Ein Weihnachts-"Märchen" Teil 2

12:00, 25.12.2007. Von Thowe



Ein Weihnachts-“Märchen“

Teil 2

 

Marie schaute aus dem Fenster, sie hatte irgendwie das Gefühl, das Manuela gleich wiederkommen würde, eine Ahnung. Es verwunderte sich deshalb auch nicht, als sie fast nur einen kurzen Augenblick später ihre Schwester in die Gasse einbiegen sah. Sie trug eine Tragetasche bei sich und so war es Marie klar, dass sie tatsächlich Geschenke besorgt hatte. Schnell lief sie zur Tür, öffnete diese und zog Manuela, die förmlich mit ihrem Schlüssel an der Tür hing, ins Haus. Drückte sie kurz, schüttelte den Kopf und war nur froh, dass die kleine Schwester wieder gesund da war. Am liebsten hätte sie etwas gesagt, aber sie wusste auch nicht genau, was. Stattdessen ging sie zum Telefon und rief ihren Vater an und die beiden älteren Geschwister, dass sie nach Hause kommen könnten. Wenig später waren sie wieder alle daheim, ihr Vater sagte nichts, schaute nur auf Manuela, die mit einem schlechten Gewissen scheinbar am liebsten in den Boden versunken wäre, und zog sie in seine Arme. Er drückte sie fest, fast so, als würde er sie zerbrechen wollen und hob sie auf den Arm, sagte nur: „Mach das nie wieder!“ und setzte sie ab. Danach schaute er auf Jule und Tobin, die beide lächelnd und froh neben den anderen Geschwistern standen und fragte sie, ob sie Lust hätten mit ihm einkaufen zu gehen. Sie stimmten beide zu und gingen gemeinsam los.

Es dauerte fast 3 Stunden, bis sie heimkehrten und so war es bereits späten Mittag, als sie Zeit zum Essen fanden. Es gab nur eine Kleinigkeit, denn am Abend würde es wieder etwas zu Essen geben, etwas, das reichhaltig und lecker war. Die folgenden Stunden zogen sich in die Länge, der Fernseher versuchte vergeblich die gerade jüngeren der Geschwister von den Geschenken, die sie bekommen würden, abzulenken und so hatte die Stimmung etwas Gequältes. Doch die Zeit verging, das nächste Essen stand an. Den Festtisch hatten sie bereits geschmückt. Eine rote Tischdecke mit weißem Tischläufer zierte den alten Tisch. Auf dem Tischläufer hatten sie in der Mitte den Adventskranz gestellt, dazu ein paar Teelichter und Tannenzweige und auf die Tischdecke die weißen Porzellanteller und die leicht grün schimmernden Gläser, die sehr fein zur Tischdekoration passten.

In der Küche wurde derweil noch gebraten, gebacken und gekocht. Es gab zuerst Lauchcrèmesuppe, danach Truthahnsteaks, mit Ananas, Birne und Pfirsichen. Als dritten Gang Lachsröllchen, die mit Senf und Honig bestrichen und mit Salatblättern aufgerollt wurden und zum Nachtisch gab es gefüllte Bratäpfel. Diese hatte eine Füllung aus Walnüssen, Marzipan und Rosinen, geschmacklich mit Rumaroma abgerundet und Jule hatte noch Amaretto-Bällchen für den späteren Abend gemacht, diese waren aber nichts für Nicole und Manuela, dafür war dann doch etwas zu viel Amaretto in diese geflossen. Für die beiden hatten sie deshalb noch schnell Schoko Crispis gemacht und so konnte das Festessen beginnen.

Der Abend zog sich in die Länge, es wurde viel gelacht und alle schienen glücklich zu sein. Manuela musste ihre Geschichte erzählen, was sie, nachdem ihr Gewissen beruhigt war, nahezu genoss und auch wenn jeder nun wusste, dass ihr Vater keine Geschenke haben würde, so schien es dennoch niemanden zu stören. Es dauerte nicht lange und es schien, als wenn der Tag vergessen war. Fast so, als wäre er längt weit in die Vergangenheit gerutscht. Es war bereits nach 21 Uhr, als sie endlich zur Bescherung kamen, die Geschwister tauschten die Geschenke untereinander aus, ihr Vater hatte für jeden dennoch eine Kleinigkeit besorgt, eben nichts Weltbewegendes und so unpassend es ihm noch vor einen Tag erschien, so passend erschien es heute. Manuela? Sie hatte nur recht unwertvolle Geschenke ausgesucht, weil sie eben niemanden etwas wegnehmen wollte und die Besten anderen gönnte. Niemand zeigte auch nur eine Spur der Enttäuschung, nur die Wärme, die eine Familie zeigen konnte, war zu spüren. Ein schönes Gefühl, das nur zu oft im Alltag unterging und wenn auch vielleicht nicht bewusst, so wussten sie doch unterbewusst dieses Gefühl zu schätzen. Einfach darüber glücklich zu sein, dass es sie gab und das sie füreinander da waren.

So schaute ihr Vater auf seine Kinder, auf die wunderschöne Jule, deren Augen glänzten und das oftmals durch Zickigkeit entstellte Gesicht einem weichen Lächeln gewichen war. Auf Tobin, der nicht an seinen PC hockte, der einfach zwischen den anderen sass und glücklich schien. Auf Marie, die nicht in irgendwelchen Büchern stöberte, nicht fasziniert von Dingen war, wo andere im besten Fall den Kopf schüttelten. Auf Nicole, die zwischen den anderen sass und viel lachte, was zwar nicht ungewöhnlich für sie war, aber eher selten mit den Geschwistern. Zuletzt schaute er auf Manuela, deren Müdigkeit förmlich spürbar war, aber eine leichte Röte zeigte sich auf ihre Backen und so wusste er, sie würde so schnell nicht ins Bett wollen. Sie sollte auch so lange aufbleiben, wie sie es wollte, es war heute egal, alles, was wichtig war, dass hatte er vor sich sitzen und er fühlte sich so frei, wie schon lange nicht mehr. Frei vom Alltag, frei von Sorgen, frei vom nächsten Tag, nur Glücklichkeit in einem Moment, der zwar bald enden würde, aber bis dahin ein wärmendes Gefühl und eines von Freiheit spendet.

Er war glücklich, nicht zuletzt deshalb, weil er seit so vielen Jahren endlich wieder verstand, was Weihnachten bedeutet. Nicht die Geschenke waren wichtig, wichtig war nur, dass man an die dachte, die einen lieb und teuer waren. Er verabscheute das, was der Kommerz daraus gemacht hatte, weil er genau dieses Gefühl durch ein falsches Geschenk nur zu schnell rauben könnte. Er verfluchte die Hektik, die diese Jahreszeit im Vorfeld schon all ihren Glanz nehmen konnte und wenn das Weihnachtsfest nun das Fest der Besinnung war, so fragte er sich, auf was man sich denn besinnen sollte. Auch wenn ihm im nächsten Moment die Antwort als klar erschien, es war das Fest der Liebe, vielleicht reichte es schon, sich einfach auf die Liebe zu den anderen und deren zu Einen selbst zu besinnen. Das Jahr zu vergessen, die Streitigkeiten zu vergessen, über den eigenen Schatten zu springen und dennoch, er wusste nur zu gut, dass genau das die meisten Menschen nicht hinbekommen würden. Es gleicht am Ende einen Schauspiel, weil es nach Weihnachten wieder vergessen wäre. Aber wie konnte es dann sein, dass es bei Kindern, bei seinen Kindern, es sich tatsächlich ehrlich anfühlte? Es nicht so erschien, als würden sie etwas vorspielen. Er grübelte ein paar Minuten darüber nach, vielleicht lag es einfach nur daran, dass jeder Mensch nur eine gewisse Menge an negativen Situationen verarbeitet und verzeihen konnte? Er wusste es nicht, dennoch, eines wurde ihn in diesem Moment sonnenklar, es spielte auch keine Rolle, ob er darauf kommen würde, alles, was eine Bedeutung dabei hatte, war es, dass jeder Einzelne dies für sich ergründen musste. So schaute er auf seine Kinder, überlegte, was er ändern konnte und doch, er wollte es nicht einmal. Es war ihm klar, dass diese Harmonie niemals ein Jahr überdauern konnte und die wenigen Momente eben ihren Wert nur unterstreichen.

Bald war wieder Sylvester, der Tag, an denen man sich Veränderungen versprach, gute Vorsätze planen und niemals nach diesen Leben würde. Weil sich selbst zu ändern, eben einen Kampf gegen einen übermächtigen Gegner glich und man nicht aufgab, man kämpfte meistens nicht einmal erst. Vielleicht reichte es auch aus, sich an Weihnachten darauf zu besinnen, wer man denn selbst war, sich dessen bewusst wurde, wie einen die anderen sahen und sich eben selbst zu hinterfragen und sich darüber klar zu werden, was man wirklich ändern könnte. Am Ende nur den ersten Schritt zu planen, den man Sylvester gehen wollte und sich nur auf diesen einen Schritt konzentrierte und ganz vielleicht verlernte man so niemals den Wert und die Chance, die Weihnachten bedeuten konnte. Mit etwas Glück, so dachte er, würde man sich dann auch wieder auf Weihnachten ehrlich freuen können, es verlernen die Hektik zu beachten und wieder das zu sehen, was ehrlich glänzt.


*

Für ihn glänzte nichts mehr als seine Kinder, ihre Macken hin oder her. So unterschiedlich sie auch waren, sie waren alles, was je von Bedeutung ist. Niemand würde seinen Weihnachtsbaum mit nur einer Farbe, einer Form oder einer Art von Schmuck behängen. Gerade das Unterschiedliche, das sich am Ende doch kombinierte, machten seinen echten Glanz aus. Man musste nur darauf achten, was sich wirklich ergänzte und aus der Ferne erschien das durchaus leicht. Nur einen Schritt zurück gehen und schauen, es war doch so leicht. In dieser Nacht weinte er wieder, doch diesmal waren es keine Tränen der Qual.


 

Begegnungen

10:46, 10.10.2007. Von Thowe

Genau diese waren für dieses Jahr vorgesehen und, kaum zu Glauben, viele von den geplanten ließen sich gar realisieren. Die Arbeit lockerte die Fesseln, die oftmals kaum Möglichkeiten zulassen und somit stand allem nichts im Wege, selbst der Urlaub von Kollegen, der oftmals Treffen unmöglich macht.


16. Juni – Familien-Treffen

Alle Jahre wieder? Von wegen! Meistens werden es dann doch eher sehr viele Jahre, bevor man einen guten Teil der Verwandtschaft wieder unter einen Hut bekommt und somit auch zu Gesicht. In diesem Fall war es das 50 Jährige Jubiläum einer Tante von mir, das dafür sorgte, wieder einmal auf viele altbekannte Gesichter und ein paar neue zu treffen. Die meisten Gesichter ändern sich kaum, Onkel und Tanten werden zwar älter, doch genau genommen ändert sich nicht viel. Ihre Art bleibt, ihre Gespräche ähneln denen, die sie auch vor zig Jahren bereits begonnen hatten und meistens addieren sich nur Krankheiten, die sie damals noch nicht hatten. Was nicht bedeutet, dass man sich nicht dennoch freut, wieder einmal diese Gesichter zu sehen und bei einigen ist es wohl leider fraglich, wie oft noch oder ob man sie jemals wiedersieht. Man meint zwar selbst, dass man seit dem letzten Treffen kaum gealtert ist, doch die neuen Gesichter und vor allem die, die plötzlich fast schon erwachsen wirken, strafen einen Lügen. Cousins und Cousinen erscheinen genau wie immer, nur hier und da vielleicht eine Falte mehr, doch ihre Kinder, die man lange Zeit nicht oder noch niemals zuvor sah, zeigen einem doch deutlich auf, dass viel Zeit ins Land gezogen ist. So trifft man dann auf Cousins 2. Grades,  von denen man kaum wusste, sich nur dunkel erinnerte, dass es diese gab und eben auf eine Cousine 2. Grades, die man zuletzt als kleines Mädchen unter Tischen hat tollen gesehen und einen nun nahezu direkt in die Augen schauen kann, ein kleines Kind, dass anscheinend in ein paar Momenten zu einer hübschen Jugendlichen heran gewachsen ist.

Was bleibt, dass sind ein paar Informationsfragmente und somit ein paar Erinnerungen mehr, eine Idee davon, dass die Zeit doch vergeht und die Hoffnung, eben doch einige Treffen noch erleben zu dürfen, bevor altbekannte Gesichter entschwinden. Irgendwie doch sehr schade, sich derart selten zu sehen und somit von ein paar entfernt Bekannten oftmals mehr zu wissen, als von der eigenen Verwandtschaft.
 

14. Juli – Klassentreffen

Alte Sünden, wie herrlich, aber genau diese scheinen eben das Damokles-Schwert zu sein, dass so furchtbar über Klassentreffen schwebt. Weißt du noch, damals ... und nach 22 Jahren sollte man meinen, man hätte es vergessen, aber nein, man weiß es doch noch sehr genau. Es ist fast so, als könnte man sich wieder ins Klassenzimmer setzen und genau da weiter machen, wo man vor so langer Zeit aufhörte. Dummerweise kamen nicht einmal die Hälfte der ehemaligen Klassenkameraden zum Treffen und doch war es ausgesprochen schön, diejenigen wieder zu sehen, die man im Grunde längst vergessen hat, aber irgendwie dann doch nicht. Verändert? Nach so langer Zeit? Klar, aber man erkennt die Person dahinter immer noch, sie ist nicht anders geworden, etwas reifer, etwas älter, aber im Grunde ein Ebenbild der damaligen. So oft man auch darüber streiten mag, ob sich Menschen ändern, die Wahrheit ist, sie tun es nur sehr bedingt. Sie passen sich eher dem an, was erforderlich wird, sie mögen Fehler erkennen, aber ihr Kern ist genau der, der er bereits immer war. Gene, die die Bahnen definieren und das Leben mag diese wohl nur formen und eher selten neu lenken.

Die Schule ist somit die Zeit, in der wir unsere Grundprogrammierung erhalten, eine Zeit, die meistens sehr unbekümmert beginnt, mit der Pubertät einer Wandlung erfährt und uns mit viel Wissen, eher wenig Erfahrung und viel Irrglauben ins Leben ausspuckt. Der Eine zieht einen Nutzen aus dieser Programmierung, der andere nicht, doch die Erfahrung, gemeinsam mit anderen diesen Weg gegangen zu sein, ist eine wertvolle. Nicht jeden Menschen möchte man wiedersehen, einige hat man geliebt, andere gehasst und man fragt sich trotzdem, was aus ihnen geworden ist. Sarkasmus am Rande: Die Person, wo sich jeder fragte, was aus ihm geworden ist, konnte nicht mehr zum Treffen erscheinen. 8 Tage vor dem Treffen unterhielt ich mich noch mit einen Freund über die besagte Person und er ging wie ich fast davon aus, dass er sich längst zu Tode getrunken hätte. Am Tag darauf stand seine Todesanzeige in der Zeitung. Nicht nur der Pietät zu Liebe, möge er nun bitte jemand sein, den jeder wegen seinen Werten schätzen mag.
 

20. Juli – Moderatoren-Treffen

Manches ist sehr seltsam: Man unterscheidet das Internet so sehr vom Real Life, dass man sich manchmal fragt, wer ist die Person hinter dem Alias, hinter dem Avatar und hinter den oftmals klugen Worten. Die Person, mit der man viel geleistet hat, innerhalb von mehr als einem halben Jahrzehnt eines der größten Foren Deutschlands aus den Boden stampfte, es lenkte, es formte und am Ende zu dem machte, was es heute ist. Man kennt sich, hat sich aber niemals gesehen und genau dieses beschnüffeln wollen, weckt die Idee, auf ein Treffen. Zugegeben, von der Idee bis zur Tat kann es mal Tage, mal Wochen oder Monate und manchmal eben Jahre dauern. Nach, anscheinend, Äonen, hatten wir es tatsächlich geschafft: Ein Treffen der Moderatoren. Wenn auch mit 11 Stück nicht mal wirklich die Hälfte erscheinen konnte, so waren es doch genügend um ein interessantes Treffen in Regensburg zu gestallten. Die, die man seit so langer Zeit kennt, eben auf einer anderen Ebene kennen zu lernen und am Ende zu merken, dass man sich eigentlich wirklich längst kennt, nicht wirklich vom anderen überrascht ist und am Tag der Abreise einen leichten Stich verspürt und den Wunsch, bald doch mal wieder ein Treffen erleben zu dürfen.

So unterschiedlich die Truppe auch in Bildung, Alter und Herkunft ist, so sehr entdeckt man doch echte Parallelen. Menschen, mit denen man vermutlich auf der Straße nie ein Wort gewechselt hätte, sind eben Menschen, die für einen plötzlich eine echte Persönlichkeit haben. Man sah nicht zuerst ihren Kopf, sondern eben das, was sie in diesem haben und merkt doch schnell, dass Vorurteile doch reine Kopffragen sind. Wir schauen auf Menschen und scheuen es nicht, sie sofort in eine Schublade zu stecken, nehmen sie nur selten heraus und sind nur zu blind gegenüber unserer ureigenen Ungerechtigkeit. Das Internet, mit all dessen Anonymität mag zwar eine Menge Gefahren bergen, aber eben auch viele Überraschungen und einiges, was man eben doch fürs Leben lernt.


24. August – Games Convention

Spielkind. Tja, in Anbetracht dessen, dass ich sogar schon Game-Reviews schrieb, muss ich mir eine derartige Aussage wohl gefallen lassen. Stimmen tut es nicht mehr wirklich, aber zu einem guten Teil dann doch noch. Wenn es auch nur noch wenige Stunden im Monat sind, so ist es dennoch immer noch ein Hobby von mir, dass eben nicht gerade als billig durchgehen mag. Die Hardware ist teuer, die Spiele kosten nur einen Bruchteil, aber die Menge macht es auch hier. Genau das merkt man nur zu genau auf der Games Convention, denn Spiele sind einer der wichtigsten Märkte der Zukunft. Killerspiele, sie stellen nur einen kleinen Teil und so regieren dann auch Größen wie World of Warcraft eher den Markt, als die oftmals grafisch sehr gelungenen First-Person-Shooter. Doch auch andere Spiele generieren eine unglaubliche Anziehungskraft und so erscheint es stimmig, dass an Die Sims keiner vorbei kommen konnte und die Singstar Tribüne nahtlos belagert war. Spiele, sie sind längst keine Domäne der pickligen, zu dicken Einzelgänger mehr. So wundert es auch nicht, dass das Besucherbild sehr durchwachsen war. Alte Leute, junge Leute, doch die meisten eher zwischen 20-40 Jahre und, so sehr es die Männer auch pikieren mag, jede Menge Frauen. Einige, wenn man ihr Gesichtsausdruck richtig deutet, waren sicherlich mitgeschleppt ohne es zu wollen, doch der Großteil freiwillig da und unter ihnen nicht wenige in Kostümen. Elfen, Druidinnen und Kriegerinnen, sie erregten Aufmerksamkeit und vielen in den Massen auf.

Neben Spiele gab es andere Attraktionen, wie Autoscooter, eine große Halfpipe mit cooler Show, Performance-Theater und nicht zu vergessen, eine wirklich beeindruckende Anzahl hübscher Hostessen. Deren Aufgabe es oftmals leider nur war, gut auszusehen, im besten Fall noch Prospekte zu verteilen und eben nett zu lächeln. Ein paar Lichtblicke waren dabei, Frauen, die eben auch beraten sollten, doch die meisten warteten förmlich nur auf die Frage der männlichen Besucher, sie fotografieren zu dürfen. So müssen sie sich oftmals gefallen lassen, ein hübsches Lächeln ohne Inhalt zu bieten, aber eine Silvia Sommerlath mag doch in vielen geschlummert haben.

Die Games Convention war in der Liste eher ein Kann und ist kein Muss, hätte ich sie verpasst, wäre dies kein Beinbruch gewesen. Im Grunde war das Beste an ihr so oder so die Personen, mit denen ich die Zeit während der Messe verbrachte. Das Klassentreffen war sicherlich ein Muss, genau wie das Familientreffen auch, birgt es nette, neue, alte Erinnerungen. Unterm Strich an wertvollsten war aber definitiv das Treffen mit den Moderatoren, einfach schon, weil man sich seit Jahren darauf freute. Wie dem auch sei, keine dieser Begegnungen möchte ich missen.

Wie funktioniert eigentlich ein Chatraum

09:57, 3.10.2007. Von Thowe

(Überarbeitete Version einer Geschichte, die ich mal vor langer Zeit in einem Forum schrieb auf die Frage, worum es hier überhaupt geht (Das Thema hieß: "Frauen richtig im Chat ansprechen") )

Also, ich fang dann mal am Anfang an ...

Am Anfang war das Nichts und es explodierte, frei nach Terry Pratchett.

Tjo, danach gab's ne Menge Schlamm, ne Menge Biobrei und irgendwann entwickelten sich die Einzeller. Manche von ihnen leben noch heute als Gehirn von George W. Bush weiter, andere haben sich evolutionär entwickelt und wurden zu höheren Wesen. Ok, der Quastenflosser lebte zwar eher tief, aber naja, irgendwann krabbelte er an Land und da er keine Luft bekam, dachte er sich: "Hey, wie wäre es mit Flügel?" Daraufhin musste er leider ersticken, dumm gelaufen, aber ein Exemplar schaffte es dann doch noch sich die nötigen Lungen zu wünschen. Da Gott wohl zu diesem Zeitpunkt mal wieder volltrunken war, wurde so aus dem Flosser eine Maus. Auch der Grund, dass Elefanten und Frauen Mäuse fürchten, denn in ihnen steckt Gott drin! Elefanten, wegen ihrem Rüssel und mal ehrlich, was hat sich Gott dabei gedacht, ihnen eine längeren Rüssel denn Glied zu geben? Frauen wissen nur zu gut, was mit der armen Europa passierte. Während Männer nach Jahren der Ehe und reichlichem Genuss von Betäubungsmittel wieder weiße Mäuse sehen, aber fürchten tun sie sie nicht, muss wohl der Adamkomplex sein.

Spulen wir jetzt die Uhr einfach mal ein paar Jahre vor und landen somit in der Steinzeit. Schauen wir in eine Höhle in der sich ein weibliches Exemplar der Gattung Mensch aufhält und sich ihr Essen bereitet. Der Duft von frischer Nahrung liegt in der Luft, denn das Parfüm kann es nicht sein, da es noch keine schwulen Männer gibt die dieses designen, lockt einen männlichen Draufgänger an und dieser betritt mit forschem Schritt die Höhle der Verführungen. Als dann erblickt er das Essen, stürzt sich auf dieses, tritt ein paar Schädel durch die Gegend, die als religiöse Verzierung dienten und schnappt sich seinen Knüppel und drescht diesen auf den Kopf des Weibchen. Danach schleift er sie aus die Höhle, nicht ohne vorher noch zu Ende gegessen zu haben und freut sich über die erfolgreiche Jagd.

Ok, irgendwie wollen Männer zwar immer noch in irgendwelche fremde Höhlen eindringen und die Sache mit dem "Knüppel angeben" hat sich auch nicht großartig geändert. Aber aus den Schädeln ist immerhin Fußball geworden und das Essen hat eine andere Rangordnung bekommen. Durch kulturelle Einflüsse wurden die Männer leider über die Jahrtausende hinweg dazu gezwungen, nicht mehr Frauen zu rauben, sondern diese zu gewinnen ...

Das mit dem gewinnen ist so eine Sache für sich, also damals erlegte man einfach irgendein Tier, nahm das Fell und das Fleisch und schmiss es der Angebetete vor die Füße. Heute sähe es etwas seltsam aus, wenn jemand im Supermarkt sein frisch erworbenes Hackfleisch einer Holden vor die hochhackigen Schuhe werfen würde, weswegen Männer es dann doch so halten, sich selbst vor ihre Füße zu werfen, manche nehmen die Schuhe in den Mund, andere reden lieber gekonnte Worte oder besser gesagt, stammel einige Laute die kaum anders klingen wie die zu Urzeiten. So ist der Unterschied zu heute dann doch nicht so riesig, denn Mann gehört ihr anschließend auch mit Haut und Haar.

Aber bis er sich vor ihre Füße werfen darf, anstatt dem Tier lieber einen Ring anschleppt und etwas zusammenstammelt was er furchtbar peinlich und sie furchtbar süß findet, vergehen noch ein paar Tage. An dieser Stelle spulen wir die Zeit eine wenig zurück und beobachten den Tag, wo er seine Zukünftige kennen lernt.

"Hallo", ein Hall von unglaublicher Stärke dringt durch den überfüllten Chatraum und trifft auf keinerlei Widerstand, genau wie auf keinerlei Beachtung. Irgendwie fühlt sich das Hallo an, wie ein Atom auf seiner Reise durchs Weltall. Doch da passiert etwas, mit einer Wahrscheinlichkeit die nahezu gleich derer ist, dass es auf den Planeten Erde Leben gibt, antwortet ein weibliches Exemplar und schreibt ein hoffnungsvolles, ja gar durch und durch bedeutsames "Hallo" ihrerseits. Völlig verschreckt von der nicht erwarteten Antwort, fängt Mann wie üblich an zu stammeln: "Na du, bist du öfter hier?" und Frau erkennt wie bei allen 100.000 Typen zuvor auch: Hey, ein Mann auf Partnersuche.

Da ihr gerade langweilig ist, im Fernsehen auch nur spannendes wie "Deutschland sucht den Super-Alki" läuft denkt sie sich, ach, spiele ich ein wenig mit ihm. Mit einem kleinen Lächeln, was nur fies aussieht, aber gar nicht so ist, antwortet sie nahezu unheilsschwanger: "Ja" und setzt ihren vielleicht Zukünftigen sämtliche Qualen der Hölle aus, sie weiß nur zu genau, er wird nun dort zu Hause sitzen, auf seinem Stuhl und zittern. Lange Zeit vergeht, irgendwer labert zwischendurch von Chicas und Ficken, aber endlich kommt von ihm, den besagten, eine Antwort: "Das freut mich!"

Wow, dieser Ausdruck der Verwunderung muss dem Autor an dieser Stelle gestattet sein, einfach, weil diese Perfektion der Eloquenz ein Paradebeispiel einer gekonnten Anmache ist. Doch zurück zum Thema: Irgendwo im Nirgendwo schwebt Hermes vorbei, gerade dabei irgendeinem Gott eine Nachricht von unglaublicher Wichtigkeit zu überbringen, vermutlich das Aphrodite entdeckt hat, das Eva einst ihren Apfel klaute. So schön Aphrodite auch ist, so trennt nur ihre Haarfarbe sie vor den Vorurteilen, die man so gerne über Blondinen zu pflegen weiß. Ach ja, Hermes sieht per Zufall was dort unten im Chatraum passiert und still und leise lächelt er in sich hinein, fliegt weiter um seine lebensrettende Botschaft zu überbringen und trifft auf den Weg dorthin auf seinen Vetter. Er weiß zwar nicht wirklich ob es sein Vetter ist, aber bei Göttern ist das auch wohl nicht so wichtig, denn der Olymp besteht so oder so nur aus Inzest, Orgien und Vetternwirtschaft. "Hallo Amor", so ruft Hermes durch den sternenerleuchteten Raum und schon schwebt sein Vetter an. Hermes erzählt ihn vom Leiden des besagten Mannes und Amor denkt sich, dort muss ich helfen.

Amor weiß nur zu gut, dass die verfluchte Pandora damals unter anderem einen Fluch der Hera in ihrer Büchse hatte. Dieser Fluch, Hera mochte noch nie Männer, aber der Begriff Lesbe ist Göttern nun einmal fremd, da sie eigentlich eh nie wirklich wissen, ob sie männlich oder weiblich sind und somit wurde erst viele Jahre später dieser Begriff durch eine Göttin des Tennis salonfähig. Wie gehabt, Hera dachte sich, die Folter die Männer erleiden sollen wenn sie Frauen ansprechen, soll ihnen die Hölle als Himmel erscheinen lassen. Aber das alles interessiert Amor nicht, er fliegt so schnell er nur kann zu der Frau, die sich gerade im Chat befindet und verschießt einen Pfeil. Ok, vom Alter gebeutelt trifft der erste Pfeil die Mutter der Holden, die daraufhin mit dem Gärtner durchbrennt, aber der zweite sitzt perfekt, nahezu zumindestens. Vielleicht ist dies auch der Grund, dass Frauen häufig nicht wirklich wissen ob sie ihren Freund oder Mann wirklich lieben, aber wir wollen den armen Amor nicht nun auch noch diesen schwarzen Peter unterschieben, den hat ja eh meist Hera und kaum jemand weiß noch heute, dass Peter der Große (der Erste) eigentlich ein Karthager war, der mit einem gewissen Körperteil sprach, dass ihn seinen Namen bescherte. Doch wer Hera verehrt kann nur untergehen oder eben flüchten oder beides, vermutlich beides, eher sicher beides.

Wie vom Blitz getroffen, sie ist Blond, die kennt den Unterschied zwischen Blitz und Pfeil nicht, denkt sich das Weibchen: "Boah, vielleicht ist er ja nett, wie er wohl aussieht" ... Stunden später, man ist längst in einem privaten Chatraum, tauschen die beiden ihre ersten Bilder aus. "Hmmm, etwas krumme Nase", so denkt er sich, "aber ansonsten nicht schlecht." "Der ist doch ganz süß!", so schießt es ihr durch den Kopf und es passiert, was passieren musste.

Nach einigen Treffen, mal hier, mal dort, mal mittig beschließen die beiden, dass sie sehr gut zusammenpassen. Während er noch vom Motorrad träumt, träumt sie bereits von vier Rädern, einem Korb und einem Gestell, das den Kinderwagen einst Form geben wird. Die Zeit vergeht, das Motorrad ist ja eh zu gefährlich, das Wetter in Deutschland zu schlecht und wozu brauche ich einen neuen Computer, so wandert die Pille zurück in die Schublade, das Lächeln auf ihr Gesicht nach dem Antrag und ein Finanzminister ärgert sich über weniger Steuereinnahmen.

Ursprungsversion: http://macuser.de/forum/showthread.php?t=98031&page=29

Und so ging es weiter: http://www.macuser.de/forum/showthread.php?t=100396 (und der Thread eben speziell für die, die meinen, ich würde Gedichte klauen)

Das kleine Lächeln

06:45, 16.06.2006. Von Thowe

Für Anna


Das kleine Lächeln fühlte sich verloren und genau das war es auch. Es wusste nicht wie es passieren konnte, doch es war nicht mehr dort, wo es doch eigentlich hingehörte. So fand es sich selbst sehr einsam und verlassen vor und deshalb zog es aus um den Ort zu finden, an dem es sich doch immer geborgen gefühlt hatte.

"Wer bist du“, fragte das Lächeln den Fremden und dieser antwortete mit freundlicher Stimme: "Ich? Ich bin der, der von dir gefangen ist und deshalb freue ich mich, dass du nicht nur sehr schön, sondern auch sehr ehrlich bist!“, dass betörte unser kleines Lächeln, es mochte Komplimente, denn diese ließen es immer wachsen. Derart beflügelt viel es ihm leicht, seinen Weg weiter zu gehen und so dachte es sich: "Wenn ich freundlich bin, dann begegnet man mir auch mit Freundlichkeit und wenn ich gar ehrlich gegeben bin, dann versuchen andere mir auch dies zu entlohnen.“ Ja, dieser Umstand machte unser kleines Lächeln sehr glücklich, denn es verstand nun, wie wertvoll es doch war.

So verging etwas Zeit des Glücks und es zog weiter über das Land, der Tag wich beständig der Nacht und kehrte am Morgen wieder hoffnungsvoll zurück. Nach einiger Zeit begegnete es einem Mann, der recht finster schaute und das kleine Lächeln fragte ihn: "Was schaust du so finster?“ und er antwortete grimmig: "Heute ist ein Tag, an dem alles daneben geht. Auf der Arbeit lief rein gar nichts wie es sollte, ich habe meinen Kollegen beleidigt und am Ende mich gar noch mit meinem Chef gestritten. Aber damit nicht genug! Zu Hause wusste ich auch nichts besseres zu tun, als meine Frau in sinnlose Streitereien zu verwickeln.“ Da schaute das kleine Lächeln traurig und antwortete: "Hättest du dich nicht auf der Arbeit gestritten, dann hättest du dich auch vermutlich nicht mit deiner Frau gestritten und obwohl dich das nicht glücklich macht, hast du es dennoch getan?“ Der Fremde schaute das kleine Lächeln an und sein eben noch finsterer Blick wich einer Leere, die wenig Hoffnung und scheinbar nur Demut kannte. Er senkte den Kopf und erwiderte: "Ja, ich habe es getan und das obwohl ich wusste, dass es keinerlei Sinn ergibt. Ich weiß selbst nicht warum, denn nicht immer tun wir Menschen das, was eigentlich das Beste für uns ist! Doch so sehr ich auch wünschte, dass ich es nicht getan hätte, ich kann es leider nicht mehr ändern.“ Dies machte das Lächeln sehr traurig und es fühlte sich regelrecht winzig und ihm wurde ganz kalt. Es verstand nicht, warum es Menschen gab, die derart handelten, wenn es ihnen am Ende doch nur selbst schaden zufügt.

So ging das kleine Lächeln weiter und doch, etwas war anders als noch kurz zuvor. Es wusste nicht was anders war, es wusste nur, dass es so ist und es hoffte, es würde bald verstehen warum. So fragte es die Menschen die ihm entgegen kamen über die Begegnung mit dem grimmigen Mann und es hoffte darauf, dass es eine Antwort bekommen würde: "Kannst du mir sagen warum Menschen sich streiten?“, der Fremde schüttelte nur den Kopf und ging weiter. So wendete sich das Lächeln an den nächsten: "Kannst du mir sagen, warum Menschen sich streiten, wenn es sie doch nicht glücklich macht?“ und auch dieser Fremde ging weiter. So fragte das Lächeln noch viele weitere Menschen denen es an diesem Tag begegnete und doch, niemand wusste eine Antwort außer der, dass es eben so ist.

Am Abend erreichte das kleine Lächeln einen Gasthof. Es fühlte sich sehr müde und doch konnte es nicht von den Gedanken loslassen, welche es so sehr bewegte. Die Frage mit den sinnlosen Streitereien, es wollte eine Antwort auf diese finden und so betrat es den Schankraum und setzte sich freudlos in die äußerste Ecke, weit entfernt von den anderen Gästen. Es grübelte und starrte, ohne überhaupt etwas anzuschauen, in den Raum und so verging Minute um Minute und Stunde um Stunde. Langsam verließ ein Gast nach den anderen die Gaststätte und das zuvor noch mit Lärm und Fröhlichkeit gefüllte Lokal, leerte sich zusehend. Doch von alledem bekam unser kleines Lächeln nichts mit. Als nur noch es und der Wirt im Raum war, kam dieser auf es zu und fragte: "Hallo liebes Lächeln, jeder Gast ist bereits gegangen und nur du bist noch an diesem Ort, mir scheint, als würden dich deine Gedanken hier gefangen halten.“  

Langsam hob das kleine Lächeln den Kopf und schaute den Wirt an, nur mühsam gelang es ihm, diesen leicht anzulächeln. Doch es gab sich Mühe und sprach zu ihm: "Lieber Wirt, ja, ich suche eine Antwort und ich kann sie einfach nicht finden. Vor kurzem begegnete ich einen Mann, der sich zuerst auf der Arbeit gestritten hatte und danach auch noch zu Hause mit seiner Frau. Er wusste, dass ihn das nicht glücklich macht und doch tat er es und das ist es, was ich nicht verstehen kann.“ Der Wirt setzte sich vorsichtig zu den Lächeln und sprach sehr milde zu ihm: "Weißt du, ich habe hier täglich Gäste die lachen, andere die einfach nur schweigsam da sitzen und ihr Bier trinken. Oftmals auch welche, die sich über Politik, Glauben, Arbeit oder was auch immer ihnen als Grund in den Sinn kommen mag, streiten. Am liebsten sind mir die, die lachen, denn sie sind fröhlich und trinken viel und damit verdiene ich ja schließlich mein Geld. Auch die, die schweigsam am Tresen sitzen, sie lassen gutes Geld da. Nur die, die streiten, sie reden und reden und doch trinken sie nur wenig, somit lassen sie kaum Geld da und verbreiten dazu auch noch üble Laune. Doch würde ich sie rauswerfen, dann hätte ich bald nur noch die als Gäste, die schweigsam hier ihr Bier trinken. Mal sind Menschen wütend und unzufrieden und lassen dies andere merken, dass ist nicht richtig und ganz sicher auch nicht fair und doch passiert es. Ein anderes mal sind sie fröhlich und lachen viel, aber auch das ist etwas, was andere Menschen um sie herum mitbekommen und letztendlich ist dies genau so ansteckend, wie die schlechte Laune. Gefühle gehören zum Mensch sein dazu, mal ist es die Wut die uns bewegt, mal ist es die Freude und oftmals ist es die Liebe. Somit können die, die sich gestern noch stritten morgen schon wieder lachen und die, die heute lachen, sie streiten sich vielleicht morgen.“ Das kleine Lächeln schaute auf und wollte wissen: "Aber was ist mit denen, die schweigsam hier sitzen?“

"Oh, dass ist schwierig“, antwortete der Wirt und fuhr fort: "Wenn Menschen zu sehr über ihre Gefühle nachdenken, dann verlernen sie es immer mehr zu lachen, sie verlernen es immer mehr sich zu streiten und irgendwann sind sie so ruhig, dass es fast so erscheint, als würden sie kaum noch leben. Sie kommen mich hier besuchen, bestellen ihr Bier und grübeln. Ab und an versucht jemand mit ihnen zu reden und dennoch, oftmals geben sie es schon nach kurzer Zeit auf.“, der Wirt hob traurig den Kopf und lächelte gequält, "Wirklich schlimm ist es, dass sie dann plötzlich nicht mehr wiederkommen. Sie verschwinden, spurlos und ohne je wirklich aufgefallen zu sein. Man denkt noch kurz darüber nach und doch, es dauert nicht lange und sie sind vollends vergessen. Das Gesicht das man gestern noch kannte, es verblasst einfach Zusehens und so sehr man sich auch bemüht es zu erhalten, es ist einfach nichts da, was sie ausgemacht hat. Nichts da, was man sich hätte merken können.“

"Heißt das, wenn ich hier sitze und sitze, dann verlerne ich es immer mehr fröhlich zu sein, verlerne es ganz zu lächeln?“, der Wirt schüttelte den Kopf, "Nein, nur wenn du vergisst was dein Wert ist, liebes Lächeln, nur dann droht dir die Gefahr einer von ihnen zu werden.“ und das Lächeln begann zu verstehen, was der Wirt meinte. Es erhob sich, nicht mehr betrübt und begab sich wieder auf Wanderschaft. Viele Menschen begegnete es und die einen wirkten beschäftig, die anderen lachten, wieder andere weinten und alles erschien so normal, weil es nun besser verstand, warum es so ist. Dennoch, es fragte sich, warum lernten die Menschen es nicht, ihre Gefühle zu kontrollieren, war das denn nicht möglich? Dann können sie doch für immer glücklich sein. Der Gedanke lies unser kleines Lächeln nicht los und doch, es wusste, es selbst könnte diese Frage nicht beantworten und so begann es wieder zu fragen: "Hallo, kannst du deine Gefühle kontrollieren?“ und der bärtige Mann entgegnete: "Ja sicher, manchmal muss ich das. Ich will ja niemanden einfach so verletzen und deshalb unterdrücke ich dann dieses Gefühl.“ Gelingt das denn immer, wollte das Lächeln wissen. "Nun, immer sicher nicht, aber doch sehr häufig. Schwierig ist es nur, wenn mich starke Gefühle bewegen.“ Das leuchtete dem Lächeln ein und es bedanke sich.

Es verstand, Menschen müssen Gefühle haben, weil diese sie motivieren. Es verstand auch, dass Menschen nicht immer diese starken Gefühle kontrollieren konnten und deshalb auch häufig etwas tun, was sie gar nicht tun wollen. Also müssen sie es doch einfach nur lernen, diese Gefühle nicht so stark werden zu lassen, dieser Gedanke lies unser Lächeln nicht los und deshalb wendete es sich an eine alte Frau, die einfach nur auf einer Bank saß und mit geschlossenen Augen sich die Sonne ins faltige Gesicht schienen lies. "Hallo, kannst du mir sagen, ob Menschen starke Gefühle schwächen können?“, die Frau begann zu lachen, "Manchmal wünschte ich, ich hätte das in meinem langen Leben gekonnt. Denn dann wäre vieles sehr viel einfacher geworden, doch Gefühle kann man weder abschwächen, noch kann man sie unterdrücken. Man kann es nur lernen sie zu nutzen und in die Richtung zu lenken, in denen sie einen dienlich sind und auch das ist sehr schwierig. Als mein Mann noch lebte, liebte ich nichts mehr als mich mit ihn zu streiten, nicht bösartig, einfach nur über Kleinigkeiten. Er erzürnte sich manchmal, ab und an aber schaute er mich einfach nur an und lächelte. Oh, dass brachte mich auf die Palme und dann nahm er mich einfach in den Arm, drückte mich und ich fühlte mich nicht mehr zornig und seine Wärme spürte ich dann durch und durch. Er verstand mich nicht immer, aber er verzieh mir immer und oft konnte ich das nicht verstehen und ich fühlte mich schlecht, weil er soviel besser war als ich selbst. Das waren die Tage, wo ich ihn doch ein wenig hasste und ich verstand dieses Gefühl nicht, warum hasste ich ihn dafür, wo er mich doch so sehr liebte?“, mit Tränen in den Augen fuhr sie fort: "Er verstarb und ich war sauer auf ihn, weil er mich in Stich gelassen hat. Ich war traurig, weil er mich nie mehr in der Arm nehmen würde und ich fühlte mich sehr einsam. So einsam, wie sich nur jemand fühlen kann, der alles von Bedeutung verloren hat. Ich hätte ihn so gerne gesagt, dass ich ihn liebe, so gerne noch wissen lassen, dass mir die Streitereien mit ihm leid taten. Doch, ich konnte es nicht mehr und ich weinte und weinte. Ich wurde griesgrämig, maulte alle an und dachte den ganzen Tag an meinen lieben Mann und dem, was ich ihn früher antat. Ich schaute alte Fotos an und ich fand eines, aufgenommen an einen Tag, wo ich mich mit meiner Mutter gestritten hatte und ich Abends in seinem Arm lag und mich wohl fühlte. Es hatte damals gesagt, es ist nicht wichtig, ob man sich gestritten hat, es ist nur wichtig, dass man es verzeiht. Das war der Moment wo mir klar wurde, warum er mir immer verzieh, warum er mich immer wieder in seine Arme schloss und es wurde mir klar, dass ich nie wirklich verziehen habe. Ich habe diese Gefühle nur abklingen lassen, sozusagen vergessen und somit nie wirklich abgelegt. Ich hatte also nicht ihn verziehen, ich hatte nie meiner Mutter verziehen und vor allem, ich hatte nie mir selbst verziehen. So fing ich an ihn zu verzeihen, meiner Mutter und am Ende mir selbst und das war der Moment, wo ich aufhörte mich schlecht zu fühlen. Ich verstand meine Gefühle, ich verstand die der anderen und ich fühlte mich plötzlich sehr leicht, fast so, als wäre ein Stein der auf mir lastete verschwunden. Meine alte Unzufriedenheit verschwand und ich begann endlich, nach so vielen Jahren, positiver und freier zu fühlen. Ich lächelte wieder und ich begegnete den Menschen wesentlich freundlicher und dadurch fühlte ich mich viel besser, als es je vorher der Fall war.“, sie begann wieder zu weinen und doch, ein feines Lächeln umspielte ihre Lippen. "Weißt du liebes Lächeln, ich wünschte mir nichts mehr, als das ich nur einmal die Chance hätte meinen Mann zu sehen, ihn zu zeigen, dass ich es verstanden habe und zu was für einen Menschen mich das gemacht hat und doch weiß ich, dass mir die Erkenntnis zu spät gekommen ist. Jedoch wird mir dann klar, er wusste von Anfang an, dass dieser Mensch in mir ist und das er schon immer diesen Menschen geliebt hat. Doch es beschämt mich nicht mehr, vielmehr macht es mich glücklich, dass er mir soviel Liebe schenkte und mit diesem guten Gefühl, trage ich seine Liebe in mir.“ 

Dem kleinen Lächeln wurde sehr warm ums Herz, nun verstand es, was die Menschen antrieb. Es verstand die Gefühle. Es verstand Streit und Freude. Vor allem verstand es aber, dass es nicht so wichtig ist über Gefühle nachzudenken, sondern viel mehr, dass Menschen es verstehen, mit guten Gefühlen im eigenen Herzen anderen Menschen zu begegnen. Denn nur so lassen sich Gefühle konzentrieren und somit lenken, jemand der lacht, der wird nicht schnell streiten wollen und jemand der zornig ist, der wird es sicher tun. Denn glücklich oder unglücklich sein liegt in unsere Macht. Mit diesen Wissen machte es ich wieder auf den Rückweg, dorthin, wo es hingehörte.

Endlich war das kleine Lächeln wieder zu Hause, daheim. Da, wo es sein wollte und wo es sich immer sehr wohl fühlte. Es erstrahlte von neuem auf dem Gesicht, dass es immer so herrlich zu schmücken vermochte und es wusste, wenn immer es noch einmal verloren gehen würde, so würde es dennoch den Weg zurückfinden. Denn es verstand nun das helle Wesen des glücklich und das dunkle Wesen des unglücklich sein und mit diesem Wissen, konnte es immer helfen wieder das Glück zu finden. Es hoffte, dass es eines Tages ein großes Lächeln werden würde und auch niemals mehr seinen eingestandenem Platz verlassen müsse, denn dies war der einzige Wunsch von Bedeutung.



Für Aman

06:37, 13.06.2006. Von Thowe

Folgende Kurzgeschichte fand ich heute beim aufräumen auf meiner Festplatte wieder. Geschrieben habe ich sie vor einigen Jahren, für eine besondere Person, Aman, der so sehr diese Art von Geschichten mag. Hoffe, dass es ihn gut geht und das er immer wieder zu sich zurückfinden vermag. Die Geschichte ist nicht mehr ganz das ursprüngliche Original, aber jetzt dafür etwas "entrümpelt“ und sprachlich gesäubert und dennoch bleibt die Widmung:

Für Aman

Wohlan, so will ich euch die Geschichte des Propheten erzählen und wisse, wer gesehen werden will, der muss auch bereit sein in das Licht zu treten.

Und es begab sich, dass der dunkle Geselle seine Verzweiflung über das Land säte und die Menschen fortan in Angst lebten. Kein Licht vermochten sie zu sehen und keinen Schatten zu durchdringen. In ihrer Not schickten die Stadtobersten ihre treusten und besten Streiter aus, damit diese Antworten auf die Frage finden mögen, wie sie der Dunkelheit entgehen können. Doch waren diese Recken auch jene, die mit am verzweifelten waren, mussten sie doch die Sicherheit ihres eigenen Hauses verlassen.

Dennoch, sie zogen durch das Land und hörten nur die Stimmen des dunklen Gesellen und sie kannten keinen Weg, dieser Last zu entgehen. Am Abend kauerten sie sich zum Schutz zusammen und vermehrten ihre Ängste, so das sie keinen Schritt mehr gehen, keiner Gefahr mehr trotzen und am morgen heimkehren wollten. Als die Dunkelheit drohte sie völlig zu verschlingen, da kam ein junger und froh gelaunter Streiter des Weges und sprach zu ihnen: "Freunde, warum verkriecht ihr euch in dunkle Löcher, wenn eure Lieben euch doch zurückerwarten, in der Hoffnung, dass ihr die Stärke beweist Antworten zu finden um diesen dunklen Tagen zu trotzen?“, verwundert schauten sie ihn an, vermochten sie es doch nicht zu glauben, dass jemand der Verzweiflung zu trotzen vermag. So hoben sie den Kopf und fragten: "Herr, wie kommt es, dass ihr diesen dunklen Weg geht ohne das euch die Stimmen zu verführen vermögen?“ Schallendes Gelächter durchbrauch die Dunkelheit und erhellte diese, seine Antwort war da einfach und doch voller Weisheit. "Freunde, wie könnte ich verzweifeln, wo ich doch weiß, dass es Menschen wie meine Brüder und Schwestern gibt die mich lieben? Ist es nicht die Liebe zu ihnen die mein Herz erleuchtet?"

Da hoben sie ihre Köpfe und versuchten den Streiter zu sehen, jedoch konnten sie die Dunkelheit um sie herum nicht durchdringen und sein Gesicht blieb im Schatten verborgen. "Was sollen wir tun", fragten sie ihn, er reichte ihnen seine Hände, half ihnen auf und antwortete: "Aus der Richtung, aus der ich kam, da mündet dieser Weg in drei weitere Wege. Der eine ist am längsten und es vermag Jahre zu dauern, um ihn zu beschreiten. Der andere ist kurz aber auf diesem ist die Verzweiflung am größten. Der letzte Weg, dass ist der, der weder lang noch kurz ist und der auch nicht von großer Verzweiflung geprägt ist.“ Sie schauten ihn mit mehr Hoffnung in den Augen an und fragten ihn: "Welcher der drei Wege ist der, der weder lang noch von hoher Verzweiflung ist?“ Doch die Antwort des Fremden klang traurig: "Ich bin nur einen dieser Wege gegangen, so vermag ich nicht zu wissen, welcher der richtige Weg für euch ist, aber wisse, jeder dieser Wege führt auf einen Berg und dort wirst du einen Propheten finden und die Antworten, die du da brauchen magst."

Sie erhoben sich, streiften den Staub von ihren Rüstungen und gingen in die Richtung, aus der der Fremde gekommen war. Sie schauten sich noch einmal kurz um, um den Fremden zum Abschied zu winken, doch dieser war nicht mehr zu sehen. Nach wenigen Stunden erreichten sie die Weggabelung, doch sie vermochten es nicht einen der Wege zu wählen und verfielen wieder der Verzweiflung. Da setzten sie sich nieder und hofften auf Antworten, doch die Tage vergingen und der Grad der Verzweiflung stieg stetig. An einen der üblich grauen Morgen wurden sie von einer hellen Stimme geweckt. Ein kleines Mädchen war an ihren Rastplatz getreten und ihre glockenhelle Stimme durchbrach den tristen Morgen: "Warum sitzt ihr hier, wenn doch der Weg lang ist? Warum wählt ihr nicht einen und geht diesen? Ist es nicht egal, welcher von denen ans Ziel führt, wenn sie es da alle tun?“ Sie schauten die Kleine an und fragten ihrerseits: "Wir möchten aber nicht den längsten und auch nicht den kürzesten Weg wählen, sondern den, der weder zu lang noch voller Verzweiflung ist!“ Sie lachte kurz auf und ein Lächeln umspielte ihr bildhübsches Gesicht. "Ihr wollt nicht den Weg gehen, der die höchste Verzweiflung birgt und doch sitzt ihr hier und seid am verzweifeln. Ihr möchtet nicht den längsten Weg gehen und doch sitzt ihr hier und vergeudet eure Zeit. Keinen Weg zu wählen, dass ist immer der, der euch in die Dunkelheit stürzt.“

Sie ging und nach wenigen Schritten hatte der Nebel sie verschlungen und mit neuer Kraft erhoben sich die Recken und wählten den Weg, der in der Mitte lag. In der Hoffnung, dass dieser es ist, den sie sich ersehnten. Nach wenigen Schritten erreichten sie eine Anhöhe und auf dieser Stand ein kleiner, verwilderter Tempel. Sie öffneten das Tor und traten ein und sofort wich alle Verzweiflung von ihnen, mehr noch, auch alle Ängste waren fort. Da sahen sie den Propheten und sprachen zu ihm: "Weiser, was sollen wir tun, um unsere Verzweiflung zu besiegen?" Doch er antwortete ihnen nicht und so sprachen sie erneut: "Weiser, wie können wir unser Licht in die Dunkelheit tragen?", keine Antwort wurde ihnen gegeben und so sprachen sie ein drittes mal: "Weiser, warum antwortest du nicht?" und wiederum schwieg er. Da ließen sie sich nieder und begannen zu weinen, denn alle Hoffnungen waren verflogen und nur die Zweifel und ihre Wut blieben.

Wie als würde er von ihren Tränen geweckt werden, trat der Prophet vor ihnen und sprach: "So habt ihr euch selbst die Antwort gegeben. Ihr kamt mit Hoffnung im Herzen zu mir, dafür gab ich euch die Verzweiflung und ihr habt sie angenommen.“ Sie blickten ihn verständnislos an und er lies sich zu ihnen nieder: "Hört meine Freunde, denn ich will es euch erklären. Ihr sucht bei mir Hoffnung, doch die Hoffnung tragt ihr nur im eigenen Herzen und genau dort, wo die Hoffnung ist, dort ist auch die Verzweiflung. Egal was ich euch sagen werde, sei es Wahrheit oder sei es Lüge, ihr werdet immer Zweifel haben und doch gibt es genau dort die Antwort die ihr braucht. Ihr versteht es euch Liebe und somit die Helligkeit ins Herz zu setzen und ihr versteht es euch den Hass und somit die Dunkelheit dort einzupflanzen. So ist es auch mit der Hoffnung und der Verzweiflung, nehme das eine und ersetze es durch das andere. Wenn du glücklich bist, dann verstehe es zu verzweifeln und wenn du verzweifelt bist, dann verstehe es zu hoffen um wieder glücklich sein zu können. Für jeden Tag, wo du dies zu tun vermagst, wirst du einen Schritt weitergehen und irgendwann in der Mitte des Weges zu verstehen wissen, beides zu ertragen."

Dann erhob er sich und trat zurück und sie blickten auf und fragten: "Weiser, wirst du uns in Zukunft antworten?“ Er schaute sie an und sprach: "Freunde, ich werde immer dann antworten, wenn euch die Verzweiflung zu verschlingen droht. Doch ich werde nicht immer antworten können, denn es sind derer viele die zu mir pilgern.“ In diesem Moment wurde ihnen klar, dass er auch der Streiter und auch das kleine Mädchen war und so fragten sie ihn, warum er das tat. "Freunde, hätte ich auch als Streiter zu mir getragen, so hättet ihr den Weg nicht zurück gefunden und auch niemals wieder hierher. Hätte ich euch als kleines Mädchen die Antwort auf den Weg gegeben, so wäret ihr schon abhängig von mir. Ich will euch gerne eine Raststätte bieten, doch möchte ich auch weder gefangen setzen noch möchte ich euch abhängig von mir machen".

So verließen sie ihn, drehten sich am Fuß der Anhöhe noch einmal um und dort, wo der Prophet zuletzt stand, da stand ein kleines, lachendes Mädchen und ihnen wurde klar, dass auch sie bereits die Antwort gegeben hatte.