Begegnungen

10:46, 10.10.2007. Von Thowe

Genau diese waren für dieses Jahr vorgesehen und, kaum zu Glauben, viele von den geplanten ließen sich gar realisieren. Die Arbeit lockerte die Fesseln, die oftmals kaum Möglichkeiten zulassen und somit stand allem nichts im Wege, selbst der Urlaub von Kollegen, der oftmals Treffen unmöglich macht.


16. Juni – Familien-Treffen

Alle Jahre wieder? Von wegen! Meistens werden es dann doch eher sehr viele Jahre, bevor man einen guten Teil der Verwandtschaft wieder unter einen Hut bekommt und somit auch zu Gesicht. In diesem Fall war es das 50 Jährige Jubiläum einer Tante von mir, das dafür sorgte, wieder einmal auf viele altbekannte Gesichter und ein paar neue zu treffen. Die meisten Gesichter ändern sich kaum, Onkel und Tanten werden zwar älter, doch genau genommen ändert sich nicht viel. Ihre Art bleibt, ihre Gespräche ähneln denen, die sie auch vor zig Jahren bereits begonnen hatten und meistens addieren sich nur Krankheiten, die sie damals noch nicht hatten. Was nicht bedeutet, dass man sich nicht dennoch freut, wieder einmal diese Gesichter zu sehen und bei einigen ist es wohl leider fraglich, wie oft noch oder ob man sie jemals wiedersieht. Man meint zwar selbst, dass man seit dem letzten Treffen kaum gealtert ist, doch die neuen Gesichter und vor allem die, die plötzlich fast schon erwachsen wirken, strafen einen Lügen. Cousins und Cousinen erscheinen genau wie immer, nur hier und da vielleicht eine Falte mehr, doch ihre Kinder, die man lange Zeit nicht oder noch niemals zuvor sah, zeigen einem doch deutlich auf, dass viel Zeit ins Land gezogen ist. So trifft man dann auf Cousins 2. Grades,  von denen man kaum wusste, sich nur dunkel erinnerte, dass es diese gab und eben auf eine Cousine 2. Grades, die man zuletzt als kleines Mädchen unter Tischen hat tollen gesehen und einen nun nahezu direkt in die Augen schauen kann, ein kleines Kind, dass anscheinend in ein paar Momenten zu einer hübschen Jugendlichen heran gewachsen ist.

Was bleibt, dass sind ein paar Informationsfragmente und somit ein paar Erinnerungen mehr, eine Idee davon, dass die Zeit doch vergeht und die Hoffnung, eben doch einige Treffen noch erleben zu dürfen, bevor altbekannte Gesichter entschwinden. Irgendwie doch sehr schade, sich derart selten zu sehen und somit von ein paar entfernt Bekannten oftmals mehr zu wissen, als von der eigenen Verwandtschaft.
 

14. Juli – Klassentreffen

Alte Sünden, wie herrlich, aber genau diese scheinen eben das Damokles-Schwert zu sein, dass so furchtbar über Klassentreffen schwebt. Weißt du noch, damals ... und nach 22 Jahren sollte man meinen, man hätte es vergessen, aber nein, man weiß es doch noch sehr genau. Es ist fast so, als könnte man sich wieder ins Klassenzimmer setzen und genau da weiter machen, wo man vor so langer Zeit aufhörte. Dummerweise kamen nicht einmal die Hälfte der ehemaligen Klassenkameraden zum Treffen und doch war es ausgesprochen schön, diejenigen wieder zu sehen, die man im Grunde längst vergessen hat, aber irgendwie dann doch nicht. Verändert? Nach so langer Zeit? Klar, aber man erkennt die Person dahinter immer noch, sie ist nicht anders geworden, etwas reifer, etwas älter, aber im Grunde ein Ebenbild der damaligen. So oft man auch darüber streiten mag, ob sich Menschen ändern, die Wahrheit ist, sie tun es nur sehr bedingt. Sie passen sich eher dem an, was erforderlich wird, sie mögen Fehler erkennen, aber ihr Kern ist genau der, der er bereits immer war. Gene, die die Bahnen definieren und das Leben mag diese wohl nur formen und eher selten neu lenken.

Die Schule ist somit die Zeit, in der wir unsere Grundprogrammierung erhalten, eine Zeit, die meistens sehr unbekümmert beginnt, mit der Pubertät einer Wandlung erfährt und uns mit viel Wissen, eher wenig Erfahrung und viel Irrglauben ins Leben ausspuckt. Der Eine zieht einen Nutzen aus dieser Programmierung, der andere nicht, doch die Erfahrung, gemeinsam mit anderen diesen Weg gegangen zu sein, ist eine wertvolle. Nicht jeden Menschen möchte man wiedersehen, einige hat man geliebt, andere gehasst und man fragt sich trotzdem, was aus ihnen geworden ist. Sarkasmus am Rande: Die Person, wo sich jeder fragte, was aus ihm geworden ist, konnte nicht mehr zum Treffen erscheinen. 8 Tage vor dem Treffen unterhielt ich mich noch mit einen Freund über die besagte Person und er ging wie ich fast davon aus, dass er sich längst zu Tode getrunken hätte. Am Tag darauf stand seine Todesanzeige in der Zeitung. Nicht nur der Pietät zu Liebe, möge er nun bitte jemand sein, den jeder wegen seinen Werten schätzen mag.
 

20. Juli – Moderatoren-Treffen

Manches ist sehr seltsam: Man unterscheidet das Internet so sehr vom Real Life, dass man sich manchmal fragt, wer ist die Person hinter dem Alias, hinter dem Avatar und hinter den oftmals klugen Worten. Die Person, mit der man viel geleistet hat, innerhalb von mehr als einem halben Jahrzehnt eines der größten Foren Deutschlands aus den Boden stampfte, es lenkte, es formte und am Ende zu dem machte, was es heute ist. Man kennt sich, hat sich aber niemals gesehen und genau dieses beschnüffeln wollen, weckt die Idee, auf ein Treffen. Zugegeben, von der Idee bis zur Tat kann es mal Tage, mal Wochen oder Monate und manchmal eben Jahre dauern. Nach, anscheinend, Äonen, hatten wir es tatsächlich geschafft: Ein Treffen der Moderatoren. Wenn auch mit 11 Stück nicht mal wirklich die Hälfte erscheinen konnte, so waren es doch genügend um ein interessantes Treffen in Regensburg zu gestallten. Die, die man seit so langer Zeit kennt, eben auf einer anderen Ebene kennen zu lernen und am Ende zu merken, dass man sich eigentlich wirklich längst kennt, nicht wirklich vom anderen überrascht ist und am Tag der Abreise einen leichten Stich verspürt und den Wunsch, bald doch mal wieder ein Treffen erleben zu dürfen.

So unterschiedlich die Truppe auch in Bildung, Alter und Herkunft ist, so sehr entdeckt man doch echte Parallelen. Menschen, mit denen man vermutlich auf der Straße nie ein Wort gewechselt hätte, sind eben Menschen, die für einen plötzlich eine echte Persönlichkeit haben. Man sah nicht zuerst ihren Kopf, sondern eben das, was sie in diesem haben und merkt doch schnell, dass Vorurteile doch reine Kopffragen sind. Wir schauen auf Menschen und scheuen es nicht, sie sofort in eine Schublade zu stecken, nehmen sie nur selten heraus und sind nur zu blind gegenüber unserer ureigenen Ungerechtigkeit. Das Internet, mit all dessen Anonymität mag zwar eine Menge Gefahren bergen, aber eben auch viele Überraschungen und einiges, was man eben doch fürs Leben lernt.


24. August – Games Convention

Spielkind. Tja, in Anbetracht dessen, dass ich sogar schon Game-Reviews schrieb, muss ich mir eine derartige Aussage wohl gefallen lassen. Stimmen tut es nicht mehr wirklich, aber zu einem guten Teil dann doch noch. Wenn es auch nur noch wenige Stunden im Monat sind, so ist es dennoch immer noch ein Hobby von mir, dass eben nicht gerade als billig durchgehen mag. Die Hardware ist teuer, die Spiele kosten nur einen Bruchteil, aber die Menge macht es auch hier. Genau das merkt man nur zu genau auf der Games Convention, denn Spiele sind einer der wichtigsten Märkte der Zukunft. Killerspiele, sie stellen nur einen kleinen Teil und so regieren dann auch Größen wie World of Warcraft eher den Markt, als die oftmals grafisch sehr gelungenen First-Person-Shooter. Doch auch andere Spiele generieren eine unglaubliche Anziehungskraft und so erscheint es stimmig, dass an Die Sims keiner vorbei kommen konnte und die Singstar Tribüne nahtlos belagert war. Spiele, sie sind längst keine Domäne der pickligen, zu dicken Einzelgänger mehr. So wundert es auch nicht, dass das Besucherbild sehr durchwachsen war. Alte Leute, junge Leute, doch die meisten eher zwischen 20-40 Jahre und, so sehr es die Männer auch pikieren mag, jede Menge Frauen. Einige, wenn man ihr Gesichtsausdruck richtig deutet, waren sicherlich mitgeschleppt ohne es zu wollen, doch der Großteil freiwillig da und unter ihnen nicht wenige in Kostümen. Elfen, Druidinnen und Kriegerinnen, sie erregten Aufmerksamkeit und vielen in den Massen auf.

Neben Spiele gab es andere Attraktionen, wie Autoscooter, eine große Halfpipe mit cooler Show, Performance-Theater und nicht zu vergessen, eine wirklich beeindruckende Anzahl hübscher Hostessen. Deren Aufgabe es oftmals leider nur war, gut auszusehen, im besten Fall noch Prospekte zu verteilen und eben nett zu lächeln. Ein paar Lichtblicke waren dabei, Frauen, die eben auch beraten sollten, doch die meisten warteten förmlich nur auf die Frage der männlichen Besucher, sie fotografieren zu dürfen. So müssen sie sich oftmals gefallen lassen, ein hübsches Lächeln ohne Inhalt zu bieten, aber eine Silvia Sommerlath mag doch in vielen geschlummert haben.

Die Games Convention war in der Liste eher ein Kann und ist kein Muss, hätte ich sie verpasst, wäre dies kein Beinbruch gewesen. Im Grunde war das Beste an ihr so oder so die Personen, mit denen ich die Zeit während der Messe verbrachte. Das Klassentreffen war sicherlich ein Muss, genau wie das Familientreffen auch, birgt es nette, neue, alte Erinnerungen. Unterm Strich an wertvollsten war aber definitiv das Treffen mit den Moderatoren, einfach schon, weil man sich seit Jahren darauf freute. Wie dem auch sei, keine dieser Begegnungen möchte ich missen.

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