Mormonen - Das Evangelium in aller Welt

Singapur

Die Mitglieder in Singapur
Wenn man von Norden nach Süden durch Innenstadt von Singapur fährt – eine Strecke von etwa fünf Kilometern –, dann kommt man an einem halben Dutzend luxuriöser Hotels, an elf eindrucksvollen Einkaufszentren, an mehreren Parks und an zahlreichen Büro- und Wohnhäusern vorbei. Die Route spiegelt die Modernität des Inselstaates Singapur wider. Gleichermaßen beeindruckend sind die fünf moslemischen Moscheen, die beiden chinesischen buddhistischen Tempel und die drei indischen Tempel – zwei Hindutempel und ein Sikhtempel – sowie die sechs christlichen Kirchen, die alle an derselben Route liegen. Manchmal liegen die Gotteshäuser der einzelnen Religionsgemeinschaften nur ein paar Meter auseinander.
Dieser Umstand macht zwei hervorstechende Merkmale der ehemaligen britischen Kolonie deutlich, in der 2.640.000 Menschen leben: die Vielfalt und das friedliche Zusammenleben vieler Religionen und Volksgruppen. 1989 beispielsweise schrieb eine Lokalzeitung, 28,3 Prozent der Bevölkerung seien Buddhisten. 18.7 Prozent Christen, 16 Prozent Mohammedaner, 13,4 Prozent Taoisten, 4,9 Prozent Hinduisten und 17,6 Prozent gehörten keiner Religion an. In vielen umliegenden Ländern gibt es Spannungen zwischen den verschiedenen Volks- und Religionsgruppen, aber Singapur ist davon bisher verschont geblieben. Bei aller Vielfalt ist es „ein Kennzeichen Singapurs, daß alle Rassen und Kulturen gut miteinander zurechtkommen”, sagt Ho Ah Chuan, der Distriktspräsident Singapurs.
Mannigfaltigkeit und Eintracht spiegeln sich auch in der Kirche wider. Als beispielsweise letztes Jahr das neue Genealogie-Archiv eröffnet wurde, nahm Bruder Rajamohan, ein Inder, eilfertig hinter einem Mikrofilmlesegerät Platz, um zu sehen, welche genealogischen Aufzeichnungen zur Verfügung standen. Viele meiner Vorfahren haben in Südindien gewohnt", sagt er. „Jetzt kann ich endlich mit dem Sammeln ihrer Daten anfangen.” Die Frau, die ihm half, war Chinesin. Sie kannte sieh gut mit der chinesischen Genealogie aus, wußte aber kaum etwas über indische Aufzeichnungen. Sie tat dennoch ihr möglichstes und erklärte Bruder Rajamohan, wie man das Lesegerät bedient und welche Aufzeichnungen aus Indien verfügbar waren. Als die ersten Aufzeichnungen auf dem Leseschirm erschienen, rief Bruder Rajamohan: „0 nein! Sie sind alle in Hindi! Muß ich jetzt auch noch Hindi lernen?” Die meisten Inder in Singapur sprechen Tamulisch, das in Südindien und in Sri Lanka verbereitet ist.

Auf der Zweigkonferenz des mandarinischen Zweiges im Distrikt Singapur hält Präsident Ho in der Abendmahlsversammlung eine Ansprache. Er erzählt eine chinesische Sage, ersetzt den Weisen dabei aber durch einen Zweigpräsidenten: Der Zweigpräsident rät einem Mann, der sich über die vielen Menschen in seinem Einzimmerhäuschen beklagt, seine Ente. sein Schwein und seine Kuh ebenfalls ins Haus zu nehmen. Ein paar schreckliche Monate später rät er dem Mann schließlich, die Tiere draußen unterzubringen, und der Mann ist so dankbar, daß er sich nie wieder beklagt. Interessant nei dieser Konferenz ist, daß Präsident Ho und seine Ratgeber, Tan Su Kiong und Francis Tan, die ebenfalls eine Ansprache halten, zwar Chinesen, aber nicht mandarinischer Herkunft sind.
Die Chinesen stellen etwa 75 Prozent der Bevölkerung Singapurs. aber sie sprechen viele verschiedene Dialekte. In der Schule lernen alle Chinesen Mandarinisch; aber für die Meisten ist es eine Fremdsprache. Mit den Chinesen in guter Nachbarschaft leben in Singapur noch Malaien, Inder, Indonesier, Koreaner, Japaner, Europäer und Nordamerikaner. Alle Schüler lernen Englisch, die offizielle Landessprache. Die meisten Mitglieder des mandarinischen Zweiges sprechen gut Englisch. (In den anderen vier Zweigen im Distrikt wird Englisch gesprochen.) Außer Englisch lernen die Malaien Malaiisch und die Inder Tamulisch. Fast jeder Bewohner Singapurs lernt als Kind zwei oder drei Sprachen, und das ist auch notwendig, uni die verschiedenen Bevölkerungsgruppen miteinander zu vereinen.
Die Kirche ist in Singapur zwar nur klein, dafür aber stark. Präsident Benson hat Singapur am 14. April 1969 der Evangeliumsverkündung geweiht. Die Misson Südostasien, deren Missionspräsident G. Carlos Smith war, wurde am 1. November 1969 gegründet, und zwar mit Hauptsitz in Singapur. In dem Jahr kamen auch die meisten Missionare nach Singapur, und im ,Januar 1970 wurde der Zweig geteilt. Viele Mitglieder stammen noch aus der Zeit. Francis 'Fan zum Beispiel lernte die Missionare im März 1969 kennen und ließ sieh drei Monate später taufen.
1970 kaufte die Kirche ein Grundstück an der Bukit Tinah Road, und 1973 wurde das erste Gemeindehaus fertiggestellt. Als die Kirche dann von Politikern und Führern anderer Kirchen kritisiert wurde, beschränkte die Regierung die Anzahl der ausländischen Missionare auf zwei für jede Religionsgemeinschaft. Diese Regelung wurde 1988 gelockert; seitdem dürfen zehn ausländische Missionare in das Land.
Die achtziger Jahre haben für die Kirche in Singapur viele Veränderungen gebracht. Ani Neujahrstag 1980 wurde die Mission Singapur gegründet, und der Distrikt begann, die Programme der Kirche vollständiger anzuwenden. Während der siebziger Jahre hatten einige Mitglieder an der Brigham-Young-Universität studiert – entweder in Provo oder auf Haiwaii – und dort gesehen, wie die Kirche auf Gemeinde- und Pfahlebene funktioniert. Präsident Ho beispielsweise hat an der Brigham-Young-Universität studiert. In den achtziger Jahren gab es daher zahlreiche erfahrene Führer der Kirche. Außerdem waren mehr Einheimische auf Mission. 1987 durfte die Kirche ein weiteres Grundstück kaufen. Heute gibt es in Singapur 1142 Mitglieder in fünf Zweigen und drei Gemeindehäuser.
Die cremefarbenen Gemeindehäuser der Kirche in Singapur sehen besonders schön aus. Sie leuchten in der Sonne. als ob sie gerade abgeschrubbt worden wären (pro Monat fallen etwa fünfzehn bis zwanzig Zentimeter Niederschlag in Singapur, und die Stadt sieht immer so aus, als ob sie gerade geputzt worden wäre). Es gibt in Singapur zwar viele Hochhäuser und schöne moderne Gebäude, aber die Mitglieder sind auf ihre Gemeindehäuser besonders stolz.
Im Distrikt Singapur wird das Hauptaugenmerk auf Reaktivierung und Missionsarbeit gelegt. Die Geduld und die Liebe, die dafür aufgewendet werden, sind vielleicht der Grund dafür, daß so viele langjährige Mitglieder aktiv sind. Manchmal schaffen die Mitglieder es auch, daß es eine Taufe gibt – Ruby und Vincent Goh aus dem Zweig Singapur sind ein Beispiel dafür.
Ruby ließ sich 1969 mit neun Verwandten taufen, wurde aber bald inaktiv. Sie erzählt: „1973 heiratete ich außerhalb der Kirche, und mein Mann und ich gingen viel aus. •
Eines Abends, als ich das Auto nach Hause steuerte, kam uns plötzlich ein anderes Fahrzeug entgegen und prallte frontal mit uns zusammen. Ich wurde bewußtlos, und mein Mann war auf der Stelle tot. Es dauerte ungefähr ein Jahr, his ich mich von diesen Schock erholt hatte. Damals begann ich ernsthaft über die Rückkehr zur Kirche nachzudenken."
1979 lernte sie Vincent Goh kennen; sie arbeiteten in derselben Bank. 1982 heirateten sie. Inzwischen, nämlich 1980, hatten eine von Rubys Schwestern dafür gesorgt, daß Ruby regelmäßig Heimlehrbesuch erhielt. Ruby begann, gelegentlich zur Kirche zu gehen, und Vincent begleitete sie ein paar Mal. Nach ihrer Heirat wurde Ruby mit der Unterstützung ihres Ehemannes und ihrer Freunde wieder völlig in der Kirche aktiv.
1985 hatte Vincent Goh berufliche Schwierigkeiten. „Ich wußte, daß die Mitglieder ihre Führer bei der Lösung schwieriger Probleme um Hilfe bitten können. Obwohl ich kein Mitglied war, sprach ich mit dem Zweigpräsidenten und erklärte ihm die Situation. Er gab mir den Mut, die Schwierigkeiten zu bewältigen, und zwar zu jedermanns Zufriedenheit. Ungefähr zu der Zeit las ich in einer Veröffentlichung der Kirche, daß man sich vom Geist führen lassen muß. Da wurde mir klar, daß ich etwas verändern mußte, und deshalb ließ ich mich noch im selben Jahr taufen.”
Ruby erzählt, was sie dabei empfand: „Bei Vincents Taufe spürte ich den Geist so stark wie nie zuvor. Mir war, als heiratete ich einen neuen Mann, obwohl wir bereits verheiratet waren. Ich fühlte mich wie eine Braut und konnte mein Glück kaum fassen.”
Die Stärke der Mitglieder rührt zum Teil auch daher, daß sie die Aufgabe haben, das Evangelium zu verbreiten. In Singapur ist das öffentliche Missionieren verboten; die Missionare dürfen nicht von Tür zu Tür gehen, keine Straßenausstellungen machen und nichts dergleichen. Deshalb geben die Missionare und die Ehepaare, die bei der Missionsarbeit helfen, den Mitgliedern Unterstützung. Sie machen sie stark, bauen den Kontakt zu weniger aktiven Mitgliedern auf und helfen überall dort, wo die Führer der Kirche es anweisen. Andere Menschen mit dem Evangelium bekannt zu machen, ist Aufgabe der Mitglieder.
Das Seminar- und das Institutsprogramm haben viel dazu beigetragen, Missionare hervorzubringen und die Mitglieder zu stärken. Richard Ang, stellvertretender Gebietsbeauftragter von CES, erzählt, die Schüler hätten um täglichen Seminarunterricht gebeten. Im Juli 1986 um 5.45 Uhr begann der Unterricht mit dreißig Teilnehmern. Im Januar 1988 begann der Institutsunterricht am frühen Morgen. Da die öffentlichen Verkehrsmittel aber erst ab 6 Uhr fahren, sorgen die Priestertumskollegien abwechselnd für Fahrgelegenheiten und Frühstück. Die erste Seminargruppe schloß das Programm 1987 ab. Alle einheimischen Missionare der letzten Jahre haben am Seminar- oder am Institutsprogramm teilgenommen. Derzeit sind elf einheimische Missionare in Singapur auf Mission.
Barbara Hong, die am ersten Seminarunterricht am frühen Morgen teilgenommen hat, erzählt: „Meine Eltern gehören nicht der Kirche an und waren, wie viele andere Eltern übrigens auch, nicht sehr erfreut über den Unterricht. Sie befürchteten, der Religionsunterricht so früh am Morgen würde uns von der Schule ablenken. Wir aber haben ihnen gezeigt, daß uns der Unterricht beim Lernen geholfen hat. Außerdem haben wir uns mehr angestrengt. Unsere Lehrer und die anderen Schüler waren beeindruckt. Meine Eltern spornten mich dann auch bald von sich aus zum Besuch des Seminarunterrichts an.”
Ein Hindernis, das sich der Missionsarbeit scheinbar in den Weg stellte, hat sich als Segen erwiesen. Alle neunzehnjährigen Jungen müssen mindestens zwei Jahre Wehrdienst leisten. In Singapur ist die Ausbildung sehr wichtig, und deshalb studieren die meisten jungen Männer. Wenn sie auf Mission gegangen sind, sind sie dreiundzwanzig, wenn sie mit dem Studium beginnen oder weiterstudieren. Das hat aber niemanden von der Mission abgehalten. Die zwei Jahre auf Mission haben auch keinen Einfluß auf die Zulassung zum Studium. Und weil die Jungen erst zum Militär müssen, sind sie später als Missionare reifer und engagierter. Und gerade das ist wichtig, weil viele Mitglieder aus Singapur die Kirche in anderen Ländern stark machen.
Auch die Weihung des Manila-Tempels 1984 hat die Mitglieder in Singapur gestärkt. Edward und Lois Bacon, ehemals Fachberater für Genealogie des Zweiges Singapur 2, erzählen, daß der Distrikt jedes Jahr eine Tempelfahrt durchführt. Die Mitglieder verstehen jetzt besser den Zweck des Tempels und fahren zahlreicher dorthin. An der ersten und einzigen Fahrt im Jahr nahmen zwanzig Mitglieder teil. Jetzt fahren die Mitglieder zweimal jährlich zum Tempel; jede Fahrt wird von einem Zweig organisiert, und jedesmal fahren zwanzig oder mehr Mitglieder mit.
Der Lebensstandard in Singapur ist mit der höchste in Asien. Die Inselstadt ist ein Industrie- und Handelszentrum. Es gibt einen zollfreien Hafen – den viertgrößten Hafen der Welt. der aber die höchsten Umschlagszahlen auf der Welt hat. Der Flughafen wird von den Fluggesellschaften als ausgezeichnet eingestuft. Obwohl das Rückflugticket nach Manila ziemlich teuer ist, haben bereits sehr viele Mitglieder die Reise machen können. Dutzende von Ehepaaren sind gesiegelt worden, und die Mitglieder haben auch mit der Arbeit für ihre Vorfahren begonnen.
Die Kirche war eine Zeitlang in der Öffentlichkeit nicht gut angesehen, aber das ändert sich jetzt. Die Mitglieder verhelfen dem wiederhergestellten Evangelium zu Achtung. indem sie auch in der Öffentlichkeit und bei der Arbeit nach ihren Grundsätzen leben. Helen Ho, die FHV-Leiterin eines Zweiges, ist stellvertretende Vorsitzende des Frauenkomitees im Wahlbezirk Yuhua (der ungefähr 50.000 Personen umfaßt.) In jedem Wahlkreis gibt es ein solches Komitee, und diese Komitees organisieren Kultur- und Bildungsaktivitäten für Frauen. Meistens finden solche Aktivitäten am Sonntag statt, aber nachdem Helen Ho ihrem Komitee erklärt hatte, was ihr der Sonntag bedeutet, wurden die meisten Aktivitäten auf den Samstag verschoben. Und wenn doch einmal eine Aktivität am Sonntag stattfindet, braucht Schwester Ho nicht hinzugehen.
Frankie Png, ein höherer Polizeibeamter, hat sich vor etwas mehr als einem Jahr der Kirche angeschlossen. Er erzählt: „Zuerst haben meine Kollegen versucht, mir ein ungutes Gefühl zu vermitteln. Aber ich bemühe mich immer, geduldig zu sein, und sporne sie dazu an, ein besseres Leben zu führen. Ich sporne auch meine mohammedanischen Freunde dazu an, vollständiger nach ihrer Religion zu leben. Die meisten respektieren meinen Glauben jetzt.” Und wegen seines guten Beispiels haben sich seine Mutter und sein Bruder vor kurzem ebenfalls taufen lassen.
Die Mitglieder in Singapur werden geprüft – alle gemeinsam und jeder für sich. Joseph Goh, der Führungssekretär des Zweigs Bedok, ist zweimal an Krebs erkrankt, hat die Krankheit aber mit Hilfe seiner Frau Jemmie und seiner beiden Kinder besiegen können. 1987 bemerkte er eine Geschwulst an seinen linken Bein. Er erzählt: „ich hatte Fußball gespielt und hatte später Schmerzen beim Laufen. Als die Schmerzen nicht verschwanden, bestand meine Frau darauf, daß ich zum Arzt ging. Bei den Röntgenaufnahmen wurde ein Tumor festgestellt. Der Arzt sagte später, er müsse das Bein möglicherweise amputieren, wenn die Geschwulst am Knochen angewachsen sei. Wir aber dachten an den Priestertumssegen, den ich am Abend vorher erhalten hatte. Mir war verheißen worden, ich würde wieder gehen können.”
Bei der Operation wurde die Geschwulst vollständig entfernt, und Bruder Goh bekam drei Monate lang Bestrahlungen. „Ich mußte wieder lernen zu laufen und das Gleichgewicht zu halten. Kelvin, unser siebenjähriger Sohn, hat jeden Tag für mich gebetet und mir oft die Hand gehalten, um mich zu trösten. Ich wurde rechtzeitig gesund, so daß ich ihn taufen konnte. Ich hatte Angst, während der Taufe umzufallen, weil ich das Bein nicht belasten konnte, aber alles hat hervorragend geklappt.”
Dann, im Januar 1988, zeigten Röntgenaufnahmen weiße Flecken auf seiner linken Lunge. Sechs Monate lang machte Bruder Goh eine Chemotherapie und verlor sein ganzes Haar. Weil seine natürlichen Abwehrkräfte geschwächt waren, erkrankte er mehrmals schwer, unter anderem an Windpocken. Schließlich waren alle Flecken bis auf einen verschwunden. Der verbleibende Fleck wird regelmäßig beobachtet. Im Dezember war Bruder Goh soweit wiederhergestellt, daß er mit seiner Familie zum Manila-Tempel fahren und gesiegelt werden konnte.
Schwester Goh, die Erste Ratgeberin der FHV-Leitung ist, erzählt: „Durch diese Erfahrungen haben wir tiefempfundenes Beten gelernt. Vorher habe ich gar nicht richtig gewußt, was Kummer und Freude sind. Von meinem Mann habe ich viel über den Glauben gelernt: er hat nicht Gott die Schuld an seiner Krankheit gegeben, und er hat sich nicht beklagt. Der zweite Kampf gegen den Krebs war sehr mühsam. Aber beim Beten ist mir einmal folgendes in den Sinn gekommen: ,Ich weiß, was ich tue`, und da ist mir klar geworden, daß ich auf Gott vertrauen muß.”
Ihr Mann fügt hinzu: „Die Schwierigkeiten haben uns enger zusammengeschmiedet. Durch diese Prüfung habe ich deutlich gespürt, wir sehr meine Frau und meine Kinder mich lieben, und ich liebe sie selbst auch mehr. Ich glaube, der Herr möchte, daß wir mehr Geduld lernen und daß uns klar wird, wie Menschen leiden, damit wir einfühlsamer und verständnisvoller sein können.”
An Sukiman Abraham, der im Zweig Clementi Missionsleiter ist, wird deutlich, welche einzigartigen Schwierigkeiten die Mitglieder in Singapur bewältigen müssen. Bruder Abraham war kein Christ. Seine Eltern, die aus Indonesien stammten, zogen vor dem Zweiten Weltkrieg nach Singapur. Als Junge ging er mit seinen Eltern zum Gottesdienst und beschäftigte sich ausführlich mit seiner Religion.
Obwohl seine Eltern tief in ihrem Glauben verwurzelt waren, hatten sie nichts dagegen, daß ihr Sohn eine Schule besuchte, an der Heilige der Letzten Tage unterrichten. Eines Samstags spielte Sukirnan mit ein paar Jungen aus der Kirche Basketball, und die Jungen luden ihn zur Kirche ein. Am nächsten Tag ging er hin. Er sagt: ,.Ich habe ein bißchen über das wiederhergestellte Evangelium erfahren und das Buch Mormon bekommen. Auf dem Heimweg habe ich dann darin zu lesen begonnen. Außerdem nahm ich in der Woche an mehreren Lektionen teil. Vater schimpfte mit mir und warf meine heiligen Schriften weg. Mutter bat mich, mir doch Zeit zu lassen. Aber nach einem Monat entschloß ich mich zur Taufe."
Die Eltern verstießen ihn. Zwei Monate lang hatte er kein Zuhause, bis er zur Armee ging. Nach einer Weile besannen seine Eltern sich, und seine Mutter bat ihn, wieder nach Hause zu kommen. Nach Beendigung seines Militärdienstes begann er bei einer Reederei zu arbeiten. 1982 starb sein Vater. Bruder Abraham erzählt: „Auf dem Totenbett bat er mich, für meine Mutter zu sorgen, obwohl ich Christ geworden war. Ich wurde dann auch der Haupternährer für sie und die übrige Familie. Allerdings wäre ich gerne auf Mission gegangen, aber dem Glauben meiner Eltern nach ist es Pflichtvergessenheit, wenn ein Sohn seine Mutter verläßt. 1985 wurde mir eines Abends beim Beten die Versicherung zuteil: ,Geh nur: ich werde für deine Mutter sorgen: Deshalb ging ich auf Mission. Der Herr hat wirklich für meine Familie gesorgt, und als ich zurückkam, waren alle wohlauf.
Mutter und ich haben ein gutes Verhältnis zueinander, und sie besucht mich häufig. Sie weiß, daß das Evangelium aus mir einen besseren Menschen und einen gehorsameren Sohn gemacht hat.”
Singapur ist wirklich ein Mikrokosmos der verschiedenen Volksgruppen, Kulturen, Sprachen und Religionen Südostasiens. An den Mitgliedern in diesem kleinen Land wird deutlich, daß das Evangelium für alle Kinder Gottes bestimmt ist.
„Das Evangelium vermittelt uns einen tieferen Einblick in den Sinn des Lebens". sagt Francis Tan. „Es hilft uns, so zu werden wie der Vater im Himmel. Es hilft uns, unsere Möglichkeiten zu entdecken und einander zu dienen und einander zu stärken. Jeder, der sich der Kirche anschließt, gibt ein paar Überlieferungen auf, wird dafür aber Mitglied einer weltweiten Kirche. Wir sind dann keine Fremden mehr, sondern Mitbürger der Heiligen. Singapur ist ein Beispiel für solche Verschmelzung. Bruder und Schwester sein bedeutet, daß wir alle Hausgenossen Gottes werden.”
Richard Ice, der für diesen Artikel Singapur bereiste, gehört zur Gemeinde Kearns Walnut Hills im Pfahl Kearns Utah West.
Dezember 1990

06:57 - 7.05.2008


Vorherige Seite Nächste Seite
Beschreibung
Hier veröffentliche ich Berichte aus alten Kirchenzeitschriften über das Evangelium in anderen Ländern
Home
Profil
Archiv
Freunde
Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage
Mormonwiki
Fairmormon
FAIR
Jesus
Das Buch Mormon überzeugt
mehr zum Buch Mormon
besondere Erlebnisse
Bekehrungsgeschichten
Berichte der Pioniere
Abenteuer der Mormonen
Geschichte der Mormonen (außer funktion)
Propheten
Joseph Smith
Offenbarungen
Der Geist des Elija
Genealogie
Tempel und Tempelarbeit
Missionsarbeit
Die Gebote
Gedenke des Sabbats
Gesetz der Keuschheit
Der Zehnte
Wort der Weisheit
Fasten
Kontroversen
Der Glaube der Mormonen
Letzte Einträge
- Zwischenfall in einem samoanischen Dorf
- Eine Tasse Tee
- Japan - Das Land des aufgehenden Lichts
- Nächstenliebe auf Hawaiianisch
- Mexiko
- Haiti
- Sowjetunion
- Brooklyn
- Dominikanische Republik
- Singapur
- Tonga
- Mistolar -- eine geistige Oase
- Afrika
- Ghana
- Chile
- Ungarn
- Die Australier -- ein interssantes Volk
- Indien
- Estland
- Tahiti
- Puerto Rico
- Belfast -- Die Mauern fallen
- Frankreich
- Eine gemeinsame Sprache in Papua-Neuguinea
- Samoa
- Bahamas
- Island -- Land aus Feuer und Eis
- Das Evangelium faßt Fuß in Kambodscha
- Das Evangelium in den Anden
- Die Mitglieder in Tschechien
- Das Evagelum kommt nach Kapverde
- Hongkong -- ein Traum wird wahr
- Tudo Bern in Brasilien
- Eine mächtige Wandlung in der Mongolei
- Die verlorene Insel
- Pioniere In Paraguay
- Equador
- die Heiligen in Portugal
- Erde; Meer und Seelen in Dänemark
- Korea -- Land der Morgenfrische
- Fidschi -- Inseln des Glaubens
- Ein Weihnachtsgeschenk für Ungarn
- In Mikronesien wird ein neuer Kurs gesteuert
- Die Heiligen in Indonesien
- Pioniere an der Elfenbeinküste
- Argentiniens heller froher Tag
- Gläubig, gut, tugenhaft, treu -- Pioniere auf den Phillippinen
- Wie das Evangelium in Osteuropa fußfaßt
- Vermächtnis des Glaubens in Rußland
- Sowetos helle Zukunft
- Die Seevögel von Kiribati
- Bolivien -- Segnungen im Überfluss
- Spanien -- Glaubenshorizonte erforschen
- Noch ein Bericht von HLTs aus der Ukraine
- Ukraine
- Honduras
- Taiwan - vier Jahrzahnte des Glaubens
- Neukaledonien