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28.02.2007 - 08:03 AM - Rezi: Die dunkle Erinnerung

abgelegt unter rezensiert: Thriller

cover

 
Patricia Lewin

Die dunkle Erinnerung
Thriller
Bastei Lübbe
TB, 351 Seiten
ISBN: 3404153693



Meine Meinung:

Ein Thriller mit atemberaubender Spannung und einem zu Herzen gehenden Thema

 

Jedes Jahr verschwinden unzählige Menschen. Viele von ihnen tauchen nie wieder auf, andere werden kurze Zeit später nur noch tot geborgen. Und nicht wenige von ihnen sind Kinder. Dieser Roman greift das Thema Kindesentführung auf und lässt den Leser wie die Ermittler kaum zur Ruhe kommen...

 

Kurz zum Inhalt

 

Erins jüngere Schwester wurde vor Jahren entführt als Erin im Alter von 12 Jahren auf sie aufpassen sollte. Seitdem gibt sie sich die Schuld und versucht, mit ihr zu leben. Als sie plötzlich einen Eisverkäufer sieht, der Zaubertricks vorführt, weiß sie, dass sie diesen Mann schon einmal gesehen hat und setzt zusammen mit einem Kollegen vom FBI alles daran, den so genannten „Magician“ zu finden. Und dieser Mann ist gerissen, ein wahrer Künstler des Verwandelns. – Und... er hat sie erkannt...

 

Wie FBI und CIA zusammen arbeiten können

 

Mit ihrem Debüt „Die letzte Schöpfung“ hat die Autorin bereits gezeigt, welches Potential in ihr steckt, doch dieses Buch ist noch eine Klasse besser. Gleich von Anfang an kann der Leser an der Seite der Protagonistin mit ihren Augen sehen und sich mit ihr teilweise sogar identifizieren. Ihre Handlungen und Gedankengänge sind schlüssig und zeigen uns, dass man mit einer solchen Situation durchaus umgehen kann und wie man damit zurecht kommt. Aber auch ihr Partner in diesem Fall, Special Agent Donavan, ein Mann, der sich über Richtlinien und Anordnungen hinweg setzen kann, wenn seine Intuition ihm etwas anderes sagt, ist dem Leser sympathisch.

 

Patricia Lewin lässt den Mann, den CIA-Agentin Erin Baker zu erkennen glaubt, gleich nach der Vorstellung der Protagonistin auftreten. Und während der Eisverkäufer seine Zauberkunststücke aufführt, beginnen sich nicht nur bei Erin die Nackenhaare aufzustellen – der Leser spürt förmlich die geladene Atmosphäre und hat fortan Lunte gerochen. Die Spannung lässt ihn nicht mehr los.

 

Auch die Szenenwechsel zu zwei der entführten Kinder und ihre entstehende Freundschaft trotz aller Gefahren machen den Eindruck, als stünde der Leser dabei. Keine überzogenen oder unreal wirkenden Aktionen verleiten den Leser zu überfliegen. Ganz im Gegenteil!

 

Kurz vor dem Ende gelingt der Autorin noch ein überraschender Kniff, der dafür sorgt, das Buch unbedingt sofort auslesen zu müssen.

 

Ein wirklich ausgezeichneter Thriller. Den Namen der Autorin sollte man sich merken. – Ein echter 

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20.02.2007 - 09:31 AM - Rezi: Geisterbahn

abgelegt unter rezensiert: Thriller

Diesen Roman habe ich relativ schnell ausgelesen... ich konnte ihn kaum aus der Hand legen.

cover

 
Dean Koontz

Geisterbahn
Horror oder Thriller
Bastei Lübbe
TB, 316 Seiten
ISBN: 3404770781


Klappentext:

Als junges Mädchen entfloh sie der Langeweile ihres Elternhauses - geradewegs in die Arme eines Mannes, der eine Geisterbahn unterhält. Erst nach der Heirat merkt Ellen Harper, dass sie diesen Mann nicht liebt. Und so tritt sie erneut die Flucht an. 
Conrad Straker wird ihr das nie verzeihen. Während er mit seiner Krimes-Geisterbahn von Ort zu Ort zieht, sinnt er auf Rache. Aber er will warten, bis Ellen eine neue Familie gegründet hat... mit Kindern, die sei mehr liebt als sich selbst.

Meine Meinung:

Der Name Koontz steht für Gänsehaut, und in Verbindung mit dem Titel des Buches werden der Jahrmarkt und seine Geisterbahn sofort von einem Hauch des Schreckens überschattet. Wen das nicht abschreckt, sollte sich diesen Roman nicht entgehen lassen.

Kurz zum Inhalt:

Ein junges Mädchen läuft von zuhause mit einem Schausteller fort, doch bald schon wird ihr Leben schrecklicher als es vorher war und sie sieht nur einen einzigen Ausweg, sich zu befreien und flieht erneut. Doch Ruhe gibt es für sie künftig nicht mehr, denn sie muss das Schlimmste befürchten, und das ist schrecklicher als sie sich ausmalen kann...

Sex, Alkohol und Drogen

In diesem Buch verarbeitet der Autor mehrere Themen. Zum einen zeigt er auf, was zu fanatische religiöse Erziehung anzurichten vermag. Dass vielleicht gerade ein zwanghaftes Beten und die Überzeugung, schlecht zu sein, einen unaufhaltsamen Strudel in die tiefsten Abgründe auslösen können. Er schildert anschaulich, was Drogen in der Psyche bewirken und wie Gruppenzwang funktioniert.

Und wir erfahren mehr über das Schaustellerleben, über die Menschen, ihr soziales Netz, ihre Eigenständigkeit, ihre Fremdartigkeit.

Dies ist gewiss nicht das beste Buch des Autors, aber auch nicht sein schlechtestes. Es ist spannend geschrieben, die einzelnen Protagonisten, egal welchen Alters und Geschlechts sind sehr detailliert ausgearbeitet und die bewusste Gänsehaut ist auch hier wieder spürbar. Der Leser wird über längere Zeit im Unklaren gelassen, während der Nervenkitzel weiter geschürt wird. Eine sehr gute Methode, die Spannung zu halten. Doch selbst nachdem der Leser im Bilde ist, lässt die Spannung nicht nach. Im Gegenteil, denn nun beginnt er um die Protagonisten erst recht zu bangen und wird mit einem großartigen Showdown belohnt.

Das einzige, was nicht so glaubhaft wirkt, ist der krasse Gegensatz von krankhafter fanatischer Religiosität, hier sogar zu Gott und Satan, die nicht nachvollziehbare Ursache eines Gendefektes, die aber damit in Zusammenhang gebracht wird und das Aufflackern eines reinen Glaubens, aus der gefühlsmäßigen Erfahrung heraus. Das war meines Erachtens ein bisschen zuviel des Guten.

Alles in allem aber ein wirklich gutes und lesenswertes Buch!

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12.02.2007 - 08:23 PM - Rezi: Die letzte Schöpfung

abgelegt unter rezensiert: Thriller

 

Patricia Lewin
Die letzte Schöpfung
Thriller
Bastei Lübbe
TB, 413 Seiten
ISBN: 3404151585

Klappentext:

Nach einer fehlgeschlagenen Mission hat sich Ethan Decker in die Wüste Neu Mexicos zurück gezogen. Decker arbeitete als "Jäger" für eine der geheimsten Organisationen der amerikanischen Regierung und war mit der Eliminierung international gesuchter Krimineller beauftragt. Eines Tages spürt ihn eine ehemalige Kollegin auf, in deren Begleitung sich zwei Kinder befinden. Sie bittet Decker, die Kinder ein paar Tage bei sich aufzunehmen - und bevor der Einzelgänger Decker ablehnen kann, wird seine Kollegin mit einem gezielten Schuss ermordet. Die Kinder sind Teil eines Experimentes, das die Grundlagen der Medizin revolutionieren könnte. Und es gibt eine Macht, die die Kinder mit allen Mitteln zurück gewinnen möchte...

Meine Meinung:

Ein packender Thriller um eine geheime Organisation der amerikanischen Regierung und unschuldige Kinder auf einer entlegenen Insel

Spätestens seit Shakespeare wissen wir, dass es mehr Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, als wir uns vorzustellen vermögen. Und auch, dass an Genen manipuliert wird, ist uns nicht fremd. Aber was käme auf uns zu, wenn jemand versuchte, den perfekten Menschen zu schaffen? Ist dies am Ende mehr als nur eine Vorstellung?

Ein „Jäger“, ein Profikiller und eine geheime Insel

Als etwas Ungeheuerliches geschieht, das keiner der beteiligten Personen zu verstehen im Stande ist, versucht jeder mit der Situation allein klar zu kommen. Der eine entzieht sich der Organisation und macht auf eigene Faust weiter, versucht an Informationen zu kommen und geht dabei über Leichen. Der andere, seine Frau in Gefahr wähnend solange er bei ihr ist, verlässt diese, zieht sich zurück und scheint von der Bildfläche verschwunden zu sein. Seine Frau bleibt zurück, zerbricht fast an diesem doppelten Verlust und ist voller Zweifel und Abwehr, als er eines Tages plötzlich vor ihrer Tür steht und zwei Kinder bei sich hat...

Verschiedene Handlungsstränge gekonnt miteinander verwoben, lassen uns abwechselnd die Jäger, die Gejagten, die Drahtzieher und die Unschuldigen beobachten. Nicht bei allen ist von Anfang an klar, zu welcher Gruppe sie gehören und auch diese verwischen sich mitunter. So wie Decker uns sofort sympathisch ist, sind andere Charaktere von Anfang an unsympathisch und bleiben es bis zum Schluss. Doch es gibt auch vor allem eine Figur, bei der der Leser spürt, dass sie von den Beteiligten falsch eingeschätzt wird. Und auch die beiden Kinder, die in Deckers Obhut geraten, sind so ganz anders als Kinder im allgemeinen. Sehr still und in sich gekehrt, scheinen sie keine normale Kindheit zu haben.

Die Autorin schreibt leicht und flüssig, ohne allzu viele Verschachtelungssätze und kommt mit einem einfachen Vokabular aus. Die Szenenwechsel sind ohne Probleme nachzuvollziehen. Spannend von der ersten Seite an, fällt es schwer, das Buch aus der Hand zu legen.

Sehr gut gefallen hat mir, dass die Autorin die jeweilige durcheinander gebrachte Gedankenwelt durch Fragen zum Ausdruck bringt. Der Leser kann sich dadurch leichter in die jeweilige Person hinein versetzen und versteht die Handlungen leichter, vor allem, wenn sie nicht durchdacht sind.

Einziges Manko: das Ende war für mich vorhersehbar – und es geht zu gut aus. Aber alles in allem ist es wirklich ein sehr guter, lesenswerter Thriller!

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23.12.2006 - 05:52 PM - Rezi: Die Eismumie

abgelegt unter rezensiert: Thriller

 
 
Jay Bonansinga
Die Eismumie
Thriller
Rowohlt
TB, 413 Seiten
ISBN: 3499240971

Klappentext:

Im Eis Alaskas wird eine 10.000 Jahre alte Mumie gefunden. Offenbar ein prähistorisches Mordopfer. Die Verletzungen sind eindeutig. Doch damit nicht genug: Auf der Haut der Mumie sind seltsame Zeichen eintätowiert. Als FBI-Profiler Ulysses Grove die Mumie sieht, ist er fassungslos. Die uralten Zeichen entsprechen exakt dem Muster, mit dem der berüchtigte Sun-City-Mörder seine Opfer markiert.

Ein ganz besonderer Thriller, der Mystik, Altes und Neues mit einander verbindet

 

Meine Meinung:

Wer hätte vor diesem Buch wohl von einer Eismumie gesprochen? Eine sehr alte Mumie ohne Einbalsamierungsrituale, aber im Eis Alaskas vergraben? Bei Nennung einer Mumie stellt man sich doch sofort eine mit Binden völlig ummantelte Leiche vor, in einem Sarkophag und vielleicht sogar einem Grabmahl in viel wärmeren Regionen vergraben und irgendwann von Forschern oder Grabräubern entdeckt.

Schon deshalb hatte dieser Titel etwas Magisches für mich. Ich musste wissen, was es mit einer solchen Mumie auf sich haben mag. Und ich bin nicht enttäuscht worden.

Jay Bonansinga bietet uns einen Thriller, in dem seine Hauptfigur Ulysses Grove als FBI-Profiler in den Mordfällen des Sun-City-Mörders ermittelt. Ein Mann, der afrikanischer Abstammung und von seiner Mutter auch sehr afrikanisch erzogen, keine Gefühle an sich heran zu lassen scheint. Inzwischen nicht mehr so ganz jung wird er von Kollegen verstohlen als „ausgebrannt“ und „fertig“ bezeichnet, und doch scheint gerade dieser Mörder eine magische Anziehungskraft auf ihn auszuüben und er bleibt hartnäckig an dessen Verfolgung.

Dieser spannungsgeladene Thriller bringt gleich nach wenigen Seiten die Mumie auf den Plan und lässt den Leser zusammen mit sämtlichen ermittelnden und forschenden Figuren Vermutungen anstellen, was diese mit den Morden in Zusammenhang bringt. Auf den nächsten 300 Seiten passieren pausenlos neue Dinge, die die Spannung weiter schüren. Doch erst ganz am Schluss wird das Geheimnis endgültig gelüftet. Die gelungene Mischung von pathologischen, wissenschaftlichen und kriminaltechnischen Untersuchungen, alter Sprache und Schriftzeichen, Symbolik und dem gewissen Etwas, von dem Shakespeare uns schon versicherte, dass es mehr gibt als wir uns vorzustellen vermögen, gibt diesem Buch eine ganz besondere Aura.

Die mitwirkenden wichtigen Figuren sind glaubhaft dargestellt. Die Beschreibungen der Umgebung wirken nie zu lang oder zu detailliert und lassen den Leser einen normalen Blick auf das gesamte Bild nehmen, bevor er atemlos vor Spannung den Blick wieder auf die Szenerie wandern lässt.

Fazit: Für Liebhabern von spannenden Thrillern ist dieses Buch ein echter Geheimtipp.

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17.11.2006 - 02:05 PM - Vergiss mein nicht

abgelegt unter rezensiert: Thriller
 

Karin Slaughter
Vergiss mein nicht
Thriller
Rowohlt
TB, 505 Seiten
ISBN:
349923243X

 

Wer „Belladonna“ gelesen und für gut befunden hat, der wird sich auch diesen Folgeband nicht entgehen lassen wollen. Was schon im ersten Buch brutal und blutig durchaus mit einem Jeffery Deaver oder Thomas Harris zu vergleichen ist, lässt auch im zweiten Buch die Augen weit aufgerissen vor Spannung den Atem anhalten.

Kinder sind nicht immer unwissend

In diesem zweiten Buch geht es um Jugendliche, Teenager, eigentlich noch Kinder. Und als die 13jährige Jenny auf einem Parkplatz eine entsicherte Waffe auf einen Jungen richtet und offensichtlich willens ist, ihn zu erschießen, bleibt Chief Tolliver nichts weiter übrig, als ihr zuvor zu kommen und sie zu erschießen. Und als dann die Pathologin Sara Linton die Obduktion von Jenny vornimmt, traut sie ihren Augen kaum...


Auch dieses Buch führt uns wieder zum Abgrund der menschlichen Seele. Die Nachwirkungen und Konsequenzen der Verbrechen aus dem ersten Buch sind spürbar, werden versucht zu verarbeiten, hinzunehmen, damit klar zu kommen, mal besser und mal schlechter. Auch die zwischenmenschlichen Beziehungen der Protagonisten erleben weiterhin eine Berg- und Talfahrt, wirken so echt, so nachvollziehbar. Und dann eröffnen sich immer neue Aspekte auf der Suche nach dem Warum, zieht dieser kleine Akt auf dem Parkplatz Kreise bis ein Netz sichtbar wird und die Zeit droht davon zu laufen.

„Abrupt hielt sie inne, als könne sie nicht fassen, was sie sah. Das Spekulum klirrte auf den Tisch.“

Die Spannung beginnt gleich auf den ersten Seiten. Der Leser wird mit Gewalt und Blut konfrontiert, ohne genauere Hintergrundinformationen zu haben und genau wie die Polizeibeamten verdattert dazustehen, den Tod des Mädchens mit ansehen zu müssen, dieses quälende „Warum“ im Kopf. Und so beginnt er abwechselnd in der Rolle der Kinderärztin und Pathologin Dr. Linton oder den Polizeibeamten Lena oder Jeff Tolliver zu ermitteln, um hinter das Geheimnis zu kommen. Die einzelnen Charaktere sind so unterschiedlich und dabei lebensecht dargestellt; sich in der anderen Rolle zurecht zu finden, wird dadurch nachvollziehbar und durch Hilfestellungen leicht gemacht. Erfahrungen werden erzählt, Gedanken wiedergegeben... Vielleicht stört manchen Leser das „normale Alltagsleben“ der Protagonisten zwischen den Ermittlungen, doch gerade das gibt uns den Einblick in eine ganz normale Kleinstadt, das ganz normale Leben und dann die Ungeheuerlichkeit solcher Verbrechen. Die Darstellung wird lebensechter, die Vorstellungskraft angekurbelt, die Möglichkeit, dass solche Dinge tatsächlich geschehen, größer, das Unfassbare schlimmer...

Auch von Schwarz-Weiß-Malerei kann hier nicht gesprochen werden. Kein Charakter ist einzig gut und tut immer das Richtige oder schlecht und begeht nur Fehler. Pannen passieren, es werden Dinge übersehen, ganz wie im richtigen Leben. Trotz allem aber tappt auch der Leser im Dunkeln.

Warum der Titel des Buches mit „Vergiss mein nicht“ übersetzt wurde, kann nur vermutet werden, denn zu dem eigentlichen Thema konnte ich nicht ohne weiteres verbinden. Die ausgeblasene Kerze auf dem Cover dagegen hat schon Symbol-Charakter, sie zeugt von Heimlichkeit, dem Verborgenen...

Ein wirklich guter, grausiger Thriller. Der Name Karin Slaughter ist zu einem Geheimtipp geworden.


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