Mormonen - Das Evangelium in aller Welt

Brooklyn

Brooklyns Fenster zur Welt
Wenn man die Versammlungen im Gemeindehaus in Brooklyn besucht, hat man fast den Eindruck, in einer Versammlung der nahegelegenen Vereinten Nationen zu sein. Zwei Gemeinden und ein Zweig – nach Sprachen getrennt, nämlich englisch, spanisch und chinesisch – teilen sich das Gemeindehaus.
Aber die Mitglieder in Brooklyn unterscheiden sich nicht nur durch die Sprache. Die Mitglieder der Gemeinde Brooklyn 1 stammen aus vierzig verschiedenen Ländern, unter anderem aus Äthiopien, Argentinien, Australien, Barbados, El Salvador, England, Grenada, Guatemala, Haiti, Italien, Nigeria, Pakistan, Panama, den Philippinen, Puerto Rico, der Schweiz, Trinidad und Tobago. Auch aus fast jedem Bundesstaat der Vereinigten Staaten kommen Mitglieder. Sogar die Mitglieder, die in Brooklyn geboren worden sind, sind sehr unterschiedlicher Herkunft ﷓ sie sind jüdischer, italienisch-amerikanischer oder afrikanisch-amerikanischer Abstammung, um nur wenige zu nennen.
In der Geschichte der Kirche in Brooklyn spiegelt sich die Geschichte der Stadt wieder. Brooklyn ist die viertgrößte Stadt in den Vereinigten Staaten und bildet mit vier anderen Stadtbezirken die Großstadt New York. Ihr Ruf als einer der Kreuzpunkte der Welt ist legendär. Schätzungen zufolge konnten noch drei von vier US-Amerikanern ihre Familiengeschichte bis zu dem Punkt zurückverfolgen, wo ihre Vorfahren in Brooklyn gewohnt oder dort Station gemacht hatten.
Schon 1837 wurde in Brooklyn ein Zweig der Kirche gegründet, und von 1840 bis 1890 kamen fünfzigtausend Europäer, die sich zur Kirche bekehrt hatten, in von der Kirche organsierten Gruppen dort an. Auch später noch kamen Tausende Mitglieder mit dem Schiff in Brooklyn an. Brooklyn blieb viele Jahre lang der wichtigste Ankunftshafen für die Mitglieder.
Die Kirche in Brooklyn war immer wieder Anlaufpunkt für Mitglieder, die dort Station machten, ihre Reise dann aber früher oder später fortsetzten. 1846 mietete die Kirche das erste Schiff, auf dem Mitglieder nach Kalifornien gebracht wurden. Damit begann die Wanderung nach Westen. Das Schiff hieß bezeichnenderweise „Brooklyn“.
In den letzten Jahren hat sich in den Gemeinden in Brooklyn viel geändert. Bestanden sie vor fünfzig Jahren noch in erster Linie aus Europäer, so stammten die Mitglieder heute zum großen Teil aus Ländern, die näher am Äquator liegen. Aber unabhängig davon, ob die Mitglieder nun aus anderen Ländern oder anderen US-Bundesstaaten eingewandert sind – fast jeder ist in irgendeiner Hinsicht ein Ausländer. Unter den 1200 Mitgliedern in Brooklyn gibt es kaum jemand, der auch dort geboren ist.
Mireille Petrus und ihre Familie sind ein gutes Beispiel für die Glaubenstreue und die Verschiedenheit der Mitglieder in Brooklyn. Sie sind 1983 aus Haiti in die Vereinigten Staaten gekommen. Die Kirche war ihnen eine große Hilfe bei der Gewöhnung an die fremde Gesellschaft. „Die Kirche hat uns geholfen, unser geistiges Niveau zu behalten”, sagt Raquel, die älteste Tochter von Mireille Petrus. Schwester Petrus ist Sonntagsschullehrerin für die anderen französischsprechenden Haitianer in der Gemeinde und macht sich nicht viele Gedanken darüber, daß ihre vier Kinder im Teenageralter in einer Gegend wohnen, die für ihre Armut und ihre Kriminalität bekannt ist. Sie hat sie gut vorbereitet und spricht mit ihnen ruhig und zuversichtlich über furchterregende, gefährliche Erlebnisse. „Wir müssen immer auf den Geist vertrauen, damit wir wissen, was wir tun sollen und was wir nicht tun dürfen”, sagt Raquel.
Weil es in der Gemeinde Brooklyn starke Familien und das Seminarprogramm gibt, gibt es dort auch begeisterte und arbeitswillige Jungendliche. Randy Dow, der aus dem US-Bundesstaat Maine stammt und seit vielen Jahren um die jungen Leute bemüht ist, erzählt: „Vor ein paar Jahren haben wir mit dem Seminar begonnen. Damals hatten wir kaum Schüler, unter anderem deshalb, weil die Eltern nicht wollten, daß ihre Kinder noch spät abends unterwegs waren.” Kaum jemand in Brooklyn besitzt ein Auto, aber dennoch konnten Fahrten organisiert werden, und später wurden nach dem Wochenunterricht auch Aktivitäten durchgeführt. Jetzt findet das Seminar auf einhelligen Wunsch der Jugendlichen am Freitagabend statt.
Bruder Dow sagt, die Schwierigkeiten, denen die jungen Leute ausgesetzt seien, hätten ihn sehr überrascht: „Einmal hat ein Jugendlicher zu Beginn des Unterrichts von einem Mord an seiner Schule erzählt. Mit manchem bin ich vorher noch nie konfrontiert worden und werde so etwas wohl auch nie wieder erleben.” Aber die Arbeit mit den jungen Leuten und die Möglichkeit, sie zu beeinflussen, bereiten ihm große Freude.
Wenn man Bruder Gonzalo Ayerdis und seine Frau fragt, ob es für sie schwieriger sei, ihre Kinder in Brooklyn großzuziehen anstatt in ihrer Heimat Honduras beziehungsweise Nicaragua, bekommt man eine optimistische Antwort. Schwester Ayerdis meint: „Hier ist es leichter. Und vor Allem weiß man, daß man jederzeit Arbeit finden kann.” Bruder und Schwester Ayerdis sind 1962 mit fünf kleinen Kindern nach Brooklyn ausgewandert und haben dort zwei weitere Kinder bekommen. Mit einundvierzig Jahren fand Bruder Ayerdis eine Anstellung als Zimmermann. Sieben Jahre später konnte sich die Familie ein eigenes Haus kaufen – eine Seltenheit in Brooklyn.
Bruder und Schwester Ayerdis sprechen immer noch am liebsten spanisch miteinander, sind aber stolz darauf, daß ihre Kinder sowohl englisch als auch spanisch sprechen. Schwester Ayerdis erzählt: „Als wir hierher gezogen sind, gab es keine zweisprachigen Schulen und auch keine Gemeinden, in denen spanisch gesprochen wurde. Deshalb habe ich mit den Kindern zu Hause spanisch gesprochen, damit sie es nicht vergaßen.”
Bruder Ayerdis ist derzeit Bischof der Gemeinde Brooklyn 2, wo die Versammlungen in spanischer Sprache durchgeführt werden. Er erinnert sich noch gut an den Tag, wo er mit seiner Familie vor Gericht erscheinen mußte, um eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis für die Vereinigten Staaten zu bekommen. „Die Kinder saßen neben uns auf der langen Bank – leise wie kleine Engel.” Der Richter war der Ansicht, die Kinder würden in New York verdorben, und sagte: „Es ist eine Schande, daß Sie Ihre Kinder hierher gebracht haben.” Schwester Ayerdis entgegnete ihm: „Wir haben unsere Möbel zurückgelassen, unser Haus und unsere Kleidung, aber unsere Traditionen haben wir mitgebracht.”
Das Völkergemisch im Zweig und in den Gemeinden in Brooklyn ist wohl kaum noch einmal in einer anderen Gemeinde zu finden. Aber die Mitglieder in Brooklyn scheinen sich der verschiedenen Sprachen, der verschiedenen Kulturen und der verschiedenen Hautfarben, die Besucher und neue Mitglieder faszinieren mögen, gar nicht richtig bewußt zu sein. Sie denken vielmehr an das, was allen gemeinsam ist – das Zeugnis vom Evangelium, der Grund, aus dem sie nach Brooklyn gekommen sind, eine starke Familie und die Jugendarbeit.
Glen Nelson, März 1991
Glen Nelson, der früher selbst in Brooklyn gewohnt hat, gehört heute zur Gemeinde Manhattan 2 im Pfahl New York, wo er und seine Frau sich der gehörgeschädigten Mitglieder annehmen.

01:16 - 8.05.2008


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