Mormonen - Das Evangelium in aller Welt

Ghana

Ein Haushalt des Glaubens
AIs die Missionare der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage damit begannen, Isaac Kojo Botwes Familie im Evangelium zu unterweisen, ließ er es sie von Anfang an unmißverständlich wissen, daß er an ihrer Botschaft nicht interessiert war.
„Ich ließ die anderen im Wohnzimmer sitzen, ging in das Zimmer der Jungen und rauchte dort meine Pfeife”, erzählt
er und muß lachen, als er daran denkt, was dann geschah. Sehr bald wurde ihm nämlich bewußt, daß es besser war, wenn er den Missionaren doch zuhörte. Und kurz darauf entschloß er sich auch, das Pfeiferauchen aufzugeben und nach dem Wort der Weisheit zu leben.
Elder Mark Owusu, einer der beiden Missionare, die Isaac Botwe im Evangelium unterwiesen, erzählt, wie er seine Kinder aufforderte, seine Pfeifen, seinen Tabak und seinen Kaffee herzubringen – und dann alles anzündete!
Isaac Botwe, seine Frau Frances und die Kinder, die alt genug waren, um sich taufen zu lassen, schlossen sich 1987 gemeinsam der Kirche an. Heute ist Bruder Botwe Bischof der Gemeinde Takoradi im Pfahl Cape Coast in Ghana. Auch seine Familie dient eifrig in der Kirche. Das gleiche gilt auch für Mark Owusu, der seit seiner Mission viele verschiedene Berufungen als Lehr- und Führungskraft erfüllt hat.
Die Erlebnisse und Erfahrungen von Familie Botwe und Bruder Owusu gleichen den Erfahrungen, die viele Mitglieder in Ghana gemacht haben, wo die Kirche seit 18 Jahren offiziell vertreten ist.

Der Anfang
Das gilt auch für Joseph William Billy Johnson, der sich gleich zu Beginn der Missionsarbeit in Ghana der Kirche angeschlossen hat.
1964 gab ihm ein Bekannter das Buch Mormon und verschiedene Broschüren der Kirche, die aus Europa stammten. Als er die Broschüre las, in der das Zeugnis von Joseph Smith abgedruckt war, spürte er Inspiration, und als er das Buch Mormon las, wußte er, daß es wahr ist. Er begann, die Evangeliumswahrheiten zu verkündigen, die er kennengelernt hatte. Außerdem schrieb er an den Hauptsitz der Kirche, und Präsident David O. McKay forderte ihn auf, weiterhin in der heiligen Schrift zu studieren und Geduld und Glaubenstreue zu üben, bis Missionare nach Afrika gesandt werden konnten.
Trotz aller Verfolgung stand Billy Johnson vierzehn Jahre lang treu zur Kirche. Er gründete Gemeinden, in denen er die Lehre des Evangeliums predigte, wie er sie in Büchern der Kirche gefunden hatte. So gut er konnte leitete er seine Gemeinden so, wie es in der Kirche üblich war, war sich aber der Tatsache, daß er nicht die Vollmacht hatte, heilige Handlungen zu vollziehen, genau bewußt.
Er spürte oft, wie er vorn heiligen Geist geführt wurde; manchmal wurde er durch Visionen und Träume gestärkt.
Seinen Sohn nannte er nach Brigham Young, weil ihm dieser einmal im Traum erschienen war und ihm Mut zugesprochen hatte. Bruder Johnson erfuhr von der Errettung der Toten, als verstorbene Verwandte ihm im Traum erschienen und ihn baten, dafür zu sorgen, daß jemand stellvertretend für sie getauft würde.
„Auch die Pioniere gaben mir Mut”, erzählt er. Ihre Bemühungen, im Westen der Vereinigten Staaten einen Zufluchtsort zu schaffen, wo sie Gott in Frieden verehren konnten, weckten in ihm den Wunsch, so etwas auch in Ghana miterleben zu dürfen.
Die Missionare der Kirche kamen 1978 nach Ghana, nachdem die Offenbarung ergangen war, daß allen würdigen männlichen Mitgliedern das Priestertum übertragen werden darf. Bis dahin hatte Bruder Johnson schon viele hundert Ghanaer dafür bereitgemacht, sich im Evangelium unterweisen und taufen zu lassen.
Trotz der Schwierigkeiten, die Bruder Johnson bewältigen mußte, der heute als Patriarch des Pfahles Cape Coast dient, ist er sehr froh, daß er so viele Menschen für das Evangelium bereitmachen durfte. „Wenn ich auf Konferenzen sehe, wie viele Menschen sich der Kirche angeschlossen haben , weine ich vor Freude über das große Werk, das der Herr getan hat.”

Die Wahrheit verbreiten
In der Kirche in Ghana gibt es viele Pioniere. Einige haben sich während des Studiums oder der Arbeit im Ausland taufen lassen und sind dann nach Hause zurückkehrt, wo sie die neugefundene Wahrheit an ihre Familie und Freunde weitergaben.
Monica Ohene-Opare ließ sich 1979 als Austauschstudentin in New York taufen. Kurz nach ihrer Rückkehr heiratete sie und bekehrte ihren Mann Emmanuel zur Kirche. Seitdem haben beide viele verschiedene Berufungen innegehabt. Derzeit dient Schwester Ohene-Opare als PV-Leiterin ihrer Gemeinde; ihr Mann ist Präsident des Pfahls Accra. Aber das Wichtigste, was sie geleistet haben, war wohl innerhalb der Familie.
Schwester Ohene-Opare weiß, daß ihren fünf Kindern eine Segnung zuteil geworden ist, die ihr selbst nicht offenstand: Sie gehören nämlich zur ersten Generation in Ghana, die im Evangelium aufwächst. „Dadurch ist das Evangelium ein Teil von ihnen geworden.” Sie ist sehr dankbar dafür, daß ihre Kinder hohe Maßstäbe haben, die ihnen helfen, Schwierigkeiten anzugehen.
Emmanuel Abu Kissis Familie ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Kirche in Ghana wächst — nämlich dadurch, daß das Zeugnis eines Menschen in anderen Menschen Glauben hervorruft.
Emmanuel Kissi studierte in London Medizin, als seine Familie die Missionare der Kirche kennenlernte. Seine Frau Benedicta Elizabeth wurde durch einen Segen, den sie ihr gaben, von einer schweren Krankheit und einer Depression geheilt. Was die Missionare lehrten, gab Emmanuel Kissi Antwort auf die Fragen, die ihn schon seit vielen Jahren bewegten. Er und seine Familie ließen sich 1979 taufen.
Nach ihrer Rückkehr nach Ghana trugen die beiden sehr zum Wachstum der Kirche bei. Bruder Kissi diente mehrere Jahre als Regionalrepräsentant und ist jetzt Ratgeber des Präsidenten der Mission Accra. Doch anfangs hat er sich sicherlich nicht vorstellen können, wie reichlich der Same, den er in seiner Familie gesät hatte, Frucht tragen würde.
Emmanuel Kissi erzählte seinem jüngeren Bruder Stephen Abu (die Nachnamen sind aufgrund der Namensgebung in Ghana unterschiedlich) vom Evangelium, als dieser nach Accra zu Besuch kam. Nach seiner Taufe kehrte er nach Abomosu zurück, seinem abgelegenen Heimatdorf, wo er anfing, seine Familie im Evangelium zu unterweisen. Auch Freunde interessierten sich für die neue Religion, und als schließlich Missionare ins Dorf kamen, warteten bereits mehrere Menschen darauf, getauft zu werden.
Aus diesen Anfängen entstand schließlich der Distrikt Abomosu Ghana, zu dem inzwischen mehr als 600 Mitglieder gehören. Es gibt zwei Zweige im Ort, und die Heiligen der Letzten Tage stellen einen großen Teil der Einwohner. Drei Kilometer weiter die Straße hinauf wird gerade ein neues Gemeindehaus für den Zweig Sankohenase gebaut.

Eine bessere Ehe führen
Auch in bezug auf die Familie hilft das Evangelium den Bewohnern Ghanas sehr. Dort ist es nämlich üblich, daß der Mann in der Ehe den Herrscher spielt und oft viel Zeit außerhalb des Hauses verbringt. Doch viele Männer und Frauen in der Kirche entwickeln sich zu Führern, indem sie in ihrer Ehe die Evangeliumsgrundsätze anwenden.
Vor mehreren Jahre arbeitete Philip Xaxaghb (das x wird wie h ausgesprochen) in Nigeria und ging so sehr in seiner Arbeit auf, daß er seine Familie darüber vernachlässigte. Außerdem hatte er Alkoholprobleme. Seine Frau und er lebten sich schließlich auseinander, und beide dachten schon heimlich über Scheidung nach, als seine Frau die Missionare kennenlernte. Philip Xaxagbe erklärte sich einverstanden, sich anzuhören, was sie zu sagen hatten. „Mir war, als hätte ich alles, was sie mir erklärten, schon einmal gehört, aber ich wußte nicht, wo.” Nach einem Traum, der ihm vor Augen führte, daß er für immer von seiner Frau und seiner Tochter getrennt sein würde, wenn er das Evangelium nicht annahm, ließ er sich taufen.
Nach der Rückkehr nach Ghana im Jahre 1992 hat er mit Angehörigen und Freunden über seinen Glauben gesprochen. Drei seiner Angehörigen haben sich inzwischen taufen lassen. Derzeit dient Bruder Xaxagbe als Präsident des Zweiges Christiansborg im Pfahl Accra. Er schreibt die Rettung seiner Ehe und seines geistigen Lebens dem Evangelium zu. „Alles, was ich bin, bin ich durch die Kirche.”
Viele Mitglieder in Ghana wissen, daß sie und ihre Familie im Tempel mehr Kraft finden könnten. Agnes Adjei, die FHV-Leiterin des Zweiges Koforidua 1 im Distrikt Koforidua, holt ein kleines zusammengefaltetes Stück Papier aus ihrer Handtasche und sagt ehrfürchtig: „Ich habe einen Tempelschein.” Vielleicht dauert es noch viele Jahre, bis sie in den Tempel gehen kann, aber sie hofft sehr darauf, daß dieser Traum eines Tages in Erfüllung geht. Viele Mitglieder in Ghana können wegen der hohen Reisekosten nicht zum Tempel fahren. Ato Ampiah, der Pfahlsekretär des Pfahles Cape Coast, sagt sehnsüchtig: "Ich möchte so gerne im Tempel an meine Familie gesiegelt werden. Vielleicht bekomme ich ja eines Tages die Möglichkeit, dort am Altar niederzuknien."
Doe Akua Afriyie Kaku ist FHV-Leiterin der Gemeinde Ola University im Pfahl Cape Coast. Sie gehört zu den wenigen Mitgliedern in Ghana, die im Tempel gesiegelt worden sind. Jetzt strengt sie sich noch mehr an, so zu leben, daß sie für das celestiale Reich würdig ist, weil sie weiß, daß niemand allein dorthin kommen kann.
Außerdem ist ihr klar, daß Mann und Frau eins sein müssen. „Wenn es ein Mißverständnis gibt, kann man nicht zum gemeinsamen Gebet niederknien und ein gutes Gefühl dabei haben.” Doch ein Ehepaar, das sich demütigt, kann seine Probleme lösen, wenn es auf den Geist hört. Sie sagt, daß es viel ausmacht, wenn man auf den Geist hört.
Und genau das trägt zum Wachstum der Kirche bei. Die Nachbarn sehen, daß die Mitgliederfamilien fest zusammenhalten, und möchten dann mehr über die Kirche wissen, die das bewirkt.

Eine Zeit der Prüfung

Es hat aber auch eine Zeit gegeben, wo es so aussah, als ob die Kirche in Ghana kaum eine Zukunft hätte. Man kann die Geschichte der Heiligen der Letzten Tage in Ghana nicht erzählen, ohne auch auf den „großen Bann” einzugehen.
Im Juni 1989 verbot der Staat die Gottesdienste und alle anderen Aktivitäten der Kirche. Auch Missionsarbeit war nicht mehr erlaubt. Die Mitglieder sind der Meinung, daß dieser Bann auf weitverbreitete Falschmeldungen über die Kirche zurückzuführen war.
In Abomosu eskortierten Zivilbeamte und Soldaten Präsident Stephen Abu zum Gemeindehaus. Alles, was sich im Gebäude befand, wurde schriftlich festgehalten; dann wurden die Schlüssel beschlagnahmt. Bruder Abu wurde noch einmal darauf hingewiesen, daß die Mitglieder weder das Gemeindehaus noch die Farm der Kirche außerhalb des Dorfes weiter benutzen durften. Die Priestertumsführer in anderen Gebieten in Ghana erlebten ähnliches.
Die Gottesverehrung zu Hause war aber nicht ausdrücklich verboten worden, und deshalb begannen die Mitglieder, im Kreis der Familie Gottesdienst zu halten. „Aber wir durften nicht laut singen, weil man uns sonst abgeholt hätte”, erinnert sich Präsident Abu, der – wie andere auch – beschuldigt wurde, den Bann gebrochen zu haben, und dafür ins Gefängnis gebracht beziehungsweise bestraft wurde. Manche Mitglieder wurden auch von ihren Vermietern auf die Straße gesetzt. Doch trotz aller Gefahren erfüllten die Priestertumsführer weiterhin ihre Aufgabe als Hirten und besuchten die Mitglieder, um ihnen Kraft zu geben.
Im November 1990 wurde der Bann aufgehoben, denn die Regierung war inzwischen wohl zu der Erkenntnis gelangt, daß die Heiligen der Letzten Tage für die Gesellschaft nützlich sein konnten. Voller Freude verbreiteten die Mitglieder die gute Nachricht weiter. Die jungen Brüder aus Ghana, die in ihrer Heimat eine Mission erfüllt hatten und zu Beginn des Bannes ehrenvoll entlassen wurden waren, nahmen ihre Aufgabe jetzt begeistert wieder auf, mit Ausnahme einiger weniger, die inzwischen geheiratet hatten oder im Ausland lebten.
Viele Mitglieder betrachten den Bann heute als Segen, durch den ihr Glaube gefestigt wurde und sich ihnen neue geistige Möglichkeiten eröffneten. John Buah beispielsweise, der zwei Missionspräsidenten als Ratgeber gedient hat, meint: „Nach dem Bann wollten die guten Menschen mehr über die Kirche erfahren.” Sie wollten nämlich wissen, ob das, was sie gehört hatten, wahr sei, und erkundigten sich deshalb bei Freunden oder Nachbarn, die der Kirche angehörten. Meistens ergab sich daraus für sie die Möglichkeit, mehr über das Evangelium zu erfahren, und viele ließen sich taufen.
Heute ist es so, daß „die Kirche in allen Gemeinwesen, wo man etwas über sie weiß, gern gesehen ist”, sagt Bruder Buah. Sie wird nicht nur als Stütze der Familie angesehen, sondern man ist sich auch bewußt, daß die Kirche eine Lösung für Ghanas soziale Probleme anbietet wie beispielsweise unsittliches Verhalten, Teenagerschwangerschaften und Alkohol- und Drogenmißbrauch.
1994, als J. J. Rawling, der Präsident des Landes, Elder Dallin H.Oaks vom Kollegium der Zwölf Apostel und Elder J. Richard Clarke von den Siebzigern empfing, der damals Präsident des Gebiets Afrika war, sahen die Mitglieder darin die Bestätigung, daß ihre Religion als wichtiger Einfluß zur Kenntnis genommen wird. Endlich dürfen sie ihren Glauben genauso offen zeigen wie die Anhänger anderer Religionen.

Schwierigkeiten

Offizielle Anerkennung bedeutet natürlich nicht, daß die Mitglieder in Ghana keine Schwierigkeiten zu bewältigen haben. Im Gegenteil – sie haben mit den gleichen wirtschaftlichen und bildungspolitischen Schwierigkeiten zu kämpfen wie alle anderen Bewohner des Landes auch.
Ghana ist ein Land mit hohem Entwicklungspotential, dem es aber noch an den dafür notwendigen finanziellen Mitteln mangelt. Doch auch wenn es noch viel zuwenig Arbeitsstellen gibt, so schießen doch Kleinunternehmen wie Pilze aus dem Boden. Daran wird deutlich, daß die Menschen bereit sind, jede sich bietende Möglichkeit zur Arbeit wahrzunehmen und sich anzustrengen.
Kweku Anno aus Accra, ein Geschäftsmann, der der Kirche angehört, deutet auf die Männer, die unter dem Wellblechdach seiner Werkzeugfirma arbeiten. „Sie alle haben einen Cousin oder einen Bruder, der angelernt werden muß.” Wenn er bekanntgibt, daß er zehn Arbeiter braucht, strömen noch vor Ende des Tages 100 Menschen zu seinem Werkstor.
Er ist Maschinenbauingenieur und hat die einfachen Maschinen zur Herstellung von Beton und Ziegelsteinen selbst entworfen. Er schätzt, daß jede Maschine, die er herstellt, vier Menschen Arbeit gibt. In seiner Firma arbeiten 52 Menschen.
Bischof Holbrook Christian MacArthur aus der Gemeinde Cape Coast 1 schätzt, daß 80 Prozent der Mitglieder seiner Gemeinde entweder arbeitslos oder unter ihrem eigentlichen Niveau beschäftigt sind. Etwa 30 Prozent der Männer haben keine Arbeit – meistens handelt es sich dabei um jüngere Männer, die noch nicht im Beruf Fuß gefaßt haben. So wie überall in Ghana haben sich auch die Mitglieder seiner Gemeinde zusammengetan, um Kooperativen zu gründen, die von Bauarbeiten bis hin zum Verkauf von Nahrungsmitteln aus Maniok, einer wichtigen Getreideart in Ghana, alles machen.
Der Bischof schreibt das Beharrungsvermögen der Mitglieder trotz aller Rückschläge ihrem Glauben zu. Wenn er mit ihnen spricht, erfährt er manchmal von Problemen, bei denen andere den Mut verlieren würden. „Aber wenn man ihnen ein wenig Mut macht, gehen sie energisch an die Sache heran. Sie schauen zu Gott auf, denn sie glauben daran, daß Gott in der von ihm bestimmten Zeit wirkt.”
Dieser Glaube schenkt den Mitgliedern in Ghana Vertrauen darauf, daß der himmlische Vater über sie wacht. Beatrice Ashon beispielsweise hob eines Tages fünf Millionen Cedis (etwa 6.500 DM) in Accra von der Bank ab, um das Geld in ihr Geschäft zu investieren. Doch offensichtlich muß sie jemand dabei beobachtet haben, denn in der darauffolgenden Nacht wurde in ihr Haus eingebrochen. Die Einbrecher gaben mehrere Schüsse ab, fesselten einen ihrer Verwandten und schlossen die Kinder, die zu Besuch waren, in ein Zimmer ein. Dann forderten sie von Schwester Ashon die Herausgabe des Geldes und stahlen außerdem noch einige Haushaltsgegenstände. Glücklicherweise wurde bei dem Überfall niemand verletzt. Die Polizei erfuhr später, daß dieselbe Bande bei anderen Einbrüchen mehrere Menschen umgebracht hatte. Schwester Ashon ist davon überzeugt, daß sie und ihre Gäste von der Macht Gottes beschützt wurden.
Nach dem Überfall mußte sie ihr Geschäft allerdings aufgeben, weil ihr das notwendige Geld fehlte. „Das war eine sehr schwere Prüfung”, sagt sie dazu, „aber wir sind glücklich.” Sie beharrt im Evangelium und überlegt, wie sie finanziell neu beginnen kann.
Weil es nur sowenig Arbeit gibt und junge Paare es besonders schwer haben, schieben viele junge Leute die Eheschließung auf. Doch Kofi Opare erklärt allen zurückgekehrten Missionaren im Alter von Mitte bis Ende zwanzig, daß es falsch ist, die Heirat aufzuschieben. „Ihr dürft nicht an die Schwierigkeiten denken, sondern müßt es einfach tun.”
Mit 26 Jahren hatte Kofi das durchschnittliche Heiratsalter junger Männer in Ghana erreicht. Und so wie die meisten jungen Mitglieder waren er und seine Frau Theresa nach alter Tradition getraut worden. Vorher hatte Kofi die Eltern seiner Braut besucht und Geschenke mitgebracht, und zwar Geld statt der normalerweise üblichen alkoholischen Getränke, außerdem Stoff, ein Gesangbuch für Theresa und einen Verlobungsring.
Die Hochzeit fand im Dezember 1994 statt, doch Kofi und Theresa wollten mit dem Zusammenleben so lange warten, bis sie in einem Gemeindehaus der Kirche getraut werden konnten. Im Juni 1995 war es dann soweit. Die beiden wollten die Kirche von Anfang an in ihre Ehe einbeziehen. Die Zeit bis zur Trauung in der Kirche nutzten sie, indem sie sich um praktische Angelegenheiten kümmerten – sie sparten für die Haushaltsgründung und suchten sich eine Wohnung.
Theresa betrieb eine Änderungsschneiderei, die ihr ein regelmäßiges Einkommen ermöglichte, doch Kofi mußte jeden Job annehmen, den er bekommen konnte. Trotzdem waren die beiden der Meinung, daß man auch einmal eine mutige Entscheidung treffen muß. Theresa meint, daß ein kluger Mann eine Frau in der Kirche suchen müsse, die sich über den ewigen Zweck der Ehe im klaren sei und keine materiellen Güter verlange. „Es sind immer zwei Menschen notwendig, damit die Ehe glücklich werden kann.”

Immer mehr Ghanaer lernen lesen und schreiben
Viele Mitglieder haben damit zu kämpfen, daß sie weder lesen noch schreiben können. Obwohl Englisch die Amtssprache in Ghana ist, können die meisten Menschen nur ihren afrikanischen Dialekt sprechen. Diejenigen, die die Schule abgeschlossen haben, sprechen meistens auch Englisch und zusätzlich noch eine weitere europäische Sprache sowie mehrere afrikanische Sprachen. Aber die meisten Schulen sind Privatschulen, die hauptsächlich von religiösen Gruppen betrieben werden und Schulgebühren verlangen. Dadurch bleibt manchen jungen Menschen der Schulbesuch verwehrt, was dazu führt, daß sie keinen qualifizierten Beruf erlernen, nicht mit Menschen aus anderen Gebieten kommunizieren und sich auch nicht an der heiligen Schrift weiden können.
Deshalb wird in vielen Pfählen und Gemeinden, Distrikten und Zweigen im ganzen Land Lese- und Schreibunterricht erteilt.
Alice Sackey, die JD-Leiterin des Pfahls Accra, setzt großes Vertrauen in die jungen Mitglieder der Kirche: „Ich weiß, daß unsere jungen Leute zu starken Führungspersönlichkeiten heranwachsen werden.” Sie sagt, daß ihr Engagement und ihr Gehorsam hervorragend seien, daß sie aber die Notwendigkeit sehe, in ihrer Eigenschaft als JD-Leiterin mehr Jugendlichen zu helfen, lesen und schreiben zu lernen. „Manche Mädchen gehen nicht zur Schule. Wir haben uns aber das Ziel gesetzt, daß jedes Mädchen, das das JD-Programm durchläuft, die englische Sprache lesen und schreiben kann, ehe es in die FHV überwechselt.”
Cecelia Oduro, die FHV-Leiterin des Pfahls Cape Coast, weist darauf hin, daß jeder, der nicht Englisch kann, Probleme bei der Beschäftigung mit dem Evangelium hat: „Er kann es nicht richtig verstehen, wenn er es nicht selbst lesen kann.” Sie hat schon häufig miterlebt, wie Mitglieder, die es sich nicht zugetraut hatten, Englisch zu lernen, später große Freude empfanden, weil sie die Sprache nun so fließend beherrschten, daß sie die Schätze in der heiligen Schrift selbst entdecken konnten.
Die Mitglieder, die nie mit diesem Problem zu kämpfen hatten, gehen mit gutem Beispiel voran, indem sie sich am Wort Gottes weideten. Ronald Adjei Danso aus Accra, der eine Mission erfüllt hat, ist überzeugt, daß er kaum in der Lage wäre, die geistigen Anforderungen des Lebens zu meistern, wenn er nicht unablässig in der heiligen Schrift forschen würde. Edmund Frempong, ehemals Bischof und nun Hoher Rat im Pfahl Accra, hat sich der Kirche unter anderem deshalb angeschlossen, weil das Evangelium eine Antwort auf seine theologischen Fragen bot. „Ich habe festgestellt, daß die Lehren der Kirche logisch aufgebaut und in sich schlüssig sind. Alles, was wahr ist, muß auch den Verstand überzeugen.”
Seiner Meinung nach veranschaulicht und erklärt der Erlösungsplan, den der himmlische Vater für seine Kinder aufgestellt hat, den Zweck des Lebens, so wie ihn auch seine Vorfahren dargestellt haben, nämlich daß der Mensch aus einer geistigen Welt kommt und nach dem Leben hier auf der Erde in diese Welt zurückkehrt. „Diesen Gedanken wollten meine Vorfahren deutlich machen”

Irrtümer berichtigen

Die Mitglieder sehen sich noch häufig falschen Informationen und Irrtümern der Kirche ausgesetzt. Viele Bewohner Ghanas halten noch an falschen Vorstellungen fest.
Die meisten Bewohner Ghanas sind Christen; es gibt aber auch viele Moslems und viele Anhänger der alten einheimischen Religionen. Während die meisten etablierten christlichen Religionen gut vertreten sind schießen neue Kirchen, die sich nur auf eine einzige Lehre der Bibel konzentrieren, wie Pilze aus dem Boden. Doch die Mitglieder sagen, daß sich diese Situation in vielerlei Hinsicht als Segen erweist, weil die Kinder nun schon in der Grund schule etwas über Jesus Christus hören und sittliche Wertvorstellungen kennenlernen.
In diesem religiösen Umfeld hält sich allerdings auch die Vorstellung, die Heiligen der Letzten Tage seien keine Christen, weil ihre Lehre anders ist. Monica Ohene-Opare leitet eine Schule, und manche Eltern haben ihre Kinder von der Schule genommen, als sie hörten, daß Schwester Ohene-Opare der Kirche angehört. Andere wiederum waren angenehm überrascht von den Lehren der Kirche in bezug auf Jesus Christus, die in den PV-Liedern, die sie mit ihren Kindern im Unterricht sang, zum Ausdruck kamen.
Kenneth Kohena Andam ist Präsident des Pfahls Cape Coast. Er meint, daß die Behauptung, die Heiligen der Letzten Tage glaubten nicht an Jesus Christus, zunehmend an Glaubwürdigkeit verliere. Vielen Bewohnern Ghanas „wird jetzt bewußt, daß unsere Kirche eine christliche Kirche ist. Und sie merken auch, daß unsere Lebensführung etwas ganz Besonderes ist.” Bruder Andam meint sogar, die Lehren der Kirche seien inzwischen so gut bekannt, daß an die Mitglieder höhere Verhaltensmaßstäbe gelegt würden.
Auch die kritische These aus der frühen Zeit, die Kirche sei „eine Kirche der Weißen”, ist inzwischen überholt. In der Anfangszeit der Kirche in Ghana wurde nämlich die Behauptung verbreitet, Angehörige einer anderen Rasse und Kultur seien nach Afrika gekommen, um seine Bewohner erneut auszubeuten. Doch die Menschen, die die neuen Evangeliumswahrheiten zu schätzen wußten, ließen sich nicht von der Taufe abbringen, und wer die christliche Liebe der Missionare spürte, konnte nicht mehr glauben, daß sie gekommen waren, um die Afrikaner auszubeuten. Heute dienen Einheimische in den Pfählen, Gemeinden, Distrikten und Zweigen der Kirche. als Führer, und sie führen das Programm der Kirche häufig so gut durch, daß sich andere Mitglieder an ihnen ein Beispiel nehmen könnten.

Was ein gutes Beispiel bewirkt

Das Beispiel, das viele Mitglieder in Ghana ihren Freunden und Verwandten geben, wirkt sich sehr positiv aus.
Phillip Ohene, der als Sekretär des Zweigs Koforidua 2 dient, erzählt, sein Arbeitgeber, der der Kirche angehöre, habe ihn durch sein Verhalten auf die Kirche aufmerksam gemacht. ,Wenn er mir etwas auftrug, dann verhielt er sich auch selbst so." Sein gutes Beispiel veranlaßte Bruder Ohene, sich mit dem Evangelium zu beschäftigen. Bezüglich der Einstellung von Nichtmitgliedern zur Kirche meint er: „Was sie hören, ist nicht so wichtig. Viel wichtiger ist, was sie sehen.”
Was die Eltern von John Sule-Bukari sahen, die selbst Moslems sind, brachte sie zu der Erkenntnis, daß ihre Kinder in der Kirche gut aufgehoben sind. John, sein älterer Bruder und zwei ältere Schwestern gehören der Kirche an. John sagt, daß seine Eltern erfreut darüber seien, wie sich ihre Kinder durch das Evangelium verändert hätten. Eine seiner Schwestern und sein Bruder haben eine Vollzeitmission erfüllt, und john selbst, der derzeit als Zweiter Ratgeber in der Junge-Männer-Leitung der Gemeinde Koforidua 2 dient, möchte als nächster auf Mission gehen. Dazu muß er aber erst Absprachen bezüglich des zweijährigen Nationaldienstes treffen, der sowohl aus einer militärischen Ausbildung als auch dem Unterrichten an einer Schule bestehen kann.
Das gute Beispiel solcher Mitglieder ist wohl deshalb so etwas Besonderes, weil sie sich, was ihr Leben und die damit verbundenen Schwierigkeiten angeht, vom Evangelium leiten lassen.
Jonathan Koranteng, Erster Ratgeber in der Bischofschaft der Gemeinde Tesano in Accra meint, solche Schwierigkeiten gäben den Mitgliedern die einzigartige Möglichkeit, geistig Fortschritt zu machen. Manche Kirchen lehren, daß für Menschen, die zu Gott kommen, alle Probleme gelöst werden, doch wir wissen, daß wir dankbar sein müssen, daß wir nicht von Prüfungen verschont bleiben. „Sie gehören doch zum Plan des himmlischen Vaters und sollen uns für eine bessere Zukunft bereitmachen.”
Bruder Koranteng, der selbst viele Widrigkeiten erlebt hat, weist darauf hin, daß Lehi gesagt hat, es müsse in allem einen Gegensatz gehen (siehe 2. Nephi 2:11, 15). „Ich bete nur darum, daß ich den Mut habe, alles zu bewältigen, was sich mir in den Weg stellt.”
Schwester Kaku aus Cape Coast weiß, daß den Mitgliedern bei der Bewältigung ihrer Probleme die beste Hilfe zuteil wird. „Wenn man den Geist mit sich hat, kann man überall nach dem Evangelium leben.”
Und hinsichtlich der Mitglieder, die überall auf der Erde verstreut sind, sagt sie. „Wir haben dasselbe Evangelium, dieselbe Einigkeit, dieselbe Liebe — alles.” Und auch wenn die Hautfarbe unterschiedlich sein mag: „Sobald sich die Mitglieder versammeln, ist das unwichtig geworden. Der Geist ist derselbe. Der Geist macht, daß wir eins sind.”
Don L. Searle, Oktober 1996

01:51 - 25.04.2008


Vorherige Seite Nächste Seite
Beschreibung
Hier veröffentliche ich Berichte aus alten Kirchenzeitschriften über das Evangelium in anderen Ländern
Home
Profil
Archiv
Freunde
Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage
Mormonwiki
Fairmormon
FAIR
Jesus
Das Buch Mormon überzeugt
mehr zum Buch Mormon
besondere Erlebnisse
Bekehrungsgeschichten
Berichte der Pioniere
Abenteuer der Mormonen
Geschichte der Mormonen (außer funktion)
Propheten
Joseph Smith
Offenbarungen
Der Geist des Elija
Genealogie
Tempel und Tempelarbeit
Missionsarbeit
Die Gebote
Gedenke des Sabbats
Gesetz der Keuschheit
Der Zehnte
Wort der Weisheit
Fasten
Kontroversen
Der Glaube der Mormonen
Letzte Einträge
- Zwischenfall in einem samoanischen Dorf
- Eine Tasse Tee
- Japan - Das Land des aufgehenden Lichts
- Nächstenliebe auf Hawaiianisch
- Mexiko
- Haiti
- Sowjetunion
- Brooklyn
- Dominikanische Republik
- Singapur
- Tonga
- Mistolar -- eine geistige Oase
- Afrika
- Ghana
- Chile
- Ungarn
- Die Australier -- ein interssantes Volk
- Indien
- Estland
- Tahiti
- Puerto Rico
- Belfast -- Die Mauern fallen
- Frankreich
- Eine gemeinsame Sprache in Papua-Neuguinea
- Samoa
- Bahamas
- Island -- Land aus Feuer und Eis
- Das Evangelium faßt Fuß in Kambodscha
- Das Evangelium in den Anden
- Die Mitglieder in Tschechien
- Das Evagelum kommt nach Kapverde
- Hongkong -- ein Traum wird wahr
- Tudo Bern in Brasilien
- Eine mächtige Wandlung in der Mongolei
- Die verlorene Insel
- Pioniere In Paraguay
- Equador
- die Heiligen in Portugal
- Erde; Meer und Seelen in Dänemark
- Korea -- Land der Morgenfrische
- Fidschi -- Inseln des Glaubens
- Ein Weihnachtsgeschenk für Ungarn
- In Mikronesien wird ein neuer Kurs gesteuert
- Die Heiligen in Indonesien
- Pioniere an der Elfenbeinküste
- Argentiniens heller froher Tag
- Gläubig, gut, tugenhaft, treu -- Pioniere auf den Phillippinen
- Wie das Evangelium in Osteuropa fußfaßt
- Vermächtnis des Glaubens in Rußland
- Sowetos helle Zukunft
- Die Seevögel von Kiribati
- Bolivien -- Segnungen im Überfluss
- Spanien -- Glaubenshorizonte erforschen
- Noch ein Bericht von HLTs aus der Ukraine
- Ukraine
- Honduras
- Taiwan - vier Jahrzahnte des Glaubens
- Neukaledonien