Adventskranz vs. Wüste
Wir sind zurück aus Ägypten und jetzt frierts mich in Israel…die letzten zwei Wochen kommen mir schon wieder so lang vor:
Mein Geburtstag war sehr joffi, als wir am Donnerstagabend ziemlich spät im St. Charles ankamen, sind wir gleich in die Weihnachtsbäckerei der Schwestern gestolpert und haben beim Lebkuchen verzieren zugeschaut bzw. mitgegessen, es war wie nach-Hause-Kommen, alle haben sich gefreut uns wiederzusehen, wir auch!
Am Freitag bin ich dann mit Stephanie, Eva und Lotti spontan nach Bethlehem gefahren, das ist etwa 15 Sherutminuten von Jerusalem weg, für mich war es auch der erste Westbankbesuch. Mit dem Sammeltaxi fährt man bis an die Mauer, dort steigt man aus und läuft über den Checkpoint, wo man seinen Pass zeigt, danach steigt man ins Taxi und fährt noch 5 Minuten bis zur Geburtskirche. Mit deutschem/europäischen Pass ist das ganze unkompliziert, es sieht alles eher nach Schwimmbad-Drehtüren aus, ein seltsames Gefühl ist es aber schon, vor allem weil für die Palästinenser andersrum natürlich ein Freitagsausflug nach Jerusalem schwerer/unmöglich wäre.
In Bethlehem an sich kam wenig Weihnachtsgefühl auf (das Ende der Woche dank Adventskranz und Spekulatius in der Komuna schon ein bisschen da war), die Kirche war voll mit russisch-orthodoxen Pilgergruppen; da wir spät losgefahren sind haben wir aber auch sonst ziemlich wenig gesehen, Ich musste immer an „Stern über Bethlehem“ denken, das Lied hat aber irgendwie nicht so zur Stadt gepasst.
Nach abendlichem Reinfeiern (waren aber alle müde) war am 29.11. dann Weihnachtsmarkt im Kreuzgang der Erlöserkirche, wir haben zusammen mit Günter und seiner Frau Produkte aus Kfar Tikva verkauft, nebenher hat man auch ganz viele Volontäre wiedergetroffen, Glühwein und Waffeln gab es auch und es war sogar kalt, Weihnachtsstimmung also wieder da.,
Nach zwei fröhlichen Arbeitstagen sind wir dann nach Eilat gefahren, morgens um 5.45h haben wir am Dienstag dann schon den Sonnenaufgang am Strand genossen, mit Blick auf die jordanischen Berge, kurz nach acht war unser Volontärsvisum gecanceled und wir standen mit Sinaistempel in Ägypten und um kurz vor zehn waren wir dann in Nuveiba , in einem Camp direkt am Roten Meer zu viert in einer Strandhütte…
Neben ganz viel Shai trinken, lesen, ausruhen, haben wir Kamelreiten ausprobiert, ich hab ein Problemkamel erwischt, dass die anderen immer gebissen hat, einen Tag sind wir nach Dahab gefahren, waren am Blue Hole schnorcheln, da gibt es ganz viele bunte Findet-Nemo-Fische, es sah aus wie in so einem Unterwasserfilm. Das erwartet man gar nicht, der Strand sah so richtig heruntergekommen aus, ein paar kleine Häuser mit Cafés drin, direkt hinterm Meer beginnt an der ganzen Küste gleich die Felswüste, und dann hüpft man beim „Easy Enter“ ins Wasser, die Küste fällt da direkt 30m ab und das Riff ist sooooo bunt!
Das Reisehighlight war unsere letzte Nacht: Nach abenteuerlicher Fahrt zum Katharinenkloster (so oft hab ich mir noch nie vorgestellt, wie in den Nachrichten kommt, dass vier deutsche Touristinnen verunglückt sind) sind wir um etwa 1h losgewandert und haben den 2200m hohen Mount Sinai erklommen, so gegen 3.30h waren wir oben, es war zwar furchtbar anstrengend da nachts hochzulaufen, der Sternenhimmel hat aber für alles entschädigt und vor allem der Sonnenaufgang um sechs nach zwei sehr kalten Stunden im Schlafsack auf dem Gipfel. Es ist auch gruselig, im Dunkeln plötzlich auf einem rieseigen Kamelparkplatz zu stehen. Leider waren wir nicht allein da oben und haben uns dann im Gänsemarsch wieder den Berg runterbewegt, und aua, ich habe jetzt noch Muskelkater von den Steinstufen. Samstagabend sind wir wieder gefahren, spannend wars noch zum Schluss weil wir nicht mehr genug Geld hatten für die Camprechnung und noch zum Bankautomat mussten, dahin haben uns dann neben unserem Fahrer noch zwei Campmitarbeiter (Achmed ist Koch/Pfannkuchenbäcker sowie der sehr bekifft wirkende Chamed, kleiner Bruder des Campbesitzers) begleitet, sehr stolz darauf mit Europäerinnen im Stadtzentrum rumzucruisen…
…Fortsetzung folgt! Habe gerade wenig Schreibzeit, damit es schon mal was zu lesen gibt stell ich diesen Teil meines Dezembers schon mal ins Internet.
Freuet Euch/Gaudete! Dritte-Advent-Grüße (in T-Shirt und Flipflops), Teresa