Für Aman

06:37, 13.06.2006. Von Thowe

Folgende Kurzgeschichte fand ich heute beim aufräumen auf meiner Festplatte wieder. Geschrieben habe ich sie vor einigen Jahren, für eine besondere Person, Aman, der so sehr diese Art von Geschichten mag. Hoffe, dass es ihn gut geht und das er immer wieder zu sich zurückfinden vermag. Die Geschichte ist nicht mehr ganz das ursprüngliche Original, aber jetzt dafür etwas "entrümpelt“ und sprachlich gesäubert und dennoch bleibt die Widmung:

Für Aman

Wohlan, so will ich euch die Geschichte des Propheten erzählen und wisse, wer gesehen werden will, der muss auch bereit sein in das Licht zu treten.

Und es begab sich, dass der dunkle Geselle seine Verzweiflung über das Land säte und die Menschen fortan in Angst lebten. Kein Licht vermochten sie zu sehen und keinen Schatten zu durchdringen. In ihrer Not schickten die Stadtobersten ihre treusten und besten Streiter aus, damit diese Antworten auf die Frage finden mögen, wie sie der Dunkelheit entgehen können. Doch waren diese Recken auch jene, die mit am verzweifelten waren, mussten sie doch die Sicherheit ihres eigenen Hauses verlassen.

Dennoch, sie zogen durch das Land und hörten nur die Stimmen des dunklen Gesellen und sie kannten keinen Weg, dieser Last zu entgehen. Am Abend kauerten sie sich zum Schutz zusammen und vermehrten ihre Ängste, so das sie keinen Schritt mehr gehen, keiner Gefahr mehr trotzen und am morgen heimkehren wollten. Als die Dunkelheit drohte sie völlig zu verschlingen, da kam ein junger und froh gelaunter Streiter des Weges und sprach zu ihnen: "Freunde, warum verkriecht ihr euch in dunkle Löcher, wenn eure Lieben euch doch zurückerwarten, in der Hoffnung, dass ihr die Stärke beweist Antworten zu finden um diesen dunklen Tagen zu trotzen?“, verwundert schauten sie ihn an, vermochten sie es doch nicht zu glauben, dass jemand der Verzweiflung zu trotzen vermag. So hoben sie den Kopf und fragten: "Herr, wie kommt es, dass ihr diesen dunklen Weg geht ohne das euch die Stimmen zu verführen vermögen?“ Schallendes Gelächter durchbrauch die Dunkelheit und erhellte diese, seine Antwort war da einfach und doch voller Weisheit. "Freunde, wie könnte ich verzweifeln, wo ich doch weiß, dass es Menschen wie meine Brüder und Schwestern gibt die mich lieben? Ist es nicht die Liebe zu ihnen die mein Herz erleuchtet?"

Da hoben sie ihre Köpfe und versuchten den Streiter zu sehen, jedoch konnten sie die Dunkelheit um sie herum nicht durchdringen und sein Gesicht blieb im Schatten verborgen. "Was sollen wir tun", fragten sie ihn, er reichte ihnen seine Hände, half ihnen auf und antwortete: "Aus der Richtung, aus der ich kam, da mündet dieser Weg in drei weitere Wege. Der eine ist am längsten und es vermag Jahre zu dauern, um ihn zu beschreiten. Der andere ist kurz aber auf diesem ist die Verzweiflung am größten. Der letzte Weg, dass ist der, der weder lang noch kurz ist und der auch nicht von großer Verzweiflung geprägt ist.“ Sie schauten ihn mit mehr Hoffnung in den Augen an und fragten ihn: "Welcher der drei Wege ist der, der weder lang noch von hoher Verzweiflung ist?“ Doch die Antwort des Fremden klang traurig: "Ich bin nur einen dieser Wege gegangen, so vermag ich nicht zu wissen, welcher der richtige Weg für euch ist, aber wisse, jeder dieser Wege führt auf einen Berg und dort wirst du einen Propheten finden und die Antworten, die du da brauchen magst."

Sie erhoben sich, streiften den Staub von ihren Rüstungen und gingen in die Richtung, aus der der Fremde gekommen war. Sie schauten sich noch einmal kurz um, um den Fremden zum Abschied zu winken, doch dieser war nicht mehr zu sehen. Nach wenigen Stunden erreichten sie die Weggabelung, doch sie vermochten es nicht einen der Wege zu wählen und verfielen wieder der Verzweiflung. Da setzten sie sich nieder und hofften auf Antworten, doch die Tage vergingen und der Grad der Verzweiflung stieg stetig. An einen der üblich grauen Morgen wurden sie von einer hellen Stimme geweckt. Ein kleines Mädchen war an ihren Rastplatz getreten und ihre glockenhelle Stimme durchbrach den tristen Morgen: "Warum sitzt ihr hier, wenn doch der Weg lang ist? Warum wählt ihr nicht einen und geht diesen? Ist es nicht egal, welcher von denen ans Ziel führt, wenn sie es da alle tun?“ Sie schauten die Kleine an und fragten ihrerseits: "Wir möchten aber nicht den längsten und auch nicht den kürzesten Weg wählen, sondern den, der weder zu lang noch voller Verzweiflung ist!“ Sie lachte kurz auf und ein Lächeln umspielte ihr bildhübsches Gesicht. "Ihr wollt nicht den Weg gehen, der die höchste Verzweiflung birgt und doch sitzt ihr hier und seid am verzweifeln. Ihr möchtet nicht den längsten Weg gehen und doch sitzt ihr hier und vergeudet eure Zeit. Keinen Weg zu wählen, dass ist immer der, der euch in die Dunkelheit stürzt.“

Sie ging und nach wenigen Schritten hatte der Nebel sie verschlungen und mit neuer Kraft erhoben sich die Recken und wählten den Weg, der in der Mitte lag. In der Hoffnung, dass dieser es ist, den sie sich ersehnten. Nach wenigen Schritten erreichten sie eine Anhöhe und auf dieser Stand ein kleiner, verwilderter Tempel. Sie öffneten das Tor und traten ein und sofort wich alle Verzweiflung von ihnen, mehr noch, auch alle Ängste waren fort. Da sahen sie den Propheten und sprachen zu ihm: "Weiser, was sollen wir tun, um unsere Verzweiflung zu besiegen?" Doch er antwortete ihnen nicht und so sprachen sie erneut: "Weiser, wie können wir unser Licht in die Dunkelheit tragen?", keine Antwort wurde ihnen gegeben und so sprachen sie ein drittes mal: "Weiser, warum antwortest du nicht?" und wiederum schwieg er. Da ließen sie sich nieder und begannen zu weinen, denn alle Hoffnungen waren verflogen und nur die Zweifel und ihre Wut blieben.

Wie als würde er von ihren Tränen geweckt werden, trat der Prophet vor ihnen und sprach: "So habt ihr euch selbst die Antwort gegeben. Ihr kamt mit Hoffnung im Herzen zu mir, dafür gab ich euch die Verzweiflung und ihr habt sie angenommen.“ Sie blickten ihn verständnislos an und er lies sich zu ihnen nieder: "Hört meine Freunde, denn ich will es euch erklären. Ihr sucht bei mir Hoffnung, doch die Hoffnung tragt ihr nur im eigenen Herzen und genau dort, wo die Hoffnung ist, dort ist auch die Verzweiflung. Egal was ich euch sagen werde, sei es Wahrheit oder sei es Lüge, ihr werdet immer Zweifel haben und doch gibt es genau dort die Antwort die ihr braucht. Ihr versteht es euch Liebe und somit die Helligkeit ins Herz zu setzen und ihr versteht es euch den Hass und somit die Dunkelheit dort einzupflanzen. So ist es auch mit der Hoffnung und der Verzweiflung, nehme das eine und ersetze es durch das andere. Wenn du glücklich bist, dann verstehe es zu verzweifeln und wenn du verzweifelt bist, dann verstehe es zu hoffen um wieder glücklich sein zu können. Für jeden Tag, wo du dies zu tun vermagst, wirst du einen Schritt weitergehen und irgendwann in der Mitte des Weges zu verstehen wissen, beides zu ertragen."

Dann erhob er sich und trat zurück und sie blickten auf und fragten: "Weiser, wirst du uns in Zukunft antworten?“ Er schaute sie an und sprach: "Freunde, ich werde immer dann antworten, wenn euch die Verzweiflung zu verschlingen droht. Doch ich werde nicht immer antworten können, denn es sind derer viele die zu mir pilgern.“ In diesem Moment wurde ihnen klar, dass er auch der Streiter und auch das kleine Mädchen war und so fragten sie ihn, warum er das tat. "Freunde, hätte ich auch als Streiter zu mir getragen, so hättet ihr den Weg nicht zurück gefunden und auch niemals wieder hierher. Hätte ich euch als kleines Mädchen die Antwort auf den Weg gegeben, so wäret ihr schon abhängig von mir. Ich will euch gerne eine Raststätte bieten, doch möchte ich auch weder gefangen setzen noch möchte ich euch abhängig von mir machen".

So verließen sie ihn, drehten sich am Fuß der Anhöhe noch einmal um und dort, wo der Prophet zuletzt stand, da stand ein kleines, lachendes Mädchen und ihnen wurde klar, dass auch sie bereits die Antwort gegeben hatte.


Kommentare Hinterlassen.

Kommentare