Am 11.11. gabs einen schönen Volontärslaternenumzug durchs Kfar, aber Wind und Kälte haben doch ein bisschen gefehlt…immerhin wars schon dunkel und in der Kaznelson, der Volontärs WG im Dorf, dem Ziel unseres Umzugs gab es gemütlich Glühwein und Dambedeis. Lustig war auch die Reaktion der Members, die meisten haben schon geschlafen, als wir losgezogen sind, Daddi ist begeistert aus seinem Haus gerannt gekommen, durfte eine Laterne tragen und hat das „bum bum“ von rabimmel rabammal rabumm mitgesungen, unser zweiter Mitläufer war Dani, der uns erstmal verwundert angeschaut und gefragt hat „ma ze?“- „was ist das denn?“.
Diese Woche waren zwei Konzerte von Ensembles aus Deutschland, gestern Abend war das „Quartett Charlotte“ da, eine Sopranistin und drei Musiker, sehr amüsant, wenn beim Refrain von „Over the Rainbow“ unsere Members selig mitgrummeln, Lennys (immer am Telefonieren) Handy mitten in einer Arie klingelt, in den letzten Reihen plötzlich jemand „koewli ha regel“-„mein fuß tut weh“ jammert und Bracha, die Frau die neben mir sitzt, einen Hustanfall bekommt und sich alle anderen total laut über sie aufregen…so ist Kfar Tikva, man könnte die ganze Zeit echt nur Lachen!
Eine traurige Nachricht diese Woche war, dass Gunter, unser deutscher Projektleiter, ab Februar für die Dormitio/Tabgha arbeiten wird, ohne ihn kann man sich das Kfar überhaupt nicht vorstellen…ihn kann zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen (das gleiche tut er allerdings auch, unsere Handys sollen IMMER angeschaltet seinJ), er kümmert sich einfach um alles, ich glaube kaum, dass man ihn „ersetzen“ kann. Aber sehr Kfar Tikva typisch war wieder, dass bei der Verkündigung der Nachricht gleich auch noch David dabei war, unsere Kfarpsychologe, der auch die Supervision für die Volontäre macht. Seine Worte: „I see shock on your faces. If somebody wants to say anything…“ Da haben wir gleich jemanden zum RedenJ
Jedenfalls müssen wir die letzten Tage mit Gunter jetzt erst recht genießen, 2 Monate sind wir noch gut aufgehoben und von unserem Papa Gunter beschützt…wer weiß, was dann kommt…
Am Abend der Hiobsbotschaft bin ich mit Eva noch in Tivon gewesen, wir wohnen in Qiryat Amal, das ist ca. 45 Min. zu Fuß vom richtigen Tivoner Stadtkern entfernt. Dort hat uns in einem Schreibwarengeschäft ein Mann auf Deutsch angesprochen, woher wir denn kämen…im Gespräch stellte sich dann heraus, dass er drei Jahre in Öschelbronn gewohnt und in der Johannes Klinik gearbeitet hat!! Die Welt ist klein und da denkt man, man wäre weit weg von daheim. Jedenfalls sind wir jetzt in die Tivoner Waldorfschule eingeladen, dort arbeitet er inzwischen als Kunstlehrer.
Anfang November habe ich mit Stephanie und Lotti ein Wochenende in Tel Aviv verbracht, angekommen, haben wir uns erstmal schön verirrt, es wurde dann aber zu einem richtigen „Luxustrip“, endlich mal wieder Pizzaessen und abends spontan ins Kino, wir haben uns ein Quantum Trost bzw. James Bond gegönnt!!!! Das erste Mal seit mehr als einem Vierteljahr, in Pforzheim hab ich das oft einmal in der Woche gemacht…ich vermisse das Kommunale Kino… Der Popcorngeruch und die roten Kinosessel waren eine Freude und auch sonst war das Wochenende ein bisschen wie ein Ausflug in eine andere Welt!
Heute haben Eva und ich die israelische Weihnachtsbäckerei eröffnet, sehr anders als in Deutschland, wenn man in kurzen Hosen die Zutaten einkaufen geht und die Zitronen für den Teig direkt von draußen im Kfar frisch geerntet kommen! Die Rezepte waren aber wie daheim, klassisch nach Mamas Art Rosinenhöckerli und Butterbackes, hier vielen Dank für die gesendeten Ausstecherle!! Nebenher lief dann noch eine Taizé CD, so ein bisschen verfrühte Adventsstimmung kam dann sogar auf…jetzt beschäftigt uns noch die Frage, wo wir die Brötle verstecken bevor sich alle Zivis drauf stürzen.
Nächsten Donnerstagabend geht es wieder raus aus dem Kfar, das 1. Adventswochenende und meinen 20. Geburtstag verbringen wir in Jerusalem, wohnen werden wir in St. Charles, am Freitag versuchen wir noch nach Jericho zu kommen, am Samstag gibt es einen Weihnachtsmarkt, organisiert von der Erlöserkirche, mal schauen wie das so wird, bei derzeit 26*C!
Und kaum wieder daheim habe ich ab dem 2.12. meinen ersten richtigen „Urlaub“, bis jetzt waren das ja alles nur Landerkundungs-WochenendtripsJ, mit Nachtbus und Lea, Miri, Lotti und Stephanie geht es über die Grenze nach Ägypten in den Sinai, zum Kamel reiten und eventuellen Rotes-Meer-Schnorchelversuchen…
Euch allen eine schöne Adventszeit, ich bemühe mich vor Weihnachten nochmal was zu schreiben, bin aber in letzter Zeit nicht immer so blogfreudig gewesen, weils mir hier eigentlich auch ohne Internet ganz gut gingJ…und danke, danke, danke für die viele Post, die immer noch angeflattert kommt! Die Zeit, in der ich die Briefe beantworte ist oft die einzig „ruhige“, wo ich mal allein und ungestört bin…also schreibt ruhig weiter, dann hab ich Entspannungspausen im trubeligen WG-Leben! Und genau in das stürze ich mich jetzt wieder, heute Abend gibt es eine Einweihungsparty in einer neuen Freiwilligenwohnung in Amal und gleichzeitig Geburtstag von Julia, mit der ich zwei Wochen in Jerusalem war…
Galia erzählt mir im Moment übrigens auch sehr gute Weisheiten, wenn sie in der Keramika mal wieder über ihren Perlen einschläft, die sie eigentlich bemalen soll, z.B. „Life is hard sometimes, darling!“ und außerdem machen wir vor unsere Kaffeepause jetzt noch so eine Art Yoga zur Entspannung, am besten finde ich die Kniebeugen und gleichzeitig sagen wir alle im Chor „ani ohewet od chem“-„ich liebe euch alle“, den Members macht es Spaß und mir auch!
Liebste Grüße ins Schneechaos, gehabt euch wohl, Teresa (ani ohewet od chem!)
PS: Wegen Fotos, die hier absolut fehlen: Sobald wir in unsere Wohnung wieder Internet haben (kann sich in Israel aber hinziehen) werde ich endlich mal zu blogspot wechseln…kann dauern! Deshalb Geduld, meine Lieben!