Der letzte Zug

06:49, 27.07.2006. Von Thowe

Der letzte Zug

Warten, wie jeden und jeden Morgen,
auf den Schulbus, schreiend lautes Ding.
Er kommt, diese gottverdammten Tage und
Wer mag finden, den, der noch um Freude ringt?

Aufgeben, diese nutzlose Schule fürs Leben,
nichts dort, was je für die Zukunft taugt.
Wem nützt all dieses freudlose Wissen,
Wen niemand mehr, der darauf baut?

Lachen, welch herzloser Ton trifft auf taube Ohren,
ungern gehört und nun auf ewig verflucht.
Doch sie taten es, taten es immer wieder -
Verstanden sie nicht, dass er nur Ruhe ersucht?

Rennen, flüchten und niemals mehr gehen,
doch wohin, wenn man sich verlassen findet.
Niemand folgt, im Stich gelassen wieder -
Verstanden sie nicht, das ihn nichts mehr bindet?

Gedroht, das Leben sich zu nehmen,
doch was wertvolles nehmen, wenn ohne Wert.
Niemand will es, dieses beständige Pochen -
Verstanden sie nicht, den Kummer der an ihm zerrt?

Geflüchtet, in die Weiten des Waldes,
Einsamkeit, die der eigenen gleicht.
Niemand hat dich gesehen, so wie immer -
Verstanden sie nicht, deine Hoffnung weicht?

Einsamer Wanderer, so pocht dein Herz ungehört,
niemand dort, der nimmt dir deinen Schmerz.
Zweige brechen, so leicht wie Hoffnungen
und gäbe es die, wenn du nur zu Hause wärst?

Einsame Seele, wie leer mag dein Herz gewesen,
als du versuchtest, eine Zukunft für dich zu finden.
Umhergeirrt, gestolpert und im Kreis bist du gelaufen,
doch keine Hoffnung, tat dich an diesem Tage binden.

Einsames Kind, dachtest du an deine Eltern,
wie sie am Abend zuvor dir davon erzählten,
sich zu trennen, die Scheidung schon beschlossen
und im Gezänk hörten sie dein Herz nicht pochen!

Einsames Herz, sage mir, war er schlimm, der Schmerz?
Jeden Abend ihr Geschrei zu hören, Worte ohne Bedeutung,
das Hassen des anderen und ihrer selbst, mit jeder Sekunde,
keine Flucht und keine Hoffnung für dich, zu dieser Stunde.

Einsamer Sohn, magst du uns nicht davon berichten?
Wie du versuchtest, dich zu verstecken, da ihre Liebe zerbrach!
Doch wo wolltest du auch schon hin, mit deinen 15 Jahren
und wer wenn nicht sie, sollte dich in die Zukunft tragen.

Einsam' Wanderer, war es der Wald wo es brach, dein Herz?
Oder war es der Abend zuvor, die Nacht oder der Tag?
Sage mir, sahst du dich da schon in einem Sarg?
Oder kam er erst hier, dein tödlicher Schmerz?

So irrtest du weiter, auf der Suche nach Frieden.
So flüchtest du weiter, auf der Suche nach Hoffnung.
Hattest du sie gefunden? Als du sie sahst?
Darf ich mit dir fühlen, deine letzte Qual?

Licht in der Dunkelheit,
Schmerz, der sich dem Ende neigt.
Schatten der Vergangenheit,
Leben, das zu gehen bereit.

Gleise der Zielstrebigkeit,
kaltes Stahl, im Gras sanft schimmert.
Weichen der Endlichkeit,
ein Weg, der auserwählt, den Schmerz mindert.

War das kalte Stahl auf deiner Stirn,
nicht wie die Hand deiner Mutter,
die Kühle barg, als Krankheit dich geißelte?

War das kalte Stahl auf deiner Brust,
nicht wie der gnadenlose Speer,
der dein Herz durchdrang, an diesem Tag?

Was wog mehr, welche Angst war stärker?
Die Hand der Mutter zu verlieren
oder den Speer im Herzen zu ertragen?

Versprach dir die Kühle, ein tiefes Betäuben?
Versprach sie dir, ein Ende des Träumens?
Ein Ende, der zahlreich durchwachten Nächte?

Hörtest du den rasenden Zug kommen?
Hattest du sein Bremsen noch vernommen?
War sie schlimm, deine kurze Agonie des Lebens?
Oder barg sie Heilung, die Krönung des Nehmens?

Einsames Herz, am Ende deines schmerzvollen Weges,
mögest du endlich einen langen Frieden finden.



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Aus einer sehr alten Idee heraus für jemanden, der sich vor rund 2 Jahre das Leben nahm, nicht viel mehr als eine Zahl in der Statistik, ich kannte ihn nicht einmal. Doch hinter jeder Zahl ist auch eine Geschichte, diese hier, über das, was mir bekannt und gefüllt mit dem, was zu vermuten steht. Bekannt ist, das er morgens an der Bushaltestelle äußerte sich das Leben zu nehmen, weil er am Abend zuvor erfuhr, das seine Eltern sich scheiden lassen wollten. Niemand nahm ihn ernst, sie spotteten gar über ihn und so rannte er davon und starb als einer der vielen Personenschäden, wie es so üblich bei der Bahn & Co. heißt.

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