Mormonen - Das Evangelium in aller Welt

Estland

Zum Zeugnisgeben berufen
Jaanus Silla besuchte die letzte Klasse der weiterführenden Schule in Hariumaa in Estland, als er anfing, ernsthaft über Religion nachzudenken. Obwohl er in einem Land wohnte, in dem kaum jemand Gott verehrte, wußte Jaanus doch etwas über Religion Bescheid. Seine Mutter hatte ihn nämlich gelehrt, an Gott zu glauben, und als er noch klein gewesen war, waren sie zu Weihnachten gemeinsam in eine christliche Kirche gegangen. Vorher hatten sie aber noch den Weihnachtsbaum mit Kerzen geschmückt und dann auf Jouluvana, wie der Weihnachtsmann in Estland heißt, gewartet.
Es war noch gar nicht lange her, da hatte Jaanus sogar zum ersten Mal gebetet, nämlich als er über seine Zukunft nachgedacht hatte. Dieses Gebet war zwar nur kurz gewesen, aber doch von Herzen gekommen: „Vater im Himmel, wenn es dich gibt, dann hilf mir bitte.” Jaanus schloß die Schule ab und fing an, in einem Fotostudio zu arbeiten, wo er Filme entwickelte und Fotografieren lernte. Und er suchte weiter nach geistiger Wahrheit. Inzwischen war auch Estland von den politischen Umwälzungen ergriffen worden, und die Bürger stellten ihre Regierung zum erstenmal offen in Frage.
Eines Abends waren Jaanus und einige seiner Freude mit der estnischen Flagge zu einem Treffen unterwegs, wo patriotische Lieder gesungen wurden. Unterwegs sahen Polizisten die Flagge und jagten den Jungen nach. Als sie sie eingeholt hatten, zerrissen sie die Flagge in tausend Stücke; Jaanus und seine Freunde jedoch kamen mit einer Ermahnung davon. Auch das Verhalten der Polizisten hatte sich schon sehr zum Positiven gewandelt.
„In Estland liegt etwas ganz Besonderes in der Luft”, sagte Jaanus später aufgeregt zu seiner Mutter. „Die Menschen sind patriotischer geworden und voller Hoffnung.”
1989, einige Wochen vor Weihnachten, lernte Jaanus dann den dreißigjährigen Enn Lembit kennen. Dieser erzählte ihm von einem neuen Zeugnis von Christus und von Propheten, die heute ihre Stimme erheben. „Komm mit zu mir; dort können wir dir mehr über diese neue Lehre sagen.”
Jaanus dachte: „Man stelle sich das nur vor — ein Prophet, der heute hier auf der Erde zu den Menschen spricht!” Voll aufgeregter Vorfreude ging er mit seinen Freunden zu Enn Lembit.
Beim ersten Treffen erklärte Enn Lembit: „Valtteri Rötsä, mein Schwiegervater, hat sich in Finnland zur Mormonenkirche bekehrt. Als er dann später mit seiner Familie nach Estland zurückgekehrt ist, hat er viel Literatur über den Glauben der Mormonen mitgebracht.” Enn strahlte förmlich vor Begeisterung, als er Jaanus und den anderen vom Evangelium erzählte.
Ungefähr eine Stunde später schlug Bruder Uusituba, ein Geschäftsmann aus Finnland, vor, daß sie beten und Gott fragen sollten, ob die Kirche wahr sei.
Jaanus dachte: „Ich fühle mich wohl hier, und was er sagt, gefällt mir.” Als sie beteten, spürte er Wärme in sich aufsteigen und fühlte, daß das Evangelium wahr ist. Später erzählte er seiner Mutter davon, und gemeinsam besuchten sie die erste Abendmahlsversammlung, die in Estland abgehalten wurde.
Am 16. Dezember 1989 ließ Enn Lembit sich taufen. Er war der erste Bekehrte in Estland. Jaanus und seine Mutter wurden am 6. Januar 1990 getauft.
Voller Begeisterung für ihre neue Religion nahmen Jaanus und sein Freund Urmas Raavk sich vor, das Evangelium weiterzuverbreiten. Sie unterhielten sich mit mindestens fünfzig Menschen auf der Straße und klopften wohl an die zwanzig Türen. Sie versuchten, wie Missionare zu sprechen, und erzählten von Joseph Smith und dem Buch Mormon. Die Missionare fragten Jaanus später: ,Warum habt ihr das getan? Wer hat euch das Recht gegeben, so zu tun, als ob ihr Missionare seid?"
„Wir wissen aus der Bibel, daß jeder ein Missionar sein muß”, gab Jaanus zur Antwort. „Ich möchte so gerne Missionsarbeit leisten, und deshalb fällt es mir schwer, bis zu meiner eigenen Missionsberufung zu warten.”
Die Missionare lächelten. „In einer neuen Mission müssen wir sehr vorsichtig sein; wir gehen zuerst nur zu den Menschen, die uns von Mitgliedern empfohlen worden sind", erklärten sie. Präsident Steven R. Mecham von der Mission Helsinki-Ost sagt, daß diese Taktik eine wichtige Voraussetzung für die Anerkennung der Kirche von seiten der estnischen Regierung gewesen sei. Das Evangelium durfte nur vorsichtig verkündigt werden, damit sich niemand angegriffen fühlte. Von da an arbeiteten Jaanus und Urmas mit den Missionaren zusammen.
Im Frühling 1990 weihte Elder Russell M. Nelson vom Kollegium der Zwölf Apostel Estland für die Verkündigung des Evangeliums. Am 29. Juni desselben Jahres erkannte die Regierung die Kirche offiziell an.
Die Landesgesetze verlangten, daß ein einheimisches Mitglied, das nicht einer estnischen Zweigpräsidentschaft angehörte, die Petition auf Anerkennung der Kirche unterzeichnete. Deshalb bat Präsident Mecham Jaanus, als Sprecher der Kirche beim für Religion zuständigen Minister zu erscheinen und die Petition zu unterzeichnen.
Jaanus war sehr überrascht. „Es gibt doch so viele andere Mitglieder, die das tun könnten.”
„Wir möchten aber gerne, daß du als Beauftragter der Kirche die Petition unterzeichnest, weil du nämlich so viele Führungseigenschaften besitzt”, gab Präsident Mecham zur Antwort.
Jaanus bestätigte dem Minister, daß die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage eine gesetzmäßige Kirche ist, die den Menschen im Land helfen will und deren Programme nicht im Widerspruch zu den Gesetzen der Regierung stehen.
Dann nahm Jaanus den Füllhalter und dachte daran zurück, wie er die erste Versammlung der Kirche in Estland und die erste offizielle Abendmahlsversammlung besucht hatte und als einer der ersten Jugendlichen getauft worden war. Unter seine Unterschrift wurden dann noch zwanzig weitere Unterschriften gesetzt.
Barbara Lewis, September 1995

17:23 - 17.04.2008


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