Mormonen - Das Evangelium in aller Welt

Haiti

Das Evangelium schenkt den Mitgliedern in Haiti Hoffnung
Trotz großer Schwierigkeiten finden die Mitglieder in Haiti immer einen Grund, optimistisch zu sein.

Fritzner Joseph ist nach Haiti zurückgekehrt, weil, wie er sagt, „der Zweck meines Lebens hier zu finden ist”. Er hatte sich 1979 taufen lassen und gehörte damit zu den ersten Mitgliedern des Inselstaates Haiti in der Karibik. Zwei Jahre später erfüllte er eine Mission in Puerto Rico. 1988 schloß er sein Studium in Puerto Rico ab, und man bot ihm eine Stelle in den Vereinigten Staaten an. Aber er nahm das Angebot an, in Haiti als Gebietskoordinator für das Bildungswesen der Kirche zu arbeiten.
Das Gebiet, für das er zuständig ist, umfaßt ganz Haiti. Haiti und die Dominikanische Republik teilen sich die Insel Hispaniola. Die meisten Einwohner sind Nachkommen der afrikanischen Sklaven, die mit den französischen Siedlern ins Land kamen. Viele verdienen sich ihren Lebensunterhalt als Helfer bei der Zuckerrohr- und der Bananenernte. Das Wort „Haiti” ist ein altes Indianerwort und bedeutet „bergiges Land”. Viele Wälder sind inzwischen abgeholzt worden; das Land bietet wenig Fläche, die die sechs Millionen Einwohner bewirtschaften könnten.
Die Bewohner Haitis haben große Schwierigkeiten zu bewältigen. Zum einen gehört Haiti zu den ärmsten Ländern der westlichen Erdhälfte, zum anderen stellt der gesellschaftliche Trend eine Bedrohung für die traditionelle Familie dar. Außerdem steht der alte Glaube der Haitianer im Gegensatz zu den Lehren der Kirche.
Aber die Mitglieder in Haiti haben auch die Lehren des Evangeliums Jesu Christi, und das ist laut Fritzner Joseph „unsere Hoffnung für die Zukunft”.
Und Hoffnung ist in Haiti sehr wichtig. Die Mitglieder – auch Fritzner Joseph – geben sich große Mühe und verzichten sogar auf persönliche Ambitionen, um die Hoffnung in ihren Mitschwestern und -brüdern lebendig zu halten. Das wiederhergestellte Evangelium bringt für die Mitglieder viele Veränderungen mit sich – Veränderungen, die sogar die von humanitären Gruppen ins Leben gerufenen Hilfsprogramme, Krankenhäuser und Schulen nicht haben vollbringen können.
Heute gibt es 18 Zweige in Haiti – vom quirligen Port-au-Prince mit seinen Vororten bis hinzu den kleinen Dörfern auf dem Land. Auf Haiti gibt es fast 3500 Mitglieder. Im Januar 1990 wurde der Distrikt Portau-Prince geteilt – in den Distrikt Port-au-Prince-Süd und den Distrikt Port-au-Prince-Nord. Von den etwa 140 Missionaren, die derzeit in Haiti arbeiten, sind 26 Einheimische. Die Missionare verständigen sich mit den Bewohnern in der landestypischen Sprache, einem Gemisch aus Französisch und afrikanischen, spanischen und englischen Elementen.

„Können auch Arme nach dem Evangelium leben?“
„Auch wenn die anderen es kaum glauben mögen”, sagt Fritzner Joseph, „wir brauchen das Wort, ,das aus dem Mund Gottes kommt', sogar noch dringender als Brot. Können Arme nach dem Evangelium leben? Ja! Jesus hat alle Menschen – arm und reich – aufgefordert, das Gottesreich an die erste Stelle zu setzen, noch vor ihre irdischen Probleme. Dann, und nur dann, kann man Segnungen empfangen.”
Die Mitglieder in Haiti verweisen auf den Unterschied zwischen den Veränderungen, die das Evangelium bewirkt, und den Veränderungen, an denen andere arbeiten, um die Lage in Haiti zuyerbessern: „In der Kirche haben die Mitglieder die Möglichkeit, sich durch Christus selbst zu ändern,” sagt Jean-Claude
Demas, der Präsident des neuen Distrikts Portau-Prince-Nord. „Gott fordert uns auf, das zu tun, was die Propheten in alter Zeit getan haben, die oft auch nicht wußten, wie sie ihre Aufgabe erfüllen sollten. Aber sie haben es versucht und Erfolg gehabt, und dasselbe erwartet Gott auch heute.” Die Kirche bietet den Haitianern auch berufsbildende Kurse an, und die Missionare tun ihr Bestes, um den Bewohnern, die nicht lesen können, beizubringen, in der heiligen Schrift mitzulesen.
Fritzner Joseph, der derzeit Zweiter Ratgeber in der Mission Port-au-Prince ist, sagt: „Alles Geld der Welt kann keine Veränderungen bewirken. Institutionen und Spenden mögen vorübergehend helfen, aber auf die Dauer gesehen bewirken sie nichts. Das Evangelium hingegen bringt immerwährende Veränderungen und beeinflußt jeden einzelnen Menschen.”
Alex Laquerre beispielsweise bestätigt das. Er ist 23 Jahre alt und Präsident des Zweigs Port-au-Prince-Mitte. „Wissen Sie, wie es ist, wenn man einfach so in den Tag hineinlebt?” fragt er. „So ging es mir vor der Taufe.” Seit er sich aber der Kirche angeschlossen hat, hat er in seiner Heimat eine Mission erfüllt und widmet jetzt den größten Teil seiner Zeit den Mitgliedern seines Zweiges: „Mein Leben hat sich von Grund auf gewandelt. Ich freue mich darauf, eine Familie zu haben und in der Kirche zu dienen. Ich freue mich auf so vieles, an das ich vorher nie gedacht habe.”
Eddy Bourdeau ist 28 Jahre alt und Präsident des Distrikts Port-au-Prince-Süd; früher hat er das Wohlfahrtsprogramm der Kirche in Haiti geleitet. Zu seinen Aufgaben gehörte es unter anderem, die Mitglieder beruflich zu schulen und Arbeit für sie zu finden. „Manche Mitglieder geben sich große Mühe, andere nicht, und wieder andere zeigen einem, was Glaube wirklich bedeutet, indem sie nämlich mit fröhlichem Herzen alles tun, was man von ihnen verlangt. Wie oft kommen sie nett gekleidet und mit einem Lächeln auf den Lippen zur Kirche, obwohl sie zu Hause nichts zu essen haben. Aber sie kommen trotzdem immer wieder."
In einem Land, wo manche Kirchen für diejenigen, die in ihren Gottesdienst kommen, kostenlosen Schulbesuch, Krankenhausaufenthalt und anderes anbieten, muß man schon etwas Besonderes sein, um die Versammlungen der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage zu besuchen. Die Führer sagen, solche Mitglieder gäben Zeugnis davon, daß sie den Zehnten zahlen, die Gebote halten und allen helfen, die in Not sind – nicht weil sie dafür etwas erwarten, sondern weil es so richtig ist. Und damit schenken sie anderen Hoffnung.

Eine Familie werden
In Haiti gibt es die traditionelle Familie kaum. Wahllose Geschlechtsbeziehungen sind weit verbreitet, und es gibt viele unverheiratete Frauen, die mehrere Kinder zu versorgen haben. Aber Christine Juste, die 17 Jahre alt ist und eine Berufung in der PV erfüllt, sieht in den Kindern, die sie unterrichtet, die zukünftigen Pioniere Haitis: „Wenn sie in der Kirche sehen und lernen, was ein gutes Familienleben ist, dann werden sie einmal selbst eine starke Familie schaffen.”
Nanncie Wroy ist 24 Jahre alt und unterrichtet in der FHV. Sie sagt folgendes: „Ich bin eine Ausnahme von der Regel, ich habe mich nämlich mein ganzes Leben lang darauf vorbereitet, eine traditionelle Familie zu
haben.” Diesen Wunsch hat sie von ihren Eltern übernommen, die beide engagierte Katholiken und seit 25 Jahren verheiratet sind. „Aber es gibt auch viele junge Leute, die solch einen Vorteil nicht haben.”
Ein junger Mann, der sich der Kirche angeschlossen hat und sich nun auf seine Mission vorbereitet, meint: „Ich habe überhaupt nicht gewußt, was eine Familie ist. Seit ich 13 geworden bin, habe ich mit verschiedenen Frauen geschlafen, und ich habe auch nichts anderes gekannt. Aber dann habe ich das Evangelium kennengelernt, und das hat alles verändert.”
Die Grundlagen, die er und andere für ein glückliches Familienleben legen, bauen auf der Liebe, der Wärme und der Demut, die typisch für die Haitianer sind. Vor allem die Mütter geben ihren Kindern ein Beispiel für Selbstlosigkeit, denn sie sorgen oft für das seelische und das materielle Wohl ihrer Familie. Jean-Pierre Ernso, ein neunzehnjähriger Junge aus dem Hinterland, der sich zur Kirche bekehrt hat, erzählt, wie seine Mutter von morgens bis abends Bananen und Öl verkauft hat. Sie sorgte für den Lebensunterhalt ihrer siebenköpfigen Familie, hielt sie zusammen und achtete darauf, daß die Kinder die Schule abschlossen. Dabei sind Schulen in Haiti eine private Einrichtung und verlangen Schulgeld.
Wenn sich eine solche Familie der Kirche anschließt, wird sie von Einigkeit, Zielstrebigkeit und Liebe getrieben. „Seit wir uns der Kirche angeschlossen haben, ist die Einigkeit bei uns viel größer geworden”, sagt Wilhelmina Price-Olivier, die drei Söhne und eine Tochter hat. Sie erklärt, daß das Familiengebet und das gemeinsame Schriftstudium viel Liebe in ihre Familie gebracht haben. Davon erzählt sie auch anderen Menschen, und manchmal führt sie einen Familienabend mit Abendessen durch, zu dem alle Nachbarn herüberkommen. Sie essen, machen Spiele und lernen die Missionare kennen. „Viele haben durch diese Familienabende die Kirche kennengelernt und sich ihr angeschlossen”, erzählt Wilhelmina Price-Olivier. Sie ist von Beruf Konditorin und hat es geschafft, ihre Kinder bis zur sechsten Klasse zur Schule zu schicken.
Als Reynolds und Gislaine Saint-Louis sich der Kirche angeschlossen haben, waren sie bereits eine Familie und hatten jeder eine gute Arbeit – er als Arzneimittelvertreter und sie als Kinderärztin. Trotzdem sagt Bruder Saint-Louis: „Ehe wir uns 1980 der Kirche angeschlossen haben, hatte ich überhaupt keine Vorstellung von der Ewigkeit. Jetzt ist das natürlich ganz anders – wir haben zwei Kinder und hoffen, daß wir eines Tages im Tempel aneinander gesiegelt werden können.”
Fritzner Joseph glaubt daran, daß die Jugend das Land verändern wird. „Deshalb bin ich jetzt hier und setze meine ganze Kraft dafür ein, die jungen Menschen stark zu machen. Siebzig Prozent unserer Mitglieder sind junge Leute, und sie werden eines Tages starke Familien gründen und eine starke Kirche und ein starkes Land schaffen.”
Es ist ganz natürlich, daß die jungen Mitglieder, von denen es in Haiti so viele gibt, Hilfe und Unterstützung finden. „In der Kirche kann man andere alleinstehende junge Leute mit hohen Maßstäben kennenlernen”, sagt Joseph Serat, der seine Frau Evline während der gemeinsamen Arbeit an einer Theateraufführung des Zweiges kennengelernt hat. Kerline Barbot war auf Mission uni sagt: „In der Kirche fühlt man sich nie allein. Die Mitglieder sind wie eine große Familie.”

Mit dem Voodoo-Kult brechen
Das Evangelium hilft den Mitgliedern aber nicht nur, mit wirtschaftlichen und sittlichen Schwierigkeiten fertig zu werden, sondern hilft ihnen auch im Umgang mit dem Voodoo-Kult, einer Überlieferung mit religiösem Hintergrund, die in Haiti weit verbreitet ist. Der Voodoo-Kult verbindet christliche Symbole und Gegenstände mit einer bestimmten Art der Geisterverehrung, wozu auch spiritistische Sitzungen, Flüche und Blutopfer gehören.
Manche Mitglieder waren sowohl Anhänger des Voodoo-Kultes als auch des Christentums, ehe sie sich zur Kirche bekehrten. Bruder Joseph erzählt: „Sie haben beides miteinander betrieben, und es fällt ihnen jetzt schwer, sich bewußt zu machen, daß das nicht mehr geht.” Je fester das Zeugnis vom Evangelium jedoch wird, desto geringer wird die Versuchung. Manche Mitglieder, die sich weigern, weiterhin den Voodoo-Kult zu praktizieren, werden aus ihrer Familie ausgestoßen, müssen ihre Freunde aufgeben und verlieren manchmal sogar ihre Arbeitsstelle, was in einem Land, wo die Arbeitslosenquote mehr als 50 Prozent beträgt, ein großes Opfer ist.
Oriol Atus, Erster Ratgeber in der Präsidentschaft des Distrikts Port-au-Prince-Nord, hat zwei Stellenangebote und eine Beförderung abgelehnt, weil er sich weigert, den Voodoo-Kult zu praktizieren. „Um Erfolg zu haben, muß man oft Voodoo praktizieren. Es ist mehrmals vorgekommen, daß meine Arbeitgeber beziehungsweise meine zukünftigen Arbeitgeber mich aufgefordert haben, mich zwischen der Kirche und dem Voodoo-Kult zu entscheiden. Ich habe dann immer meine Stellung aufgegeben beziehungsweise die Beförderung abgelehnt. Jetzt verdiene ich zwar weniger Geld, aber das ist die Sache wert."
Anderen Mitgliedern fällt es schwerer, mit dem Voodoo-Kult zu brechen. Vor allem finanziell schlechtgestellte Mitglieder, die mitansehen, wie die Voodoo-Anhänger Erfolg haben, „müssen mit der Versuchung kämpfen, wieder in den Voodoo-Kult zu verfallen”,
sagt Wilfrid Elie, der sich vor kurzem zur Kirche bekehrt hat. Er ist von Beruf Schriftsteller und Erfinder. Seiner Meinung nach ist der Voodoo-Kult „eine Verkehrung der Wahrheit und kann sich in keiner Weise mit der Wahrheit messen. Ich habe die Priestertumsmacht, die ich von Gott bekommen habe, eingesetzt, um den Widersacher zu überwinden. Das Priestertum bedeutet mir alles. Ich weiß, daß es von Gott ist.”

Neu anfangen

Als sich Eddy Bourdeau 1983 taufen ließ, hätte er es sich niemals träumen lassen, daß er eines Tages Distriktspräsident des ganzen Landes werden würde (vor der kürzlich vollzogenen Teilung). „Zuerst war ich gar nicht so richtig überzeugt”, erzählt er. „Ich hatte sogar Vorbehalte dem Aaronischen Priestertum gegenüber.”
Dann aber las er mehrere Bücher über die Geschichte der Kirche, und sein Engagement nahm zu. „Als ich auf einen Bericht über die ersten Pioniere stieß, die ihr Haus, ihr Land und sogar ihre Familie verlassen hatten, um in eine unbekannte Wildnis zu ziehen, da dachte ich: ,Sie hätten das alles niemals für etwas geopfert, was nicht wahr ist.' "
Je mehr er im Buch Mormon las, desto fester wurde seine Überzeugung. Heute kann er viele Segnungen nennen, die ihm zuteil geworden sind, weil er sich entschlossen hat, sich Gott zu weihen – unter anderem seine Frau, eine zurückgekehrte Missionarin. „Gott sorgt für uns. Er wird uns hier in Haiti helfen. Trotzdem bitten wir die Mitglieder auf der ganzen Welt, für uns zu beten, während wir uns um einen Neuanfang bemühen. Wir brauchen Ihre Gebete.”
Neu anfangen, das ist ein Satz, der bei den Mitgliedern in Haiti häufig fällt. Bruder Joseph sagt: „Mein Leben hat begonnen, als ich die Kirche gefunden habe. Wenn ich ehrlich bin, muß ich zugeben, daß ich viele Probleme hatte, als ich mich taufen ließ. Meine Eltern waren ein Jahr zuvor gestorben. Aber ich wußte, daß ich die
Wahrheit gefunden hatte, und ich wollte alles für sie tun. Das Gottesreich kam an erster Stelle, und schon bald fing ein neues Leben für mich an – ich ging auf Mission, setzte meine Ausbildung fort und begann zu arbeiten. Ich weiß, daß sich auch andere Menschen aufgrund des Evangeliums ändern können.
Ich könnte auch woanders wohnen als hier in Haiti, aber ich weiß, daß ich hierher gehöre.” Bruder Joseph sieht die wichtigste Aufgabe seines Lebens in Haiti, wo es heißt: „Hinter diesen Bergen sind noch mehr Berge.” Das gilt sowohl für die Landschaft als auch für die Schwierigkeiten der Mitglieder auf Haiti. Aber sie steigen die Berge hinauf – und finden mit jedem Schritt mehr Hoffnung.
Elizabeth und Jed VanDenBerghe, November 1991
Elizabeth und Jed VanDenBerghe gehören zur Gemeinde Holladay 1 im Pfahl Salt-Lake-Holladay.


Zu Anfang gab es nur ein einziges Mitglied

Ich möchte mich zur Sündenvergebung taufen lassen", hieß es in dem Brief, der in Port-au-Prince in Haiti aufgegeben worden und an die Mission Fort Lauderdale in Florida adressiert war. Dieser Brief stammte von Alexandre Mourra, einem bekannten Geschäftsmann, dessen Suche nach der Wahrheit endlich ein Ende finden sollte. Präsident Richard L. Millet las den Brief und schickte zwei Exemplare des Buches Mormon nach Haiti – eins in französischer und eins in englischer Sprache.
Alexandre Mourra war in Santiago in Chile als Sohn jüdisch-arabischer Eltern geboren worden. Er kam schon als Baby mit seinen Eltern nach Haiti, wo die Familie blieb, bis er herangewachsen war. Dann gelangte er nach Betlehem, wo sein Vater starb. Während des Zweiten Weltkriegs kam er mit der englischen Armee in den Libanon, und später kehrte er dann als Ehemann und Vater nach Haiti zurück. Überall, wo er sich aufhielt, suchte er nach der Wahrheit über Gott und das Leben. Jahrelang betete er darum, daß seine Suche ein Ende finden möge; er ging jeden Tag in einen Raum im Obergeschoß seines Geschäftes in Port-au-Prince, um Gott seine Bitte vorzutragen.
1977 kehrte Alexandre Mourra eines Tages nach einem solchen Gebet in sein Geschäft zurück und sagte zu seiner Frau: „Ich muß weg – irgendwohin.” So kam er in das Geschäft seines Vetters; dessen Frau las gerade im Buch Mormon, das ihr zwei Missionare in Miami gegeben hatten. Sie wollte ihm das Buch aber nicht ausleihen, und deshalb bat er sie, ihm die Broschüre mit dem Zeugnis des Propheten Joseph Smith zu überlassen. Er las diese Broschüre sofort und schrieb dann einen Brief an die Mission Fort Lauderdale, wo er um das Buch Mormon bat. Als die beiden Bücher angekommen waren, las er die ganze Nacht in der französischsprachigen Ausgabe. Da wußte er, daß seine Suche vorüber war. Im Juli 1977 flog Alexandre Mourra nach Fort Lauderdale, ließ sich taufen und wurde zum Priester ordiniert. Damals war er 58 Jahre alt.
Damit nahm die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage in Haiti ihren Anfang. Bruder Mourra wurde wegen seiner religiösen Ansichten und seiner Lauterkeit von vielen Menschen geachtet, und er sprach auch häufig über seine Entdeckung, blieb aber trotzdem das einzige Mitglied der Kirche – bis 1978. Am B. Juni 1978 rief Präsident Millett ihn aus Florida an und informierte ihn darüber, daß nun alle würdigen Männer in der Kirche die Segnungen des Priestertums empfangen könnten. Das war eine wichtige Bekanntmachung für die Haitianer, von denen 98 Prozent Schwarze sind. Bruder Mourra entgegnete Präsident Millett: „Ich habe hier viele Menschen, die zur Taufe bereit sind. Wann kommen Sie nach Haiti?”
Am 2. Juli 1978 besuchten Präsident Millett und seine Ratgeber einen ungewöhnlichen Taufgottesdienst, der an einem Fluß in Hatte-Maree stattfand, einer kleinen Stadt nördlich von Port-au-Prince. 22 Haitianer wurden Mitglied der Kirche. Im September 1978 kam Bruder J. Frederick Templeman mit seiner Frau und seinen vier Kindern nach Haiti; er war Botschaftsrat des kanadischen Botschafters. Gemeinsam mit Bruder Mourra arbeitete er an der Gründung des ersten Zweiges der Kirche in Haiti, und dieser Zweig wurde schließlich im Oktober 1980 in Port-au-Prince gegründet.
Damals arbeiteten vier Vollzeitmissionare von der Mission Fort Lauderdale in Haiti. Haiti gehörte noch bis zum 17. April 1983 zur Mission Florida, bis Elder Thomas S. Monson vom Kollegium der Zwölf Apostel das Land für die Verkündigung des Evangeliums weihte. Seit damals haben mehr als einhundert Haitianer eine Mission in ihrer Heimat erfüllt, und viele Jugendliche brennen darauf, es ihnen gleichzutun.
Elizabeth und Jed VanDenBerghe, November 1991

14:24 - 8.05.2008


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