Mormonen - Das Evangelium in aller Welt

Chile

Ein fruchtbarer Weingarten
In Chile, wo von 38 Einwohnern einer der Kirche angehört, bringt die Missionsarbeit eine überreiche Ernte hervor.

Als „Fremde in einem fremden Land," hatten die ersten Missionare der Kirche in Chile mit großen Vorurteilen zu kämpfen. Nach den Worten von Elder Parley P. Pratt vom Kollegium der Zwölf Apostel waren es der Bürgerkrieg sowie „ein leerer Geldbeutel und eine unvollkommene Zunge”, die ihn`, seine Frau Phebe und Elder Rufus C. Allen daran hinderten, „die Schlüssel des Evangeliums für dieses Land im Schloß herumzudrehen". Fünf Monate nach der Ankunft in Valparaiso am 8. November 1851 verließen die drei das Land wieder, ohne einen einzigen Menschen getauft zu haben. Sie waren jedoch lange genug dagewesen, um die atemberaubende Schönheit des Landes in sich aufzunehmen. Elder Pratt berichtet in seinem Tagebuch von den Obstgärten, den Farmen und den Weingärten des wunderschönen Aconcagua-Tals, das so fruchtbar ist „wie der Garten von Eden".
Inzwischen sind fast 150 Jahre vergangen, und Elder Pratts Worte lassen sich heute ebensogut auf die Missionsarbeit beziehen. Die Bezeichnung Chile ist von einem Wort der Araucania-Indianer abgeleitet und bedeutet „wo das Land endet“ Für viele hunderttausend Chilenen ist ihre Heimat inzwischen zum Land geworden, wo der Glaube beginnt. Erst vierzig Jahre sind vergangen, seit Missionare wieder mit der Arbeit in Chile begannen, und doch gibt es dort inzwischen fast 100 Pfähle und 420000 Mitglieder. Das ist ein wichtiger Meilenstein, wenn man bedenkt, daß Chile noch nicht einmal 14 Millionen Einwohner hat.

Die Mitgliederzahl steigt sprunghaft an
Chile ist zwar nur etwas mehr als 160 Kilometer breit, aber es erstreckt sich 4265 Kilometer von der Nordgrenze zu Peru bis hinunter zur felsigen Spitze Südamerikas. Die stolzen Anden begrenzen das Land im Osten, die blauen Wellen des Pazifik im Westen. Im Norden Chiles liegt eine mehrere tausend Quadratkilometer große Wüste, wo etwa ein Fünftel der derzeit bekannten Kupfervorkommen der Welt lagert. Im Süden dagegen finden sich viele Seen, Fjorde, windgepeitschte Inseln und schneebedeckte Vulkane. Zwischen diesen beiden Klimazonen erstreckt sich ein weites Tal, das von oben betrachtet wie ein grünes Schachbrett aus fruchtbaren Obstgärten, Weingärten, saftigen Weiden und Ackerland aussieht. Hier wohnen etwa drei Viertel der chilenischen Bevölkerung.
Der Historiker Rodolfo Acevedo, der das Buch Los Mormones en Chile (Die Mormonen in Chile) verfaßt hat, bezeichnet sein Land als abgeschirmte Insel. Diese abgeschirmte Lage führt nach seinen Worten dazu, „daß wir alle sehr neugierig auf die Welt da draußen sind und daher jedem Fremden bereitwillig zuhören”.
Seit Elder Henry D. Moyle vom Kollegium der Zwölf Apostel das Land am 5. Juli 1956 für die Evangeliumsverkündigung geweiht hat, haben viele Chilenen die Botschaft von der Wiederherstellung gehört und angenommen. In seinem Weihungsgebet segnete Elder Moyle das Land, „daß zahlreiche Menschen den Missionaren die Tür öffnen mögen".
Als Elder Gordon B. Hinckley 1972, also 16 Jahre später, in der Hauptstadt Santiago den ersten Pfahl gründete, betrug die Mitgliederzahl in Chile 20.000. Als 1983, elf Jahre später, der Santiago Tempel geweiht wurde, waren es schon 146.000 Mitglieder. Seitdem hat sich die Mitgliederzahl bei jährlichen Zuwachsraten von durchschnittlich zehn Prozent mehr als verdoppelt. Inzwischen gibt es in Chile sieben Missionen, die zu den produktivsten überhaupt gehören. Jedes Jahr schließen sich über 20.000 Menschen der Kirche an.
„Der Hauptgrund für das Wachstum der Kirche liegt im Charakter der Chilenen begründet”, meint Elder Eduardo Ayala, Präsident des Santiago-Tempels und ehemals Mitglied des Zweiten Siebzigerkollegiums. Er ist gebürtiger Chilene. „Die Chilenen sind demütig und aufgeschlossen. Viele Menschen halten sogar nach den Missionaren Ausschau, weil sie gerne das Evangelium hören möchten. Und wenn sie es dann gefunden haben, leben sie von ganzem Herzen danach.”
Ungefähr 20 Prozent der Einwohner Chiles sind Nachkommen europäischer Einwanderer; drei Prozent sind reine Indianer. Der größte Teil des Volkes jedoch hat das Blut spanischer Siedler und chilenischer Indianer in den Adern, die sich während der Kolonialzeit erfolgreich gegen die Spanier zur Wehr gesetzt hatten. Chile ist ein Schmelztiegel, und dieser Schmelztiegel hat im Zusammenspiel mit der historischen Abgeschirmtheit Chiles und der langjährigen Demokratie ein unabhängiges, arbeitsames, hoffnungsfrohes und freundliches Volk hervorgebracht, dessen Lebensstandard zu den höchsten in ganz Lateinamerika zählt. Aber trotz ihrer materiellen Erfolge hungern die Chilenen geistig.

Der richtige Weg
Guillermo Soto, seine Frau Pilar und ihre Kinder sind ein Beispiel dafür, wie die Chilenen leben, die in den letzten vierzig Jahren das Evangelium angenommen haben.
Schwester Soto erzählt: „Die Missionare haben uns auf der Straße immer gegrüßt. Eines Tages hat uns einer der Missionare gefragt, ob sie uns besuchen dürften. Ich antwortete aber, daß man sich bei uns zu Hause wohl kaum über ernsthafte Themen unterhalten könne, weil wir acht Kinder hätten, die immer viel Lärm machten. Aber der eine Missionar entgegnete: ,Wie schön! Ich habe selbst fünf Geschwister.”`
Die Missionare besuchten die Familie Soto, und ihre Worte fielen auf fruchtbaren Boden. Die Familie, die häufig den Abend damit verbrachte, gemeinsam zu singen und Spiele zu spielen, war ganz begeistert vom Familienabend. Auch die Warnung vor dem Tabak im Wort der Weisheit paßte ins Konzept, da im Haus sowieso nicht geraucht werden durfte. Nur Guillermo Soto, der von Beruf Musiker ist und für einen Fernsehsender dirigiert, hatte Schwierigkeiten mit dem Wert der Weisheit.
„Als Teenager habe ich die Bibel gelesen und darin Frieden und Liebe gefunden”, erzählt er. „Aber später bin ich dann vom Weg abgeirrt und habe angefangen, ein weltliches Leben zu führen.”
Die Kinder der Familie Soto, die alt genug waren, ließen sich 1994 taufen, aber die Mutter wartete, bis auch ihr Mann zur Taufe bereit war. Guillermo Soto hatte so lange mir dem Wort der Weisheit zu kämpfen, bis seine Gebete erhört wurden, in denen er den himmlischen Vater fragte, ob das Evangelium wahr sei.
„Ich erhielt oft eine Antwort”, erzählt er. „Einmal sah ich mich vor meinem geistigen Auge nach der Taufe wieder aus dem Wasser hervorkommen – völlig rein. Da begann ich zu . weinen. Ich spürte etwas ganz Besonderes und sagte mir, dass es nun an der Zeit sei, mich taufen zu lassen.”
Bruder Soto überwand seine Schwierigkeiten mit dem Wort der Weisheit, kündigte aher seinen Musikerfreunden die Freundschaft nicht auf. „Es ist wichtig, daß ich mit meinen Freunden zusammen bin”, meint er. „Ich verkünde ihnen das Evangelium, indem ich jetzt ein anderes Leben führe. Nach und nach werden sich auch meine Freunde für die Kirche interessieren."
Heute dringen auch Danksagungsgebete aus dem Haus der Familie Soto. Guillermo, Pilar und ihre Kinder singen Evangeliumslieder. Die enge Verbundenheit, die sie schon vor der Taufe gespürt hatten, ist noch tiefer geworden, je besser sie das Evangelium verstanden haben. In ihrer Gemeinde Tierra del Fuego im Norden Santiagos dienen Bruder und Schwester Soto als Ältestenkollegiumspräsident und FHV-Leiterin „Ich habe Gott immer gebeten, mir eine Möglichkeit zu zeigen, wie meine Familie und ich Fortschritt machen, wie meine Frau und ich das Richtige für unsere Kinder tun, wie unsere Kinder stark werden und hier auf der Erde ein Stückchen Himmel finden können”, erklärt Bruder Soto „Wir hatten bis dorthin einen weiten Weg zurückzulegen, aber jetzt haben wir diese Möglichkeit gefunden.”

„Esfuerzo Mancomunado”
Das schnelle Wachstum der Kirche in Chile ist natürlich nicht ohne Schwierigkeiten zu bewältigen. Die Integration der neuen Mitglieder und die Lösung der Raumfrage für die aus allen Nähten platzenden Gemeinden und Zweige stellt die Kirche vor große Herausforderungen. Elder Jorge ZebaIlos, der von 1982 bis 1989 die Bauarbeiten der Kirche in Chile leitete und jetzt im Gebiet Südamerika-Süd Gebietsautorität ist, erklärt, daß beispielsweise innerhalb von drei Jahren in Chile über 300 Gemeindehäuser gebaut wurden.
„Das erwies sich als kluge Entscheidung”, meint Bruder Zeballos. „Damals litt die Bauindustrie in Chile unter einer Rezession, was uns günstige Material- und Lohnkosten ermöglichte. Manche Gemeinden hatten in den achtziger Jahren zwar für kurze Zeit ein Gebäude für sich, aber es war richtig, für die Zukunft zu planen. Schauen Sie doch nur, wo wir heute stehen.”
Allein 1995 wurden in Chile über 100 Gemeinden und Zweige und fast fünf Pfähle gegründet. „Da gerät man schnell mit den notwendigen Bauarbeiten ins Hintertreffen”, meint Daniel Almeida, Verwaltungsdirektor der Kirche in Chile. „Sobald ein neues Gebäude fertiggestellt ist, warten schon drei Gemeinden darauf, es zu beziehen. Manche Gemeindehäuser werden sogar von sechs Gemeinden gleichzeitig genutzt.”

Die örtlichen Führer der Kirche freuen sich trotz aller Mühen und Opfer über die Schwierigkeiten und die viele Arbeit, die das rasche Wachstum der Kirche mit sich bringt. Zu ihnen gehört auch Patricio la Torre. „Zwei Jahre lang gab es bei uns zehn Gemeinden, die sich zwei Gemeindehäuser teilen mußten”, berichtet Bruder la Torre, der miterlebt hat, wie aus dem Pfahl, dem er 1990 angehörte, inzwischen vier Pfähle entstanden sind.
Bruder la Torre ist jetzt Präsident des Pfahls Jose Miguel Carrera im Süden Santiagos. Er führt die hohe Zahl der Taufen sowie die steigende Aktivitätsrate auf ein Phänomen zurück, das in Chile esfuerzo mancomunado (gemeinsame Bemühungen) genannt wird. Dazu gehört, daß die Priestertumsführer gemeinsam mit den Vollzeitmissionaren Ziele festlegen, sich um die weniger aktiven Mitglieder kümmern und neue Mitglieder ins Gemeindeleben integrieren und sie auf den Tempel vorbereiten. Bruder la Torre meint, diese gemeinsamen Bemühungen trügen dazu bei, daß die Mitglieder reifer werden und die Mission der Kirche besser verstehen.
„Das ist eigentlich auch das Erfolgsrezept der Kirche in Chile”, meint Roger Hendrix, der im Juli als Präsident der Mission Santiago-Süd entlassen wurde. „Mit esfuerzo mancomunado haben wir ein neues Zeitalter für Integration und Aktivität und die Gründung von Pfählen und Gemeinden begonnen."
Von Packard, Präsident der Mission Santiago-Nord, führt die steigende Anwesenheitsrate von über 1000 Mitgliedern innerhalb eines einzigen Monats in den Sonntagsversammlungen im Norden Santiagos auf diese gemeinsamen Bemühungen zurück. Denjenigen, die bereit sind, sich um die weniger aktiven Mitglieder zu kümmern, „gelingt es auch leicht, sie wirklich in die Kirche zurückzuführen”.

„Wir sind gesegnet worden”
Roberto Vargas war nicht in der Kirche aktiv, als er 1989 mit seiner Familie in den Norden Chiles in die Hafenstadt Antofagasta zog. Aber die Mitglieder dort nahmen ihn, seine Frau Erica und seine drei Söhne herzlich auf. Ihre Warmherzigkeit wurde nur noch von der Hitze in der Wüste Atacama überboten, der trockensten Wüste der Welt.
In Antofagasta – zwischen Wüstensand und Meer – regnet es nur ganz selten. Aber die Familie Vargas findet es dort dennoch wunderschön. „Hier haben wir gemeinsam am meisten Fortschritt gemacht”, sagt Schwester Vargas.
Die freundliche Aufnahme in der Gemeinde und die Aktivierungsbemühungen der Mitglieder veranlaßten Bruder Vargas, der von Beruf Ingenieur ist und in einer nahegelegenen Kupfermine arbeitet, „ein lange überfälliges Gespräch” mit seinem Bischof zu führen. Kurz danach wurde er in die Ältestenkollegiumspräsidentschaft berufen. Seither sind drei Jahre vergangen, und Bruder Vargas ist jetzt Bischof der Gemeinde Gran Via. Er freut sich, daß er nun anderen Menschen helfen kann, geistig Fortschritt zu machen.
„Wenn es ein Erdbeben gibt, füllt sich das Gemeindehaus mit Mitgliedern. Wenn eine Tsunami-Warnung herausgegeben wird, kommen alle plötzlich wieder in die Kirche. Aber ich sage den Mitgliedern immer, daß sie nicht warten dürfen, bis es eine Katastrophe gibt, um ihr Leben in Ordnung zu bringen. Meine Familie ist hier gesegnet worden, und ich weiß genau, warum das möglich war: weil wir die Gebote halten.”

„Sieben mal Siebzig“
Als Elder Bruce R. McConkie vom Kollegium der Zwölf Apostel 1977 auf der Gebiets-Generalkonferenz in Santiago eine Ansprache hielt, gab es in Chile noch nicht einmal 50.000 Mitglieder.
„Ich sehe den Tag voraus, an dem es hier siebenmal siebzig Pfähle geben wird”, sagte Elder McConkie den Mitgliedern in Chile damals. „Ich sehe den Tag voraus, an dem die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage großen Einfluß auf die Geschicke des Landes ausüben wird."
Die Mitglieder in Chile kennen Elder McConkies Prophezeiung, so auch Guillermo Miranda. Und alle arbeiten darauf hin, daß sie sich erfüllen kann. „Ich glaube, daß der Herr mich und meine Firma segnet, damit ich guten Einfluß ausüben kann”, sagt Bruder Miranda, der eine erfolgreiche Warenhauskette besitzt und führt.
Bruder Miranda ist HP-Gruppenleiter in San Fernando, einer Stadt in ländlicher Umgebung ungefähr eine Autostunde südöstlich von Santiago. Seine Firma, die nach seiner Auffassung „anderen Menschen ein Licht sein soll”, ist für Ehrlichkeit und den strengen Verhaltenskodex ihrer Mitarbeiter bekannt.
„lch möchte, daß die Mitglieder meinen Angestellten, die nicht der Kirche angehören, ein gutes Beispiel geben”, erklärt Bruder Miranda. „Das ist besonders dort wichtig, wo die Kirche klein ist.”
Bruder Miranda selbst meint, daß er seinen Erfolg den Segnungen des himmlischen Vaters zu verdanken hat, obwohl er seit seiner Taufe im Jahr 1982 sowohl Verfolgung als auch geschäftliche Rückschläge durchmachen mußte. „Die Leute haben über mich getratscht und meine Firma angegriffen”, erzählt er. In diesem Zusammenhang denkt er auch an ein damals weit verbreitetes Faltblatt, in dem behauptet wurde, seine Warenhauskette stehe vor dem Bankrott. Aber anstatt sich vor Gericht mit den Urhebern dieser Anschuldigung zu streiten, betete er darum, daß der himmlische Vater seine Firma beschützen möge. Außerdem sorgte er dafür, daß sein Zehnter immer pünktlich bezahlt wurde. Das bewirkte, daß seine Geschäfte besser gingen. Heute hat Bruder Miranda, der oft gebeten wird, über seine Geschäftsphilosophie zu sprechen, gar nicht genug freie Stellen für alle, die gerne für ihn arbeiten würden.
Aber Bruder Miranda ist nicht der einzige Arbeitgeber in Chile, der am liebsten mit Mitgliedern der Kirche zusammenarbeitet. Luis Rivano, ein bekannter Bühnenautor, schrieb 1991 eine Kolumne, in der er die Ehrlichkeit, die Produktivität und die gesunde Lebensführung der Mitglieder hervorhob. „Immer mehr Firmen bevorzugen den Angestellten, der ihnen am wenigsten Schwierigkeiten bereitet ... und bessere Arbeit leistet”, schrieb er. „Wenn ich zwischen einem Mormonen und [einem Andersgläubigen] zu wählen hätte, so würde ich ohne zu zögern den Erstgenannten einstellen. Und ich weiß genau, daß ich dadurch zum wirtschaftlichen Erfolg meines Landes beitragen würde."
Miguel LeFargue gehört zu den ersten, die sich in Concepción, dem Zentrum für Fischfang und Industrie, der Kirche angeschlossen haben. Seiner Meinung nach lassen sich viele Chilenen, ungeachtet ihrer wirtschaftlichen Lage und ihres Berufs, von rechtschaffenen Mitgliedern der Kirche beeinflussen. „Die Kirche ist ein großer Segen”, erklärt er. „Sie hat schon vielen hunderttausend Menschen geholfen, an sich zu arbeiten und bessere Staatsbürger, Väter, Mütter und Kinder zu werden.”
In Chile, wo der Staatspräsident oft darüber spricht, wie wichtig die Familie, die überlieferten Wertvorstellungen und der Dienst am Nächsten sind, haben die Lehre der Kirche und ihr zunehmender Einfluß schon die Aufmerksamkeit hoher Beamter und religiöser Führer erregt.
„Der Bürgermeister von Hualqui, einer Kleinstadt bei Concepción, weiß genau, daß er sich auf unsere Mitglieder verlassen und ihnen vertrauen kann”, sagt Bruder LeFargue, Ratgeber in der Missionspräsidentschaft der Mission Concepcón. „Er hat den Bischof schon mehrmals angerufen und um Rat gefragt. Manchmal hat er auch gefragt, ob unsere jungen Leute bei einem Dienstprojekt helfen könnten. Er weiß, daß er sich auf unsere Jugendlichen verlassen kann und daß sie gut erzogen sind.”
Als der Führer einer anderen Religionsgemeinschaft im Süden des Landes die Vollzeitmissionare verleumdete, erweckte er damit nur die Neugier seiner Zuhörer. „Später stellte sich heraus, daß wir uns in dieser Stadt gar keine bessere Werbung hätten wünschen können”, meint Bruder LeFargue. „Als die Versammlung zu Ende war, wollten die Zuhörer mehr über die Kirche und die wohlerzogenen Missionare wissen, die immer ein weißes Hemd und eine Krawatte tragen. Es gab nach der Rede viel mehr Taufen als vorher.”
Die Kirche hatte jedoch nicht nur mit verbalem Widerstand zu kämpfen. In den achtziger Jahren legte eine terroristische Vereinigung, die in der Kirche eine fremdländische Unterwanderung sah, überall in Chile in Gemeindehäusern der Kirche über 200 Brände beziehungsweise Bomben. Einige Mitglieder wurden dabei verletzt. Aber die Anschläge gingen drastisch zurück, als bei einem Attentat mehrere Kinder verletzt wurden, die in der Nähe eines Gemeindehauses wohnten.
„Daß unbeteiligte Kinder verletzt worden waren, setzte die terroristische Vereinigung öffentlicher Kritik aus”, meint Rodolfo Acevedo, Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit der Kirche in Chile. Die örtlichen Führer haben sich große Mühe gegeben, der Öffentlichkeit deutlich zu machen, daß Angriffe gegen die Kirche Angriffe gegen Chilenen bedeuten und nicht Angriffe auf eine fremdländische Gemeinschaft. Das ist ihnen auch gelungen.

„Die Kirche geht in gute Hände über”
Karen Montalva hört nicht nur Musik, wenn sie den etwas über zwanzigköpfigen Jugendchor dirigiert, der sich aus jungen Mitgliedern von der Küste Zentralchiles zusammensetzt. Der Chor trägt den Namen Getsemani. Schwester Montalva hört auch den Glauben, das Zeugnis und die geistige Kraft ihrer Schützlinge. „Die Kirche geht in gute Hände über”, meint die JD-Leiterin aus Vina del Mar.
Schwester Montalva, die bei der Zusammenstellung des Chors mitgewirkt hat, findet, daß die jungen Mitglieder aus dem Hintergrund hervortreten und die ihnen zukommenden Aufgaben übernehmen. Als Beispiel führt sie die Sänger und Sängerinnen in ihrem Chor an, die alle mehrere Berufungen in der Kirche innehaben und dazu noch jeden Monat viele Stunden opfern, um zu proben, Chorreisen zu machen und auf Missions-Firesides das Evangelium zu verkünden.
„Viele Besucher unserer Konzerte spüren den Geist”, sagt Schwester Montalva. „Das Schöne an unserem Chor ist, daß er andere Menschen beeinflußt und uns gleichzeitig hilft, uns ein hohes geistiges Niveau zu bewahren. Ich habe immer von einer solchen Jugendgruppe geträumt, die bereit ist, ihre Talente in den Dienst der Kirche zu stellen. „Überall im Land setzen sich junge Chilenen ein, um ihre Gemeinde beziehungsweise ihren Zweig zu unterstützen und die Botschaft von der Wiederherstellung zu verkünden. „Ich weiß, wie wichtig das Evangelium ist, denn ich lebe danach”, sagt Luis Pereira, 18 Jahre alt, aus Vifla del Mar. Er bereitet sich gerade auf eine Mission vor. Seine Worte spiegeln wider, was viele junge Heilige der Letzten Tage empfinden: „Ich weiß, daß die Zukunft der Kirche von den Jugendlichen abhängt.”

„Wir sind nicht allein in diesem Werk tätig”
Alle Mitglieder in Chile – ob jung oder alt – wissen die erste Missionsreise von Elder Parley P. Pratt in ihr Land zu schätzen und nehmen die Aufgabe, das Evangelium zu verbreiten, sehr ernst.
„Es ist doch kein Zufall, daß so viele Menschen hier das Evangelium annehmen”, meint Eduardo Lamartine, Direktor des Bildungswesens der Kirche und Gebietsautorität im Gebiet Südamerika-Süd. „Warum hat der Herr Präsident Brigham Young wohl inspiriert, Elder Pratt nach Chile zu senden? Warum gibt es hier heute so viele Pfähle und so viele Taufen? Weil wir nicht allein in diesem Werk tätig sind; Gott und unser Glaube helfen uns dabei.”
Das tiefe, halbmondförmige Hafenbecken von Valparaiso, in das Elder Pratt nach der 64tägigen Reise von Kalifornien einlief, sieht heute noch genauso aus wie damals. Aber die steilen, dichtbesiedelten Berghänge, die fast bis hinunter zum Hafen reichen, sind jetzt mit Gemeindehäusern geschmückt, die von vier Pfählen der Kirche genutzt werden.
Die Ernte in Chile ist wirklich reich. Die fruchtbaren Felder, die schon Elder Pratt bewundert hat, gehören noch immer zu dem Schönsten, „was das Auge je gesehen hat – sei es in der alten oder neuen Welt".

Erinnerungen
Perla Garcia nennt sie ihre tesoros (Schätze): vergilbte Zeitungsschnitte aus der Anfangszeit der Kirche in Chile, alte Fotos von Generalautoritäten, die dem Land einen Besuch abgestattet haben, eine alte Bibel mit der Inschrift eines der ersten Mitglieder und andere Erinnerungen an die fünfzig Jahre, die sie und ihr Mann Ricardo miteinander verbracht haben. Wenn sie sie anschaut, strömt Liebe in ihr Herz, und alte Erinnerungen werden wach.
Wenn Schwester Garcia Besuchern ihre tesoros zeigt, erklärt sie auch immer, wie dankbar sie für die Gabe des Heiligen Geistes ist. Außerdem erzählt sie mit großer Hochachtung von den Missionaren, die sie im Evangelium unterwiesen haben, und freut sich noch immer an dem Gedanken, daß sie zu den ersten Mitgliedern in Chile gehörte, von denen es in den fünfziger Jahren nur eine Handvoll gab. Aber diesen wenigen Mitgliedern wurden überreiche Segnungen zuteil.
Am 23. Juni 1956 überquerten die Missionare Verle M. Allred und Joseph C.Bentley aus der Mission Argentinien im Flugzeug die Anden, um die Missionsarbeit in Chile wiederaufzunehmen. „Wir waren ganz auf uns gestellt. Deshalb mußten wir dem Herrn sehr nahe bleiben und uns völlig auf ihn verlassen”, erzählt Bruder Allred, der jetzt Patriarch des Pfahles Brigham City in Utah ist. „Wir fühlten uns wie Pioniere”, fügt Bruder Bentley an, der heute in der Gemeinde Parleys 5 im Pfahl Salt Lake Parleys als Sonntagsschullehrer dient. „Wir mußten zwar viel arbeiten, aber es war eine großartige Erfahrung.”
Schwester Garcia lernte die beiden Missionare beim Blumengießen kennen. Sie bat sie, noch einmal wiederzukommen, wenn ihr Mann von der Arbeit nach Hause gekommen sei. Als die Missionare Bruder Garcia vorgestellt wurden, „begrüßte er uns und nahm uns so freundlich auf, als ob wir uns schon lange kannten”, berichtet Bruder Allred. „Dann begannen wir, über die Kirche zu sprechen, und er wollte uns gar nicht wieder gehen lassen.”
Drei Stunden sprachen sie über das Evangelium. Bruder Garcia stiegen die Tränen in die Augen, als er hörte, was die Missionare zu sagen hatten. Am 24. November 1956 wurde er in einem Schwimmbecken getauft und war damit der erste Heilige der Letzten Tage, der sich in Chile hatte taufen lassen. Nach ihm ließen sich noch acht weitere Untersucher taufen, darunter fünf Kinder. Schwester Garcia wurde im Januar 1957 getauft.
Bruder Garcias Beruf brachte es mit sich, daß die Familie häufig umziehen mußte. Aber jedesmal, wenn sie in eine neue Stadt kamen, wo es noch keinen Zweig der Kirche gab, taten sie alles, was sie konnten, damit ein Zweig gegründet werden konnte. Im Lauf der Jahre haben Bruder und Schwester Garcia in der Kirche schon viele Berufungen innegehabt.
„Durch das Evangelium ist Chile sehr gesegnet worden”, sagt Perla, die Tochter der beiden. Sie denkt gerne daran zurück, mit welch großer Freude ihre Familie dem Herrn gedient hat. „Mein Vater hat immer gesagt, daß es wunderschön ist, im Weingarten des Herrn arbeiten zu dürfen.”
Ricardo Garcia starb am 26. September 1994. Er war schon länger krank gewesen, aber er hatte in seinen letzten Lebensjahren im Pfahl Santiago Nunoa als Pfahlpatriarch gedient. Außerdem war er Tempelarbeiter im Santiago-Tempel, wo seine Frau als Pianistin diente. Dort im Tempel fühlt sie sich ihrem Mann denn auch besonders nahe.
„Er war ein besonderer Mensch. Ich weiß, daß er auf mich wartet”, sagt Schwester Garcia. „Ich war sehr traurig, als er mich verließ, aber er ist als glücklicher Mensch gestorben. Vorher hat er noch zu mir gesagt: Wein doch nicht. Ich habe meine Aufgabe hier erfüllt und bin bereit zu gehen. Ich weiß, daß ich dich und die Kinder wiedersehen werde. Sag unseren Brüdern und Schwestern, daß sie im Glauben treu bleiben sollen, daß ich sie liebe und daß sie nicht traurig sein sollen. Ich freue mich sehr auf das nächste Leben..”`
Michael R. Morris, August 1996

16:45 - 21.04.2008


Vorherige Seite Nächste Seite
Beschreibung
Hier veröffentliche ich Berichte aus alten Kirchenzeitschriften über das Evangelium in anderen Ländern
Home
Profil
Archiv
Freunde
Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage
Mormonwiki
Fairmormon
FAIR
Jesus
Das Buch Mormon überzeugt
mehr zum Buch Mormon
besondere Erlebnisse
Bekehrungsgeschichten
Berichte der Pioniere
Abenteuer der Mormonen
Geschichte der Mormonen (außer funktion)
Propheten
Joseph Smith
Offenbarungen
Der Geist des Elija
Genealogie
Tempel und Tempelarbeit
Missionsarbeit
Die Gebote
Gedenke des Sabbats
Gesetz der Keuschheit
Der Zehnte
Wort der Weisheit
Fasten
Kontroversen
Der Glaube der Mormonen
Letzte Einträge
- Zwischenfall in einem samoanischen Dorf
- Eine Tasse Tee
- Japan - Das Land des aufgehenden Lichts
- Nächstenliebe auf Hawaiianisch
- Mexiko
- Haiti
- Sowjetunion
- Brooklyn
- Dominikanische Republik
- Singapur
- Tonga
- Mistolar -- eine geistige Oase
- Afrika
- Ghana
- Chile
- Ungarn
- Die Australier -- ein interssantes Volk
- Indien
- Estland
- Tahiti
- Puerto Rico
- Belfast -- Die Mauern fallen
- Frankreich
- Eine gemeinsame Sprache in Papua-Neuguinea
- Samoa
- Bahamas
- Island -- Land aus Feuer und Eis
- Das Evangelium faßt Fuß in Kambodscha
- Das Evangelium in den Anden
- Die Mitglieder in Tschechien
- Das Evagelum kommt nach Kapverde
- Hongkong -- ein Traum wird wahr
- Tudo Bern in Brasilien
- Eine mächtige Wandlung in der Mongolei
- Die verlorene Insel
- Pioniere In Paraguay
- Equador
- die Heiligen in Portugal
- Erde; Meer und Seelen in Dänemark
- Korea -- Land der Morgenfrische
- Fidschi -- Inseln des Glaubens
- Ein Weihnachtsgeschenk für Ungarn
- In Mikronesien wird ein neuer Kurs gesteuert
- Die Heiligen in Indonesien
- Pioniere an der Elfenbeinküste
- Argentiniens heller froher Tag
- Gläubig, gut, tugenhaft, treu -- Pioniere auf den Phillippinen
- Wie das Evangelium in Osteuropa fußfaßt
- Vermächtnis des Glaubens in Rußland
- Sowetos helle Zukunft
- Die Seevögel von Kiribati
- Bolivien -- Segnungen im Überfluss
- Spanien -- Glaubenshorizonte erforschen
- Noch ein Bericht von HLTs aus der Ukraine
- Ukraine
- Honduras
- Taiwan - vier Jahrzahnte des Glaubens
- Neukaledonien