kirche kennengelernt hatten. Sunitha, Santosh und Sanjay sagen, daß die Lerngewohnheiten, die sie mit den Jahren durch den Dienst und den Unterricht in der Kirche entwickelt haben, und ihre Gebete ihnen geholfen haben, die schwierigen Aufnahmeprüfungen zu bestehen, die nötig sind, um einen der begehrten Studienplätze der indischen Hochschulen für Medizin zu ergattern.
Sunitha, die die medizinische Hochschule in Hvderabad besuchte, weckte die Neugier ihrer Studienkollegen, weil sie sich an das Wort der Weisheit hielt. Ihre Brüder Santosh und Sanjay, die als einzige Heilige der Letzten Tage eine christliche Hochschule für Medizin bei Madras im Südosten Indiens besuchten, bemühten sich eifrig, Mißverständnisse in bezug auf die Kirche aufzuklären. Santosh wurde so beliebt, daß er zum Vorsitzenden der Studentenschaft gewählt wurde. „Wir haben gelernt, wie wichtig es ist, Vorbild zu sein”, erzählt Sanjay. „Das ist viel wirkungsvoller als Predigen und Argumentieren.”
Die jungen Menschen in Indien sind heute zunehmend empfänglich für die Botschaft des wiederhergestellten Evangeliums. Wie Sunitha, Santosh und Sanjay sind die meisten Mitglieder der Kirche jung. Häufig bestellt die Führerschaft eines Zweiges hauptsächlich aus jungen Menschen in den Zwanzigern und Dreißigern.
Im Zweig Hyderabad 2 ist der 27jährige Raju Gutty, von Beruf Elektroingenieur, am Sonntag mit seinen Aufgaben in der Sonntagsschul-Leitung beschäftigt. Seine Frau Swapna unterrichtet als PV-Leiterin die Kinder und bringt ihnen Kirchenlieder bei. Rajus 25jähriger Bruder Victor, der Betriebswirtschaft studiert, nimmt sich trotz seines Studiums Zeit, um seiner Berufung in der Zweigpräsidentschaft nachzukommen. Ihre jüngere Schwester Hema, 22, und ihr Bruder John, 19, die ebenfalls noch studieren, kümmern sich als JD-Leiterin bzw. JM-Leiter um die Jugendlichen. Zusätzlich nehmen sich alle fünf während der Woche Zeit, um als Distriktsmissionare zu dienen.
Hema und John hoffen, einmal auf Mission gehen zu können. Für Hema ist es „das Wichtigste, was ich überhaupt tun kann”. Vielleicht muß sie jedoch diesen Plan zunächst aufschieben und, je nach den Wünschen ihres Vaters, der kein Mitglied der Kirche ist, eine von den Eltern arrangierte Ehe schließen. „Ich bitte den Herrn jeden Tag im Gebet, meine Eltern zu bekehren, damit sie mich auf Mission schicken”, sagt Hema. „Eine Mission bedeutet mir viel, aber ich muß meinen Vater ehren.”
Wenn es nach Hema und vielen anderen jungen Frauen ginge, würden sie eine Liebesheirat, bei der sie ihren Ehemann selbst auswählen könnten, der von den Eltern arrangierten Ehe vorziehen. In den Städten Indiens heginnen junge Leute sich zu verabreden, was einst tabu war, so daß die Anzahl der Liebesheiraten zunimmt. Die jungen Frauen in der Kirche hoffen, einen Priesterrumsträger heiraten zu können, der sie einmal in den Tempel führen kann, wobei der nächste Tempel auf den Philippinen ist, tausende von Kilometern entfernt. Inzwischen arbeiten und beten die Mitglieder für den Tag, an dem in Indien ein Tempel der Kirche gebaut wird.
Da es nur so wenige Mitglieder der Kirche gibt und die Entfernung zwischen den Städten so groß ist, können nur wenige junge Erwachsene ein Mitglied der Kirche heiraten. Und für diejenigen, die außerhalb der Kirche heiraten, ist es schwer, aktiv zu bleiben. Dieses Dilemma hat den Missionspräsidenten in Indien veranlaßt, junge Mitglieder einander vorzustellen und Eheschließungen zwischen Mitgliedern zu fördern.

„Wer die Mormonen sind”

Seema John, die eine Mission auf den Philippinen erfüllt hat, betrachtet sich nicht als zurückgekehrte Missionarin. „Ich bin immer Missionarin”, sagt sie. Seema stammt aus Indiens Hauptstadt Neu Delhi, die in Nordindien liegt. In dieser riesigen Metropole, wo fast 10 Millionen Menschen leben, hat die Kirche zwei kleine Zweige. ,Wo ich auch hingehe, mein Zeugnis begleitet mich"
Seetna hat im Manila-Tempel auf den Philippinen die stellvertretende Arbeit für ihre verstorbene Mutter vollzogen, und sie hat unermüdlich daran gearbeitet, ihre Angehörigen zu aktivieren. „Ich bin sehr dankbar, daß ich das Evangelium kenne”, sagt sie. „Es ist schwer, zu wissen, was ich weiß, und keine Familie und Freunde zu haben, die denselben Glauben haben.” Wie viele andere zurückgekehrte Missionare in Indien liebt Seema die Missionsarbeit und die Freude, die Bekehrung und Aktivierung mit sich bringen.
In Bangalore in Vorderindien ist die wachsende Stärke der Kirche den zurückgekehrten Missionaren zu verdanken, die als Priestertumsführer dienen. Der Präsident des Zweiges Bangalore 1, Michael Anthony, sowie seine beiden Ratgeber und sein Führungssekretär haben die Begeisterung, mit der sie ihre Berufung erfüllen, auf Mission erworben. Die Anzahl der Taufen in ihrem Zweig nimmt zu, und die Anwesenheit in der Abendmahlsversammlung beträgt nahezu 80 Prozent.
„Zehn Mitglieder des Zweiges besitzen einen Tempelschein”, sagt Präsident Anthony, der das erste Mitglied der Kirche in Bangalore war. „Die Mitglieder können es sich nicht leisten, in den Tempel zu gehen, aber sie wollen dem Herrn zeigen, daß sie sich bemühen, treu zu sein.”
Die Mitglieder des Zweiges Bangalore 2 haben mit viel Liebe fast alle weniger aktiven Familien in die Kirche zurückgekracht. Zweigpräsident Raja Doraiswamy sagt: „Wie Lehi, der seiner ganzen Familie von der Frucht des Baumes des Lebens geben wollte, haben wir den Wunsch, daß jeder getauft wird und aktiv bleibt.”
Um die Kirche bekannter zu machen, beteiligt sich der Zweig Bangalore gemeinsam mit anderen Kirchen an Projekten des Gemeinwesens. Letzten Dezember sang ein Chor des Zweiges gemeinsam mit anderen Chören bei einer Weihnachtsfeier vor 4000 Menschen. „Sie haben den \Mormonen-Tabernakelchor erwartet, aber wir haben ihnen trotzdem gefallen”, sagt Präsident Doraiswamy. „Die Leute haben gesagt: ,Jetzt wissen wir, wer die Mormonen sind..”`

„Die ersten Früchte”

Heilige Kühe prägen das Bild der Straßen in den Städten und auf dem Land. Moslemische Moscheen rufen die Gläubigen zum Gebet, während Mantras und Rauchfahnen von Hindu-Tempeln zum Himmel aufsteigen. Die Christen versammeln sich in ihren Kirchen, um Loblieder zu singen, und die Sikhs mit dem roten Turban widmen sich ihrer Form der Anbetung.
Vorn Himalaya, den westlichen Wüstengebieten und östlich gelegenen fruchtbaren Ebenen des Nordens über den Deccan bis zur grünen Küstenebene im Süden wird das tägliche Leben in Indien von Ritualen und Andachten geprägt. Als Geburtsstätte des Hinduismus, des Sikhismus, des Buddhismus und des Jainismus ist Indien ein Land mit religiöser Vielfalt. Etwa 83 Prozent der Inder sind Hindus, weitere 11 Prozent sind Moslems. Weniger als 3 Prozent der Bevölkerung sind Christen, von denen die meisten in den südlichen Staaten leben, wo dem Glauben der Inder nach der Apostel Thomas um 50 n. Chr. das Land besuchte.
In dieses religiöse Bild bahnt sich die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ihren Weg. Bedenkt man die traditionelle Haltung der Inder, der eigenen Religion treu zu bleiben, so ist das Wachstum der Kirche in Indien erstaunlich.
In der Vergangenheit haben christliche Missionare oft Menschen bekehrt, indem sie ihnen Essen und Geld angeboten haben. Man bezeichnet sie als „Reis-Christen”. Da in Indien Hunger und Leid immer noch vorherrschen, ist auch heute noch diese „Reis-Christen"-Einstellung zu finden. Die Menschen sind überrascht, wenn sie erfahren, daß diejenigen, die sich unserer Kirche anschließen, es tun, um zu geben und zu dienen und nicht um Almosen zu empfangen.
„Was habe ich davon?' ist eine Frage, die häufig von Untersuchern der Kirche gestellt wird, denen der Geist noch nicht bezeugt hat, daß das Evangelium ihnen viel zu bieten hat, was über das Materielle hinausgeht”, erklärt Ehenezer Solomon, Erster Ratgeber in der Missionspräsidentschaft und Verwaltungsdirektor der Kirche in Indien.
Die Kirche, die offiziell als „Gesellschaft” anerkannt wird, besitzt noch keine Grundstücke oder Gebäude und darf auch keine Eheschließungen vollziehen. Dieser Umstand dient manchen Geistlichen als Argument, um ihren Mitgliedern abzuraten, sich näher mit dem wiederhergestellten Evangelium zu befassen. Dennoch wächst das Interesse an der Kirche, und mittlerweile werden Vorbereitungen dafür getroffen, auch über die englischsprechende Bevölkerung Indiens hinaus tätig zu werden.
Lehrmaterial der Kirche sowie die heiligen Schriften werden derzeit in die Hauptsprachen des Landes übersetzt. Wenn dieses Material einmal in Hindi, Telugu, Tamil und Bengali verfügbar ist, kann das Evangelium etwa 75 Prozent der Bevölkerung verkündigt werden.
Als Elder Neal A. Maxwell vorn Kollegium der Zwölf Apostel im Jahr 1992 den indischen Mitgliedern sagte, daß die Zeit gekommen sei, das Werk in Indien voranzubringen, verstärkten die Mitglieder ihre missionarischen Bentühungen. Heute freuen sie sich über die wachsende Anzahl von Indern, die dem Ruf des guten Hirten folgen.
„Für uns bedeutete es eine Herausforderung, Mitglied der Kirche zu sein, aber wir sind wie eine große Familie”, sagt der frühere Zweigpräsident des Zweiges Hyderabad, Vasanth Raj Braganza. „Indien braucht die Kirche ganz dringend, und wir sind den Missionaren dankbar, die ihre Zeit und Mittel geopfert haben, um unserem Land das Evangelium zu bringen. Die wunderbare Saat, die sie in unser Herz gepflanzt haben, beginnt nun zu wachsen und trägt die ersten Früchte.”

„Die schöne Jahreszeit”
Als die erste Mission in Indien 1856 geschlossen wurde, schrieb der Missionar Robert Skelton über die Menschen, die ihm ans Herz gewachsen waren: „Ich überlasse sie nun der Hand Gottes. Ich bin überzeugt, daß er sie gemäß seiner Vollkommenheit belohnen wird."I
Fast 150 Jahre danach stehen die Missionare und die Mitglieder immer noch vor einer gewaltigen Aufgabe. Doch der Geist berührt die Menschen, und Gott segnet die Glaubenstreuen, die anderen den Weg bereiten.
„Die schöne Jahreszeit für unser Land hat begonnen, die gute Jahreszeit für unser Land hat begonnen”, singt die Bevölkerung des Wüstengebietes Rajasthan, um den Beginn der Regenzeit in Nordindien zu verkünden. Dasselbe verkünden auch die Heiligen der Letzten Tage in Indien. Die Mitglieder, die sich heute der Kirche anschließen, fühlen sich im Gegensatz zu den ersten indischen Mitgliedern nicht mehr wie einsame Wanderer.

ANMERKUNG
„Britische Soldaten und Seeleute waren die ersten HLT-Missionare in Indien”,
Church News, 3. Januar 1959, Seite 12.
Michael R. Morris, Juni 1996

„Ein unvergleichliches Gefühl”
Laxhmi Tulaseeswari Mada spricht mit Hochachtung über die Missionare, die sie zur Kirche gebracht haben. Von ihnen erfuhr „Tulasee”, daß sie ein Kind Gottes ist. „Vorher hielt ich mich für ziemlich wertlos”, sagt sie. „Aber jetzt habe ich das Evangelium. Ich weiß, daß ich eine Tochter Gottes bin.”
Vor ihrer Bekehrung wurde Tulasees Leben wie das vieler indischer Frauen von den letzten Überbleibseln der alten Traditionen geprägt, wonach Frauen verschleiert und abgesondert leben mußten, um den Anstand zu wahren. Tulasee, die von Stiefeltern aufgezogen und als Kind und Jugendliche mißhandelt wurde, besaß wenig Selbstachtung und hatte keine Hoffnung für die Zukunft. „Ich habe oft geweint, auch im Herzen”, sagt sie über ihr Leben vor der Bekehrung.
Die Erkenntnis, daß sie in den Augen Gottes wertvoll ist, brachte Tulasee, die so viel Kummer erlebt hatte, Trost und Heilung, aber sie zögerte, ihren Eltern von ihrer Taufe zu erzählen. Ihr Vater, ein bekannter Guru, also ein geistlicher Lehrer im Hinduismus, bemerkte die Veränderung an ihr und wollte wissen, warum sie so glücklich zu sein schien. Als er herausfand, daß sie seinen Glauben verworfen hatte, fühlte er sich entehrt und wollte nichts mehr mit ihr zu tun haben.
Tulasee sagt, die Erkenntnis, daß sie ewig leben und erhöht werden kann, habe sie veranlaßt, die Berufung als Distriktsmissionarin in Rajahmundry anzunehmen. „Das Wissen, das ich erlangt habe, ist genau das, was mein Volk braucht”, sagt Tulasee, die nach einer Hindu-Göttin benannt wurde. Sie behält ihren Vornamen, denn „die Leute sollen wissen, daß ich eine Bekehrte bin. Ich liebe die Missionsarbeit, aber es ist sehr schwer für mich, in Rajahmundry als Missionarin zu arbeiten, weil die Leute wissen, wer ich bin.'
Außerdem ist es schwer, weil Tulasee eine Frau ist. Daß Frauen als Missionarinnen das Evangelium verkündigen, ist für manche indischen Männer nicht nur ungewöhnlich, sondern untragbar. Männliche Untersucher sind oft überrascht zu erfahren, daß sie ohne ihre Frau nicht erhöht werden können. Innerhalb der Kirche führt die Lehre von der ewigen Ehe zu mehr Achtung vor der Frau und hilft vielen in ihrer Ehe, die in den meisten Fällen von den Eltern arrangiert worden ist.
Heute spiegeln Tulasees Gesicht und ihre helle Kleidung ihren neugewonnenen Optimismus und ihre Selbstachtung wider. Nach ihrer Taufe und der Spendung des Heiligen Geistes empfand sie „ein unvergleichliches Gefühl wie ich es nie zuvor erlebt habe. Jeder braucht dieses Gefühl”, sagt sie.
„Durch den Heiligen Geist hat Gott mir wichtige Antworten gegeben. Ich diene ihm gern und muß einfach Zeugnis geben.”

17:52 - 17.04.2008


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