Wie funktioniert eigentlich ein Chatraum

09:57, 3.10.2007. Von Thowe

(Überarbeitete Version einer Geschichte, die ich mal vor langer Zeit in einem Forum schrieb auf die Frage, worum es hier überhaupt geht (Das Thema hieß: "Frauen richtig im Chat ansprechen") )

Also, ich fang dann mal am Anfang an ...

Am Anfang war das Nichts und es explodierte, frei nach Terry Pratchett.

Tjo, danach gab's ne Menge Schlamm, ne Menge Biobrei und irgendwann entwickelten sich die Einzeller. Manche von ihnen leben noch heute als Gehirn von George W. Bush weiter, andere haben sich evolutionär entwickelt und wurden zu höheren Wesen. Ok, der Quastenflosser lebte zwar eher tief, aber naja, irgendwann krabbelte er an Land und da er keine Luft bekam, dachte er sich: "Hey, wie wäre es mit Flügel?" Daraufhin musste er leider ersticken, dumm gelaufen, aber ein Exemplar schaffte es dann doch noch sich die nötigen Lungen zu wünschen. Da Gott wohl zu diesem Zeitpunkt mal wieder volltrunken war, wurde so aus dem Flosser eine Maus. Auch der Grund, dass Elefanten und Frauen Mäuse fürchten, denn in ihnen steckt Gott drin! Elefanten, wegen ihrem Rüssel und mal ehrlich, was hat sich Gott dabei gedacht, ihnen eine längeren Rüssel denn Glied zu geben? Frauen wissen nur zu gut, was mit der armen Europa passierte. Während Männer nach Jahren der Ehe und reichlichem Genuss von Betäubungsmittel wieder weiße Mäuse sehen, aber fürchten tun sie sie nicht, muss wohl der Adamkomplex sein.

Spulen wir jetzt die Uhr einfach mal ein paar Jahre vor und landen somit in der Steinzeit. Schauen wir in eine Höhle in der sich ein weibliches Exemplar der Gattung Mensch aufhält und sich ihr Essen bereitet. Der Duft von frischer Nahrung liegt in der Luft, denn das Parfüm kann es nicht sein, da es noch keine schwulen Männer gibt die dieses designen, lockt einen männlichen Draufgänger an und dieser betritt mit forschem Schritt die Höhle der Verführungen. Als dann erblickt er das Essen, stürzt sich auf dieses, tritt ein paar Schädel durch die Gegend, die als religiöse Verzierung dienten und schnappt sich seinen Knüppel und drescht diesen auf den Kopf des Weibchen. Danach schleift er sie aus die Höhle, nicht ohne vorher noch zu Ende gegessen zu haben und freut sich über die erfolgreiche Jagd.

Ok, irgendwie wollen Männer zwar immer noch in irgendwelche fremde Höhlen eindringen und die Sache mit dem "Knüppel angeben" hat sich auch nicht großartig geändert. Aber aus den Schädeln ist immerhin Fußball geworden und das Essen hat eine andere Rangordnung bekommen. Durch kulturelle Einflüsse wurden die Männer leider über die Jahrtausende hinweg dazu gezwungen, nicht mehr Frauen zu rauben, sondern diese zu gewinnen ...

Das mit dem gewinnen ist so eine Sache für sich, also damals erlegte man einfach irgendein Tier, nahm das Fell und das Fleisch und schmiss es der Angebetete vor die Füße. Heute sähe es etwas seltsam aus, wenn jemand im Supermarkt sein frisch erworbenes Hackfleisch einer Holden vor die hochhackigen Schuhe werfen würde, weswegen Männer es dann doch so halten, sich selbst vor ihre Füße zu werfen, manche nehmen die Schuhe in den Mund, andere reden lieber gekonnte Worte oder besser gesagt, stammel einige Laute die kaum anders klingen wie die zu Urzeiten. So ist der Unterschied zu heute dann doch nicht so riesig, denn Mann gehört ihr anschließend auch mit Haut und Haar.

Aber bis er sich vor ihre Füße werfen darf, anstatt dem Tier lieber einen Ring anschleppt und etwas zusammenstammelt was er furchtbar peinlich und sie furchtbar süß findet, vergehen noch ein paar Tage. An dieser Stelle spulen wir die Zeit eine wenig zurück und beobachten den Tag, wo er seine Zukünftige kennen lernt.

"Hallo", ein Hall von unglaublicher Stärke dringt durch den überfüllten Chatraum und trifft auf keinerlei Widerstand, genau wie auf keinerlei Beachtung. Irgendwie fühlt sich das Hallo an, wie ein Atom auf seiner Reise durchs Weltall. Doch da passiert etwas, mit einer Wahrscheinlichkeit die nahezu gleich derer ist, dass es auf den Planeten Erde Leben gibt, antwortet ein weibliches Exemplar und schreibt ein hoffnungsvolles, ja gar durch und durch bedeutsames "Hallo" ihrerseits. Völlig verschreckt von der nicht erwarteten Antwort, fängt Mann wie üblich an zu stammeln: "Na du, bist du öfter hier?" und Frau erkennt wie bei allen 100.000 Typen zuvor auch: Hey, ein Mann auf Partnersuche.

Da ihr gerade langweilig ist, im Fernsehen auch nur spannendes wie "Deutschland sucht den Super-Alki" läuft denkt sie sich, ach, spiele ich ein wenig mit ihm. Mit einem kleinen Lächeln, was nur fies aussieht, aber gar nicht so ist, antwortet sie nahezu unheilsschwanger: "Ja" und setzt ihren vielleicht Zukünftigen sämtliche Qualen der Hölle aus, sie weiß nur zu genau, er wird nun dort zu Hause sitzen, auf seinem Stuhl und zittern. Lange Zeit vergeht, irgendwer labert zwischendurch von Chicas und Ficken, aber endlich kommt von ihm, den besagten, eine Antwort: "Das freut mich!"

Wow, dieser Ausdruck der Verwunderung muss dem Autor an dieser Stelle gestattet sein, einfach, weil diese Perfektion der Eloquenz ein Paradebeispiel einer gekonnten Anmache ist. Doch zurück zum Thema: Irgendwo im Nirgendwo schwebt Hermes vorbei, gerade dabei irgendeinem Gott eine Nachricht von unglaublicher Wichtigkeit zu überbringen, vermutlich das Aphrodite entdeckt hat, das Eva einst ihren Apfel klaute. So schön Aphrodite auch ist, so trennt nur ihre Haarfarbe sie vor den Vorurteilen, die man so gerne über Blondinen zu pflegen weiß. Ach ja, Hermes sieht per Zufall was dort unten im Chatraum passiert und still und leise lächelt er in sich hinein, fliegt weiter um seine lebensrettende Botschaft zu überbringen und trifft auf den Weg dorthin auf seinen Vetter. Er weiß zwar nicht wirklich ob es sein Vetter ist, aber bei Göttern ist das auch wohl nicht so wichtig, denn der Olymp besteht so oder so nur aus Inzest, Orgien und Vetternwirtschaft. "Hallo Amor", so ruft Hermes durch den sternenerleuchteten Raum und schon schwebt sein Vetter an. Hermes erzählt ihn vom Leiden des besagten Mannes und Amor denkt sich, dort muss ich helfen.

Amor weiß nur zu gut, dass die verfluchte Pandora damals unter anderem einen Fluch der Hera in ihrer Büchse hatte. Dieser Fluch, Hera mochte noch nie Männer, aber der Begriff Lesbe ist Göttern nun einmal fremd, da sie eigentlich eh nie wirklich wissen, ob sie männlich oder weiblich sind und somit wurde erst viele Jahre später dieser Begriff durch eine Göttin des Tennis salonfähig. Wie gehabt, Hera dachte sich, die Folter die Männer erleiden sollen wenn sie Frauen ansprechen, soll ihnen die Hölle als Himmel erscheinen lassen. Aber das alles interessiert Amor nicht, er fliegt so schnell er nur kann zu der Frau, die sich gerade im Chat befindet und verschießt einen Pfeil. Ok, vom Alter gebeutelt trifft der erste Pfeil die Mutter der Holden, die daraufhin mit dem Gärtner durchbrennt, aber der zweite sitzt perfekt, nahezu zumindestens. Vielleicht ist dies auch der Grund, dass Frauen häufig nicht wirklich wissen ob sie ihren Freund oder Mann wirklich lieben, aber wir wollen den armen Amor nicht nun auch noch diesen schwarzen Peter unterschieben, den hat ja eh meist Hera und kaum jemand weiß noch heute, dass Peter der Große (der Erste) eigentlich ein Karthager war, der mit einem gewissen Körperteil sprach, dass ihn seinen Namen bescherte. Doch wer Hera verehrt kann nur untergehen oder eben flüchten oder beides, vermutlich beides, eher sicher beides.

Wie vom Blitz getroffen, sie ist Blond, die kennt den Unterschied zwischen Blitz und Pfeil nicht, denkt sich das Weibchen: "Boah, vielleicht ist er ja nett, wie er wohl aussieht" ... Stunden später, man ist längst in einem privaten Chatraum, tauschen die beiden ihre ersten Bilder aus. "Hmmm, etwas krumme Nase", so denkt er sich, "aber ansonsten nicht schlecht." "Der ist doch ganz süß!", so schießt es ihr durch den Kopf und es passiert, was passieren musste.

Nach einigen Treffen, mal hier, mal dort, mal mittig beschließen die beiden, dass sie sehr gut zusammenpassen. Während er noch vom Motorrad träumt, träumt sie bereits von vier Rädern, einem Korb und einem Gestell, das den Kinderwagen einst Form geben wird. Die Zeit vergeht, das Motorrad ist ja eh zu gefährlich, das Wetter in Deutschland zu schlecht und wozu brauche ich einen neuen Computer, so wandert die Pille zurück in die Schublade, das Lächeln auf ihr Gesicht nach dem Antrag und ein Finanzminister ärgert sich über weniger Steuereinnahmen.

Ursprungsversion: http://macuser.de/forum/showthread.php?t=98031&page=29

Und so ging es weiter: http://www.macuser.de/forum/showthread.php?t=100396 (und der Thread eben speziell für die, die meinen, ich würde Gedichte klauen)

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