Mormonen - Das Evangelium in aller Welt

Ungarn

Oben auf dem Gellért-Berg, hoch über dem schönen Budapest, suchen zwei Missionarinnen nach einer einsamen Stelle im Wald, wo sie allein und unbeobachtet sind. Dann schlagen sie die heiligen Schriften auf und ziehen einen mit Schreibmaschine gerippten Brief hervor — die Kopie eines apostolischen Segens, der erst vor kurzem ins Ungarische übersetzt wurde. Diesen Segen sprach Elder Russell M. Nelson vom Kollegium der Zwölf im April 1987 in Ungarn aus, und zwar auf dem Gellért-Berg, von wo aus man auf die Donau hinabschauen kann und auf der einen Seite die Hügel von Buda und auf der anderen Seite die Ebene von Pest sieht. Dort sprach Elder Nelson dieses Gebet und bat den Herrn, seine Segnungen auf das Land und seine Bewohner auszugießen. Die Missionarinnen haben sich inzwischen niedergekniet und lesen das Gebet laut in ihrer Muttersprache vor. Ein warmer Wind läßt die Blätter über ihnen rascheln, und vom wolkenlosen Himmel scheint die Sonne auf sie herab. Die Missionarinnen sind in Wärme und Frieden eingehüllt.
Schwestern. Schon allein dieses Wort gefällt ihnen. Erika Nagy und Bernadett Pálinkás sind Schwestern im Evangelium. Dabei haben sie sich erst auf Mission kennengelernt. Doch zwei leibliche Schwestern könnten sich nicht näherstehen als die beiden, denn sie haben dasselbe Ziel und spüren denselben Geist. Ihre Mission ist ein historisches Ereignis, denn die beiden sind die ersten Ungarn, die in ihrer Heimat eine Mission erfüllen.
Schwester Pálkinkás sagt: „Ich finde es immer noch unbegreiflich, daß wir Ungarn jetzt das Evangelium hören und dann Missionsarbeit leisten dürfen.” Und die Ereignisse, die dieses möglich gemacht haben, sind tatsächlich ein Wunder. Fast 40 Jahre lang war Ungarn ein von Kommunisten beherrschter sozialistischer Staat, in dem es keine Religionsfreiheit gab. Im Juni 1988, gerade einmal ein Jahr nach dem Weihungsgebet Elder Nelsons, wurde die Kirche in Ungarn offiziell anerkannt. Im Oktober 1989 wurde Ungarn Demokratie, und im Juli 1990 wurde in Budapest eine Mission der Kirche eingerichtet. Schwester Nagy und Schwester Pálinkás ließen sich 1992 im Abstand von einem Monat taufen.
„Ich glaube, Elder Nelson war ein Werkzeug in der Hand des Herrn, als er diesen Segen sprach”, meint Schwester Nagy. „Als ich ihn heute wieder gelesen habe, mußte ich an die vielen Missionare denken, die jetzt hier sind, und auch an die Missionare, die noch nach uns kommen werden. In diesem Gebet ist von ihnen allen die Rede. Ich mußte auch an die jungen Leute denken und an die Pfähle und Gemeinden, die es laut Elder Nelsons Prophezeiung in Ungarn geben wird. Außerdem mußte ich an die ungarische Nationalhymne denken, die mit den Worten ,Gott segne die Ungarn' beginnt. Gott hat uns Ungarn wirklich gesegnet!”
Schwester Páilinkás fügt ergänzend hinzu: „Natürlich sind wir Heiligen der Letzten Tage nicht die einzigen, die in Ungarn Missionsarbeit leisten. Es sind auch Missionare von vielen anderen Kirchen hier. Das ist für die Menschen nicht einfach. Nachdem lange Zeit alles verboten war, herrscht jetzt absolute Religionsfreiheit, und die Menschen sind ein wenig ängstlich und verwirrt und mit den vielen verschiedenen Kirchen überfordert. Deshalb wollen viele auch keine Entscheidung treffen.”
„Deshalb ist es so wichtig, wie wir das Evangelium verbreiten. Wenn wir das nämlich voller Liebe tun – voll christlicher Liebe – und den Menschen zeigen, daß sie uns wichtig sind und wir nur aus diesem Grund leisten, dann kann es wohl niemanden auf der Welt geben, der davon nicht berührt ist."

Schwester Bernadett Pálinkás: „Etwas hat gefehlt”
Beide Missionarinnen haben die religiöse Verwirrung und Unsicherheit selbst erlebt, die manche ihrer Untersucher empfinden. Bernadett Pálinkás stammt aus Dunaújváros, einer Industriestadt, die Joseph Stalin als Musterstadt für den Kommunismus erbauen ließ. Lange Jahre gab es dort nicht eine einzige Kirche. „Meine Eltern glauben nicht an Gott”, sagt Bernadett. „Aber ich habe mich ihm immer irgendwie nahe gefühlt und gespürt, daß er mich liebt.
Ich habe oft darüber nachgedacht, warum ich hier auf der Erde war, worin der Zweck des Lebens besteht, warum ich gerade in Ungarn geboren bin und nirgendwo sonst und warum gerade zu dieser Zeit und nicht früher oder später. In meinem Leben hat etwas gefehlt, aber ich wußte nicht genau, was.
Als Bernadett fast 20 Jahre alt war, kamen zwei amerikanische Missionare in das Geschäft, wo sie Büromaterial verkaufte. „Meine Kollegen und ich sahen auf den ersten Blick, daß die beiden anders waren als andere junge Männer”, sagt sie. „Sie strahlten etwas aus, und das machte mich neugierig. Ich wollte unbedingt wissen, wer sie waren und was sie hier in Ungarn machten. Irgendwie hatte ich das Gefühl, sie könnten mir etwas zeigen, was ich noch nicht kannte, aber unbedingt wissen mußte.”
Bernadett und eine Kollegin verabredeten einen Termin für die erste Missionarslektion. Die Freundin verlor zwar rasch das Interesse, aber Bernadett ging am darauffolgenden Sonntag allein zur Abendmahlsversammlung und ließ sich einen Monat später — am 22. August 1992 — taufen. Eineinhalb Jahre später wurde sie auf eine Vollzeitmission berufen. Aus ihrer Familie hat sich bisher noch niemand taufen lassen.
Bernadetts Eltern sind nicht besonders froh über die Entscheidung ihrer Tochter, sich taufen zu lassen und auf Mission zu gehen. „Es tut ihnen weh, weil sie nicht verstehen, was ich tue und warum ich es tue, obwohl ich versucht habe, es ihnen zu erklären. Als ich mich entschlossen hatte, auf Mission zu gehen, wollte ich als erste., meine Eltern näher zur Kirche führen. Aber jetzt weiß ich, daß jeder seinen Weg zu Gott selbst gehen muß und daß der eine länger braucht als der andere. Ich schreibe meinen Eltern jede Woche und bete immer für sie.”
Bernadett hat zwar nichts von ihrer Familie gehört, aber sie ist dankbar für die Briefe der Mitglieder ihres Heimatzweigs, besonders für die Briefe der jungen Leute. Und auf Mission erfährt sie viel Unterstützung. Ihr erster Zonenleiter war der Missionar, der sie eineinhalb Jahre zuvor in Dunaújváros getauft hatte. „Als er mich taufte, hatte er seine Mission gerade erst begonnen”, sagt sie. „Jetzt hatte ich meine Mission gerade erst begonnen, und er besaß schon viel Erfahrung. Ich war sehr stolz, daß ich zur selben Zeit auf Mission sein durfte wie er.”

Erika Nagy: „In einer Stadt mit über zwei Millionen Einwohnern!”
Im April 1992 war Erika Nagy 20 Jahre alt und wohnte mit ihren Eltern und ihren Geschwistern in Nyiregyhára. Ein Freund bat sie, sich anzuhören, was die Missionare zu sagen hatten. Erikas Vater, ein begeisterter Christ, hatte seine Familie in bezug auf Gott unterwiesen, und die ganze Familie war an dem betreffenden Tag bereits in der Kirche gewesen. „Aber als die beiden Missionare zur Tür hereinkamen und uns begrüßten — meine Eltern und uns acht Kinder – spürten wir ein unerklärliches Glücksgefühl, das wohl auf den Geist zurückzuführen ist, den sie ausstrahlten.”
Erika erzählt, daß die Familie wegen dieses Geists rasch mit den Missionaren Freundschaft schloß. „Es war schön, wie sie uns zeigten, wieviel wir ihnen bedeuteten – meine jüngeren Geschwister, wir älteren Kinder und meine Eltern. Sie sprachen voller Liebe und Achtung von ihren Eltern. Da dachten wir uns, wie schön es wäre, wenn auch wir anderen Menschen eines Tages soviel Liebe entgegenbringen könnten. Als die Missionare anfingen, über Gott und Jesus Christus zu sprechen, entwickelte sich zwischen uns ein herzerwärmendes Gespräch.”
Aber nach der zweiten Lektion riß der Kontakt zu den Missionaren plötzlich ab. Zuerst wurde nämlich der eine Missionar versetzt, und dann mußte die Familie unverhofft nach Budapest umziehen. „Jeden Abend versuchte ich zu beten, so gut ich eben konnte. Ich bat Gott, uns jemanden zu senden, mit dem wir über das sprechen konnten, was die Missionare uns erklärt hatten.”
Zwei Monate nach dem Umzug nach Budapest erlebte Erika einen jener berühmten Tage, an denen alles schiefzugehen scheint. Zuerst verpaßte sie den Bus und mußte im strömenden Regen zu Fuß gehen. Als sie endlich eine U-Bahn-Station erreichte, war sie ziemlich niedergeschlagen. „Aber während ich auf die U-Bahn wartete, sah ich plötzlich zwei Missionare — uncl der eine war der Missionar, der uns in Nyiergyhára im Evangelium unterwiesen hatte! Ich konnte es nicht glauben — in einer Stadt mit über zwei Millionen Einwohnern!”
Die Missionare begannen umgehend, mit der Familie die übrigen Lektionen durchzunehmen, und Erika ließ sich – allein – am 13. September 1992 taufen, nur fünf Monate nach dem ersten Zusammentreffen mit den Missionaren. Bis Dezember hatten sich noch weitere sieben Mitglieder ihrer zehnköpfigen Familie taufen lassen. Und sie ist sicher, dass die übrigen drei sich auch noch taufen lassen werden. „In jedem Brief sende ich ihnen einen geistigen Gedanken, und sie machen Fortschritt”, sagt sie lächelnd.
Ein Jahr nach ihrer Taufe wurde Erika berufen, in Ungarn eine Mission zu erfüllen. „Ich habe mich sehr gefreut, daß ich berufen wurde, meine Landsleute in meiner Muttersprache im Evangelium zu unterweisen. Aber ich habe mich auch gefragt, ob ich wirklich würdig war, als erste Ungarin in meiner Heimat eine Mission zu erfüllen, und ob ich den Menschen das geben konnte, was sie brauchten. Ich habe darüber gebetet, und es sind viele verschiedene Gefühle auf mich eingeströmt. Mir wurde deutlich bewußt, daß Gott mich und meine Familie liebt. Ich fühlte mich ihm sehr nahe.”

Sie dienen voller Liebe

Wenn die beiden Missionarinnen von ihren Erlebnissen auf Mission erzählen, wird ganz deutlich, daß der Herr sie in reichem Maß segnet. Bernadett erzählt: „Als ich zu Beginn meiner Mission in meine erste Stadt kam, schauten meine Mitarbeiterin und ich in unseren Terminkalender. Aber dort war nichts eingetragen. Ich sagte: ,O weh, was sollen wir nur tun?' Also gingen wir hinaus und begannen, fleißig zu arbeiten. Heute weiß ich, daß ein leerer Tag im Terminkalender keine Katastrophe ist. Wir denken vielmehr: ,Kein Problem; wir werden trotzdem drei, vier Lektionen durchnehmen.'
Und dann bitten wir den Herrn, uns diesen rechtschaffenen Wunsch zu erfüllen. Ich habe erfahren, daß der Herr uns dabei hilft, wenn wir ihn mit wirklichem Glauben und festem Vorsatz bitten, vorausgesetzt, es entspricht seinem Willen.”

Der schönste Lohn für die Missionarinnen ist es, wenn sie miterleben, wie sich jemand ändert und sich taufen läßt. „Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie aufgeregt ich war, als meine erste Taufe bevorstand”, erzählt Bernadett. „Mir war, als könne ich fliegen, so glücklich war ich. Es war ein herrliches Gefühl, daß aus dem Untersucher jetzt ein Mitglied der Kirche des Herrn werden sollte und daß ich selbst und viele andere Mitglieder von ihm lernen konnten.”
Für die beiden Missionarinnen ist die Verkündigung des Evangeliums in Ungarn sowohl Anfang als auch Ende. „Das Evangelium ermöglicht uns Ungarn einen neuen Anfang”, sagt Bernadett. ,Wir haben die Möglichkeit, Gott und sein Evangelium und auch uns selbst zu erkennen. Vielleicht trägt das dazu bei, daß das Gefühl mancher Menschen, sie müßten sich von allen anderen zurückziehen und könnten einander nicht liehen, ein Ende hat."
Erika fügt an: „Wegen des Evangeliums fallen hohe Mauern und öffnen sich viele Tore. Im Laufe der Jahre haben wir viele Mauern errichtet, die uns vor dem schützen sollten, was um uns herum vorging. Dabei gingen Liebe und Brüderlichkeit verloren. Aber das Evangelium trägt dazu bei, daß sich das Tor zu Liebe und Dienen wieder öffnet.”
Marvin K. Gardner, Mai 1996

Seminarunterricht an der Donau
Marvin Gardner im April 1995
Wenn wir den Namen Donau hören, denken wir wohl gleich an Geigenmusik und an die Namen der Städte an der schönen blauen Donau.
In den letzten Jahrzehnten jedoch war in Dunaújváros in Ungarn, das auch an der Donau liegt, keine fröhliche Musik mehr zu hören. Vor 1949 war Dunaújváros noch ein kleines Dorf und trug den Namen Dunapentele. Dann aber verwandelte Josef Stalin das Dorf in eine kommunistische Musterstadt. Er nannte es „Sztálinváros” (Stalinstadt) und brachte Tausende von Arbeitern aus dem ganzen Land dorthin, so daß eine reine Arbeiterstadt entstand. Zahllose riesige Fabriken spuckten dunkle Rauchwolken in den Himmel, und ein grauer Betonwohnblock nach dein anderen wuchs empor. Die Stadt war so gebaut, daß sie maximalen Ertrag garantierte; das Leben darin lief ausschließlich nach praktischen Gesichtspunkten ab. Aber es fehlte an Schönheit. Außerdem gab es in Stalins Musterstadt nicht eine einzige Kirche. Religions-, Presse- und Versammlungsfreiheit waren Fremdwörter, und eine ganze Generation wuchs auf, ohne jemals von Gott und von seinem Sohn, dem Erlöser, gehört zu haben.
Aber in den letzten Jahren haben sich in Ungarn erstaunliche Veränderungen vollzogen. 1987 sprach Elder Russell M. Nelson einen Apostolischen Segen über das Land. 1988 wurde die Kirche in Ungarn offiziell anerkannt. 1989 wurde Ungarn Demokratie. 1990 wurde dann die Mission Budapest gegründet. 1991 wurde das Buch Mormon in ungarischer Sprache veröffentlicht, und im Juni 1993 kam die erste Ausgabe der Zeitschrift der Kirche in der Landessprache heraus.
Im ganzen Land vollzogen sich umwälzende Veränderungen, auch in der kommunistischen Musterstadt. Nach Stalins Tod gaben die Bewohner von Sztálinváros ihrer Stadt einen neuen Namen, nämlich „Dunaújváos” (Neustadt an der Donau). Die Stadt ist zwar noch immer ein Industriezentrum, aber jetzt, nachdem das Land eine Demokratie geworden ist, herrscht dort Hoffnung. Die Freiheit ist für die meisten Bewohner immer noch ein kostbares Gut.
Die ersten Taufen der Kirche gab es 1989 in Dunaúváos. In den sechs Jahren, die seitdem vergangen sind, haben sich viele Menschen taufen lassen. Heute gibt es dort 230 Mitglieder und zwei Zweige. Ein neuer Klang erfüllt die Luft — nämlich der Klang der Stimmen junger Mitglieder, die das Evangelium kennenlernen, sich daran freuen und andere daran teilhaben lassen.

So wie die Mitglieder zur Zeit Joseph Smiths
Andrá Csapó st gehört zu den ersten, die sich der Kirche angeschlossen haben. Er ließ sich 1989 im Alter von 15 Jahren taufen und ist jetzt Seminarlehrer des Zweiges Dunaúváos Il. Außerdem bereitet er sich darauf vor, eine Vollzeitmission zu erfüllen.
Heute abend sind 13 Schüler zum Seminarunterricht gekommen. Sie stellen ihre Stühle um einen Tisch herum, auf dem mehrere Exemplare des Buches Mormon liegen, denen man ansieht, daß viel darin gelesen wird. Dann singen sie das Lied „Ich bin ein Kind des Herrn”, und ein Mädchen spricht das Anfangsgebet.
Weil es die Kirche in Dunaúváos erst seit kurzem gibt, sind alle Seminarschüler auch erst seit kurzer Zeit Mitglied. Sieben Schüler gehören seit zwei Jahren der Kirche an, fünf erst seit einem Jahr. Drei haben sich als einzige in ihrer Familie der Kirche angeschlossen, und vier haben ihre Eltern zur Kirche gebracht.
Irgendwie sind alle einander verbunden. Mehrere Schüler haben sich taufen lassen, weil ein anderer Schüler ihnen vom Evangelium erzählt hat. Es ist schon beeindruckend, wieviel Zuneigung und Einigkeit in der Klasse herrschen. Aber natürlich kommen Humor und Lachen auch nicht zu kurz.
Die Seminarschüler spüren den gleichen Geist, den auch die Mitglieder zu Lebzeiten Joseph Smiths empfunden haben müssen. Das Evangelium ist für sie etwas Neues und Schönes; sie haben entdeckt, daß es wahr ist, und dann anderen davon erzählt. Sie erleben, wie etwas Wunderbares, etwas Erhebendes beginnt, etwas, das einmal die ganze Erde erfüllen soll!

Eine neue Gabe
Zwei Mädchen in der Klasse heißen beide Brigitta und sind beide 16 Jahre alt. „Brigitta Seres, meine Klassenkameradin, hat mir von der Kirche erzählt”, sagt Brigitta Bozö. „Dann bin ich mit ihr zur Abendmahlsversammlung gegangen und habe in der Kirche viele Freundinnen gefunden. Später wurde eine Jugendtagung veranstaltet, und ich wollte unbedingt dabeisein. Während dieser Tagung habe ich zum ersten Mal deutlich gespürt, daß ich dieser Kirche angehören sollte. Eine Woche später habe ich mich taufen lassen.” Zwei Monate nach Brigitta ließen sich auch ihre Mutter und ihr fünfzehnjähriger Bruder László taufen. (Brigittas Vater ist vor sechs Jahren gestorben.) „Jetzt sind wir alle drei Mitglieder der Kirche. Ist das nicht herrlich?”
Brigitta Seres, ihre Klassenkameradin, meint dazu: „Zuerst dachte ich, daß nur Brigitta sich der Kirche anschließen würde. Ich war ziemlich erstaunt, als sich dann auch ihre Familie taufen ließ.”
Als ein Klassenkamerad, der der Kirche angehörte, den sechzehnjährigen Attila Horváth zur Abendmahlsversammlung einlud, war dieser gleich begeistert. „Und als mein Freund mir dann erklärte, daß in der Kirche die Familie im Mittelpunkt steht, wurde mein Interesse noch größer.” Innerhalb weniger Wochen ließ Attila sich taufen.
Drei Monate darauf wollte sich auch sein Vater im Evangelium unterweisen lassen. Attila erzählt: „Damals wußte ich schon soviel über die Kirche, daß ich meinem Vater einiges erklären konnte. Was ich im Seminar gelernt hatte, half mir, ihm die heiligen Schriften zu erklären. Aber weil er rauchte und viel Kaffee trank, glaubte ich nicht daran, daß er sich taufen lassen würde. Deshalb war ich sehr erstaunt, als ich merkte, wie es ihm mit der Hilfe des himmlischen Vaters gelang, sich davon freizumachen. Zwei Monate später habe ich meinen Vater getauft!
Als meine Mutter dann sah, wie wohl Vater und ich uns in der Kirche fühlten, begann auch sie, sich für das Evangelium zu interessieren. Drei Monate nach meinem Vater konnte ich auch sie taufen! Am nächsten Tag sind wir alle gemeinsam zur Kirche gegangen und haben Zeugnis gegeben. Ich kann gar nicht in Worte fassen, was ich dabei empfunden habe.”

Einer hilft dem anderen
Die jungen Leute, die sich zum Evangelium bekehrt haben, helfen einander, stark zu bleiben. Im letzten Sommer haben die neunzehnjährige Kinga Klein und ein anderes junges Mädchen eine Arbeitsstelle in einer anderen Stadt angenommen. „Dort gab es keine Mitglieder – nur uns beide und den Rest der Welt”, erzählt Kinga. „Wir mußten viel durchstehen. Aber wenn wir abends von der Arbeit nach Hause gekommen sind, haben wir gemeinsam gebetet und gemeinsam im Buch Mormon gelesen und Briefe von unseren Freunden in Dunaújváros gewartet. Das hat uns geholfen, diese schwierige Zeit zu überstehen.”
Gábor Balatoni und Péter Borsos sind beide achtzehn Jahre alt. Sie haben etwas Ähnliches erlebt, als sie eine Arbeitsstelle in einer anderen Stadt angenommen haben. Gábor erzählt: „Alle in unserer Umgebung rauchten, tranken und fluchten und hatten noch weitere schlechte Angewohnheiten. Zuerst war das sehr schwer für uns. Aber dann haben wir einen Ort gefunden, wo wir jeden Tag gemeinsam beten konnten. Das hat uns sehr geholfen.”
Eines Nachmittags war die sechzehnjährige Krisztina Vereckei allein zu Hause. „Ich spüre so gerne den Heiligen Geist”, erzählt sie. „Aber an diesem Nachmittag konnte ich nichts spüren, und das fehlte mir sehr.” Sie versuchte, den Geist einzuladen, indem sie Musik der Kirche hörte, im Buch Mormon las und betete. Aber irgendwie konnte sie den Geist noch immer nicht spüren.
„Da bin ich zu meiner Freundin Brigitta Seres gegangen und habe sie gefragt, ob sie Lust hätte, mit mir spazieren zu gehen. Während des Spaziergangs haben wir über Jesus Christus und den himmlischen Vater gesprochen. Ohne viel darüber nachzudenken, habe ich ihr Zeugnis gegeben, und sie hat mir Zeugnis gegeben. Wir haben bestimmt zwei, drei Stunden auf einer Parkbank gesessen und über unser Zeugnis gesprochen. Während wir dasaßen und viele Leute an uns vorbeigingen, haben wir uns vorgestellt, der himmlische Vater schaue auf uns herab und sei stolz auf uns, weil wir über ihn sprachen. Ich spürte den Heiligen Geist und merkte, daß mein Zeugnis noch fester geworden war. Hinterher war ich richtig glücklich.”

„Niemand konnte schlafen”
Ein Meilenstein in der kurzen Geschichte der Kirche in Ungarn war die Jugendtagung in Budapest im Sommer 1993. Fast 200 junge Mitglieder aus ganz Ungarn waren gekommen. Es gab Talentevorführungen, Sportaktivitäten und Workshops. Aber den Höhepunkt bildete die vierstündige Zeugnisversammlung.
„Man kann gar nicht in Worte fassen, wie schön die Zeugnisse waren”, meint die achtzehnjährige Nikoletta Valkai. „Jeder mußte weinen. Der Heilge Geist war mit uns. In der darauffolgenden Nacht konnte niemand schlafen, und am Morgen wären wir alle am liebsten noch dageblieben. Aber dann war die Tagung nach dem Schlußgebet beendet, und wir fuhren alle ziemlich traurig nach Hause. Aber irgendwie waren wir auch glücklich. Wir waren einander so nah, daß wir während der ganzen Busfahrt zurück nach Dunaújváros ein Lied nach dem anderen sangen. Auch hier war der Heilige Geist mit uns.”
Das Seminar bietet den jungen Leuten regelmäßig die Möglichkeit, ihr Zeugnis zu festigen und miteinander eins zu werden. „Es gibt zwei Gründe dafür, daß das Seminar so wichtig ist”, erklärt die sechzehnjährige Eva Borsos. „Erstens: Wenn man sich auf den Seminarunterricht vorbereitet, muß man regelmäßig im Buch Mormon lesen. Und das ist gut so. Zweitens: Das Seminar gibt uns die Möglichkeit, zusammen zu sein. Die jungen Leute im Zweig sind stark und einander sehr nah, und das hat nur das Seminar bewirkt. Wenn wir einander Zeugnis geben – und das tun wir häufig –, ist das ein sehr schönes Erlebnis. Vor ungefähr einer Woche hatten wir im Unterricht eine Zeugnisversammlung, und der Geist war sehr stark. Ich habe das gleiche empfunden wie auf der Jugendtagung. Daraus schöpfe ich sehr viel Kraft.”

„Mir war, als hätte der Tempel gar kein Dach!”
Ein weiterer wichtiger Meilenstein war die Fahrt zum Freiberg-Tempel im April und dann noch einmal im August 1994, wo sich die jungen Leute für die Verstorbenen taufen ließen. Junge Mitglieder aus ganz Ungarn drängten sich in die Busse und machten die 22stündige Reise mit. Als sie wieder zu Hause waren, hatten sie nur einen Wunsch: sie wollten allen davon erzählen, damit auch sie selbst erleben konnten, wie schön der Tempelbesuch ist.
„Ich weiß nicht, für wen ich alles getauft worden bin und wann die Betreffenden gelebt haben”, meint die achtzehnjährige Zsuzsanna Somodi. „Aber während der Taufen habe ich plötzlich ganz stark den Heiligen Geist gespürt. Mir war, als habe der Betreffende das Evangelium in der Geisterwelt angenommen und nur darauf gewartet, daß sich jemand hier auf der Erde für ihn taufen ließ. So ein schönes Gefühl habe ich weder vorher noch nachher wieder gehabt.”
Peter Borsos, der ebenfalls achtzehn Jahre alt ist, erzählt: „Als ich im Tempel war, hatte ich das Gefühi, der Tempel habe gar kein Dach und stände in direktem Kontakt zum Himmel!”

„Die Gewißheit, daß der himmlische Vater einen liebt."
Das Evangelium finden — sich daran erfreuen — andere Menschen daran teilhaben lassen.
„Es gibt nichts Schöneres auf der Welt als die Gewißheit, daß der himmlische Vater einen liebt”, sagt die sechzehnjährige Krisztina Vereckei.
Diese Seminarschüler in Ungarn, die in ihrer Stadt an der Donau ein neues Lied singen, haben diese Gewißheit.

17:08 - 19.04.2008


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