Mormonen - Das Evangelium in aller Welt

Sowjetunion

Das Evangelium in der Sowjetunion
Es gibt keinen Gott." Diesen Satz hat eine ganze Generation in Osteuropa gelernt. Er wurde als absolute Behauptung von Lehrern, Regierungsbeamten und sogar Eltern aufgestellt. Da der Atheismus seit fast einem halben Jahrhundert in Teilen Europas als offizielle Doktrin gilt, haben sich manche Leute gefragt, wie die Menschen in der Sowjetunion und in anderen osteuropäischen Ländern wohl auf das wiederhergestellte Evangelium reagieren würden.
Die vor kurzem (1991) vollzogenen Veränderungen ermöglichen es, den Menschen in Osteuropa das Evangelium zu bringen. Die Gebete der Glaubenstreuen sind erhört worden – Millionen Menschen haben plötzlich Religionsfreiheit erhalten. Wie werden sie denn nun auf die gute Nachricht, nämlich das Evangelium, reagieren?
„Sie sind bereit”, meint Aimo Jäkkö aus der Gemeinde Lapeenranta im Pfahl Helsinki ganz in der Nähe der sowjetischen Grenze. Bruder Jäkkö und seine Frau Nellie haben die Anfänge der Missionsarbeit in der Sowjetunion miterlebt, und sie sind zuversichtlich, daß die Sowjetbürger das Evangelium annehmen werden.

Verbindung mit Finnland
Bruder Jäkkö produziert Webstühle, seine Frau Nellie ist eine international bekannte Tischtennisspielerin. Die beiden haben fünf Kinder.
„Mein Mann und ich haben viele Jahre lang versucht, unseren Landsleuten gute Missionare zu sein”, erzählt Nellie, die aus Holland stammt. „Doch wir haben nicht viel Erfolg gehabt.
Aber im August 1989 hatten wir die Möglichkeit, eine wunderschöne Reise zu machen, nämlich eine Kanufahrt durch die Wälder Ostkareliens. Drei russische Familien waren ebenfalls dabei. Wir haben abends am Lagerfeuer über unsere Lebensansichten gesprochen, und eine Familie, die Semjonows, haben sich sehr für dieses Thema interessiert. Wir sind innerhalb kurzer Zeit sehr gute Freunde geworden. Andrej Semjonow, der Vater, ist ein sehr aufgeschlossener Mensch; er war damals etwa Mitte zwanzig und zeigte vor allem Interesse für unsere geistigen Ideale und unsere Vorstellungen von der Familie. Er wollte uns mit seinem Bruder Pawel bekanntmachen, der in Leningrad wohnt, damit wir auch mit ihm über unsere Ideale sprechen konnten."
„Als wir uns besser kennenlernten”, erzählt Nellie, „erfuhren wir, daß sowohl Andrej als auch Pawel Semjonow von Beruf Arzt sind. Beide suchen schon lange nach Wahrheit und Erkenntnis. Andrej Semjonow wollte uns gerne wiedersehen, und deshalb luden wir ihn und seinen Bruder und ihre Frauen ein paar Monate nach der Reise zu uns nach Finnland ein.”
Andrej Semjonow ist heute Präsident des Zweiges Wyborg. Er sagt, der Besuch in Finnland sei „unvergeßlich” gewesen. „Ehe wir die Familie Jäkkö kennengelernt haben, hatte ich ur aus Filmen, Fernsehen und ein paar Besuchen in der russisch-orthodoxen Kirche etwas über das Evangelium Jesu Christi erfahren. Wir hatten ja gelernt, daß der Kommunismus die einzig richtige Gesellschaftsform sei. Aber 1985, als Präsident Michail Gorbatschow an die Macht kam, habe ich angefangen, nach etwas anderem zu suchen. Und jetzt habe ich es gefunden.
In Lappeenranta habe ich die Missionare Bert Dover und John Webster kennengelernt und den Geist sehr stark gespürt. Das war der Durchbruch. Ich kehrte nach Hause zurück und fing an, das Buch Mormon zu studieren. Ich bin sicher, daß kein Mensch dieses Buch geschrieben haben kann. Es ist von Gott.”
Im März 1990 ließ Andrej Semjonow sich taufen. Im August taufte er dann seine Frau Marina in den eiskalten Fluten des Baltischen Meeres. Pawel Semjonow und seine Familie haben sich ebenfalls taufen lassen, und zwar in Leningrad. Dort tragen sie ihr Teil zum Wachstum des Zweiges bei. Pawel Semjonow erzählt, wie sich seine grundlegende Einstellung zur Medizin gewandelt hat, seit er weiß, daß es einen Gott gibt und das menschliches Leben heilig ist. Andrej sagt, daß er für die neue Kraft dankbar ist, die ihm zuteil wird, seit er weiß: sein Leben ist mit Gott verbunden.
„Als ich die Lehren der Heiligen der Letzten Tage zum erstenmal hörte, hatte ich Angst”, sagt er. „Die Maßstäbe erschienen mir viel zu hoch, und ich dachte, es sei unmöglich, danach zu leben. Jetzt aber weiß ich, daß es eine Kraftquelle gibt, die uns hilft, so zu leben. Irgendwie war ich bereit, das Evangelium anzunehmen, als ich es kennenlernte."

Verbindung aus Ungarn

Wie die Semjonows haben auch andere Sowjetbürger das Evangelium durch Freunde im Ausland kennengelernt. Zu den ersten, die sich in der Sowjetunion taufen ließen, gehörten Juri Terebinen und seine Frau Ludmilla aus Leningrad. Sie haben sich 1989 während eines Besuches bei Freunden in Ungarn der Kirche angeschlossen. „Wir sind mit unseren Freunden zur Kirche gegangen”, erzählt Juri Terebinen, „und haben gespürt, wie anders das Verhältnis ist, das die Menschen zu Gott und zueinander haben. Ich fand es richtig, daß wir selbst direkt mit Gott sprechen können und dazu nicht die Hilfe eines Geistlichen brauchen. Man wird belehrt, und man lehrt selbst – so kommt man Gott näher Die Rituale und die Ausdrucksweise in den anderen Kirchen, die ich besucht hatte, hatten mich immer gestört und sich zwischen mich und Gott gestellt. Hier spürte ich Nähe zu Gott, und ich fühlte mich auch meinen Mitmenschen näher.“
Als die Terebinens nach ihrer Taufe nach Leningrad zurückkehrten, baten sie Freunde in Helsinki, den Kontakt zum Präsidenten der Mission Finnland herzustellen. Das war zur damaligen Zeit Steven Mecham. Präsident Mecham und sein Ratgeber Yusi Kempainen hatten bereits mit Mitgliedern in Wyborg und Tallinn gesprochen. Sie sprachen auch mit den Terebinens und den anderen Mitgliedern in Leningrad. Im Dezember 1989 wurden in den genannten drei Städten Zweige der Kirche gegründet.
Juri Terebinen wurde der erste Zweigpräsident Leningrads. Heute ist der Zweig bereits geteilt worden; die beiden Zweige haben insgesamt mehr als 160 Mitglieder. Inzwischen gibt es auch einen Zweig in Moskau.

Aus dem Hintergrund

Viele Jahrhunderte lang war das Christentum in Rußland weit verbreitet. Die Kathedralen der russisch-orthodoxen Kirche gehören zu den farbenprächtigsten und eindrucksvollsten Bauwerken des Landes. Die Menschen glaubten fest an Gott. Damals hieß Leningrad noch St. Petersburg beziehungsweise Petrograd. Aber in den vergangenen 45 Jahren sind die schönen Kirchen mit den glänzenden Goldkuppeln, den Ikonen und den übrigen Kunstwerken kaum zur Gottesverehrung benutzt worden. Viele Kirchen wurden in Museen umgewandelt, als Rollschbahnen genutzt oder als Lagerräume zweckentfremdet.
Funfundvierzig Jahre land sind die Kirchen in der Sowjetunion - Wie diese hier in Leningrad - als Museen, Rollschuhbahnen oder als Lagerhäserzweckentfremdet worden.

Die Heiligen der Letzten Tage beten seit Jahren darum, dass das wiederhergestellte Evangelium in allen Ländern der Welt verkündigt werden kann. Man könnte zwar meinen, die neue Religiosität sei auf die Liberalisierung und die Öffnung nach Westen zurückzuführen, aber es war wohl eher die Hand des Herrn, die aus dem Hintergrund gewirkt und die Geschicke gelenkt hat.
Am 6. August 1903 kniete Elder Francis M. Lyman vom Kollegium der Zwölf in den Sommergärten von Leningrad und weihte Rußland für die Verkündigung des Evangeliums. Im April 1989 kniete dann Elder Russell M. Nelson vom Kollegium der Zwölf Apostel unter den Linden und Eichen derselben Gärten und betete darum, daß der Herr die Sowjetunion segnen möge. Elder Nelson und Elder Hans B. Ringger von den Siebzigern, der über das Gebiet Europa präsidiert, kamen anschließend mit Regierungsbeamten zusammen, um die offizielle Anerkennung der Kirche in die Wege zu leiten.
Seit dem Frühjahr 1990 – also noch vor der Gründung der Mission Helsinki-Ost – dürfen Missionare mit kurzfristigen Besuchervisa in die UdSSR einreisen. Gary L. Browning, der Missionspräsident, war vor seiner Berufung Professor für slawische Sprachen an der Brigham-Young-Universität. Heute beaufsichtigt er die Arbeit von mehr als zwanzig russisch-sprechenden Missionaren, und zwar von seinem Büro in Helsinki – etwa 500 km nördlich – aus. Je nach Bedarf besucht er die Zweige in Leningrad, Tallinn und Wyborg sowie die wenigen Mitglieder in Moskau.
Am 19. September 1990 hat Jewgenij W. Tschernjezow, Mitglied des vom Ministerrat der Sowjetunion ins Leben gerufenen Rates für Religionsangelegenheiten, Elder Ringger darüber informiert, daß der Ministerrat der Sowjetunion die offizielle Anerkennung des Zweiges Leningrad genehmigt hat. Zwar ist es in Rußland Vorschrift, daß jeder Zweig offiziell anerkannt werden muß, aber man geht davon aus, daß die Anerkennung weiterer Zweige nur noch eine Routineangelegenheit sein wird.

Der Zweig Leningrad

Ich habe den Zweig Leningrad kurz vor der Teilung besucht. In der Versammlung haben zwei junge Frauen, die sich erst vor kurzem haben taufen lassen, eindrucksvoll Zeugnis gegeben. Dann hielt Präsident Browning eine Ansprache, in der er darauf einging, daß die Kirche eine weltweite Kirche geworden ist, deren Führer aus vielen Ländern stammen. „Die Kirche in Rußland ist noch ein Kind”, sagte er, „aber dieses Kind wächst schnell. Es muß allerdings noch viel lernen. Sie haben Glauben bewiesen; jetzt müssen Sie sich Erkenntnis aneignen, denn Glaube ohne Erkenntnis führt zu Fanatismus, und Erkenntnis ohne Glauben ist unwirksam. Jesus Christus hat uns gezeigt, daß seine Liebe auf Glauben beruht, der mit Erkenntnis gepaart ist.”
Die Versammlungen in Leningrad finden in einem kleinen Theater statt. Mitglieder und Besucher spüren gleichermaßen die herzliche Atmosphäre, durch die sich die Versammlungen der Mitglieder überall auszeichnen. Herzliches Händeschütteln, freundschaftliche Umarmungen und liebevolle Worte bringen Licht in die düstere Eingangshalle.
Nach der Versammlung haben mehrere Studenten erzählt, wie Pawel Agafonow sie mit der Kirche bekanntgemacht hat.
Pawel Agafonow selbst hat die Kirche im März 1990 kennengelernt, als er in den Vereinigten Staaten Ingenieurwesen und Psychologie studierte. Er war schon in vielen Kirchen gewesen und hatte überall schwierige Fragen gestellt. „Keine der Kirchen, in die ich gegangen war, konnte mir meine Fragen beantworten”, erzählt er. „Ich habe mir eine richtige Kirche gewünscht, eine Kirche, die auch heute noch von Gott weiß."
Pawel Agafonow ließ sich im April 1990 taufen und brachte dann seine Freunde mit. Inzwischen haben sich seine beiden Zimmerkameraden – Andrej Chromowskij, der ebenfalls Ingenieurwesen und Psychologie studiert, und Wladimir Schestakow, der als Halb-Profi Basketball spielt und Sport studiert – ebenfalls der Kirche angeschlossen. Ein weiterer Freund namens Walerij Pomasanow, der Lehrer werden will, hat sich auch taufen lassen. Alle vier sagen übereinstimmend, daß sie noch nirgendwo soviel seelische und geistige Nähe gefunden haben wie in der Kirche.
Der zwölfjährige Roman Batin gehört zu den ersten Diakonen, die im Zweig Leningrad ordiniert wurden. In der Schule erzählt er seinen Kameraden von seinen amerikanischen Freunden, den Missionaren, die „einen sehr guten Charakter” haben. Er sagt, daß er einmal so werden möchte wie sie.
Elena Stoljar ist sechsundzwanzig Jahre alt. Sie arbeitet in einem Kulturzentrum für Kinder und studiert Elektrotechnik. Was gefällt ihr am Evangelium? „Mir gefällt, daß das Evangelium nicht einfach ist und daß viel von uns erwartet wird. Mein Leben wird jetzt von neuen Idealen, neuen Freunden und neuen Hoffnungen bestimmt.”
Als Lilija Schuprowa zum erstenmal zur Frauenhilfsvereinigung ging, wußte sie sofort, „daß die FHV genau das war, wonach ich mein Leben lang gesucht hatte. Ich komme jetzt jeden Sonntag und bringe meine Kinder mit.” Schwester Schuprowa und Alexandria, ihre neunjährige Tochter, haben sich im August 1990 taufen lassen. Schwester Schuprowa ist geschieden; sie zieht ihre beiden Töchter allein groß und kümmert sich noch um ihre Mutter.
Zwar haben einige Mitglieder in der Sowjetunion das wiederhergestellte Evangelium bei Freunden außerhalb des Landes kennengelernt, aber die meisten haben sich zur Kirche bekehrt, weil Mitglieder im Inland ihnen vom Evangelium erzählt haben. In den Versammlungen in Wyborg, Leningrad und Tallinn sind oft mehr Freunde der Kirche als Mitglieder anwesend.
Wie die meisten anderen Sowjetbürger haben auch die jetzigen Mitglieder als Kinder gesagt bekommen, daß es keinen Gott gibt. Stellen Sie sich die Freude vor, die sie empfunden haben müssen, als sie die „gute Nachricht” – und das Evangelium ist ja eine gute Nachricht – vernommen haben, daß Gott lebt und daß er uns, wie Andrej sagt, „so sehr liebt, daß er durch einen Propheten zu uns spricht und uns seine Knechte sendet, nämlich die Missionare.
Mein Leben hat sich von Grund auf geändert. Ich gehe zwar noch in dieselbe Richtung, aber mein Denken und Fühlen haben sich vollkommen gewandelt. Die Kenntnis vom Evangelium und die Hoffnung, die es vermittelt, haben mein Leben verändert und werden auch das Leben meiner Landsleute verändern, die für das Evangelium bereit sind.”
Giles H. Florence jun. Oktober 1991
Giles H. Florence jun. ist Mitherausgeber der Zeitschrift ENSIGN


03:13 - 8.05.2008


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