Mormonen - Das Evangelium in aller Welt

Tonga

Die Mitglieder in Tonga
Ein Vermächtnis des Glaubens
Heute tragen manche der einheimischen tonganiscchen Missionare das traditionelle tpenu und ta'ovalas zusammen mit weißem Hemd und Krawatte

Die Missionare, die ganz am Anfang in Tonga waren, würden die Feier anläßlich des hundertjährigen Bestehens der Kirche in Tonga gewiß für ein großes Wunder halten. Schweren Herzens haben sie nämlich 1897 den tonganischen Teil der Mission Samoa aufgegeben — nur fünf Jahre und neun Monate nachdem Elder Brigham Smoot und Elder Alva Butler dort mit der Missionsarbeit begonnen hatten.

Von 1891 bis 1897 hatten rund zwanzig Missionare auf den Freundschaftsinseln gearbeitet und nur fünfzehn Tonganer getauft. In Tonga war das Christentum recht stark, weil schon früh protestantische Missionare gekommen waren (siehe den Begleitartikel). Aber die Tonganer fühlten sich ihrem König und seiner Religion verpflichtet — desgleichen den Dorfgeistlichen, die ein wachsames Auge auf ihre Herde hatten — und hielten sich zum größten Teil von den Heiligen der Letzten Tage, die ja Amerikaner waren, fern.
Die Mission wurde 1907 wieder eröffnet und wuchs zunächst langsam. Dann aber entwickelte sie sich rasch zu einer mächtigen Gemeinde. Über dreißigtausend Mitglieder, zehn Pfähle, neunzig Gemeindehäuser, ein Dutzend Mittelschulen, zwei Oberschulen und ein Tempel legen Zeugnis ab von dem Wunder, das heute in Tonga und überall, wo die tonganischen Mitglieder vertreten sind, zu sehen ist.
Warum spielt die Kirche heute in Tonga eine so wichtige Rolle, und zwar nicht nur zahlenmäßig, sondern auch im Engagement der Mitglieder? Was hat aus der schwierigen, langsamen Mission eine der am schnellsten wachsenden in der ganzen Welt gemacht?
Die Antwort liegt in der Lebensgeschichte und im lebendigen Zeugnis der Mitglieder. Sie offenbaren eine Eigenschaft, der die Kirche in Tonga ihr Wachstum zu verdanken hat, nämlich tiefgehenden Glauben — den Glauben, den tobenden Naturgewalten zu trotzen, um das Werk des Herrn zu verrichten, den Glauben, alte Gewohnheiten und Vorurteile zu überwinden, den Glauben, der darauf vertraut, daß der Herr Gebete erhört.

Werft das Baby

In den Geschichten vom Glauben der Tonganer geht es oft darum, daß man den Naturgewalten trotzen muß, um das Werk des Herrn zu verrichten. Die tonganischen Mitglieder, die auf schwierigen Seereisen und inmitten von Stürmen dem Herrn vertraut haben, sind mit dem Mut gesegnet worden, Ungewöhnliches zu leisten.
Sela Feinga, die jetzt im Polynesischen Kulturzentrum in Laie auf Hawaii arbeitet, erzählt, wie sie und ihr Mann Ha’unga 1965 auf Mission berufen wurden. Sie erhielten den Auftrag, auf den verschiedenen tonganischen Inseln Gemeindehäuser zu bauen. Zusammen mit ihrer fünf Monate alten Tochter, die gerade hohes Fieber hatte, reisten die Feingas zu der abgelegenen Insel Fotuha’a, die von Felsenklippen umgeben ist, um die ständig das Meer braust und tobt.
Die Reisenden, die nach Fotuha’a wollten, mußten vom Motorboot auf ein Auslegerkanu umsteigen und dann zu einem Felsvorsprung schwimmen, der von tiefem Wasser umgeben war. Wer nicht schwimmen konnte, mußte in die ausgestreckten Arme der Inselbewohner springen, die bereitstanden, um das Gepäck vom Kanu zu fangen. Eine solche Landung war nicht ohne Risiko, da sie genau mit den Wellen abgestimmt werden mußte, die bis zu dem Felsvorsprung emporbrausten und dann wieder fünf bis sieben Meter darunter abfielen. Schwester Feinga machte die Erfahrung, daß diese Reise ihr buchstäblich einen „Sprung des Glaubens” abverlangte:
Am Morgen unserer Abreise hatte die Kleine noch immer hohes Fieber. Von Kopf bis Fuß brachen am ganzen Körper kleine Pusteln aus. Sie hatte Masern. So sehr ich aber auch flehte, nichts konnte meinen Mann umstimmen. Ich wickelte die Kleine in eine Decke und stieg in das kleine, offene Boot, das uns nach Fotuha’a bringen sollte.
Als wir uns der Insel näherten, ragten fürchterliche Klippen und eine felsige Küste vor uns auf. Riesige Wellen türmten sich um uns auf. Ein paar Inselbewohner standen bereits auf dem Felsvorsprung und warteten—auf uns und unser Gepäck.
Das Kanu kam auf uns zu, ein kleines Auslegerboot, das von einem jungen Lehrer gerudert wurde, der auf der Insel wohnte. Als wir uns dem Felsen näherten, sagte er: „Wir zählen jetzt die Wellen, und wenn eine kommt, die so hoch ist, daß sie uns bis zum Felsvorsprung trägt, müßt ihr auf den Felsen springen oder eure Sachen den Leuten zuwerfen, die dort stehen.”
Ich war wie benommen vor Angst. Es regnete, und wir kamen dem gefährlichen Landeplatz immer näher. Da rief der Lehrer meinem Mann zu: „Mach das Baby bereit! Sie kommt als erste dran!”
Der Mann auf dem Felsvorsprung schrie meinem Mann in dem Augenblick zu: „He, du da mit dem Baby! Nimm die Decke weg, und zieh das Baby aus!”
„Das geht nicht!” schrie ich. „Die Kleine hat Masern. Wir dürfen sie nicht ausziehen!”
Unser Ruderer sagte streng zu Ha’unga: „Du mußt ihr alles ausziehen, weil du sie an Land werfen mußt. Du kannst es nicht riskieren, daß der Mann sie auf die Felsen oder ins Meer fallen läßt, weil sie noch die Decke oder sonst etwas umhat.”
Da kam wieder der Befehl vom Felsen: „Beeilt euch, zieht das Baby aus!”
Aber mein armer Mann war wie gelähmt. Er hatte inzwischen sicher genauso große Angst wie ich.
Der junge Lehrer riß Ha’unga das Baby aus dem Arm und zog es in Windeseile aus. Nur die kleine Windel behielt es an. Da kam eine Welle und hob das Kanu hoch, aber noch nicht hoch genug. Als die Welle sank, sanken wir mit. Wieder kam eine Welle, aber auch sie war nicht hoch genug.
Mit der nächsten Welle hörte ich den Befehl: „Werft das Baby!” Ich schrie entsetzt auf. Ich konnte nicht hinsehen. Als nächstes hörte ich meinen Mann sagen: „Hab keine Angst mehr. Sie ist in Sicherheit.”
Aber Schwester Feinga blieb keine Zeit, dankbar zu sein, denn sie war als nächste an der Reihe. Hysterisch vor Angst verpaßte sie viermal die „richtige” Welle, bis der Mann auf dem Felsen schrie: „Frau, willst du dein Baby wiedersehen oder nicht?” Mit einem Gebet auf den Lippen, „O Herr, bitte erweis mir deine Liebe und hilf mir jetzt um meines Babys willen”, sprang sie in Sicherheit.
Auch Taukolo Langi unternahm eine Reise, die großen Glauben verlangte. Er war mit seiner Frau Temalisi in Ha’apai auf Mission. Sie wurden gebeten, ihre Mission zu verlängern, damit Bruder Langi in Felemea als Zweigpräsident dienen konnte, und das Ehepaar begann, sich um die weniger aktiven Mitglieder am Ort zu bemühen. An einem Samstag im Jahre 1958 konnten Bruder Langi und sein fünfjähriger Sohn Taniela, die in Pangai die Distriktsversammlungen besucht hatten, nicht zu den Sonntagsversammlungen nach Felemea zurückkehren. Es war Ebbe, und sie gelangten über das Riff nach Onleva bis zu ihrem Freund Sione Moala Havili, aber dieser meinte, sie sollten nicht einmal im Traum daran denken, nach Felemea überzusetzen. Das Meer war so aufgewühlt, daß keine Boote ankamen oder abfuhren. Aber Bruder Langi hatte nur eins im Sinn: er wollte zurück, um am Sonntag über den Gottesdienst in Felemea zu präsidieren, und er wollte seine Frau wiedersehen, die im achten Monat schwanger war:
Ich war fest entschlossen, die Überfahrt zu wagen, und hatte das Gefühl, ich würde beschützt werden, da ich ja im Dienst des Herrn stand. Ich bat Taniela, mit mir in Sione Moalas Auslegerkanu niederzuknien und den himmlischen Vater anzuflehen, er möge uns auf der Überfahrt beschützen. Während wir beteten, brachen sich riesige Wellen donnernd am Ufer.
Ich fuhr auf das Meer hinaus, und der kleine Taniela saß direkt vor mir. Mein Glaube war zwar stark, aber ich rechnete nicht mit einer leichten Überfahrt über die unruhigsten Gewässer Tongas, vor allem nicht in einem tonganischen Auslegerboot, das so tief im Wasser lag.
Aber wir hätten genausogut über ruhige See fahren können. Wir wurden kaum naß und mußten auch kein Wasser schöpfen. Wir gelangten leicht durch die Brandung und landeten und wurden von den Leuten, die über unser Erscheinen verblüfft waren, mit Fragen überhäuft. Seit drei Tagen hatte niemand die Küste von Felemea verlassen, weil die See so stürmisch gewesen war. Ich war zutiefst dankbar, weil der Herr uns so offensichtlich gesegnet hatte.
Die tonganischen Mitglieder bezeugen: der Glaube daran, daß der Herr sie vor den Naturgewalten beschützt, hat nicht nur sie gerettet, sondern, wie im Fall von Tevita Taimani, auch die Menschen, denen sie helfen wollten.
Bruder Taimani erzählt, wie er eine kranke Frau zum Krankenhaus in Ha’afeva gebracht hat, und zwar in einem Boot mit einem 15-PS-Motor und durch hohe Wellen und einen schrecklichen Sturm. Ohne daß er es gemerkt hatte, war der Benzintank über Bord gefallen, als das Boot von einer Welle getroffen worden war; auch die Benzinleitung war unterbrochen:
Als die Patientin eingestiegen war, ließ ich den Motor an. Ich kann kaum glauben, daß ich nicht merkte, daß der Benzintank und der Schlauch fehlten. Aber das Boot fuhr los, und wir fuhren über das Meer. Der Motor mußte sich in den hohen Wellen sehr anstrengen, aber er stotterte nicht. Wenn er ausgegangen wäre, hätten wir uns in einer katastrophalen Lage befunden – wir wären auf das offene Meer abgetrieben oder irgendwo gegen ein Riff geschleudert worden.
Erst als wir sicher in Ha ‘afeva ankerten, entdeckte ich, daß der Benzintank nicht mehr da war und daß wir die rauhen Gewässer ohne Benzin für unseren kleinen Außenbordmotor überquert hatten. Das ist gewiß ein Beispiel dafür, wie wir beschützt werden, wenn wir dem Herrn dienen.

Genug Glauben, um sich zu ändern
Der Glaube der Mitglieder in Tonga bewirkt aber auch Wunder, die weniger offensichtlich sind – zum Beispiel das Wunder, alte Gewohnheiten und Vorurteile abzulegen und sich voll Glauben zu ändern.
Lu’isa Palauni Kongaika schildert ihren Mann Viliami als lieben, fröhlichen Menschen und sagt, sie sei früher eigensinnig und streitsüchtig gewesen und habe gern dominiert.
Als Schwester Kongaika 1946 mit ihrem Mann auf Mission war, hatte sie einen Traum, der großen Einfluß auf sie hatte. Sie sagt: „Ich wurde mir dessen bewußt, daß meine Angewohnheit, zu schimpfen, und meine scharfe Zunge sowohl für meinen Mann als auch für unsere Missionsarbeit zur Belastung geworden waren.”
In dem Traum erschien mir der tonganische Missionspräsident, Emile C. Dunn, und sagte, er wolle gern, daß ich ihn mit seiner Frau und seiner Tochter zu einer besonderen Konferenz begleitete, bei der der Herr selbst anwesend sein werde. Überglücklich ging ich mit.
Als wir dort ankamen, sah ich einen hohen, massiven Stein, der wie eine Tür geformt war. Ich erfuhr, dass Christus sich hinter dieser Tür befand und jeden von uns zu einer Unterredung empfangen werde.
Als ich an der Reihe war, ging ich fröhlich und zuversichtlich zu meiner Unterredung, aber der Herr sah mich streng an und sagte: „O Frau mit dem bösen Mundwerk, ich will dich nicht sehen. Du sagst soviel Häßliches zu deinem Mann. Du hast zwar auch gute Eigenschaften, aber deine ständigen Nörgeleien und dein Spott sind eine Schande. Geh mir aus den Augen!”
Ich heulte und flehte, bis ich schließlich mir selbst und meinem Kummer überlassen blieb. Von meinem Schluchzen wurde ich wach, und ich bat meinen Mann sofort um Verzeihung. Ich war tyrannisch und aggressiv gewesen und hatte sein liebes Wesen ausgenutzt. Aber jetzt flehte ich ihn um Verzeihung an
Seit dem Augenblick bin ich in der Beziehung zu meinem Mann ein anderer Mensch. Ich liebe ihn viel mehr, habe eine positive Einstellung und bin bereit, ihn zu unterstützen.
Auch Sione 'Oleli Piutau Tupou hat die Erfahrung gemacht, daß eine geistige Reise genausoviel Glauben erfordert wie eine wirkliche Reise. Er ist in der Kirche aufgewachsen; seine Eltern waren wirklich treue Mitglieder gewesen. Aber nach ihrem Tod irrte er ab und wurde in einer anderen christlichen Gemeinde aktiv. Aber 1984, nach sechsundvierzig Jahren, hörte er, in seinem Dorf solle ein Film gezeigt werden, der gegen die Mormonen gerichtet war.
Am angegebenen Tag saß ich zur festgesetzten Stunde im Clubhaus und sah, wie die Leute Schlange standen, um sich den Film anzusehen. Ich war empört und traurig, daß eine Kirche, an der so viel Gutes war, öffentlich angegriffen werden sollte.
Während ich so traurig dasaß, spürte ich plötzlich die Gegenwart meines Vaters und meiner Mutter, die doch schon so viele Jahre tot waren. Da konnte ich die Tränen nicht mehr zurückhalten und stand zur Überraschung der anderen Clubmitglieder auf und ging nach Hause.
In der Nacht fühlte ich mich elend und konnte nicht schlafen, und am nächsten Morgen war es noch schlimmer. Ich wußte im Innersten, daß ich Gottes Hilfe brauchte, um der Finsternis, die mich umgab, zu entrinnen, und so begann ich zu fasten und den himmlischen Vater anzuflehen, er möge mir helfen.
Als ich das Fasten beendete, spürte ich unbeschreibliche Erleichterung und Freude: der himmlische Vater gab mir die Ermahnung und den Mut ins Herz, in seine Kirche, meine Kirche, die Kirche meines Vaters und meiner Mutter zurückzukehren.
Am Sonntag zog ich meinen besten Anzug an und ging zum Gemeindehaus. Die Mitglieder waren so überrascht, mich zu sehen, wie die Mitglieder meiner bisherigen Gemeinde verbittert waren, weil ich nicht mehr kam. Seitdem habe ich keine Versammlung der Kirche ausgelassen. Seit ich mich wieder bekehrt habe, ist meine Familie reich gesegnet worden. Ich denke oft über die merkwürdigen Umstände nach, die mich dazu gebracht haben, ernsthaft über die Kirche nachzudenken, und die mich die Nähe meiner verstorbenen Eltern haben spüren lassen und mir als Anstoß gedient haben, mich durch Fasten und Beten um ein Zeugnis von der Wahrheit zu bemühen.

Der Herr sorgt für uns
In Tonga ist auch der Glaube tief verwurzelt, daß der Herr für uns sorgt – sei es mit Nahrung oder mit Hilfe in der Not.

Als Saia Paongo 1964 auf Mission war, unterstanden ihm auf der abgelegenen Insel Niva Toputapu sechs Missionare. Oft wußten sie nicht, woher ihre nächste Mahlzeit kommen sollte. An einem Tag, an dem sie fasteten, besuchten sie verschiedene Familien in Falehau und predigten ihnen. Als sie ihr Fasten beendet hatten, hatten sie allerdings nichts zu essen. Als sie aus ihrer Hütte kamen, hatte Elder Paongo das folgende Erlebnis:
Es war, als ob jemand zu mir sagte: „Nimm deine Missionare mit an die Küste auf der anderen Seite der Insel.” Ich bat meinen Mitarbeiter, einen Fischspeer mitzunehmen, und wir begaben uns alle an die felsige Küste von Niva Toputapu.
Leider herrschte schon Flut, als wir ankamen. Es war unmöglich, auf den Klippen mit dem Speer zu fischen. Enttäuscht setzten wir uns nieder, um auszuruhen; nur Elder Fonua ging allein am Strand entlang.
Plötzlich rief er, wir sollten zu ihm kommen. Wir rannten hin und sahen etwas Wunderbares: eine große, fette Menenga, ein Papageifisch aus der Tiefsee, war dort gestrandet. Es war unglaublich; er war auf den Sand geschwommen. Fast einen Meter lang und dreißig Zentimeter breit ergab er ein herrliches Festessen.
Ich weiß, daß dieser Fisch für uns bereitet worden war und daß der himmlische Vater die hungrigen Missionare liebhat, auch die auf einer kleinen, abgelegenen Insel.
Dr. Salesi Havilis inbrünstiges Beten wurde im Operationssaal des Krankenhauses in Nana'u erhört. Dr. Havili und seine Frau Selu hatten sich ein Jahr zuvor, nämlich 1977, der Kirche angeschlossen und bereiteten sich auf den Tempel vor. Aber er machte während einer Operation noch eine wichtige Glaubensprüfung durch, ehe er in den Tempel gehen konnte.
In einem Krankenhaus auf einer abgelegenen Insel ist eine Operation immer gewissen Einschränkungen unterworfen. Die beiden Chirurgen und Dr. Havili, der Anästhesist, begannen Mafi Vakaloa, einen älteren Mann, zu operieren. Als die Krankenschwester Dr. Havili zuflüsterte, sie könne Mafi Vakaloas Puls nicht mehr fühlen, stellte Dr. Havili fest, daß der Patient auf dem Operationstisch gestorben war. In Panik überprüfte er alles, um festzustellen, was falsch gemacht worden war. Schließlich begann er zu beten.
Es war ein zwar verzweifeltes, aber zuerst doch auch ein seichtes Gebet. Schließlich wußte ich als Arzt, daß Mafi tot war. Und in Anbetracht meiner Kenntnisse und der Umgebung hatte ich alle Möglichkeiten, ihn wiederzubeleben, genutzt.
Ich betete weiter, ein zweites und ein drittes Mal, von Schuldgefühlen und Zweifeln beherrscht. Zwar flehte ich den himmlischen Vater an, Mafis Herz wieder schlagen zu lassen, aber ich wußte nur zu gut, daß er in medizinischer Hinsicht tot war, und hatte zu große Angst, ich könnte seinen Tod verursacht haben. Aber ich betete immer und immer wieder und hatte schließlich das Gefühl, Mafis Leben hänge davon ab, wie aufrichtig ich betete und wie sehr ich glaubte – ich hatte das Gefühl, daß in dieser Krise mein Glaube geprüft werden sollte, da ich kurz davor stand, in den Tempel zu gehen.
Achtzehn Minuten waren vergangen, seit Mafis Herz aufgehört hatte zu schlagen. Ich betete noch inbrünstiger und versprach dem Herrn, ihm mein Leben ganz und gar zu weihen, wenn er diesen Mann wiederbelebte.
Schließlich neigte ich den Kopf noch einmal und betete mit einer Inbrunst und Innigkeit, wie ich sie nie zuvor gekannt hatte. Während ich so mit dem Herrn sprach, unterdrückte ich auch den leisesten Zweifel und betete, bis ich wußte: wenn ich die Augen aufmachte, würde Mafis Herz wieder schlagen.
So war es dann auch. Mafis Herz begann wieder zu schlagen, nachdem es fünfundzwanzig Minuten lang nicht geschlagen hatte. Ich war von Freude und Ehrfurcht erfüllt. Am nächsten Morgen erzählte ich den Ärzten und der Krankenschwester, was geschehen war. Als ich dann meine Visite machte, war ich zutiefst berührt, als ich Mafis Frau bei ihrem Mann sitzen sah. Mafi war wach und ansprechbar — und er war am Leben.

HIer hat der Glaube Tradition.....
Als Henoch LaVell Manwaring 1957 als Baumissionar in Tonga diente, nahm er einige der Baumissionare auf die Insel 'Uiha mit, um dort ein Gemeindehaus zu bauen. Eine kleine, ältere Dame namens Vaikato bestand darauf, beim Bau zu helfen, obwohl sie wahrscheinlich bereits über hundert Jahre alt war. Die Missionare versuchten sie davon abzubringen, daß sie die schweren Ziegel und die Eimer trug, aber sie wollte ihnen unbedingt helfen.
Die Arbeit am Bau ging weiter, und eines Tages fragten einige der tonganischen Baumissionare Bruder Manwaring, ob er Vaikato von den Bauplänen erzählt habe. Er verneinte das und war überrascht, als sie ihm erklärten, Vaikato wisse bereits, wie das Gemeindehaus aussehen werde:
Die Männer erzählten, sie erkläre allen Arbeitern, wo sich die Klassenzimmer befinden würden, wo das Rednerpult stehen werde und wie das Gemeindehaus im fertigen Zustand aussehen werde. Das erstaunte mich sehr.
Durch einen Dolmetscher erfuhr ich, daß sie zwanzig Jahre vor Einführung des Bauprogramms im Südpazifik von Elder George Albert Smith, der damals die tonganischen Inseln besuchte, einen Segen erhalten hatte. In dem Segen hatte er ihr gesagt, wenn sie treu bleibe, werde sie erleben, daß auf ihrer Insel ein wunderschönes Gemeindehaus errichtet werde – und während er gesprochen hatte, hatte sie das Gemeindehaus deutlich vor sich gesehen.
Gewiß müssen auch die ersten Missionare der Kirche, die vor hundert Jahren in Tonga gelandet sind, ihre Visionen gehabt haben. Ihre aufrichtigen Bemühungen, derer dieses Jahr bei der Hundertjahrfeier gedacht wird, haben letztlich den Weg dazu bereitet, daß die Kirche so sehr wachsen konnte. Ein Symbol für dieses Wachstum ist der wunderschöne Tempel in Nuku'alofa — ein passendes Monument des Glaubens, der im Leben der tonganischen Mitglieder so eindrucksvoll deutlich wird.

Von Eric B. Shumway, August 1991
Eric B. Shumway lehrt an der Brigham Young University — Hawaii. Die genannten Begebenheiten sind seinem Buch „Tongau Saints, Legacy of Faith” entnommen, das das Institut für polynesische Studien der Universität anläßlich des hundertjährigen Bestehens der Kirche in Tonga herausgegeben hat.

Das Christentum hat in Tonga Tradition
Wenn wir heute die Entwicklung der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage in Tonga feiern, müssen wir auch den Männern und Frauen unsere Anerkennung bekunden, die mitgeholfen haben, den tonganischen Inseln das Christentum zu bringen. Die christlichen Missionare, vor allem die Methodisten, wußten zwar nichts von der Wiederherstellung des Evangeliums, aber sie waren die kau fakamelomelo (diejenigen, die den Weg bereiten). Sie lehrten die Menschen beten, übersetzten die Bibel und gründeten Schulen und Gemeinden für die Tonganer.
Die weißen protestantischen Missionare taten sich mit tonganischen Missionaren zusammen, aber ein Hindernis war die Treue, mit der die Tonganer ihren Häuptlingen ergeben waren. Ein großer Wandel fand statt, als Häuptling Taufa'ahau sich 1831 taufen ließ und eine heftige Kampagne gegen die alte einheimische Religion in Gang setzte.
Taufa'ahau nahm den christlichen Namen George an, lernte lesen und schreiben und diente in der Methodistenkirche als Prediger. Er war ein intelligenter und einflußreicher Mann und wurde zur treibenden Kraft in der Kirche. Als er 1845 Tu 'i Kanokupolu, König über ganz Tonga, wurde, schwächte er die nichtchristlichen Verbindungen sehr, bis sie keine Bedrohung mehr darstellten.
Die Methodisten blieben bis zum 4. Januar 1885 die anerkannte Staatsreligion. Dann gründete König George die unabhängige Freie Kirche von Tonga. Sie war zwar der Form und Lehre nach methodistisch, aber unabhängig. Die gesellschaftlichen, religiösen und politischen Nachwehen dieser Spaltung führten zu Verwirrung und religiöser Intoleranz sowie Ressentiments.
So sah die Lage in Tonga aus, als am 15. Juli 1891 an Bord der S. S. Wainui die beiden ersten Missionare der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ankamen, nämlich Elder Brigham Smoot und Elder Alva Butler. Die Tonganer sehnten sich nach melino mo fe'ofo'ofani (Frieden und Eintracht) und niemand war an weiteren Unruhen, Veränderungen oder neuen Religionen interessiert.
Aufgrund der religiösen Zwistigkeiten mußte die Mission damals zwar geschlossen werden, aber die Heiligen der Letzten Tage kehrten zurück, als die Lage sich beruhigt hatte. Sie konnten auf der Grundlage, die die kau fakamelomelo gelegt hatten, aufbauen und vielen, die bereits von Christus wußten, die Fülle seines Evangeliums bringen.

The other side of Heaven DVD über die abenteuerliche Missionsarbeit auf Tonga und Samoa.
Zusammengeschusterte Tatsachenberichte
Alles Wahrheit, nur das Wiederbeleben, das geht denn doch etwas anders als dargestellt.

08:40 - 3.05.2008


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