Mormonen - Das Evangelium in aller Welt

Mexiko

Sie bringen ihren Landsleuten das Evangelium
Elder David Antonio Parada aus El Salvador, Elder lose Arcia aus Panama und Elder Sergio Saavedra aus Mexiko sind nur drei einheimische Missionare aus dem weltweit immer zahlreicher werdenden Heer einheimischer Missionare. Neue Tempel und Missionarsschulen tragen zu ihrer Ausbildung bei. Die meisten werden von ihren Angehörigen unterstützt und haben den Segen ihrer Eltern.
EIder David Antonio Parada und Elder Sergio Saavedra biegen in eine geschäftige Straße eines Wohnviertels in San Salvador ein. Kinder spielen Fangen, es bellt ein Hund. Frauen und Mädchen mit Wäschekörben und Lebensmittelkörben auf dem Kopf gehen vorüber. Aus offenen Fenstern plärren Radios, jeder auf einer anderen Frequenz, aber alle spielen heiße Latino-Rhythmen.
Von der anderen Seite der Straße kommen zwei novios (ein verlobtes Paar) und treffen zugleich mit den Missionaren an der Haustüre ein – gerade rechtzeitig für ihren Termin. Sie bitten die Missionare hinein und rücken Stühle zu einem Kreis. Nach dem Gebet verschwindet die junge Frau in einem Nebenzimmer und kommt mit ihrem Buch Mormon zurück.
„Haben Sie gebetet?” fragt Elder Parada. Die Frau nickt. „Und haben Sie auch im Buch Mormon gelesen?” Jawohl, die beiden haben ihren Leseauftrag – Dritter Nephi, Kapitel 11 – erfüllt. „Ausgezeichnet! Lesen Sie weiter, und beten Sie darüber, dann werden Sie durch den Heiligen Geist erfahren, daß es wahr ist.”
Die Lektion handelt vom Errettungsplan. Elder Parada nimmt seinen Kugelschreiber auseinander. „Unser Körper ist wie diese Kugelschreiberhülle”, sagt er, „und unser Geist wie die Mine.” Anhand dieser einfachen Darstellung erläutert er den Tod und die Auferstehung. Als die junge Frau dann Fragen stellt, antwortet Elder Parada mit Schriftstellen aus seinen gut markierten Schriften.
Dann ist Elder Saavedra an der Reihe. Beide Missionare sind ganz in ihrem Element – keiner hat sprachliche oder kulturelle Schwierigkeiten. Die Mutter der jungen Frau, die draußen Wäsche gewaschen hat, kommt herein und hört einen Teil des Gesprächs mit. Draußen kräht ein Hahn, und ein paar Hühner laufen an der offenen Tür vorüber. Durch das Fenster streicht eine leichte Brise und spielt mit dem Vorhang, der als Tür zum Nebenraum dient. Die Diskussion entwickelt sich wie geplant. Als die Missionare sich anschicken zu gehen, lächelt die Mutter und kommt ins Zimmer, um sich zu verabschieden. Vielleicht, sagt sie, komme sie morgen mit den novios zur Kirche.

„Wir können unabhängig sein”
Elder Parada aus El Salvador und der Mexikaner Elder Saavedra sind zwei von Tausenden Missionaren, die dem Ruf von Präsident Spencer W. Kimball im Jahre 1974 gefolgt sind. Jedes Land, hieß es damals, solle seine Missionare selbst stellen, ja, „mehr, als im Land selbst gebraucht werden”, damit sie in anderen Teilen der Welt mithelfen können.
Seit damals hat sich in Mexiko und Mittelamerika viel getan, was diese Vision nun Wirklichkeit werden läßt. Als Präsident 1974 diesen Auftrag aussprach, stammten nur 25 Prozent der Missionare in Mexiko aus diesem Land; 1988 waren es 95 Prozent. El Salvador hat überhaupt nur Missionare aus Mittelamerika, und nur sechs davon sind nicht aus El Salvador, sondern aus Nachbarländern.
Der Prozentsatz ist nicht überall so hoch. In der Mission Costa Rica San José ist das Verhältnis 50 zu 50. „Es wäre schön, wenn wir ausschließlich Lateinamerikaner hätten”, sagt Missionspräsident Mervyn Arnold. „Und eines Tages kann das durchaus sein.”
Das Prinzip hat sich jedenfalls durchgesetzt, und der Trend ist steigend. 1987 gingen 1300 Männer und Frauen aus Mexiko und Mittelamerika auf Mission. Zugleich mit der Anzahl einheimischer Missionare hat auch die Zahl der Missionen zugenommen. 1974 gab es in Mexiko nur fünf Missionen, 1988 waren es vierzehn. Auch die Anzahl der Taufen steigt. Allein in der Mission Mexiko Monterrey wurden 1987 in einem Monat 475 Personen getauft. Insgesamt wurden 1987 in Mexiko und Mittelamerika 40.000 Menschen getauft.
Einheimische Missionare verfügen über offensichtliche Vorteile. Normalerweise verstehen sie die Bevölkerung besser, weil die sprachlichen und kulturellen Barrieren wegfallen. In manchen Ländern ist die Anzahl US-amerikanischer Missionare, die in ein Land einreisen dürfen, aus rechtlichen oder politischen Gründen beschränkt. Lateinamerikanische Missionare können manchmal an Orten eingesetzt werden, wo es unklug oder überhaupt unmöglich wäre, Ausländer einzusetzen.
Ein treffendes Beispiel ist El Salvador. Die dortige Mission wurde 1980 aufgrund der politischen Krise geschlossen. Die Missionare, viele von ihnen aus den USA, wurden in andere Gebiete verlegt. 1984 wurde die Mission wiedereröffnet, aber es gibt dort seither keine Missionare aus den USA. An ihrer Stelle dienen problemlos Brüder und Schwestern aus El Salvador.
„Wir bemühen uns, unabhängig zu sein”, sagt Missionspräsident Franklin Henriquez, der selbst auch aus El Salvador stammt. „Unsere Pfähle hier schicken uns zur Zeit genug Missionare. Auch in Guatemala, Honduras und Costa Rica dienen derzeit Missionare aus El Salvador.”

Nach dem Beispiel der Pioniere
Anzug und weißes Hemd sind nagelneu: Elder Enrique Hernández ist unterwegs zum Flughafen, um von San José in Costa Rica in die Missionarsschule in Guatemala City zu reisen. Nach dreizehn Tagen wird er nach Costa Rica zurückkommen und seine Mission antreten. Warum wird er von Missionaren und nicht von seinen Eltern zum Flugplatz begleitet? „Meine Eltern gehören nicht der Kirche an”, erklärt er. „Und sie können es sich finanziell nicht leisten, mich hierher zu begleiten. Heute morgen habe ich alle geweckt und Abschied genommen, bevor ich losfuhr.”
Sein Vater, sagt er, der vierundsechzig und arbeitslos ist, war gegen seine Mission. Enrique und seine Schwester sind die einzigen Verdiener in der siebenköpfigen Familie. Wenn er nun fort ist, wird sein Einkommen fehlen.
„Es war schwer, mich heute von ihnen zu trennen”, sagt Elder Hernández. „ich weiß nicht, wie sie ohne mich auskommen werden. Ich hoffe, der Herr wird sie segnen.”
Nachdenklich sitzt er da, während der Kleinbus in Richtung Flughafen fährt. „Was mich stärkt, ist das Beispiel der Führer der Kirche in der Pionierzeit”, fährt er fort. „Sie ließen ihre Familie, oftmals unter schwierigen Bedingungen, zurück, um dem Herrn als Missionare zu dienen. Wenn sie das konnten, kann ich es auch.”
An den Missionarsschulen in Mexiko und Guatemala treffen alle zwei Wochen neue Missionare wie Elder Hernández ein. Die meisten unterbrechen ihre Ausbildung oder ihre berufliche Tätigkeit. Manche verzichten auf Stipendien oder auf eine gute Stellung. Manche haben den Segen ihrer Familie, andere bekommen von zu Hause keinerlei Unterstützung und Ermunterung. Die meisten kommen aus einfachen Verhältnissen; obwohl die Missionskosten sinken, weil die örtlichen Mitglieder für einen Teil der Mahlzeiten aufkommen, haben die meisten Missionare dennoch zu kämpfen, um zumindest ein Drittel ihrer Kosten zu bestreiten. Dabei ist es nicht selten, daß aus einer Familie mehr als ein Sohn oder eine Tochter zugleich auf Mission sind.
Der Durchschnittsmissionar einer kürzlich untersuchten Mission war erst seit fünf Jahren Mitglied der Kirche. Nur 15 Prozent der Missionare waren von Geburt an in der Kirche. Etwa 40 Prozent hatten Eltern, die nicht der Kirche angehörten.

„Er findet Einlaß, wo wir vor verschlossenen Türen stehen”
„Danke für die Hilfe beim Rohrbruch!”
Elder Jose Arcía lacht: „Ach, das war doch nicht der Rede wert.” Beim letzten Besuch der Missionare hat nämlich der achtjährige Sohn der Frau eine Wasserleitung im Garten beschädigt, so daß das Wasser bis auf die Straße sprudelte. Nach einer Stunde hatten die Missionare gemeinsam mit einem Mitglied den Schaden behoben. Heute ist der Junge bei der Lektion dabei. Immer wenn er vom Thema abkommt, stellt ihm Elder Arcía ein paar Fragen und führt ihn spielerisch zur Sache zurück.
Die Mutter, die von ihrem Mann getrennt lebt, ist von der Lektion beeindruckt. Elder Arcía und sein Mitarbeiter sind einfühlsame Lehrer. Sie fordern die Frau auf, Gott und ihre Mitmenschen zu lieben und das Gesetz der Keuschheit sowie das Wort der Weisheit zu befolgen. „Werden Sie in zwanzig Jahren, wenn die Missionare nicht mehr da sind, diese Gesetze immer noch befolgen?” fragt Elder García.
„Ganz bestimmt”, erwidert sie. Sie wird in zwei Wochen getauft.
Wenn man Elder Arcía zuhört, gewinnt man den Eindruck, er habe schon eine Menge Kirchenerfahrung. Tatsächlich aber ging der vierundzwanzigjährige Panamese dreizehn Tage vor Vollendung seines ersten Jahres in der Kirche schon in die Missionarsschule.
Später bemerkt ein Assistent des Missionspräsidenten, ein US-Amerikaner, über die Arbeit, die Elder Arcía in der Mission Costa Rica leistet: „Der Präsident schickt ihn in Gebiete, wo es nicht so gut vorangeht. Wo immer Elder Arcía hinkommt, begeistert er die anderen, hält viele Lektionen und hat viele Taufen. Er hat etwas, was uns Ausländern fehlt. Er findet Einlaß, wo wir vor verschlossenen Türen stehen.”

So eine großartige Gegend, wo wir arbeiten
Gestern abend hat es in Monterrey in Mexiko gehagelt, und heute morgen versinkt man auf den ungepflasterten Straßen im Morast. Schwester Miriam Sosa und Schwester Laura Alcala sind eingepackt in Pullover und Jacke (auch hier scheint nicht immer die Sonne). Ihre festen Schuhe kommen nicht zum erstenmal mit dem Matsch in Berührung.
Man möchte meinen, die beiden haben einander schon immer gekannt – jedenfalls verstehen sie sich ausgezeichnet. An ihren leuchtenden Augen und an der Stimme merkt man ihnen ihre Begeisterung an. Beide sind Heilige der Letzten Tage der dritten Generation. Jede der beiden hat einen Pfahlpräsidenten zum Vater und einen Bruder auf Mission.
Was aber noch wichtiger ist: Beide sind ganz vom Missionsgeist erfaßt. Manche behaupten, es sei schwierig, in dieser Gegend fünfzehn Lektionen pro Woche zu halten, aber die beiden haben es schon mehr als einmal auf fünfundsechzig gebracht.
„Man muß sich ganz dem Herrn weihen, nur so geht es”, sagt Schwester Sosa. Ihre Demut ist nicht gespielt. „Wir haben unser ganzes Vertrauen in den Herrn gesetzt.”
„Und wir lieben die Menschen, die wir belehren, wirklich”, fügt Schwester Alcala hinzu. „Das, was wir haben, möchten wir mit jedermann teilen.”
Schwester Sosa ist seit acht Monaten auf Mission. In dieser Zeit hat sie fünfundfünfzig Menschen zur Kirche gebracht, hauptsächlich ganze Familien, die sich nun bereits auf den Tempel vorbereiten. Dieses Wochenende wird es weitere zehn Taufen geben.
Die beiden stapfen und gleiten durch den Morast und machen Scherze darüber, daß sie unrettbar versinken oder der Länge nach hinfallen könnten, aber weder das eine noch das andere wird ihnen passieren. Sie gehen mit raschem, sicherem Schritt. Sie klopfen an die Tür eines kleinen Hauses. Die Eltern sind nicht da, aber der Großvater und drei Enkelinnen sind zu Hause. Eine einzelne Glühbirne beleuchtet den Raum. Der zahnlose Großvater, der auf einem Auge blind ist und über Schmerzen im Arm klagt, hat viel zu sagen – aber er hört auch zu. Das älteste Mädchen hält das kleinste Kind auf dem Schoß. Sie und die mittlere Schwester hören aufmerksam zu, lesen Schriftstellen vor und beantworten alle Fragen richtig. Zum Schluß spricht eins der Mädchen ein Gebet. Beim Abschied versprechen die Missionarinnen, daß sie wiederkommen werden, wenn die Eltern zu Hause sind.
Wieder geht es hinaus in den Morast. Nun überqueren sie eine Wiese und singen dabei „Ich bin ein Kind des Herrn”. Im nächsten Haus, das sie aufsuchen, gibt es wieder eine Lektion. Die Mutter sagt zum Schluß, sie habe während der Lektion ein gutes Gefühl gehabt. „Das ist der Geist Gottes, der Ihnen im Herzen davon Zeugnis gibt, daß dies wahr ist”, sagt Schwester Alcala. Die Familie verspricht, am Sonntag zur Kirche zu kommen.
Als die beiden wieder auf der Straße stehen, können sie ihre Freude kaum verbergen. Und als sie dann in die nächste Gossengasse einbiegen, kann Schwester Sosa nicht an sich halten: „So eine großartige Gegend, wo wir arbeiten!”

Sie hat nur ein Problem
Schwester Penaloza wollte auf Mission gehen. Jahr für Jahr hat sie ihren Wunsch dem Bischof mitgeteilt, aber berufen worden ist sie nie. Schließlich wurde sie der Assistenten des Missionspräsidenten habhaft und schilderte ihnen ihre Lage. Sie riefen den Präsidenten an:
„Da ist eine Schwester, die unbedingt auf Mission gehen will – nur gibt es da ein Problem.”
Die Missionare verkünden die Botschaft vom wiederhergestellten Evangelium und bringen ganze Familien zur Kirche, wodurch auch sie selbst und ihre Angehörigen gestärkt werden. Zum Beispiel: Während Schwester Blanca Emilia Gramajo (links) aus Quetzaltenango, Guatemala, in Costa Rica auf Mission war, schlossen sich ihre Eltern der Kirche an.
„Und das wäre?”
„Ihr Alter. Sie ist einhundertdrei.”
Präsident Enrique Moreno interviewte sie und berief sie auf eine zweimonatige „Sommermission” in Puebla, etwa zwei Stunden von ihrem Heimatort entfernt. Sie arbeitete mit zwei starken, fähigen Schwestern zusammen. „Welch einen Segen sie doch für die Arbeit bedeutet hat”, sagt Präsident Moreno. „Und wie sehr sie die Mitglieder und die Missionare motiviert hat!”

„Ich bin glücklich — Hasta Mafiana!”

Elder Eduardo López und sein Mitarbeiter in Monterrey irrten sich vor einem Monat in der Tür. Sie wollten eigentlich zu jemand anders, blieben jedoch da, als die Mendozas Interesse am Evangelium bekundeten. Schwester Mendoza gestand, daß sie zehn Jahre zuvor getauft worden, aber nie in der Kirche aktiv gewesen war, weil ihr Mann sie nicht unterstützt hatte. Nun war auch ihr Mann bereit zuzuhören. Er und die beiden Kinder wurden getauft.
Während einer der Lektionen kam eine Nachbarin zu Besuch. Auch sie, ihr Mann und zwei Kinder wurden getauft.
Eine weitere Nachbarin, Senora López, hörte, was geschah. Schließlich wurden auch sie, ihre fünf Kinder und ihre Nichte getauft, und ihr Mann steht kurz vor der Taufe. Weil Elder López und sein Mitarbeiter an die falsche Tür geklopft haben, wurden bisher vierzehn Menschen getauft, alle innerhalb eines Monats – und einige werden noch dazukommen.
Heute vormittag – die letzte Taufe liegt noch keine zwei Wochen zurück – besuchen die Missionare die Familie Hernández. Bruder Hernández sitzt auf dem Sofa und hat den Arm um Elder López gelegt. „Wir lieben diese Missionare, als wären es unsere eigenen Söhne”, sagt er. Als er die beiden kennenlernte, war er arbeitslos, aber sie fasteten und beteten gemeinsam, und eine Woche darauf hatte er eine Stelle bei einer Erdölgesellschaft.
Während man sich unterhält, kommen Mitglieder der anderen Familien herein, und der kleine Raum ist bald voll. Lachend und mit Umarmungen begrüßen sie einander, und jemand fängt an zu zählen, wie viele getauft worden sind. Jedesmal, wenn wieder jemand hereinkommt, gibt es ein großes Hallo. „Er ist auch getauft worden!” heißt es immer. Sie scherzen, daß sie die ganze Nachbarschaft taufen wollen, und reden davon, daß sie in einem Jahr gemeinsam zum Tempel fahren werden.
Elder López und sein Mitarbeiter müssen selten von Tür zu Tür gehen. Sie reden Leute auf der Straße an und halten sogleich eine Lektion; sie sehen einen Mann vor seiner Haustür die Zeitung lesen und reden mit ihm über das Evangelium; sie kommen an einem Mann vorüber, der gerade sein Auto wäscht, und stellen ihm die Kirche vor; sie lernen im Haus eines weniger aktiven Mitglieds eine Frau und ihr Kind kennen und belehren sie an Ort und Stelle. „Vorige Woche haben wir eine siebenköpfige Familie getauft, weil wir uns auf der Straße mit den Kindern angefreundet hatten. Man spricht die Eltern viel leichter an, wenn einen die Kinder an der Tür mit ,Hallo, Elder!' begrüßen.
Wenn ich abends nach Hause komme, bin ich erschöpft, und meine Tagebucheinträge sind oft sehr kurz. Da schreibe ich etwa: ,Ich bin ziemlich kaputt. Hatten heute einen großartigen Tag. Wir haben eine goldene Familie gefunden. 12 Lektionen gegeben. Ich bin glücklich!' "

„Ich habe auf meiner Mission viel gelernt”
Es ist schon spät. Fast das ganze Gemeindehaus ist leer und dunkel, aber im Büro des Pfahlpräsidenten brennt noch Licht. Präsident Adolfo Ibarra vom Pfahl Monterrey Morelos ist erst dreiundzwanzig. Einer seiner Ratgeber ist einunddreißig, der andere fünfundzwanzig. Alle drei waren auf Mission.
Was haben sie auf Mission gelernt? „Ich habe Jesus Christus besser kennengelernt”, sagt Präsident Ibarra. „Ich habe gelernt zu dienen, zu lieben, das Herz eines Menschen anzusprechen.” Auch Führungseigenschaften hat er sich angeeignet. „Als ich Distriktsleiter wurde, hatte ich noch nie jemanden interviewt. Das erste Interview dauerte ungefähr drei Stunden!” Er schmunzelt. „Aber ich habe schnell dazugelernt.”
Adolfo Reyes, sein Erster Ratgeber, wurde im Alter von zwanzig Jahren getauft. Ein Jahr darauf befand er sich auf Mission und diente achtzehn Monate lang als Zonenleiter. „In unseren Pfahlberufungen dienen wir unseren Mitmenschen genauso, wie wir es auf Mission getan haben”, stellt er fest. „Unser Auftrag mag ein wenig anders sein, aber wir weihen unsere Zeit nach wie vor dem Herrn.”
„Ich bin bekehrt worden”, sagt der Zweite Ratgeber, Pablo Moreno. „Alles, was ich über den Herrn und die Kirche weiß, habe ich auf Mission gelernt.”
Neunundzwanzig Missionare aus diesem Pfahl sind derzeit auf Mission. Präsident Ibarra beobachtet, daß die Familien der Missionare in großem Maße gesegnet werden. Eltern, die nicht der Kirche angehörten, wurden getauft; weniger aktive Eltern sind in die Kirche zurückgekehrt und sind in den Tempel gegangen; jüngere Geschwister fühlen sich ermuntert, selbst auf Mission zu gehen; Familien sind mit mehr Einigkeit und besserer Gesundheit gesegnet worden. Und die meisten heimgekehrten Missionare heiraten im Tempel.
„Sobald ein Missionar entlassen wird, erhält er eine Berufung”, sagt Präsident Ibarra. „Eine Schwester war schon einen Monat vor ihrer Rückkehr von der Mission als Ratgeberin in der Pfahl-JD-Leitung vorgesehen. Als ich von meiner Mission nach Hause kam, erfuhr ich am Flughafen, daß ich der neue Pfahlführungssekretär war!”
„Und ich wurde während meines Entlassungsinterviews als Hoher Rat berufen”, wirft Präsident Moreno ein. „Zeit zum Ausruhen gab es keine”, lacht er. „Die wird es nie geben!”

Dann biegen sie in die nächste Straße ein .. .
Elder Parada und Elder Saavedra verabschiedeten sich von den novios und gingen den Weg zurück, den sie gekommen waren. „Es ist schön, die beiden zusammen arbeiten zu sehen”, kommentiert der Missionspräsident später. Elder Parada ist der Sohn eines Landarbeiters und stammt aus einfachsten Verhältnissen. Sein Junior-Mitarbeiter, Elder Saavedra, ist der Sohn des mexikanischen Konsuls in El Salvador. Der eine hat jahrelang auf den Feldern gearbeitet, um das Geld für seine Mission zu sparen; der andere hat sich von Auto und Stereoanlage getrennt. Nun sind die beiden ein Team – demütig, zuversichtlich und beredt.
Auf einer schwankenden Fußgängerbrücke überqueren sie eine Schlucht. Dann, in einem anderen Viertel von San Salvador, biegen sie in die nächste Straße ein, die sie in Angriff nehmen.

Elder Enrique Herndndez und Elder Carlos Reyes, beide aus San Josd, lernten sich auf dem Weg zur Missionarsschule, in Guatemala kennen.
Es ist eines von vielen solchen Zentren in aller Welt.
Marvin K. Gardner, Juni 1989

Irgendwo auf weiter Strecke
Noch kein Lichtschimmer war am Horizont auszumachen, als im Süden Mexikos ein Zug an einem Nebengleis hielt, um Wasser nachzufüllen. Keine Ortschaft war in Sicht; man sah nur die undeutlichen Umrisse des Dschungels und der Berge. Bevor der Zug die erste Dampfwolke ausstoßen konnte, um sich wieder in Bewegung zu setzen, stieß ein junger Mexikaner, der einen Anzug und eine Krawatte trug, seinen Mitarbeiter, einen Amerikaner, plötzlich mit dem Ellbogen. Die beiden jungen Männer saßen auf einer Bank in den Abteilen für die Reisenden.
„Nimm schnell deine Tasche”, sagte der junge Mexikaner, „wir steigen aus.”
Er setzte sich über die unartikulierten Proteste seines schläfrigen Freundes hinweg und hatte es bald erreicht, daß sie beide draußen neben den Gleisen standen. Es war 4 Uhr morgens, und die Luft war kalt. Inzwischen pustete und schnaubte der Zug, wurde schneller und fuhr davon. Jetzt endlich war der amerikanische Mitarbeiter richtig wach geworden. Ungläubig sagte er: „Es ist doch mitten in der Nacht, und wir sind auf freier Strecke. Der nächste Zug wird erst morgen früh kommen!”
„Ich weiß”, erwiderte der junge Mexikaner, „aber der Geist hat mir zugeflüstert, ich solle aussteigen, und so sind wir ausgestiegen.” Sein Mitarbeiter zuckte die Schultern. Gegen einen solchen Beweggrund konnte man nichts einwenden. Bruder Parra — so hieß der mexikanische Missionar — war Leiter des Puebla-Bezirks jener Mission, und er war nicht auf den Kopf gefallen. Jedermann wußte, daß er durch seine Lebensführung dem Herrn nahe war.
„Da sind wir nun also”, sagte der Amerikaner, nun wieder ruhiger geworden. „Und was nun?” Bruder Parra deutete in die Dunkelheit. „Wir machen uns zu Fuß auf den Weg”, sagte er.
So brachen sie auf. Sie stolperten einen Berg hinauf und auf der anderen Seite hinunter. Die Dämmerung ließ sie einen weiteren Berg erkennen und dahinter abermals einen. Beide erklommen sie. Endlich, nach fast 30 Kilometern, gelangten sie zu einem Dorf. Sie stiegen auf einen in der Nähe dieses Dorfes gelegenen Hügel, zogen ihr Gesangbuch hervor und sangen ein Lied. Nach diesem Lied sangen sie ein weiteres und hierauf wieder ein anderes, bis alle Bewohner des Dorfes aus ihren Häusern gekommen waren und den Hügel erstiegen hatten, um zu sehen, was hier vor sich ging.
Als das ganze Dorf um die beiden Missionare versammelt war, begannen sie das Evangelium zu verkündigen. Sie predigten den halben Tag, und als sie geendigt hatten, zogen sie einen Damm durch einen kleinen Wasserlauf, der in der Nähe vorbeifloß, und tauften alle, die acht Jahre alt oder älter waren. Hierauf ordinierten sie einen Mann zum Ältesten und setzten ihn als Präsidenten der neuen kleinen Gemeinde ein. Darauf marschierten sie zurück, um den Zug zu erreichen, der am nächsten Tag vorbeikommen würde.
Später wurde Bruder Parra wieder im südlichen Mexiko, diesmal als Präsident der Mexiko-Mission Vera Cruz. Nirgendwo in der Kirche gab es so viele Taufen wie in dieser Mission. Die dortigen Mitglieder sind sehr aktiv und haben ein erfolgreiches Missionarsprogramm der Jugend.
Das kleine Dorf in den Bergen war derzeit nun eine blühende Gemeinde mit ungefähr 200 Mitgliedern. Sie hat einen Vollzeitmissionar auf das Missionsfeld entsandt, und man hoffte, ein Kirchengebäude errichten zu können.
Für diese Heiligen war es von größter Bedeutung, daß ein Mormonenältester genug Glauben aufgebracht hat, um morgens um 4 Uhr irgendwo auf freier Strecke plötzlich aus dem Zug zu steigen
März 1976

13:38 - 10.05.2008


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