18.04.2007 - 07:44 PM - Rezi: Boudica - Die Herrin der Kelten
Eine weitere Rezension, die ich für die Histo-Couch geschrieben haben:
Inhaltsangabe:
Britannien im Jahre 33 n. Chr.: Schon lange wird Breaca, die rothaarige Tochter des Kelten-Anführers vom Stamm der Eceni, von einem Traum verfolgt, den sie nicht deuten kann: Ihr Volk wird von Adlern attackiert. Noch ahnt sie nicht, dass dies ein Zeichen für die kommende Invasion Britanniens durch die Römer und ihre von einer Adlerstandarte angeführte IX. Legion ist. Im Kampf gegen die Eroberer wird Breaca zur gefeierten Kriegerin und Königin der Kelten - zu "Boudica - die Siegreiche".
Bereits bei ihrer ersten schicksalhaften Begegnung können sich Breaca und Caradoc, der zukünftige keltische Kriegsherr in Britannien, nicht leiden. Caradoc fehlt in Breacas Augen eindeutig der Respekt für die alten keltischen Traditionen. Aber ein Besuch ihrer Familie am Hof von Caradocs Vater ist unvermeidlich. Dort jedoch geschieht das Entsetzliche: Bei einem überraschenden Überfall der Römer wird ihr Halbbruder Bán entführt und als Sklave verschleppt. Für Bán gibt es nur einen Grund weiter zu leben: Rache an dem vermuteten Verräter Caradoc. Schnell steigt der Gefangene in den Rängen der römischen Kavallerie auf und wird schließlich Mitglied der römischen Eroberungstruppen in Britannien. Allerdings ahnt er nicht, dass seine Schwester Breaca angesichts der Übermacht der römischen Gegner längst ihre Differenzen mit Caradoc beendet hat. Eines Tages stehen sie sich dann gegenüber: Bán, der listig die Armeen Britanniens schwächt, und seine totgeglaubte Schwester Breaca, die in den Armen eines Verräters liegt. Es ist die Nacht vor der entscheidenden Schlacht bei Medway...
Meine Meinung:
Eine atemberaubende Reise ins erste Jahrhundert nach Christus
Wen das britische Inselreich, historische Persönlichkeiten und keltische Kultur interessiert, würde bestimmt gern in eine Zeitmaschine steigen und alles mit eigenen Augen betrachten. Da dies jedoch (noch) nicht geht, müssen wir uns mit Geschichtsbüchern behelfen. Und manchmal haben wir Glück und geraten an ein solches Buch, das historische Fragmente einer längst vergangenen Zeit derart zusammen setzt, dass eine Legende lebendig wird.
Träumer, Sänger und Götter
Breaca verliert nicht nur mit gerade 12 Jahren bei einem Überfall ihre Mutter. Als sie sich verteidigen muss, tötet sie ihren ersten Krieger und wird so selbst zur Kriegerin. Sie wächst mit ihrer Sippe, den Eceni, auf. Während ihr Bruder Bán bereits mit 8 Jahren seinen ersten Traum hat, befürchtet Breaca schon fast, nie einen zu bekommen. Doch während sie die vorgeschriebenen drei Tage in Abgeschiedenheit und Einsamkeit verbringt, erscheint ihr die ältere Großmutter und zeigt ihr durch eine Vision künftige Ereignisse.
Breaca wächst zu einer jungen Frau heran, immer mehr Kriegerin als Träumerin. Und dann kommt der Tag, an dem sich ihre Vision bewahrheitet: Die römischen Legionen fallen in Britannien ein...
Die Schlacht bei Medway
Bei ihrer Vorbereitung hat die schottische Autorin Manda Scott große Sorgfalt walten lassen und viele Daten zusammen getragen von Personen, die einigen Aufzeichnungen gemäß tatsächlich gelebt haben. Da wäre zum Beispiel Gaius Julius Cäsar Germanicus, Caligula genannt. Sie skizziert seine Person so detailliert, dass sie sich mit der Vorstellung, die der Leser bereits haben mag, völlig deckt. Es fällt leicht, sich seine Macht und Grausamkeit vorzustellen. Auch Boudica ist eine historische Persönlichkeit, wenn auch sehr wenig über sie bekannt ist, während über Cunobelin und seine drei Söhne wie beispielsweise Caradoc mehr Quellen existieren. Dennoch sind die historischen Aufzeichnungen natürlich sehr dürftig, wodurch Manda Scott auf ihre Fantasie angewiesen war.
Das Buch beginnt mit dem Überfall auf die Eceni, so dass der Leser mitten ins Geschehen katapultiert wird. Nach und nach lässt Manda Scott den Leser ein ziemlich genaues Bild der Lebensweise dieses Volkes, ihren Ansichten und Werten gewinnen. Einzelne Charaktere werden sorgfältig beschrieben, viele Details sorgen dafür, dass ein kaleidoskopartiges Bild entsteht. Hautnah kann der Leser die Entwicklung handelnder Personen mit verfolgen: Wie sie heranwachsen und älter werden, Fehler begehen und Intrigen spinnen, sich von einander entfernen aber auch zueinander finden.
Ein großartiges Epos
Dieses Buch ist nicht nur ein Roman, es ist viel mehr. Historie und Fantasie ergeben ein wunderschönes frühzeitliches Epos, und mir ist nicht nur einmal der Vergleich zu „Ben Hur“ eingefallen. Während Spannung immer da ist, fühlt der Leser diese dann ansteigen, als sich die Legionen auf den Weg machen und abzusehen ist, dass 4 Legionen mit 40.000 bewaffneten Männern die zusammengeschlossenen Stämme zahlenmäßig bei weitem übersteigen...
Zum Glück ist dies der erste Band mit 758 klein bedruckten Seiten, drei weitere folgen, in denen wir uns auf Boudica, „sie, die den Sieg bringt“, freuen können.
Ein grandioses Werk, etwas ganz Besonderes und die volle Punktzahl mehr als wert!
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10.04.2007 - 10:13 PM - Rezi: Das kupferne Zeichen
Meine Meinung:
Eine wundervolle Einführung in mittelalterliche Schmiedekunst
‘Eines Tages werde ich ein Schwert für den König schmieden!’ Ellen wunderte sich, wie selbstverständlich ihr die Worte über die Lippen gekommen waren. Doch nachdem sie es ausgesprochen hatte, wusste sie, dass genau das ihr Ziel war.« England, 12. Jahrhundert. Die junge Ellen fühlt sich nirgends so wohl wie in der Schmiede ihres Vaters. Ihr größter Traum ist es, eines Tages Schwertschmiedin zu werden. Doch das ist für Mädchen unmöglich. Allen Schwierigkeiten zum Trotz folgt sie ihrer Berufung und taucht als Junge verkleidet ein in die Welt des Königshofs. Denn sie will ein Zeichen setzen, mit einem Schwert, das unvergleichlich ist und vollkommen. Aber die Lüge, auf der sie ihr Leben aufgebaut hat, wird ihr zum Verhängnis, als sie sich in einen jungen Ritter verliebt. Zu spät erkennt Ellen, wem sie vertrauen darf - und dass sie bei Hofe einen Feind hat, der zu allem bereit ist …
Dieser Roman ist mehr als nur ein historischer Roman, mehr als nur die Geschichte einer jungen Frau, die ihren Weg geht und Zeichen setzt. In diesem Roman wird der Alltag, das soziale Leben des gemeinen Volkes ebenso wie das der adelig Geborenen beschrieben. Eine Zeit, die bereits viele Jahrhunderte zurück liegt, erwacht buchstäblich zum Leben und der Leser ist eingeladen, historische Persönlichkeiten etwas näher zu betrachten, das alltägliche Miteinander verschiedenster Menschen, ihre Handlungen und Ansichten kennen zu lernen, aber vor allem die Schmiedekunst nahezu zu erlernen. Und hier geht es nicht nur um das Schmieden einfacher Werkzeuge, es geht vor allem um die Schwertschmiedekunst des Hochmittelalters. Um ein Schwert, und vor allem ein ganz besonderes Schwert zu schmieden, das eines Königs würdig ist, bedarf es vor allem einer besonderen Kunstfertigkeit. Kraft allein ist nicht ausschlaggebend, denn Ellenweore beweist uns, dass eine Frau in der Lage ist, einen solch schweren Beruf auszuüben. Sie hat einen besonderen Bezug zu ihrem Werkstoff. Sie fühlt, spürt und formt ihn nach ihren Vorstellungen.
Es ist eine Freude, Ellen auf ihrem Weg zu begleiten, Gefahren mit ihr gemeinsam zu durchstehen, mit und um sie zu bangen, andere Menschen auf ihrem Weg kennen zu lernen und es fällt nicht schwer, Sympathien und Antipathien zu entwickeln. Genau so sollte Lektüre sein.
Katia Fox’ Schreibstil ist sehr angenehm, nicht verschnörkelt und bringt die Fantasie der Autorin wunderbar zum Ausdruck. Obwohl es in erster Linie um die Schmiedekunst geht, ist es eher ein Buch für die weibliche Leserschaft. Alles in allem kann man von einem wirklich gelungenen Debüt dieser Autorin sprechen.
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22.03.2007 - 10:57 AM - Rezi: Die Seifensiederin
Und wieder eine Rezension, die ich für die Histo-Couch geschrieben habe:
Meine Meinung:
Ein locker und leicht zu lesender, geruchsintensiver historischer Roman
Der Beruf des Seidensiedens steht im Vordergrund dieses ans Herz gehenden Romans. In einer Zeit, in der das Waschen des eigenen Körpers verpönt und als gefährlich erachtet wurde, gab es dennoch Seifensieder, die neben derben zum Schrubben und Wäschewaschen verwandten Seifen auch besondere Seifestücke für die Körperhygiene herstellten. Bargen sie einen Liebeszauber? Waren die Seifensieder am Ende Hexen?
Hexen, Seifen und der Sonnenkönig
Als die Eltern Ambras vom Pöbel gejagt und verbrannt werden, gelingt es dem jungen Mädchen mit Hilfe von Mathieu, einem jungen Fuhrmann, zu fliehen. Sie beschließen, nach Paris zu gehen. Auf dem Weg dorthin lauern Gefahren, die sie bestehen müssen. In Clermont lernen sie die Seifensiederin Marthe kennen, und Ambra geht zu ihr in die Lehre. Als auch sie als Hexe verschrien und eingekerkert wird, fliehen sie erneut und gelangen nach Paris. Doch die Stadt bringt ihnen kein Glück und eine Verkettung von Ereignissen nimmt ihren Lauf...
Angelina Bauer erzählt die Geschichte von Ambra und Mathieu, die die wahre Liebe entdecken und einen Weg mit- und zueinander finden. Es ist die Zeit Ludwigs XIV., des Sonnenkönigs. Wasser und Körperwaschungen gelten als gefährlich. Man benutzt trockene Tücher, um sich zu säubern und parfümiert sich täglich neu. Die Autorin lässt ihre Protagonistin von einer Araberin abstammen, nicht nur in der Kunst des Seifensiedens bewandert, sondern auch mit Bräuchen vertraut, die die Reinlichkeit des Körpers als heilungsfördernd erkannt haben. Den Traum ihres französischen Vaters vor Augen, selbst den König vom Waschen zu überzeugen, entwickelt sie ihr Talent, ganz besondere Seifen zu produzieren.
„Ambre gris“ aus Perim
Die gewählten Protagonisten skizziert die Autorin lebendig. Beim Lesen entsteht sofort ein recht genaues Bild von Personen und Umgebung. Passend zum Inhalt sind die vorherrschenden Gerüche besonders hervor gehoben. Ob es den normalen Gestank in den Gassen oder die Körperausdünstungen betrifft, den feinen Geruchssinn der Seifensiederin oder das allgemeine ignorante Einatmen sämtlicher Ausdünstungen in der vermeintlichen Gewissheit, daran nichts ändern zu können. Doch wir dürfen einen Blick in die Arbeit eines Seifensieders werfen: Wir erhalten Einblicke in die Ingredienzien und den Handlungsablauf bei der Herstellung der verschiedenen Seifenarten und haben einen Hauch von Jasmin oder ambre gris in der Nase. Hierdurch erscheint im zweiten Teil des Buches das überfüllte Paris mit seinen vielen Bettlern und skrupellosen Menschen vor unseren Augen zum Leben zu erwachen.
Alles in allem ist dieser Roman eine leicht zu lesende nicht alltägliche Liebesgeschichte, eingebettet in das historische Frankreich des 17. Jahrhunderts. Schade ist allerdings, dass zwar die Marquise de Montespan (Maitresse Louis’ des XIV.) eine Nebenrolle zugedacht bekommt, aber sämtliche Fakten, sie und den König betreffend, nur sehr kurz verfasst sind und fast wortwörtlich im Nachtrag wiederholt auftauchen. Hier wäre ein bisschen mehr Fantasie um die Historie besser gewesen. Auch wenn es ein Roman um eine Seifensiederin ist, so ist doch der König ein historisch interessanter Mann, und wenn der Leser schon einen Blick auf ihn werfen darf, dann möglichst einen langen…
Wer einen leicht zu lesenden historischen Roman um eine wahre Liebe mit vielen Düften sucht, sollte an diesem nicht vorbei gehen.
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19.03.2007 - 04:01 PM - Rezi: Beginenfeuer
Für die Histo-Couch habe ich rezensiert:
Fast wie ein Roman von Alexandre Dumas
Heute kaum noch vorstellbar gab es eine Zeit, in der die Frau keinerlei Rechte hatte und ohne Ehemann eigentlich nur ins Kloster gehen konnte. Und doch gab es auch immer wieder starke Frauen, die ihr Leben selbst in die Hände nahmen... und von der Inquisition verfolgt wurden...
Beginen sind solch starke Frauen, die eine Gemeinschaft führen, in der sie ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten und die Armen und Kranken versorgen. Sie sind von keinem Mann abhängig und auch nicht an strikte Ordensregeln gebunden wie in einem Kloster. Nur einige wenige Beginen-Gemeinschaften haben sich bis in die heutige Zeit erhalten.
Von Steuern und Schätzen
Ysée wächst mit ihrer Ziehmutter in einem Beginenhof auf. Sie arbeitet hart und hütet ein Geheimnis, das sich um ihre Herkunft rankt. Doch wie das im Leben so ist: Geheimnisse werden aufgedeckt und bringen Ereignisse ins Rollen, die eine Kettenreaktion auslösen. Während Papst und König ihre Machtpositionen sichern und festigen wollen, gerät Ysée zwischen die Fronten und mit ihr zwei Brüder, deren Loyalität auf eine harte Probe gestellt wird.
Der Gesandte des Königs und der geheime Schreiber seiner Heiligkeit
Es ist kurz vor dem Konzil zu Vienne, der Templerorden wurde angeklagt und viele Anhänger eingekerkert, die Lebensweise der Beginen erregt Anstoß, Ratgeber, Kardinäle und Schreiber in geheimen Missionen sind unterwegs, bespitzeln einander und fädeln Intrigen ein... Mathieu von Andrieu ist Diener des Königs Philipp IV und mit geheimen Aufträgen betraut, während sein Bruder Simon von Andrieu als geheimer Schreiber seiner Heiligkeit fungiert. Kein Wunder also, dass sie sich immer wieder über den Weg laufen. Doch wie passt Ysée da hinein? Was hat es mit ihrem Geheimnis auf sich? Was kann sie ausrichten?
Spannung ist garantiert
Marie Cristen versetzt uns spielend in das frühe 14. Jahrhundert nach Flandern und Frankreich, indem sie eine so atemberaubende Kulisse schafft, wie wir sie von Alexandre Dumas oder Victor Hugo kennen. Ihre Figuren besitzen vielschichtige Charaktere. Ysée, auf der Suche nach sich selbst und ihrem Platz in der Welt, stellt viele Dinge in Frage und versucht, ihren eigenen Weg zu gehen, obwohl sie immer wieder in ihre Schranken verwiesen und nicht selten schlecht behandelt wird. Und auch Simon, der Mönch wurde, um Buße zu tun, sieht sich Zweifeln ausgesetzt, Zweifel, die seinen Glauben in den Grundfesten zu erschüttern drohen. Wir haben teil an seinen Überlegungen, seinem verzweifelten Suchen nach der Wahrheit, sehen ihn standhaft und schwach, edelmütig und listig. Und Mathieu schließlich als Gesandter des Königs, ein Ritter durch und durch, bringt uns das Bild eines Musketiers vor Augen. Ein Streiter für die Gerechtigkeit, Helfer in der Not und in geheime Machenschaften verstrickt, sucht er Wege aus der Aussichtslosigkeit zu finden. Seine Dialoge sind hintergründig, diplomatisch und vermögen mit Andeutungen auszudrücken, was ungesagt bleiben muss.
Marie Cristen bedient sich einer Sprache, die in Stil und Ausdruck wunderbar in diese Zeit passen. Mühelos durchschreitet man die Jahrhunderte und sieht sich mit einer politisch hoch brisanten Situation konfrontiert, bangt um die einen, streitet mit den anderen und kann das Buch kaum aus der Hand legen. Wir begegnen historischen Persönlichkeiten wie Papst Clemens V., Philipp IV. und seinem Großsiegelbewahrer Guillaume von Nogaret, wir bekommen eine Vorstellung davon, welcher Winkelzüge und Taktiken sich die weltliche und die geistliche Macht bedienen, was ein Menschenleben wert ist. Und natürlich geht es auch um die Liebe.
Ein überwältigendes Epos. Ich selbst finde es besser als so manchen Mantel-und-Degen-Film.
Ich habe nichts gefunden, was nicht stimmig gewesen wäre oder sonst wie zu Punktabzug berechtigt hätte. Für mich ein klarer historischer Favorit!
Ihr Lieben, wenn ich die nächsten Tage etwas weniger im Netz unterwegs bin und die Blogtour minimiere, dann nehmt es mir bitte nicht übel. Ich leide derzeit unter extrem starken Kopfschmerzen, deren Ursache noch nicht geklärt ist. Diese Woche habe ich eine Auszeit und werde diese vorwiegend ruhend verbringen. Ganz ohne INet kann ich natürlich trotzdem nicht, aber ich werde meine PC-Zeit doch stark einschränken. - Vielen Dank für euer Verständnis vorab!!!
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14.03.2007 - 06:36 PM - Rezi: Die Rose von Lancaster
Für die Histo-Couch habe ich geschrieben:
Ein Zeitreiseroman mit einer interessanten Theorie
Für jeden Menschen auf dieser Welt gibt es den passenden Partner, irgendwo, irgendwann. Davon sind nicht wenige überzeugt. Was, wenn dieser ideale Partner nicht in der gleichen Zeit lebt? Hat man dann einfach Pech gehabt?
Denise Giardina gibt uns einen Einblick in eine interessante Zeitreise-Theorie. Durch ungewöhnliche Vorfälle verursacht, beispielsweise die Sprengung eines Berges, gerät die Zeitschleife etwas durcheinander. So genannte Wurmlöcher entstehen und Menschen fallen unbeabsichtigt durch diese Löcher und finden sich in einer anderen Zeit wieder.
So geschieht es einigen Figuren im ersten Buch „Die Geliebte des Raben“. Der im Ruhestand befindliche Wissenschaftler John Cabell hat ein Wurmloch in einem Berg entdeckt und geht eines Tages hindurch. Er findet sich im englischen Norchester des siebzehnten Jahrhunderts wieder. Das verursacht in beiden Zeitebenen eine Menge Wirbel, vor allem als er dann wieder im Heute und Jetzt auftaucht. Auch Lydde Falcone, seine Nichte, bereits nicht mehr ganz jung und allein lebend, macht diesen Zeitsprung und findet, um etliche Jahre verjüngt, im puritanischen Norchester den Mann ihres Lebens. Noah Fallam lebt ein Doppelleben, denn nachts macht er sich verkleidet auf den Weg und versucht den Menschen seiner Zeit zu helfen. Eine Art Robin Hood. Als er verhaftet und eingekerkert wird, befreit ihn Lydde und sie fliehen auf einem Schiff, der „Rose von Lancaster“ in die Neue Welt, Amerika.
Fanatische Puritaner. Leibeigene und „die liebe Verwandschaft“
In diesem Buch gibt uns Denise Giardina vor allem eine gute Vorstellung vom Leben der ersten Siedler in der Englischen Kolonie West Virginia. Einige Glaubensgemeinschaften wie z.B. die Quäker werden ein wenig unter die Lupe genommen, Fanatismus, die Rolle der Frau in der Gesellschaft, Höhepunkte und Tiefschläge, mit denen die Menschen fertig werden mussten sowie politische Veränderungen. Auch die Beschaffung billiger Arbeitskräfte auf den Plantagen noch bevor es schwarze Sklaven gab und ihren Wert beschreibt sie glaubhaft. Ihre Protagonisten Lydde und Noah Fallam sowie deren Verwandte und Freunde werden vor unseren Augen lebendig und der Leser bangt nicht selten um deren Leben.
Szenenwechsel in die Gegenwart zu John Cabell und seiner Frau Lavinia und die Veränderungen, die durch die Zeitsprünge verursacht wurden, werden nicht als störend empfunden, sondern geben der Zeitreise-Theorie mehr Leben. Nur die später aufrecht erhaltene Verbindung beider Zeiten durch eine Art Rohrpost, durch die nicht nur wöchentliche Zeitungen, sondern sogar Pizzen geschickt werden, war keine gute Idee, bringt die innere Logik der Theorie ins Wanken und mindert den Lesegenuss ein wenig.
Die Wertstellung der Frau im 17. Jahrhundert
Gut ausgearbeitet sind die Charaktere. Eine Frau des einundzwanzigsten Jahrhunderts im siebzehnten Jahrhundert Fuß fassen zu lassen und all die Stolperfallen aufzuzeigen, worüber eine emanzipierte Frau in einer derartigen Zeit stolpern kann, mit allen Konsequenzen, verlangt Respekt ab. Lydde lässt sich schwerlich den Mund verbieten und eckt immer wieder an. Und die Neuerungen, die sie einführt, werden zwar geduldet, die erreichten Verbesserungen aber nicht ihr zugeschrieben, sondern ihr im Gegenteil sogar zum Strick gedreht. Auch kann sie weder kochen, noch nähen und ist im allgemeinen nach damaligen Maßstäben keine gute Frau.
Sprachlich sehr ansprechend und leicht zu lesen ist dieses Buch eine gelungene Abwechslung und leichte Lektüre, ohne flach zu sein und um Längen besser als der erste Band. Liebhaber von Zeitsprüngen werden ihre Freude haben.
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